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SAMICHLAUS |
Nikolaus – Schutzheiliger für Reisende und Seefahrer |
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Legenden
Nikolaus in UriALTDORFOrganisation GeschichteURIOrganisationenKINDERGeschichte Gedichte |
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Nikolaus,
die legendäre Heiligengestalt, ist eine Vermengung aus zwei
historischen Personen. Nikolaus, Bischof von Myra in Lykien, lebte
wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Mit den früheren
Mirakelberichten seiner Vita, über die gesicherte Fakten fehlen,
vermischten sich durch spätere Verwechslungen wegen der
Namensgleichheit Begebenheiten aus dem Leben des Abtes Nikolaus von Sion
bei Myra und Bischofs von Pinora († 10.12.564). Seit dem 6.
Jahrhundert im griechischen Osten verehrt, nahm Nikolaus vom Ende des 9.
Jahrhunderts an neben dem heiligen Georg die höchste Stelle unter allen
Heiligen der griechischen Kirche ein. Durch Kreuzfahrer gelangte die
Verehrung des Heiligen in den Westen. Vom normannischen Süditalien aus
wurde sein Kultus in die Normandie getragen. Im Jahre 1087 gelang es den
normannischen Kauffahrern, die Gebeine des Heiligen von Myra nach Bari
zu bringen und den Anspruch auf deren Echtheit gegenüber Venedig
durchzusetzen und zu behaupten. Die Bedeutung von Nikolaus für das
Abendland nahm schnell und gewaltig zu. Das nördliche Frankreich, vor
allem die Normandie, deren Krieger seit 1071 die Herren von Bari waren,
wurde Mittelpunkt dieses Kultes. Von dort aus rückten seine Patrozinien
nach Süden und nach Osten vor, um an der deutschen Slawengrenze mit den
von Byzanz ausstrahlenden Wegen des Heiligen zusammenzutreffen. Der
Grossteil dieser Kirchengründungen fiel ins 12. und 13. Jahrhundert.
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Schülerlegende und Klausjagen
Nikolaus
gilt auch als Patron der Schüler. Die in Frankreich und in den
Niederlanden gängige Nikolausdarstellung mit drei Knaben im Fass beruht
auf einer nordfranzösischen Sekundärlegende des 12. Jahrhunderts,
wonach Nikolaus drei ermordete und bereits zu Pökelfleisch zerstückelte
Scholaren wiedererweckt haben soll. Die Schülerlegende steht sodann in
Zusammenhang mit dem «Ludus episcopi puerorum», dem
Kinderbischofspiel, welches sich im 11. Jahrhundert im Abendland, im
französischen Rouen, erstmals nachweisen lässt und ursprünglich am
Tag des Unschuldigen Kindleins, am 28. Dezember, stattgefunden hat. Die
Volkskunde nimmt als Auslöser dieser Brauchtumsformen liturgische
Festtagstexte an.
Das
Spiel, welches im 14. Jahrhundert auf den 6. Dezember übertragen wurde,
besteht darin, dass die Schüler an Kloster-, Stifts- und Domschulen,
zum Teil auch die Kleriker selbst, einen «Bischof» wählten, der ein
pompöses Fest und pompöse Umzüge durchführte. Der Knabenbischof war,
wie der kirchliche Würdenträger, mit Chorkleidung, Mitra und Stab
ausgestattet.
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Die
Schülerlegende und das Bischofspiel der Knaben stiessen in einer
traditionellen Maskenzeit auf die Maskenzüge. Gleichzeitig wurde das
Sankt im Namen kontrahiert und eng mit dem Namen verwachsen: Nikolaus
wurde zum Santiglaus oder Samichlaus! Diese Klausen standen dem «Buotzi»
näher als dem Heiligen und traten zu mehreren oder in ganzen Scharen
auf. Sie trugen Pelze, Kuhhäute oder Tiermasken, knallten mit
Peitschen, schwangen Glocken aller Art, tanzten, johlten, kreischten und
jagten den Klaus. Der Brauch nannte sich «Klausjagen» So war es in Uri
noch ausgangs des 18. Jahrhunderts Brauch, dass am Vorabend des heiligen
Niklausentages (6.Dezember) ein so genannter «Sankt Niklausen»
begleitet oder herumgetragen wurde. Die «Mummerei» dauerte vielfach
die ganze Nacht und war von Schiessen, «jolen», «trichlen», «schällen»
und «herumpoltern» begleitet. Die Gnädigen Herren und Obern
qualifizierten diese Mummerei als «recht thorrecht» und wenig
sittendienlich und verurteilten das Treiben als ein «gar abscheuliches
Gelärm und Gerassel», ja sogar als «frechstes ausgelassenstes Stück
einer ganz zügellosen Meisterlosigkeit», welches nicht nur der guten
Ordnung und der Landespolizei zuwiderlaufe, sondern auch schon öfters
allerhand Gefahren verursacht habe. Das Sittenmandat verbot all diesen
Unfug, anscheinend mit wenig Erfolg, da besagter Artikel im folgenden
Jahr wieder Gegenstand der obrigkeitlichen Sittenordnung war. Die
Helvetik gebot den wilden Kläusen und dem Klausjagen in Uri Einhalt,
und der Brauch kam im Laufe des 19. Jahrhunderts ganz zum Verschwinden.
