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ECKDATEN
1921
Umstellung auf Postauto Oberalp: Disentis-Andermatt;
Furka: Andermatt-Gletsch
1922
Umstellung auf Postauto
Gotthard: Andermatt-Airolo;
Klausen: Flüelen-Altdorf-Linthal
1928
Letzter Einsatz der Car alpins
GESCHICHTE
Die Postkutsche mit den schnaubenden Pferden, dem Peitsche knallenden Postillion und den sich flüchtenden Rindern, dies romantisch verklärende Bild hat uns Rudolf Koller ins Gedächtnis eingeprägt. Vor 75 Jahren, am 1. Juli 1922, wurde am Klausen dieses Bild zur Geschichte. An diesem Tag fuhr erstmals ein gelbes Postauto, ein so genannter Car alpin, über den Pass. Diese Ablösung durch die Moderne vollzog sich in diesen Jahren auch auf den anderen Urner Alpenpässen: auf dem Gotthard, der Furka und der Oberalp. Andernorts hielt sich die Pferdekraft länger. Am längsten im Bündnerland, hier verkehrte die letzte Pferdepost bis 1961 zwischen Cresta und Juf.
Die drei ersten schweizerischen Postautos nahmen am 1. Juni 1906 in der Agglomeration Bern den Betrieb auf. Die drei 14-Plätzer waren alle Schweizer Fabrikate: Martini, Saurer und Berna. Sie wurden durch einen 4-Zylinder-Motor mit 30 PS angetrieben. Mit den 30 km/h war der Motorwagen bereits bedeutend schneller als die Pferdekutsche. Die Motorwagen benötigten für 100 Kilometer Fahrleistung 40 Liter Kraftstoff. Die Vollgummibereifung liess das Reisen hart bleiben. Da die drei Postautomobile häufig von Pannen betroffen waren, konnte die Postkutsche vorläufig noch die Zuverlässigkeit für sich beanspruchen.
Im Ersten Weltkrieg konnte der Motorwagen den Beweis seiner Leistungsfähigkeit antreten. Die Schweizer Armee - mit Blick auf die Krieg führenden Länder - automobilisierte. Bei der Mobilmachung im August 1914 waren lediglich requirierte Personenwagen und eine kleine Anzahl Lastwagen vorhanden. Vor allem in der zweiten Hälfte des Aktivdienstes steigerte sich die Motorisierung aus einheimischer Produktion (Berna, Saurer, Martini, Franz) so sehr, dass der Motorfahrzeugbestand der Armee im letzten Kriegsjahr 1200 Lastwagen, 800 Personenwagen und 240 Motorräder umfasste. Die technischen Fortschritte erhielten durch die Produktion für die Bedürfnisse des Militärs einen derartigen Innovationsschub, dass das Automobil nach der Einkehr des Friedens allgemein als das Verkehrsmittel der Zukunft angesehen wurde. Nun galt es den Motorwagen auch im Alltag zu nutzen! Bereits 1919 fuhr ein Postauto erstmals über einen Schweizer Alpenpass, den Simplon!
Der Luxus des Reisens Im Jahre 1920 beschloss der Bundesrat 100 Armeelastwagen umzubauen und diese kostenlos der Schweizerischen Postverwaltung zu übergeben. Die Tarnfarbe des Militärs wurde durch das Gelb der Post ersetzt. Die Berna und Saurer wurden als Car alpins zu Vorboten des volkstümlichen Automobilreisens. Beim Übergang von der Pferdepost zum Postautobetrieb wurden grundsätzlich die bestehenden Tarife übernommen. Das Reisen blieb also teuer, und der Bauer und Arbeiter hatte weiterhin auf Schusters Rappen über den Klausen zu wandern. Die Tarife für eine Postautofahrt betrugen anfänglich 10 Rappen pro Kilometer, auf einer Bergstrecke waren 13 bis 20 Rappen zu zahlen. Die Kriegsteuerung trieb die Preise in die Höhe, und 1920 betrug der Fahrpreis für den Bergkilometer 40 Rappen. Gemäss dem Postverkehrsgesetz von 1925 konnte für den Kilometer auf den Alpenstrassen bis 50 Rappen verlangt werden. Eine einfache Fahrt über den Klausen von Altdorf nach Linthal kostete 1922 den stolzen Betrag von 19.90 Franken.
Die Vorteile der Auto- gegenüber der Pferdepost bestanden also nicht in den billigeren Tarifen, sondern im dichteren Fahrplan sowie in der schnelleren und bequemeren Beförderung. Mit der Postkutsche dauerte die Fahrt über den Klausen anderthalb Tage. Übernachtet wurde auf dem Urnerboden oder in Urigen, wo auch die Pferde gewechselt wurden. Das Postauto schaffte die Strecke in knapp fünf Stunden. Das gelbe Angebot wurde erst mit den Tarifrevisionen von 1934 und 1948 billiger. Vor allem wurden dann Arbeiterabonnemente mit 50 bis 75 Prozent Ermässigung sowie Ausflugsbillette angeboten.
