FESTTAGE

Der Osterhase in Uri

  

 

 

 

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Kaum sind die letzten Klänge der Katzenmusik jeweils verklungen, feiert er seinen unübersehbaren Auftritt. In den Schaufenstern der Konditoreien, in den Regalen der Lebensmittelgeschäfte ist er nun zahlreich vorhanden, klassisch als Lepus europaeus, mobil im Auto oder auf dem Motorrad, sportlich als Fussballer: der Osterhase! Während die Ostereier und das damit verbundene Brauchtum in Uri schon länger bekannt sind, dürfte der Osterhase Anfang des 20. Jahrhunderts hierzulande Einzug gehalten haben.

Ostern bestimmt sich nach dem Lauf des Mondes. Das Konzil von Nicäa legte 325 den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Ostertermin fest. Das Osterfest kann demnach auf eine Zeitspanne zwischen dem 22. März und dem 25. April fallen. Letzteres wird übrigens frühestens im Jahre 2038 wiederum der Fall sein; Ersteres hat in den Jahren 1761 und 1818 stattgefunden. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauss (1777-1855) hat in seiner grossen mathematischen Forschungsarbeit auch eine komplizierte Formel für die Osterberechnung erstellt. Früher wurden der Ostertermin und die Daten der beweglichen Feste nach dem Evangelium am Dreikönigstag in der Kirche verkündet. Heute weiss das Datum die Agenda, zudem noch mehrsprachig: Pâques, Pasqua, Easter!
    


Karfreitagsraffel im Historischen Museum Uri.
    

Der Karfreitag wird 1936 zum Feiertag

Ostern ist im Christentum das Fest der Auferstehung Christi. Die Karwoche, die Leidenswoche Christi zwischen Palmsonntag und Ostern, hat ihren Namen vom Mittelhochdeutschen "chara", was "Wehklage, Trauer" bedeutet. Am Karfreitag wird des Todes Christi gedacht. Charakteristisch für den Karfreitag waren und sind in einzelnen Urner Gemeinden die Rätschen oder Raffeln. Diese hölzernen Geräte erzeugen laute Geräusche und ersetzen ab dem "Gloria" der Messe am Gründonnerstag und Karfreitag die Schellen der Messdiener und ausserhalb des Gottesdienstes die Glocken der Kirche.

Bei den evangelischen Christen gilt der Karfreitag als besonderer Festtag, weil nach reformatorischer Lehre der Tod Jesu eigentliche Voraussetzung der Erlösung ist.

In den meisten katholischen Kantonen galt der Karfreitag - wie heute noch im Tessin - als Werktag. Im März 1935 wurde von Landrat Carl Gisler, Altdorf, und sieben Mitunterzeichnern eine Motion eingereicht, welche die Regierung aufforderte, den "Charfreitag" als staatlichen Ruhetag zu erklären. Ein knappes Jahr später, am 19. Februar 1936, wurde über die Motion im Landrat verhandelt. Das Priesterkapitel Uri konnte sich mit der Einführung des Karfreitages als staatlichen Ruhetag "nicht recht begeistern". Dem Karfreitag komme nach katholischer Auffassung der Charakter eines Trauertages zu und nicht jener eines Fest- oder Feiertages. Zudem sei zu befürchten, dass der Feiertag zu einem Bummeltag ausarte, vor allem auch deshalb weil die Osterfeiertage in unmittelbarer Nähe seien. Das katholische Volk besuche am Vormittag den Gottesdienst, während dem die Arbeit ruhe. Danach könne jeder nach seinem religiösen Bedürfnis weitere Kirchenbesuche machen oder Arbeiten verrichten. Seit alters her sei der Karfreitag in Uri auf diese Weise als Halbfeiertag begangen worden. Soweit die Meinung des Priesterkapitels!

Der protestantische Kirchenrat stand dem Begehren hingegen positiv gegenüber. Er ging in seiner Argumentation von der Erfahrung aus, dass Mitglieder seiner Kirchgemeinde in ihren religiösen Gefühlen verletzt worden seien, wenn am Karfreitag vor ihren Augen landwirtschaftliche Arbeiten oder andere unfestliche Geschäfte verrichtet wurden. Es werde jedoch mit Genugtuung anerkannt, dass in dieser Hinsicht eine Besserung eingetreten sei und im allgemeinen mehr Rücksicht genommen werde als früher. Entgegen dem Antrag des Regierungsrates stimmte der Landrat mit 27 zu 18 Stimmen der Einführung des Karfreitages als staatlicher Ruhetag zu.


Osterei mit Liebesbotschaft (Historisches Museum Uri).
    

Ostereier - Symbol der Auferstehung

Für die Christen wurde das Ei schon früh zum Symbol der Auferstehung Christi und der Auferstehungshoffnung der Menschen. Die christlichen Ostereier symbolisierten das neue Leben, das die - wie tot aussehende - Eierschale immer wieder durchbricht, wie Jesus Christus Tod und Grab überwand.

