FESTTAGE

... dèrf scho einisch Chilbi syy

AUGUST

3. Sonntag

Brüsti

Sonntag nach Muttergottestag
(15. August)

Hospental
Schattdorf
Klausenkilbi

2. Sonntag nach Maria Himmelfahrt (15. August)
Bürglen

SEPTEMBER

1. Sonntag

Seedorf 
Urnerboden (Verena-Kilbi)

2. Sonntag

Realp

4. Sonntag

Attinghausen
Göschenen

Letzter Sonntag

Amsteg
Bristen
Flüelen

Sonntag nach St. Michael 
(29. September)

Seelisberg  

OKTOBER

1. Sonntag

Göscheneralp
Spiringen 
Unterschächen Dorf

2. Sonntag 

Sennenchilbi, Bürglen
Silenen
Sisikon
Meien

Sonntag nach Gallus 
(16. Oktober)

Wassen
   

3. Sonntag

Biel
Isenthal
Erstfeld
Silenen Dörfli
Getschwiler-Kilbi (Urigner-Kilbi)
   

Sonntag nach St. Ursula 
(21. Oktober)

Andermatt
   

4. Sonntag

Bauen
Gurtnellen Station
Unterschächen Schwanden
    

NOVEMBER


11. November 
oder folgender Sonntag

Altdorf St. Martin

Gurtnellen Dorf
 

 

 

Festkalender Feiertage Samichlaus Weihnachten Drei Könige Fasnacht Ostern Pfingsten Fronleichnam Nationalfeiertag Dorfchilbi Sennenchilbi Diverse
  

Die Herbstzeit ist traditionelle Chilbizeit. Die meisten dieser Feiern gehen auf die jährliche Erinnerungsfeier der Kirchweihe zurück. Im Laufe der Zeit ist die Chilbi jedoch zum Synonym jeglicher Art von Volksfesten geworden. Früher nahm die Chilbi im Urner Festkalender eine zentrale Stellung ein. Ihre Attraktivität wurde denn auch in mehreren Urner Volksliedern besungen. Das Urner Volkslied "Mäitäli, wenn dü witt ga tanzä" brachte es auf den Nenner: "Sunntig isch scho mängisch gsyy, und uf dryymal hundert Wärchtig darf scho äinisch Chilbi syy!" Das immer grössere Unterhaltungsangebot brachte die zentrale Stellung der Chilbi in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ins Wanken.  

Bei den Chilbenen lassen sich grundsätzlich drei Kategorien unterscheiden. Ursprünglicher Hauptgrund der Urner Chilbi ist das Jahresgedächtnis der Weihe von Kirchen und Kapellen. Durch die Weihe wurde die Kirche der weltlichen Zweckbestimmung entzogen und für den Gottesdienst bestimmt. Der Brauch, dieses Jahresgedächtnis festlich zu begehen, ist Ende des 4. Jahrhunderts erstmals in Jerusalem nachweisbar. Im Westen sind Kirchweihfeste seit dem 5. Jahrhundert bezeugt und sie wurden früh mit Volksbräuchen angereichert. Die Kirchweihe entwickelte sich seit dem Mittelalter zum wichtigsten bäuerlichen Jahresfest.

Die Feiertagsreduktionen dekretierten in gewissen Regionen ein einheitliches Datum für die Feier der Chilbi in einem bestimmten Territorium, wogegen sich allerdings viel Volkswiderstand regte. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) gilt, dass jede Kirche ihre Kilbi am Jahrestag ihrer Weihe, sofern dieser bekannt ist, als Hochfest feiert. Ein gemeinsames Jahresgedächtnis der Kirchweihen gibt es nur noch in jenen Kirchen, die ihren Weihetag nicht kennen.
   

Von Mitte August bis zum Sonntag nach Martini

In Uri beginnt die Zeit der Kirchweihfeste am ersten Sonntag nach Mariä Himmelfahrt (15. August), wo das Fest der Kirchweihe in Hospental und in Schattdorf gefeiert wird sowie die Klausenchilbi stattfindet. Ein quantitativer Höhepunkt wird Ende September erreicht. Sofern der Kalender es will und den Herbstmonat mit vier Sonntagen beschert, werden am vierten beziehungsweise letzten Sonntag im September die Kirchweihen in Amsteg, Attinghausen, Bristen, Flüelen und Göschenen gefeiert. Der Vergleich zu den Daten der Kirchweihen des 20 Jahrhunderts: In Flüelen vollzog Bischof Georgius Schmid von Grüneck die feierliche Konsekration am 6. August 1912, in Göschenen am 16. September 1900 und in Bristen am 29. September 1913. Resultat: Lediglich in Bristen wird die Chilbi ihrem Ursprungsdatum gerecht! Die letzte Chilbi vor der nahenden Adventszeit ist die Altdorfer und Gurtneller Chilbi an Martini beziehungsweise am Sonntag nach dem 11. November. Diese beiden Orte beinhalteten nicht immer den Abschluss der Chilbifestlichkeiten. Als in Flüelen die Alte Kirche noch als Gotteshaus diente, wurde die Flüeler Chilbi Mitte November abgehalten und fiel meistens mit der Altdorfer Chilbi zusammen. Dieses Datum entsprach tatsächlich dem Gedächtnis der Kirchweihe, welche am 16. November 1664 stattgefunden hatte. Die Chilbi führte die Verwandtschaft zusammen, deshalb war der Chilbi- oder Nachtag oft und vielerorts auch Totengedenktag.
     

