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Oh Tannenbaum ... |
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Eine Hauptrolle in der
Weihnachtszeit hat heute der Christbaum inne. Die geistervolle Zeit der
Zwölf Nächte hat zu diesem Brauchtum auch ihren Beitrag geleistet.
Die Verwendung von Bäumen und Ästen war seit Urzeiten Bestandteil des
Festes. In allen Kulturen und Religionen symbolisiert der Baum das
Leben. Das Grün ist der Garant der Hoffnung, dass die Natur wieder
erwacht. Die Lebenskraft der immergrünen Pflanzen sollte zusammen mit
dem Licht die Dämonen verscheuchen und die guten Geister anlocken. Im
Mittelalter schmückte man deshalb Häuser und Kirche von Advent bis
Lichtmess, am 2. Februar, mit grünen Zweigen und immergrünen Girlanden.
Der Grossteil der
Bevölkerung konnte bis in die Neuzeit nicht schreiben und lesen. Die
biblische Geschichte kam deshalb in Bildern wie auf den
Fastentüchern
oder in Krippenspielen zur
Darstellung. Beim Krippenspiel stand in der Kirche ein immergrüner Baum
als "Paradiesbaum", von dem an der dramaturgisch bestimmten Stelle der
rote Apfel gepflückt wurde. Mit den Jahren wurde der Paradiesbaum immer
schmucker, die roten Äpfel wurden mit Silber- oder Goldpapier
eingewickelt. Vergoldete Nüsse, Süssigkeiten und Festgebäck machten die
"paradiesische" Funktion des Baumes für die Gläubigen deutlich. Am Ende
der Weihnachtszeit, am 6. Januar, durfte der Paradies- beziehungsweise
Christ- oder Weihnachtsbaum geplündert, das heisst die Früchte geerntet
werden.
Der alte Christbaumschmuck
verdeutlichte den Zusammenhang von Weihnachten und Ostern, Krippe und
Kreuz: Die roten Äpfel und Schleifen versinnbildlichten das Blut, das
der Neugeborene vergossen hatte, um die Menschen zu erlösen.
Konfessionelles Gegensymbol zur Krippe
Im 16./17. Jahrhundert
tauchte der Paradiesbaum auch ausserhalb der Kirche auf, vor allem bei
Gemeinschaftsfeiern von Zünften und Bruderschaften. Als Zunftbrauch ist
das Schütteln von eigentlichen Geschenkbäumen, die auf den Zunftstuben
ausgestellt waren, seit dem ausgehenden Mittelalter bezeugt. Aus Bern
berichten Akten von 1570 vom "Dattelbaum schütteln", das anfangs Januar
auf den Zunftstuben von den Knaben der Zünfter besorgt wurde. Der
„Paradiesbaum“ löste sich vom Krippenspiel und wurde zum Symbol der
Advents- und Weihnachtszeit. Als Weihnachts- und Christbaum hielt der
Brauch sodann Einzug in den Privatbereich, zuerst in Deutschland, in
adligen und wohlhabenden, evangelischen Familien. Er wurde zum
konfessionellen Gegensymbol zur Weihnachtskrippe. Im 18. Jahrhundert,
als die Weihnachtsfeiern zunehmend zu Familienfesten wurden, fand der
Christbaum auch Aufnahme bei einfacheren evangelischen Familien. Aus den
in Silber- und Goldpapier eingehüllten Früchten entwickelten sich die
Christbaumkugeln. Mit der Verlagerung der Weihnachtsfeier in den
privaten Bereich tauchten am Baum auch Kerzen auf. Die Christbaumkerzen
nahmen die weihnächtliche Lichtsymbolik auf. Jesus Christus hatte sich
als das Licht der Welt bezeichnet und brachte mit seiner Geburt Licht in
unsere Welt! Die Volkstümlichkeit der Lichterpracht wurde erst durch
eine technische Errungenschaft ermöglicht: die Erfindung der
Kunstwachskerzen aus Stearin! Die bisher verwendeten Bienenwachskerzen
konnten sich breite Bevölkerungsschichten nämlich nicht leisten.
Von der Stadt aufs Land
Im Laufe des 19.
Jahrhunderts kam der Christbaum auch in die Wohnzimmer katholischer
Familien. Er wurde nun zunehmend zum Gabenbaum. An ihm hängten
Spielsachen für die Kinder. Die Geschenke wanderten in der Folge jedoch
in Geschenkverpackungen und wurden auf dem Boden rund um den Baum
deponiert. An den Ästen verblieb Miniatur-Spielzeug als
Christbaumschmuck. Weitere ästhetisierende Elemente nahmen auf dem
Christbaum Platz: Lametta (Engelshaar), Christbaumkugeln aus Glas,
Metall und Kunststoff, die als Ersatz der ehemaligen Paradiesäpfel
dienten. Hierzu brauchte es wiederum Erfindergeist: Christbaumkugeln aus
Glas wurden möglich, als es Justus von Liebig 1870 in Morgenstern bei
Gablonz gelang, Glaskörper von innen zu versilbern.