In anderen Innerschweizer Orten und im Appenzell haben sich diese Masken
und das Klausjagen erhalten Andernorts hatte die Brauchtumsfigur bereits
einen anderen Weg eingeschlagen. Aus den nächtlichen Umgängen mit der
Bischofsfigur entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert die Einkehr des
Nikolaus in die Häuser zur Examinierung der Kinder mit Belohnung oder
Bestrafung. Anregend für diese Form gegenreformatorischer Adventspädagogik
dürfte das nach der alten Perikopenordnung für den Nikolaustag
vorgeschriebene Evangelium Mt 25, 14 –23 mit dem Gleichnis von den
Talenten und der Rechenschaftslegung gewesen sein.
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Nikolaus wird zur Bescherfigur
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den wilden «Klausen» des 6. Dezembers gesellte sich nun die
freundliche Gestalt des Bischofs im Gewand mit Mitra und Stab, oft hoch
zu Ross. Die Rollen begannen sich zu scheiden. Während dem
kinderfreundlichen Heiligen das Schenken zufiel, überlebten die
Schreckmasken in seinem Gefolge oder sie galten als seine Knechte, wie
der Schmutzli oder der Knecht Ruprecht. Diese Figuren hatten
geschwärzte Gesichter, zu ihrer Ausrüstung gehörten Rute und Sack.
Ihnen fiel die Aufgabe zu, in der ursprünglichen Funktion der Maske zu
drohen und zu strafen. Den Samichlaus interessierte nun besonders, ob
die Kinder fromm und artig gewesen waren, und er teilte unter die
Artigen seine Gaben (Äpfel, Nüsse, Leckereien, Gebrauchsgegenstände)
aus, während der Schmutzli mit der Rute oder dem Sack den Unartigen
drohte. Nicht überall vollzog der Bischof den Schritt in die Stube;
mancherorts geschah die Bescherung weiterhin heimlich, und seine Gaben
kamen geheimnisvoll über Nacht den Kamin hinunter oder fanden sich des
Morgens in den vor die Haustür gestellten Schuhen und Strümpfen.
Nikolaus als Bescherfigur der Weihnachtszeit wurde 1535 vom Reformator Martin Luther (1483 – 1546) abgelehnt. Ihm und einigen anderen Reformatoren war es anstössig, dass die Kinder von einem katholischen Heiligen beschenkt wurden, und ihren Anstrengungen gelang es, den Geschenktag auf Weihnachten zu verlegen, wo der heilige Christ als Spender erschien . Das Christkind eroberte zuerst das evangelische Deutschland, und ab 1900 konfessionsübergreifend das katholische Bayern und das Rheinland. In den protestantischen Niederlanden dagegen blieb das Schenkfest am Nikolaustag ebenso erhalten wie Nikolaus als Gabenbringer. Der von den Niederlanden in die «Neue Welt» exportierte Nikolaus wurde zum Santa Claus, und die Bescherung wurde auf den 25.Dezember verlegt. Vermischt mit den aus Deutschland importierten Vorstellungen eines Väterchens Winter verlor Santa Claus in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die eindeutige Bischofskleidung und erhielt einen mit Pelz besetzten Mantel und eine ebensolche Pudelmütze. Es entstand eine Mischung von Samichlaus und Grossvater, in der neuen Figur verschmelzten der gute Heilige und sein grimmiger Begleiter zu einer Person. Während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861 – 1865) wurde der amerikanische Weihnachtsmann mit rotem Gewand endgültig ausgeformt. Aus dem Asketen Nikolaus wurde der gemütliche Dicke. |
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Letzte Aktualisierung: 16.3.2010 / Phideau & Fido |
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