Art: Wildschwein
Urner Dialekt: Wildsüü
Letztes Auftreten: 1948
Bestand: 0
Schutz: nein
Schonzeit: vom
1. Februar bis 30. Juni
Geschichte: Anfang
Dezember des Jahres 1928 machte nicht nur in Jägerkreisen die Meldung
die Runde, dass oberhalb von Attinghausen nicht weniger als vier
Wildschweine gesichtet wurden. Die gesetzlich festgelegte Jagdsaison
endete mit dem 10. Dezember. In diesen wenigen Tagen konnten jedoch die
Wildschweine nicht mehr aufgespürt werden, und in Jägerkreisen
trauerte man schon dem entgangenen Wildschweinbraten nach. Aufgewühlte
Gärten und Felder wiesen jedoch bald darauf hin, dass das Schwarzwild
im Lande immer noch anwesend war.
Angesichts
dieser Schäden reichte der Urner Jägerverein ein Gesuch ein, Mitte
Dezember eine Treibjagd auf die Wildschweine veranstalten zu dürfen.
Vom Regierungsrat wurde die Auflage gemacht, dass an dieser Hatz nur
zuverlässige Jäger teilnehmen durften. So besammelten sich denn 36
Mann beim Bahnhof Erstfeld, um in den Felsen des Rynächts die
Wildschweine zu erlegen. Es war auch ein Trompeter zugegen, welcher nach
erfolgreicher Jagd den Einzug der Jäger mit den erlegten Sauen verkünden
sollte. Doch mit Fanfarenstössen war vorläufig noch nichts, denn wegen
Schneefalls konnten die Spuren der Tiere nicht aufgefunden werden,
sodass die erste Treibjagd mit einem Misserfolg endete. Schliesslich
fand die Jägerschar sich zu einem gemütlichen Jass zusammen und man
prostete auf die morgige Treibjagd an. Anderntags bemerkten die Weidmänner,
dass sich die Wildschweine ins Gebirge geflüchtet hatten. In den höchsten
Flühen ob Erstfeld entdeckte man das Wild und es konnte ein Tier auch
angeschossen werden. Erst am dritten Tage, an einem Freitag, stellte
sich jedoch das Jagdglück ein. An einer Fluh des Bockitobels konnten
zwei Keiler erlegt werden. Sie wogen zusammen 118 Kilogramm. Die
Jagdbeute wurde anschliessend in Altdorf und Erstfeld zur Schau
getragen. Am Samstag, 22. Dezember, wurde der Wildsaupfeffer von den
rund 40 Jägern und einigen Geladenen im Hotel Goldener Schlüssel in
Altdorf verspiesen. Der Wildschweinpfeffer wurde kulinarisch umrahmt von
einer Jägersuppe, Hubertuspasteten, Kartoffelstock und einer Torte
Weidmannsheil.
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1946
wurden drei Wildschweine auf den Eggbergen gesichtet. Sie verzogen sich
jedoch, bevor die Jäger zur Stelle waren. Eines der drei konnte
schliesslich im Gebiet Evibach in Silenen erlegt werden. Im Dezember
1948 zeigte sich dann letztmals ein Wildschwein in Uri. Auch ihm war in
Uri ein kurzer Aufenthalt beschieden. Es wurde in Seedorf von einem Jäger
angeschossen. Das wild gewordene Tier irrte umher, zerriss einem
Bahnarbeiter angeblich die Hosen und erhielt in der Nähe von Erstfeld
einen weiteren Schuss. An der Hatz beteiligten sich nun auch Zaungäste
mit Schaufeln und Pickeln, bis das arme Tier beim Bahnhof Altdorf aus
kurzer Distanz mit einem weiteren Schuss endlich zur Strecke gebracht
werden konnte. Die Wildsauhatz wurde auch im Altdorfer Narrenblatt 1949
aufgegriffen (siehe oben!).

Die Wildschweine, die Uri am nächsten sind, im Tierpark Goldau.
Sporadische
wildschweinische Heimsuchungen
In der Kemenate (Frauengemach) der Burg
Schweinsberg in Attinghausen befand sich ein Fresko mit einer
Wildschwein-Jagszene. Der Name der Burg weist ebenfalls auf die
frühere, häufige Anwesenheit von Wildschweinen hin.
Auch
die Chronik von Gerold Edlibach (+ 1530) liefert einen Hinweis auf die
Anwesenheit von Wildschweinen in unseren Gegenden. Bei dem freundeidgenössischen
Besuch des Standes Zürich im Jahre 1487 in Altdorf, wurde den Gästen,
nebst Gems-, Steinbock- und Hirschfleisch auch solches vom „wilden
schwin mer den man gessen mocht“ vorgesetzt.
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