Urner Ereignisse an einem bestimmten Tag
Mittwoch, 9. Juni 2010
Gotthard-Strassentunnel - Zentrale kommt ganz nach Göschenen
Der Gotthard-Strassentunnel wird abwechselnd alle zwei Wochen von Göschenen und Airolo aus unterhalten und überwacht. Laut Astra soll damit bald Schluss sein.
Der technische Unterhalt und die Überwachung des Gotthard-Strassentunnels sind finanziell sehr aufwendig. Heute gibt es an beiden Tunnelportalen in Göschenen und Airolo je eine Einsatzzentrale. Alle 14 Tage wechselt die Leitung des Tunnelunterhaltes von der Urner zur Tessiner Seite und umgekehrt. «Für die Führung des Tunnels braucht es somit eigentlich nur eine Zentrale», erläutert Antonello Laveglia, Mediensprecher des Bundesamtes für Strassen (Astra), gegenüber dem «Urner Wochenblatt». Das Astra plant deshalb eine Reorganisation. Die Kontroll- und Unterhaltsarbeiten sollen optimiert werden.
Nur noch in Göschenen
Bereits im Verlaufe dieses Sommers soll die Unterhalts- und Überwachungszentrale in Airolo geschlossen werden. In einem Ereignisfall könnte diese jedoch wieder besetzt werden. Keine Änderungen gebe es indes bei den Polizei- und Sicherheitsaufgaben. Deshalb trete mit der Reorganisation auch kein Sicherheitsverlust sondern dank der klareren Führungsstrukturen ein -Gewinn ein, betont Antonello Laveglia. Das polizeiliche Hoheitsgebiet bleibe unangetastet, und auch die beiden Schadenwehren in Göschenen und in Airolo blieben erhalten. Trotzdem gehen laut dem Astra-Sprecher in Airolo zwei bis vier Arbeitsplätze verloren. Sämtliche Funktionen der Zentrale Airolo, welche der Bewirtschaftung der Gotthard-Südrampen durch die Polizei und die Gebietseinheit des Kantons Tessin dienten, wurden im 2009 nach Camorino gezügelt.
Im Tessin hat man an der Konzentration der Zentrale in Göschenen natürlich keine Freude. Die «Tessiner Zeitung» berichtete am 28. Mai, Bundesbern verhandle «in aller Stille» mit den Gotthardkantonen, was den Lega-Kantons- und -Nationalratsparlamentarier Norman Gobbi veranlasst habe, der Tessiner Kantonsregierung und dem Bundesrat eine Anfrage zu schicken.
Keine Freude im Tessin
Auch das offizielle Tessin ist mit dem Vorhaben nicht einverstanden. Das Astra habe diesbezüglich eine Stellungnahme aus dem Südkanton erhalten, weiss Antonello Laveglia. Als Kompensation sieht das Bundesamt für Strassen deshalb vor, dass das geplante Thermoportal – dieses misst die Temperatur der Lastwagenmotoren und erkennt überhitzte Fahrzeuge – statt wie ursprünglich vorgesehen in Göschenen nun in Airolo zu stehen kommt. Damit würden wieder einige Arbeitsplätze geschaffen. Zudem hätten die Mitarbeitenden, die es künftig in der Einsatzzentrale in Airolo nicht mehr brauche, die Möglichkeit, sich für vakante Stellen in Göschenen zu bewerben.
Später Verlegung nach Flüelen
Die Zusammenlegung der Zentralen in Airolo und Göschenen ist ein erster Schritt. Die Zentralisierungspläne aus Bern gehen noch weiter. Die Astra-Strategie sieht vor, dass in Zukunft der ganze Technikdienst von Göschenen nach Flüelen verlegt wird. Für den Kanton Uri sei die Stärkung des Standortes Göschenen eine positive Nachricht, sagt Regierungsrat Josef Dittli gegenüber dem «Urner Wochenblatt». Die Idee des Astra, die Zentrale mittelfristig nach Flüelen zu verlegen, sei ihm bekannt. «Wir haben diese Absicht zur Kenntnis genommen. Eine politische Diskussion darüber ist aber noch nicht geführt worden.»
Antwort des Bundesrates vom 01.09.2010
Der Bundesrat misst der Verkehrssicherheit im Allgemeinen und der Tunnelsicherheit im Speziellen eine hohe Bedeutung zu. Bezüglich des Gotthard-Strassentunnels hat das Bundesamt für Strassen (Astra) gemeinsam mit den Kantonen Tessin und Uri die Strategie "Effizienzsteigerung Gotthardtunnel" (Effigo) entwickelt. Neu ist eine einzige Leitstelle für die Überwachung und Steuerung zuständig: Ab 1. Juli 2012 werden die Verkehrsführung und der Betrieb des Gotthard-Strassentunnels von der Zentrale Flüelen aus betreut und gesteuert. Identische Systeme und Betriebsabläufe vereinfachen eine Schulung aller Beteiligten nach dem neuesten Stand der Technik und erhöhen damit die Sicherheit. Die Überwachung und Steuerung ist im Gegensatz zu den Ereignisdiensten nicht an den Tunnelstandort gebunden, zumal die Kommunikation über elektronische Leitsysteme erfolgt.
1. Die Sicherheit im Gotthard-Strassentunnel wird auch nach der Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) kontinuierlich verbessert. Eine professionelle Berufsfeuerwehr, stationiert bei jedem Portal, garantiert die geforderten Einsatzreaktionszeiten und einen hohen Sicherheitsstandard.
Die Ausrüstung der Schadenwehr Gotthard wird laufend verbessert, damit sie zusätzlich auch Aufgaben auf der Gotthard-Südrampe für den Kanton Tessin wahrnehmen kann. Dem Bund erwachsen somit keine zusätzlichen Risiken aus seiner Verantwortlichkeit.
2. Die vom Astra und von den Kantonen Tessin und Uri gewählte Strategie mit einer einzigen Leitstelle entspricht den Vorgaben der Europäischen Union in der Richtlinie 2004/54/EG vom 29. April 2004 über Mindestanforderungen an die Sicherheit von Tunneln im transeuropäischen Strassennetz.
Quellen / Literatur:
UW 44, 9.6.2010
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DAS HEUTIGE DATUM
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