In der Schweiz wurde der
Weihnachtsbaum erst im 19. Jahrhundert eigentlich volkstümlich. Der
erste mit Weihnachtslichtern geschmückte Baum ist in der Stadt Zürich
für das Jahr 1775 belegt. Damals brachte ihn der
Samichlaus
als Chlausbaum am 6. Dezember. Erst im 19. Jahrhundert drang der Brauch
von den Städten aufs Land vor. Besonders die katholischen Gebiete
übernahmen ihn nur zögernd.
Gemäss dem Atlas der
schweizerischen Volkskunde war der Weihnachts- oder Christbaum vor 1900
bereits in Altdorf und im mittleren Reusstal allgemein. Der Christbaum
hielt dann ab den 1920er-Jahren auch in den restlichen Urner Gemeinden
vermehrt Einzug. Der Weihnachtsschmuck war in den hiesigen Geschäften
oder durch Versandhäuser, welche in den Urner Zeitungen inserierten,
erhältlich. Christbäumchen konnten vom Bürgerrat Altdorf bei der
Turnhalle im Winkel bezogen werden. Per Inserat wurde darauf aufmerksam
gemacht, dass das eigenmächtige Wegnehmen von Christbäumchen im Walde
verboten sei und bestraft werde. Trotz diesen Angeboten stand noch lange
nicht in jeder Urner Stube ein Christbaum.
Ein Christbaum besonderer Art beleuchtet 1935 über die Weihnachtszeit
den nächtlichen Kirchplatz von Altdorf. Das Elektrizitätswerk Altdorf
liess einen grossen Tannenbaum mit elektrischen Kerzen erstrahlen. Damit
begann der erste Schritt zu einem weihnächtlichen Lichtermeer, welches
sich vor allem im letzten Jahrzehnt sowohl räumlich als auch
hinsichtlich der Sujetwahl immer mehr ausweitete.
Im Kanton Uri werden zwar gezielt Weihnachtsbäume angepflanzt. Es
bestehen aber keine eigentliche Plantagen. Vor allem im „Balanggenwald“
in Attinghausen werden Weihnachtsbäume gepflanzt. Aufgrund der
Hochspannungsleitungen in diesen Gebieten müssen die Waldbestände auf
einem niedrigen Niveau gehalten werden. Die Tannen werden somit kaum
grösser als 3 Meter. Jährlich werden rund 500 einheimische Bäume gefällt
und meist privaten Stammkunden verkauft. Den Rest bezieht man aus
Jungwaldbeständen aus den Urner Wäldern. Meistens verkaufen auch die
Korporationsbürgergemeinen Weihnachtsbäume aus ihren Beständen.
Der einheimische Bedarf kann damit aber nicht gedeckt werden. Die
Nachfrage liegt aber um ein Vielfaches höher. In vielen Urner Stuben
stehen deshalb dänische Nordmanntannnen, immer mehr auch Plastikbäume.
Christbaumfeiern – Bescherung und Unterhaltung
Grosse Tradition hatten
seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts in Uri die Christbaumfeiern,
welche von den verschiedensten Vereinen durchgeführt wurden und
vorwiegend am Stephanstag stattfanden. Im Zentrum von Vereinigungen mit
einem karitativen Zweck wie Mütter- oder Krankenunterstützungsvereine
stand die Kinderbescherung. Man wollte den Kindern ärmerer Familien,
welche Zuhause aus finanziellen Gründen keine Möglichkeit für einen
Christbaum und Geschenke hatten, an Weihnachten eine Freude bereiten.
An den Christbaumfeiern
trugen die Kinder Lieder und Gedichte vor. Oft wurde auch ein
Krippenspiel vorgetragen. Anschliessend folgte die Bescherung, welche
hauptsächlich in warmen Kleidern für den Winter bestand. Solche
Christbaumfeiern wurden auch von privater Seite organisiert. So sammelte
der Wirt des Hotels Klausen (heute Hotel Alpina) in Unterschächen seit
1893 im Sommer unter den Kurgästen Geld für die Weihnachtsbescherung.
Doch, allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann, denn
der Zeitungsbericht im Jahre 1900 schloss mit den Worten: "… und mögen
auch andere bei diesem Anlasse gerügte Vorkommnisse unterbleiben, welche
darauf hin zu zielen scheinen, das schöne Werk des Christbaumes zum
Nachtheil der Armen zu vernichten." Auch im Hotel Tell auf dem
Urnerboden wurden die Kinder von Wohltätern und Gönnern beschenkt und
erhielten nebst allerhand Kleidungsstücken Wurst und Brot.
Daneben waren die Christbaumfeiern auch willkommene Unterhaltung in den dunklen und eintönigen Wintertagen. Es wurden theatralische und musikalische Produktionen gegeben. Die erste Christbaumfeier der Musikgesellschaft Schattdorf im Jahre 1900 zählte 13 Nummern, und enthielt nebst Gesangs- und Musikvorträgen auch zwei so genannt komische Stücke. Der katholische Gesellenverein Altdorf spielte den "Stiefelputzer im Verhör" und der Isenthaler Kirchenchor strapazierte die Lachmuskeln mit dem humoristischen Couplet "Zwei alte Jungfern". Die Weihnachtszeit war von der geister- zur freudenvollen Zeit geworden! |
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Letzte Aktualisierung: 16.3.2010 / Phideau & Fidospan> |
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