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Hotel Maderanertal
Silenen
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Karte: externer Link (swisstopo)
1865 -

Das Hotel "Zum Schweizerischen Alpenclub" wurde im Jahre 1864 von Albin Indergand, Wirt des Hotels Kreuz in Amsteg und Regierungsrat und seiner Gemahlin Rosa, geborene Burkhardt aus Basel, erbaut. Es war die Zeit, als man die Berge zu entdeckten begann. Auf Wunsch von Basler Bergfreunden, die dem kurz zuvor gegründeten SAC angehörten, nannte Albin Indergand das Hotel nicht wie ursprünglich geplant "Zum Balmenwald", sondern "Zum Schweizerischen Alpenclub" , ohne dass damit eine Abhängigkeit oder Verpflichtung dem SAC gegenüber entstanden wäre. Das Gebäude realisierte Indergands Schwager, Baumeister Josef Blaser-Burkhardt von Schwyz. Das Baumaterial fand man vor Ort: die Steine am Bauplatz; das Holz liess Indergand wohl in der Säge im Balmenschachen herrichten. Obwohl noch nicht ganz fertig gestellt, wurde das Hotel mit 19 Zimmern für 32 Gäste bereits 1864 eröffnet. Im folgenden Jahr erschien ein erster Reiseführer zusammen mit einem 1852 gezeichneten Panorama der Berge im Maderanertal von Georg Hofmann.
Bald genügte das Haus den Ansprüchen und dem Ansturm der stets wachsenden Gästeschar nicht mehr. Bereits 1869 wurde die Anlage durch eine Dependance, das so genannte Engländerhaus, erweitert. Ihr folgte ein weiterer Neubau, die Villa. In den folgenden Jahren wurde die Hotelanlage auf Balmenegg erweitert. Es entstand eine Bäckerei und eine Kegelbahn. 1880 verfügte die Anlage über 54 Logierzimmer, Salon mit Piano und Lesezimmer mit Bibliothek. Ein Brand zerstörte im gleichen Jahr jedoch das Hauptgebäude. Wiederaufbau des schlicht gehaltenen Hauptbaus mit vier Geschossen und fünf mal drei Fensterachsen unter einem Satteldach.
Auf einem Hügel oberhalb der Gebäude wurde 1888 eine schmucke kleine Kirche gebaut, in welcher neben dem katholischen, wegen der zahlreichen englischen Gästen, stets auch ein anglikanischer Gottesdienst gefeiert wurde. 1889 Einrichtung eines Postbüros. Um 1910 wurde das Teehaus, ein schmucker Holzbau im Schweizerhausstil, im Hof errichtet (abgebrochen).
In wenigen Jahren war ein Gebäudekomplex mit der Infrastruktur eines kleinen Dorfes entstanden. Zur Ausstattung des Hotels gehörten auch kunstvoll tapezierte Zimmer, ein mit grossen Spiegeln ausgestatteter Speise- und Tanzsaal, eine Bibliothek, ein Lesezimmer, ein Touristenstübli, ein Coiffeursalon und eine Arztpraxis. Eine gepflegte Gartenanlage und ein kleiner See mit einem Ruderboot rundeten das Angebot ab.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde eine Leitung für kaltes und warmes Wasser gelegt und das elektrische Licht mit Trafostation (1929) eingerichtet. Das Hotel wurde fortan als Kurhotel geführt. Den Gästen sollte auch in den Bergen, eine Welt voller Luxus und Annehmlichkeiten geboten werden.
Das Hotel brachte Arbeitsmöglichkeiten und Verdienst ins Maderanertal. Das Haus bot bis in 1950er-Jahre für über zwei Dutzend Personen eine Anstellung. Die meisten kamen aus der nächsten Umgebung und hielten den Wirtsleuten über Jahre hinweg die Treue. Die meisten der Gäste pflegten über eine Woche im Hotel zu bleiben. Unter den unzähligen Gästen, die das Maderanertal besuchten, waren auch berühmte Staatsmänner, Kardinäle, Musiker, Philosophen und Wissenschaftler. Der bekannteste dürfte sicher Friedrich Nietzsche gewesen sein, der im Jahre 1870 im Hotel weilte.
Das Hotel SAC erlangte einen Bekanntheitsgrad über die Landesgrenzen hinaus. Es verhalf dem einst unberührten Berggebiet und dem ganzen Maderanertal zu grossem Ansehen. Der Hochgebirgstourismus kam um jene Zeit so richtig in Schwung. Die zahlreichen Bergführer von Bristen und Umgebung erhielten gute Aufträge. In diese Zeit fielen auch die berühmten Erstbesteigungen. