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Postkutschen - "Ich bin vom Gotthard ..."

 

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ECKDATEN

1696
Beginn Reiter-Post über den Gotthard

1830
Fertigstellung der Gotthardstrasse

1831
Beginn der Fahrpost mit Kutschen über den Gotthard

1865/67
Postkutschenverbindungen über die Oberalp und die Furka

1882
Eröffnung der Gotthardbahn

1921/22
Umstellung auf Postautos
    

GESCHICHTE

Im 14. Jahrhundert wurden die Standesboten der Eidgenossen erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1494 bereitete der Herzog von Mailand eine Botenkurslinie über den Gotthard vor. Es fanden sich jedoch keine Hinweise auf deren Verwirklichung. Im 16. Jahrhundert wurde eine regelmässige Gotthard-Botenlinie zwischen Zürich und Bergamo eingerichtet. Im 17. Jahrhundert wurde die Linie wöchentlich einmal betrieben. 1696 begann die gemeinsame Gotthard-Reiterpost der Kaufmannspost Zürich und der Fischerpost Bern. In der helvetischen Republik wurde die Post in fünf Kreisen zentralisiert. Wegen Geldmangels konnte diese Reform jedoch nur bedingt durchgesetzt werden. Die Mediationsverfassung von 1803 gab den Kantonen ihre Hoheit über das Postwesen zurück. Die helvetische Post wurde aufgehoben. Uri verpachtete das Transitpostregal abwechlungsweise an Luzern und Zürich.
    

Fahrpost nach
Fertigstellung der Gotthardstrasse

Nach der Erstellung der Gotthardstrasse begann 1831 die Fahrpost über den Gotthard bis nach Chiasso. Der Wagenverkehr verdrängte in kurzer Zeit die Säumerei. Mit der Postkutsche nahmen die Reisenden auch im Winter in Flüelen Nachtquartier, um am anderen Tage ihre Reise gestärkt und ausgeruht fortsetzen zu können. Es handelte sich vor allem um welsche Zugvögel, die vor Mitte Jänner jeweils von ihrem Besuch in der Heimat zurückkamen. Dampfschiffe sorgten seit 1837 für eine schnellere Postverbindung zwischen Luzern und Flüelen. Im Jahre 1840 erhielt Flüelen eine eigene Postablage. Zwei Jahre später wurden tägliche Postkutschen-Eilkurse mit zehnplätzigen Fünfspännerwagen in beiden Richtungen über den Gotthard eingeführt, bei Bedarf begleitet von Beiwagen und Gepäckfourgons.
   

Die Post wird Bundessache

Nach der Gründung des Bundesstaates wurde 1849 die Bundespost gegründet und in 11 Postkreise eingeteilt. Somit wurden auch die Postkutschenkurse über den Gotthard von der Eidgenössischen Post übernommen. 1850 wurde die Gotthard-Post bis Camerlata verlängert. Zuerst wurde der Postkurs nur einmal täglich geführt. Es machte sich aber bald das Bedürfnis für eine Abendpost geltend und schliesslich wurde diesen beiden noch ein Mittags- oder Herrenkurs, der bis Andermatt ging, beigefügt. Die Morgenpost korrespondierte mit dem ersten Dampfboot, das gegen 8 Uhr in Flüelen ankam. Der Herrenkurs verliess Flüelen gegen 14 Uhr und die Abendpost ging um 17 Uhr ab. Fünf kräftige Pferde zogen den Zehnplätzer-Wagen von Flüelen nach Camerlata. Auf dem Kutscherbock sass neben dem Postillion der Kondukteur, welcher das Posthorn bliess. Der Hauptpost folgte eine Reihe von Beiwagen, Extraposten und Privatfuhrwerken, alles dem Gotthard zufahrend. War der letzte Hufschlag verhallt, näherten sich schon die Kurse aus dem Süden. So ging es den ganzen Tag. Nicht alle Reisende konnten sich die Postkutsche leisten wie etwa die "Kastanienbrater" aus dem Misox und dem Calancatal, in Uri "Kalanker" genannt. Sie zogen im Frühling wieder in die Heimat, während in der Gegenrichtung Maurer, Feld- und Strassenarbeiter aus dem Süden im Norden auf Arbeitssuche gingen.
    

Bahnen setzen den Postkutschen ein Ende

Postkutschen fuhren während des Sommers auch defizitär über die Furka und die Oberalp. Der Beginn des Bahnbetriebes am Gotthard (1882) hatte eine Stagnation auf dem gesamten urnerischen Poststrassennetz zur Folge. Über den Gotthard wurde die Pferdepost eingestellt. Die Postkutschen blieben auch über die Furka und die Oberalp nur solange in Betrieb, bis die Furka-Oberalp-Bahn sie zum Einstellen der Linien zwang. Über den Gotthard wurde 1909 aus touristischen Gründen eine Postkutschenlinie eingeführt. 1900 wurde die Klausenstrasse eröffnet. Die Postkutsche verkehrte - solange der Pass offen war - von Flüelen nach Linthal. Anfang der 1920er-Jahre ersetzten dann Car alpins die Postkutschen. Anfangs der 1920er-Jahre wagten die PTT-Betriebe in ihrer Betriebspolitik einen entscheidenden Schritt. Sie begannen die altehrwürdigen, jedoch defizitären Postkutschen durch Automobilpostwagen zu ersetzen. Die romantische Zeit der gelb-schwarzen Postkutschen ging ihrem Ende entgegen, und die Männer auf dem Kutscherbock sollten bald gezwungen sein, das "Lied vom letzten Postillion" anzustimmen. Eines der romantischsten Kapitel in der Urner Verkehrsgeschichte stand kurz vor seinem Abschluss. Am 15. September 1921 fuhr die mit Pferden bespannte Post zum letzten Mal über den Klausen. Viele trauerten den guten Zeiten nach, als noch die stolzen Postwagen, mit fünf Pferden bespannt, zweimal täglich zwischen Altdorf und Linthal verkehrten, denn man war sich bewusst, dass diese Zeiten so bald nicht wieder kommen würden.

POSTKUTSCHENLINIEN IN URI



St. Gotthard

1831-1882: Flüelen-Camerlata (Eröffnung Gotthardbahn) 1909-1921: Andermatt-Airolo (Umstellung auf Car alpins)

Oberalp
1865-1903 Chur-Andermatt (Eröffnung Rhätische Bahn) 1903-1917 Disentis-Göschenen (Eröffnung Schöllenenbahn)
1917-1920/6 Disentis-Andermatt (Eröffnung Furka-Oberalp-Bahn / Umstellung auf Car alpins)

Furka
1867-1914 Brig-Göschenen
1915-1920 Andermatt-Gletsch (Umstellung auf Car alpins)



Klausen
1900-1921 Flüelen-Altdorf-Linthal