Das Schenken von Eiern zu Ostern lässt sich schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in der Ostkirche nachweisen. Sie waren ursprünglich rot und verwiesen durch ihre Farbe auf den lebendigen, auferstandenen Christus und das durch ihn vergossene Blut. Im Westen begann das Bemalen von Ostereiern im 12./13. Jahrhundert. Neben den roten Eiern traten bald die verschiedensten Farben auf. Die Eier blieben zudem nicht einfarbig, sondern wurden verziert, ausgekratzt, beschrieben, beklebt oder bemalt. Im 17./18. Jahrhundert kamen zudem Eier in Mode, die einen Osterglückwunsch oder Sinnspruch enthielten. In ein ausgeblasenes Ei wurde längsachsig ein Holzstäbchen durchgesteckt, um das ein beschriebener Papierstreifen gewickelt war, den man herausziehen konnte.
     

Das "Äijergaggä" der "Äijerbuäbä"

In einigen Urner Gemeinden hat sich bis ins 20. Jahhrundert der alte Brauch erhalten, dass die jungen Burschen am Ostermontag in die Häuser der Mädchen Ostereier heischen gingen. Ihre Beute war gewöhnlich recht reichlich. An einem der folgenden Sonntage vereinigten sich Burschen und Mädchen alsdann zu einem gemeinsamem Mahl, welchem - trotz Sonntagstanzverbot - ein Tanzvergnügen, der sogenannte Eiertanz, folgte. Eier heischten auch die Nachtbuben, allerdings als Einzelgänger. Der Nachtbube verstellte seine Stimme und bettelte vor dem Fenster um Eier. Als Brauchtum erhalten hat sich bis heute das "Äijertitschä".

Den am Karfreitag gelegten Eiern wird in Teilen der Urner Bevölkerung besondere Eigenschaften zugemessen. So sollen Karfreitagseier nicht verderben, sondern höchstens eintrocknen. In Haus und Stall deponiert schützen sie im Volksglauben durchs Jahr vor Krankheiten und Seuchen und ziehen das Fieber an. 

Die Eierbräuche an Ostern waren auch eine logische Folge der katholischen Fastenordnung, welche die Eier zu den Fleischspeisen rechnete und den Genuss der Eier während der Fastenzeit verbot. In den Wochen vor Ostern, die als gute Legzeiten der Hühner gelten, sammelte sich somit eine grosse Menge von Eiern an. Das Brauchtum an Ostern sorgte für den schnellen Absatz.
   

Die evangelische Ablehnung 
der "katholischen" Eier  

Auf evangelischer Seite waren die Ostereier dagegen Ausdruck einer falschen Werktätigkeit. Nach reformatorischer Sicht wurde man vor Gott nicht durch verdienstliche Werke, und sei es auch durch das Fasten, sondern allein wegen seines Glaubens gerecht. Die evangelische Ablehnung der "katholischen" Ostereier liess die Popularität bei der reformierten Bevölkerung nicht mindern.

Im 19. Jahrhundert büsste der Eierbrauch als religiöses Symbol und kultisches Attribut ein. Dagegen entwickelte er sich zu einem Teil einer familiären und zugleich säkularen österlichen Festinszenierung. Die Ostereier wurden von den Eltern versteckt und den Kindern gesucht.
   

Der Osterhase - Unglück im Backofen ?  

Als Täter der versteckten Ostereier wird der Osterhase vorgeschoben. Um 1800 begann er seinen Siegeszug. Er schwang sich in der Folge zum Symboltier für Ostern empor und war in den 1930-Jahren im schweizerdeutschen Raum flächendeckend bekannt. Da der Hase nun aber keine Eier legt, steht es um die Erklärung der österlichen Popularität von Meister Langohr nicht einfach. In der volkskundlichen Forschung werden verschiedene Erklärungen angeboten. Die eine Theorie vermutet, dass der Osterhase als Unglück im Backofen geboren wurde, indem sich ein misslunges Ostergebäck, welches eigentlich ein Osterlamm darstellen sollte, in der Hitze so verformte, dass es schliesslich mehr einem Hasen ähnelte.

Der Osterhase tritt - wie früher der heilige St. Nikolaus - heimlich und unerkannt auf. Auch den Osterhasen trifft man nie an; eventuell hat man ihn gerade um die Ecke huschen sehen.

Gepflegt wir in Uri auch noch das Brauchtum des Osterfeuers, das in der Osternacht im Freien entzündet wird. Einen Hinweis auf diesen Brauch gibt auch die Urner Sage. Der weise Jäger, welcher auf der Jagd Glück haben und keinem Unheil begegnen wollte, mischte ins Schiesspulver etwas Gesegnetes, wenn möglich Osterkohlen.