Der Einzug des Postautos in Uri
Am 19. Juni 1921 wurden über die Furka und den Oberalppass mit Behörden- und Pressevertreter Probefahrten im Postauto ausgeführt. Diese verliefen zur allgemeinen Zufriedenheit. Bereits am anderen Tag begann der fahrplanmässige Betrieb, welcher eine merkliche Steigerung der Frequenzen bringen sollte. Ein markantes Detail ist noch jenseits des Oberalps zu erwähnen. In Graubünden waren nämlich - Postautomobile ausgenommen - bis 1925 Automobilfahrten verboten.
Bei der Postverwaltung in Bern lag nun seit Januar 1920 auch ein Schreiben der Regierungen der beiden Kantone Uri und Glarus, welches um die dringende Einführung von Automobil-Postkursen über den Klausen ersuchte. Die beiden Behörden waren sich zwar bewusst, dass mit dem Verschwinden der Postkutschen "ein schönes Stück Poesie" verloren gehe, man wollte andererseits nicht verkennen, dass dem Kraftwagen die Zukunft gehören würde.
Der Wunsch nach Elektromobilen
Die beiden Regierungen hätten es besonders begrüsst, "wenn der Betrieb der Klausenpost vermittelst Elektromobilen stattfinden und dadurch verschiedene Übelstände vermieden werden könnten, welche mit der Verwendung von Automobilen mit Benzin-Zündung unausweichlich verbunden sind." Die Schweizerische Oberpostdirektion teilte mit, dass sie der Einführung von Kraftwagenkursen auf der Klausenstrasse ihre volle Aufmerksamkeit schenke, dass aber die notwendigen Vorarbeiten und die Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb noch mindestens die Zeit des laufenden Jahres in Anspruch nehmen würden. Auch müsse an Hand eines genauen Voranschlags geprüft werden, in welchem Umfang sich die beteiligten Gemeinden und Kantone an einem allfälligen Betriebsverlust zu beteiligen hätten, hiess es in dem Schreiben aus Bern. Der Einführung von Elektromobilen könne allerdings nicht entsprochen werden, da diese Kraftwagenart den gestellten Anforderungen noch nicht zu genügen vermöge.
Auch mit einem zweiten Gesuch wurde man auf das nächste Jahr vertröstet. Der Klausen erhielt zweite Priorität, da laut Angaben der Oberpostdirektion auf der langen Strecke "die verkehrsbefruchtenden Kurorte" fehlen würden. Die Tonart der Urner und Glarner Regierung war zwar noch nicht geharnischt, doch erwartete man im dritten Schreiben mit Bestimmtheit, dass dem erneuten Gesuch für die nächste Sommersaison entsprochen würde. Der Automobilverkehr über den Klausen hätte im Jahre 1921 "eine nie geahnte Ausdehnung" angenommen und zwischen den mehreren Tausenden von Autos müsse sich die "mühselige" Pferdepost gut und schlecht "durchschlängeln". Der Fremdenverkehr der beiden Talschaften ermangele so der Früchte, die ein gross angelegter Autopostkurs bringen würde, tönte es aus Glarus und Uri.
Das Postauto kreuzt bergwärts!
Bald wurde aus Bern grünes Licht signalisiert, und am 1. Juli 1922 war es so weit: Das erste Postauto verkehrte über den Klausen. Für den reibungslosen Verkehr der Postautomobile auf den Bergstrassen musste sich der Bund über die damalige kantonale Hoheit der Kantone in der Strassenverkehrsgesetzgebung hinwegsetzen und räumte kraft Bundesratsbeschluss den Postautomobilen zur Sicherheit der Reisenden das Recht ein, stets bergwärts auszuweichen. Diese Regelung kam vor allem auch dem Umstand zugute, dass die Alpenstrassen mit ihren schwachen Stützmauern den schweren Gefährten (4,5 Tonnen) noch nicht angepasst waren. Das bergwärts Ausweichen der Postwagen beim Kreuzen wurde im Jahre 1946 auf wenige Strecken im Wallis, Tessin und in Graubünden beschränkt und schliesslich 1953 ganz aufgehoben. Auch heute noch sind die Bergpoststrassen mit dem gelben Posthorn auf blauem Grund signalisiert. Die Signalisationsverordnung schreibt vor, bei schwierigem Kreuzen oder Überholen des Postautos die Zeichen und Weisungen des Postautochauffeurs zu beachten.
Das Postautomobil war nicht nur durch seine gelbe Farbe, sondern bald auch akustisch erkennbar, denn im Jahre 1924 wurde das Dreiklanghorn eingeführt. Das Signal war dem Andante der Ouvertüre der Oper Wilhelm Tell von Gioacchino Rossini entnommen. Im Jahre 1928 wurden die Car-alpins zum letzten Mal eingesetzt. Sie hatten eigentlichen Allwetterfahrzeugen mit tief gezogenen Karosserien, versenkbaren Fenstern und Kurbelverdecken Platz zu machen.