Die Chilbi ein gutes Geschäft für die Wirte

Dass bei der Datumswahl der Kirchweihe auch wirtschaftliche und vor allem gastwirtschaftliche Interessen mitwirkten, zeigt sich am Beispiel der Altdorfer Chilbi. Im Spätmittelalter wurde die Altdorfer Kirchweihe um den Tag des Heiligen Kreuzes (14. September) gefeiert. In der Folge kam die Altdorfer Kirchweihe um den Martinstag, 11. November, dem Namenstag des Kirchenpatrons zu liegen und traf meistens mit der Flüeler Chilbi zusammen. Anfangs 1912 beschloss der Urner Landrat, die krichlichen Feiertage zu reduzieren. Nebst fünf anderen Kirchenfesten wurde auch der Martinstag als staatlicher Feiertag aufgehoben. In der Folge beschloss die Gemeindeversammlung Altdorf, den Kilbitag vom 11. November auf den zweiten Sonntag im Oktober zu verschieben. Ein ungünstigeres Datum hätte man aus gastwirtschaftlicher Sicht aber wahrlich nicht finden können! Nun fand die Altdorfer Chilbi am gleichen Tag wie die Bürgler Sennenchilbi statt und gehörte inskünftig zu den "stilleren" Chilbenen im Lande. Nach knapp zwei Jahrzehnten konnten die Altdorfer Wirte sich mit dem Datum endgültig nicht mehr befreunden und reichten eine Initiative um Rückverlegung auf den Sonntag nach Martini ein. Die Gemeindeversammlung stimmte 1930 dem Begehren zu. Vorgängig der Martini-Chilbi 1930 meldeten sich die Altdorfer Wirte per Zeitungsinserat zu Wort und versprachen, dass die Altdorfer Chilbi wieder die schönste im Land werde, "weil die Wirtevereinigung von Altdorf es sich zur Ehre anrechnet, den verehrten Gästen von Nah und Fern in musikalischer wie in kulinarischer Beziehung nur das Beste vom Besten zu bieten."

Die Bürgler Sennenchilbi am Sonntag vor St. Gallustag steht in keinem Zusammenhang mit der Kirchweihe. Sie ist zwar auch religiösen Ursprungs, hat jedoch den Charakter eines Erntedankfestes. Gedankt wird für die gesunde Heimkehr von Mensch und Vieh von der Alp und für den reichen Ertrag an Käse und Butter. Träger dieses Anlasses ist die im Jahre 1593 gegründete Sennenbruderschaft. Die Sennenchilbi unterscheidet sich denn auch von den anderen Kirchweihfesten durch einen besonderen Ablauf.
    

Kulinarische Chilbispezialitäten

Das Fest der Kirchweihe begann mit dem Gottesdienst. Die Bevölkerung kleidete sich festlich. Nicht nur "d Silener Büäbä" putzten sich heraus und kamen daher - gemäss gleichnamigem Volkslied - "grad wenn ä jedwedänä ä Landammä wäär." Der in den Volksliedern ebenfalls besungene Landammann ging am Chilbisonntag vom Weibel begleitet zur Kirche. Die Chilbigänger waren mit der "Chilbi-Chyydä" geschmückt, einem Rosmarin-Zweig mit farbigen kleinen Maschen.
      


1927 verkaufte die Nächstenliebe Altdorf die traditionellen "Chilbi-Chyydä" zugunsten der Hochwassergeschädigten in der Ostschweiz und im Tessin. Es kam ein Ertrag von 490 Franken zusammen.
   

An das Fest der Kirchweihe schloss sich der weltliche Teil der Kilbi an. Dieser bestand vor allem einmal im Genuss von Chilbi-Spezialitäten und reichlicher Tranksame. Das traditionelle Urner Chilbi-Menu besteht aus "Chaabis und Schaffleisch". Früher standen jedoch auch Hasen-Pfeffer und Zuger Rötel auf der Speisekarte. So wurden im Jahre 1909 anlässlich der Flüeler Chilbi in den Gaststätten angeblich 2000 Stück Zuger Rötel serviert. Zum Schwarzen gab und gibt es Krapfen und Urner Pastete. Josef Zurfluh, seines Zeichens Dichter Uli am See, hat der Pastete und ihrer Herstellung im Jahre 1878 ein Gedicht gewidmet. Er zählt dabei auch die Zutaten einer damals gebräuchlichen Pasteten-Füllung auf: Frischer Zieger, Nüsse, Weinbeeren und Kastanien!


