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Fuhrwerk und Kutschen warten auf Gäste und Güter auf dem
Bahnhofplatz in Altdorf.
Dank des Transitverkehrs über den Gotthard hatte sich in Uri das Fuhr- und Kutschergewerbe bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem starken Erwerbszweig entwickelt. Im Jahre 1882 war dem einheimischen Transportwesen im Passverkehr mit der Eröffnung der Gotthardbahn aber ein übermässiger Konkurrent erwachsen. Die Eisenbahn liess Ende des 19. Jahrhunderts das Fuhr- und Kutschergewerbe in Uri arg zusammenschrumpfen. Arbeitslosigkeit machte sich breit und zwang viele zur Auswanderung; andere fanden neuen Verdienst im aufkommenden Tourismusgewerbe.
Der Güterverkehr innerhalb des Kantons und der touristische Personenverkehr brachten aber weiterhin manchem Fuhrmann und Kutscher Verdienst. Die Arbeit des Fuhrmannes und Kutschers verlangte eine kräftige Statur, zum Umgang mit den Pferden gehörte manch kerniger Fluch, und, um der Kälte auf dem Kutscherbock zu widerstehen, erwärmte man sich im Wirtshaus. Am Kutschergewerbe haftete deshalb der Ruf einer gewissen Derbheit. Kutscher war der Hotelier und Fuhrunternehmer. Die grosse Masse der angestellten Knechte bildete eine eigene Berufsgruppe, welche sich vorwiegend aus den unteren sozialen Schichten rekrutierte. Kutsche und Fuhrwerk wurden von animalischen Kräften gezogen. Der Wille der Tiere musste gebändigt werden; dass Pferde dabei scheuten und durchbrannten, war eine bekannte und unumgängliche Gefahr. Das Bezwingen der Passstrassen bedeutete zudem eine grosse Strapaze für die Tiere.
Nach einem schweren Unglück 1904 in den Schöllenen wurde in den Urner Zeitungen eine Aufsicht über die Kutscher gefordert. Am 15. Oktober 1906 versuchte der Urner Landrat mit einer "Verordnung über das Fuhrwesen und die Ausübung des Kutschergewerbes" diesen Missständen Abhilfe zu schaffen. Durch diese Verordnung wurden die Bestimmungen aus dem 19. Jahrhundert ersetzt. Wer von nun an das Kutschergewerbe im Kanton ausüben wollte, musste alljährlich bei der Polizeidirektion ein Gesuch für einen Ausweis (Kutscherpatent) stellen. Mit dieser Verordnung wurden auch amtliche Tarife für den Fuhrlohn aufgestellt.
Störefried Automobil
Die Eröffnung der Gotthardbahn hatte die einheimische Verkehrsordnung zum ersten Male erschüttert. Mit dem Auftauchen der ersten Automobile auf den Urner Strassen tauchte ein Verkehrsmittel auf, welches Sicherheit und Ordnung auf der Landstrasse bedrohte, dessen Erscheinen die Gefahr in sich barg, dass Fuhrwerk und Kutsche restlos von der Strasse verdrängt würden. Das Land drohte von einem Verkehrsmittel erneut überfahren zu werden. Die ganze Situation verschärfte sich durch den Umstand, dass es am 15. August 1901 in den Schöllenen beinahe zu einem schweren Unglück kam, bei welchem die Pferde eines fünfspännigen Omnibusses _ durch ein Automobil erschreckt scheuten. Die Urner Regierung erliess in der Folge ein Fahrverbot für Automobile.
Wer die Kantonsgrenzen in den Bergen trotzdem mit dem Automobil überqueren wollte, hatte seiner "Benzindroschke" ein Pferd vorzuspannen.
"Leider war die Fahrt durch die Schöllenenschlucht stets mit einem gewissen Risiko verbunden, denn man durfte diese Strasse nur benützen, wenn man zwei Pferde vor das Auto spannte. Aufwärts, also nach Andermatt, musste man sich dem Schritt dieser Tiere anpassen, wodurch viel Zeit verloren ging. Die Rückfahrt nach Göschenen war aber mit weit grösseren Schwierigkeiten verbunden, da die Pferde damals die Gewohnheit hatten, abwärts in jeder Kurve ihren Trab zu beschleunigen, wie dies der Maler Rudolf Koller auf seinem berühmten Bild 'Die Gotthard-Post' so trefflich schildert. Wehe dem Automobilisten, dessen Wagen die Beine eines Pferdes berührte oder dessen Motor eine Fehlzündung verursachte. Jede Fahrt mit den zwei Pferden war ein Wagnis. Die allein Profitierenden dieser unsinnigen Vorschrift waren die Fuhrhalter von Göschenen und Andermatt, die ihre Pferde auf diese Art stets vermieten konnten." (Lavater Hans, Das Auto in früheren Zeiten, Erinnerungen eines Automobilisten 1900-1918, Sektionschronik des ACS Zürich Nr. 6/7, 1968; S. 5).
Diese "Demütigung" des selbst fahrenden Automobils und seine Erniedrigung zum Pferdefuhrwerk war eine auch in anderen Kantonen praktizierte Lösung. Durch das Automobilverbot wurde erreicht, dass der Automobilverkehr im Bergkanton vorerst noch recht spärlich blieb. Die Fuhrhalter in Göschenen und
In den Kriegsjahren erhielt das Automobil die willkommene Chance, seinen Ruf als Sportgerät und "Luxusobjekt" der Reichen abzulegen und seine Wirtschaftlichkeit unter Beweis zu stellen. War vor dem Kriege das Automobil im Verhältnis zum Fuhrwerk hauptsächlich als Konkurrent und als die Sicherheit der Strasse gefährdendes Objekt gesehen worden, übernahm es während der Kriegsjahre eine Aufgabe in Militär und Wirtschaft, welche der einheimische Pferdebestand nicht mehr alleine erfüllen konnte. Neben der höheren Leistungsfähigkeit konnte das Auto niedrigere Unterhaltskosten vorweisen. Bei gleicher Leistungsfähigkeit waren die Futterkosten der Pferde viel grösser als die Betriebsstoffkosten beim Motorlastwagen. Die Pferde brauchten zudem lange Ruhepausen und mussten gefüttert werden, ob die Train-Kolonne marschierte oder nicht, während der Motor in den Ruhepausen keinen Brennstoff verbrauchte. Damit war die Zeit angebrochen, dass auch einheimische Fuhrunternehmer vom Fuhrwerk auf den Motorastwagen umzusteigen begannen.
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Der Hotel-Omnibus vor dem "Schwarzen Löwen" in Altdorf.

Wer im Jahre 1904 mit dem Automobil den Gotthardpass überqueren wollte, hatte auf der Urner Seite ein Pferd oder Maultier vorzuspannen (Telegramm vom Präsidenten des Automobil-Clubs Italien an die Polizeidirektion Uri vom 11. Juni 1904; StA UR R-720-16/101).

Fuhrknechte pflegen die Zugpferde. Der Pferdestall befand sich auf
der Liegenschaft des heutigen Hauses für Musik.
Anzahl Kutscherpatente in Uri

Anzahl Kutscherpatente (dunkelgelb) und die Erneuerungen (hellgelb).
Den grossen Einbruch brachte der Erste Weltkrieg.
Pferdebestand
in Uri
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