Einheimische Konkurrenz
Die Pferdepost verschwand am Klausen jedoch vorerst noch nicht ganz: Der Regionalkurs Altdorf-Unterschächen-Urigen wurde vor allem bei ungünstigen Schneeverhältnissen mit Ross und Wagen geführt. Im Jahre 1926 wurde, um den Bedürfnissen der Bevölkerung des Schächentals entgegenzukommen, ein ganzjähriger Autopostkurs auf dieser Strecke eingerichtet. Dieser rentierte jedoch anfänglich sehr schlecht, denn im Jahre 1928 standen den jährlichen Ausgaben von 9'144 Franken lediglich Einnahmen von 3'455 Franken gegenüber. Die Postverwaltung hatte somit allein in diesem Jahr einen Verlust von 5'688 Franken zu tragen. Man reagierte in Bern vor allem gereizt, als zwei Unterschächner Fuhrhalter mit ihren Camions Personentransporte ausführten. Man drohte: "Wenn nun die Bevölkerung des Schächentals es vorzieht, für ihre Reisen nach Altdorf statt des bequemen Postautos die Lastwagen der Fuhrhalter Bissig und Bolliger zu benützen und zwischen den Waren Platz zu nehmen, so muss die Postverwaltung die Frage ernsthaft in Erwägung ziehen, den lokalen Automobilkurs wieder einzustellen."
Einschränkungen im Zweiten Weltkrieg
Doch das Postauto überwand die Anfangsschwierigkeiten und war bald einmal von der Klausenstrasse nicht mehr wegzudenken. Eine Einschränkung seines Betriebs brachte lediglich der Zweite Weltkrieg. Wegen der schwierigen Lage der Landesversorgung mit flüssigen Treibstoffen und Gummi musste der private Automobilverkehr stillgelegt und der öffentliche auf "das höchsttragbare Mass" herabgesetzt werden. So konnten die Fahrten der Alpenposten von 1941 an nicht mehr durchgeführt werden. Die PTT-Verwaltung erklärte sich dann jedoch zwei Jahre später "unter Würdigung der besondern geographischen Lage der grössten urnerischen Alp Urnerboden" bereit, für den Klausenpass eine Ausnahme zu machen. Seit 1943 wurde während des Sommers an drei Wochentagen je eine Doppelverbindung Flüelen-Urnerboden eingerichtet.
Vom Postpferde- zum Postautohalter
Mit der Einführung des Autobetriebes schuf die Postverwaltung die Kategorie der Postautohalter als Ersatz für die Postpferdehalter. Die Betriebsform der Postautohalter ist dadurch gekennzeichnet, dass die Post mit einem Privaten einen Vertrag abschliesst, nach dem der Unternehmer eine oder mehrere Linien auf Rechnung der Post befährt. Die Verpflichtungen des Postautohalters bestehen darin, dass er Personal und Wagenmaterial für die Ausführung der von der Post vorgeschriebenen Kurse bereitstellt und diese fahrplanmässig fährt. Die Post ihrerseits verpflichtet sich, die dem Autohalter aus der Übernahme der Kurse erwachsenen Kosten in Form einer Wagenkilometerentschädigung zu vergüten.
Im Jahre 1926 wurde Hermann Sigrist Postautohalter für die Line Altdorf--Unterschächen. Ein Jahr später schlug dieser vor, auch im Winter anstelle der Pferdepostkurse die Postautos einzusetzen. Der Vertrag mit dem Postpferdehalter Otto Jauch wurde gekündigt und der Autobetrieb auf das ganze Jahr ausgedehnt. Die Firma Sigrist in Flüelen führte die Postautokurse 50 Jahre aus, am 1. Oktober 1976 wurden die Postautokurse von Flüelen nach Unterschächen von der Auto AG Uri übernommen.
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POSTAUTO-BILDER

Ein Car-alpin auf dem Klausenpass.
POSTAUTOLINIEN
Sisikon - Riemenstalden - Chäppeliberg (60.541)
Flüelen - Klausen - Linthal (60.408/409)
Flüelen - Beckenried (60.310)
Altdorf - Seedorf - Isenthal - St. Jakob (60.403/405)
Stans Beckenried - Emmetten - Seelisberg
Amsteg - Bristen - Golzern (60.407)
Göschenen-Wassen - Susten -Meiringen (31.162)
Göschenen - Göscheneralp (60.411)
Andermatt - Gotthard - Airolo
Andermatt - Furka - Oberwald
AUTO AG URI (AAGU)
Gruonbach - Flüelen - Altdorf - Göschenen (Linie 1)
Altdorf - Attinghausen (Linie 2)
Seedorf - Altdorf - Bürglen - Brügg (Linie 3)
Gurtnellen Wiler - Gurtnellen Dorf (Linie 4)
Tellbus Uri: Altdorf Telldenkmal - Luzern Bahnhof
LINKS
LITERATUR
Gisler-Jauch Rolf; "... vom bequemen Wagen die Schönheit der Gebirgswelt bewundern - 75 Jahre Postauto am Klausen"; In: Urner Wochenblatt 1997, Nr. 50.
Gisler-Jauch Rolf, "Uri und das Automobil - des Teufels späte Rache?", Altdorf 1994.
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