Das Riesenrad an der Flüeler Chilbi 2007.
      

Kein Chilbitanz am Sonntag

Das spätnachmittägliche und abendliche Vergnügen wäre eigentlich im Volkslied besungenen Chilbitanz bestanden: "Zoogä-n am Boogä dr Landammä tanzet!" Doch das strenge Sonntagsgesetz untersagte das Tanzvergnügen auch am Chilbisonntag. Die bekannten Tanzinitiativen von 1909 und 1910 wollten hier eigentlich Abhilfe schaffen, doch das Urner Volk liess sich von der Geistlichkeit und der Katholisch-Konservativen Partei überzeugen, dass das Tanzvergnügen am Tag des Herrn eine Sünde sei. So hatten denn "d Silener Buäbä" und die restlichen Tanzfreudigen "ds Tanzä und das Liäbälä" also nicht nur wegen des mangelnden Geldes, sondern vor allem wegen der von der Geistlichkeit und ihrer hörigen Behörden am Chilbisonntag ruhen zu lassen. Die Abneigung der Geistlichkeit zum Tanzvergnügen wird denn auch in den Urner Volksliedern besungen. Im "Zoogä- am Boogä" wird geraten: "Und wenn s dr Pfarrer nit will lyydä, so gänd em än alti Kafemiili z tryybä¨." Nach der Ablehung der zweiten Tanzinitiative im Jahre 1910 erhielt das Urner Tanzlied "Rooti Chriäsäli" gar eine zusätzliche Strophe: "Wenn yserä Pfarrer äu ä Schatz derft ha, so wurd är scho äü fryyner. Und bi jeedem Chilbitanz wurd em de d Täibi chlyyner." Das Tanzbein wurde deshalb an der sogenannten Nachchilbi, am Chilbimontag, umso freudiger geschwungen. Die Tanzbestimmungen des Sonntagsgesetzes wurden schliesslich erst durch das Tanzgesetz von 1947 revidiert. Das neue Gesetz wurde äusserst knapp mit 2246 Ja gegen 2015 Nein angenommen. Nun war das Tanzen am Chilbi-Sonntag sowie anlässlich von "zentralschweizerischen und kantonalen Volksfesten" erlaubt. Die Macht der Tradition liess den Chilbimontag jedoch bis heute bestehen.

Bei der Chilbi ging es oftmals auch so "rüüch" zu und her, dass sich der Urner Landrat anfangs des 19. Jahrhunderts mehrmals veranlasst sah, um Streit und "unangenehme Auftritte" zu verhüten, das Wirten an der Chilbi auf dem Urnerboden "des Gänzlichen" zu verbieten.

Tradition hatte an der Chilbi in verschiedenen Gemeinden auch das Chilbischiessen, zu welchem eine Schützengesellschaft der Nachbargemeinden eingeladen wurde oder per Inserat und lockendem Gabentempel öffentlich aufgerufen wurde.
    

Chäppeli- und Gässli-Chilbenen

Der weltliche Teil der Chilbi hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr verselbstständigt und der Begriff der Chilbi musste für alle möglichen Feste herhalten. Die dritte Kategorie bilden somit diejenigen Chilbenen, welche mit dem Kirchweihfest im ursprünglichen Sinn nurmehr den Namen gemeinsam und nichts mehr mit dem Kirchenjahr zu tun haben. Im Volksmund wurden diese Chäppeli- und Gässli-Chilbenen genannt.

Als Beispiel sei hier die Bannwaldchilbi im alten "Nussbäumli" erwähnt, welche im Jahre 1920 am letzten Sonntag im August erstmals durchgeführt wurde. Dieser Anlass wurde von der "Nächstenliebe Altdorf" zu Ehren des Wirtes, welcher Ehrenmitglied des Vereins war, veranstaltet. Als Attraktionen gab es neben der "Buurämusik" eine Rutschbahn, ein Wettlaufen, ein Sackgumpen, ein Glücksrad sowie eine Schiess- und Krachbude. Der Tanzanlass hatte auch hier am Montag stattzufinden.  
     


Attraktion der heutigen Chilbi sind die verschiedenen Bahnen.
  

Chäppeli-Chilbi - Die erste Chilbi im Jahr  
Die Chäppeli-Chilbi in Flüelen entstand nach der Einweihung der Heimkapelle der Alterspension Seerose. Sie findet um den 6. Januar statt. 
Nach den Einweihungsfeierlichkeiten am 8. Januar 1961 wurde bis spät in die Nacht musiziert und die Idee geboren, alljährlich eine Chäppeli-Chilbi abzuhalten. Nach dem Gottesdienst am späteren Nachmittag in der Kapelle der "Seerose" spielen am Abend im Restaurant Schützenstube verschiedene Kapellen und Ad-hoc-Formationen auf. Der Reinerlös der Veranstaltung kommt vollumfänglich den Pensionärinnen und Pensionären der Alterspension Seerose zugute.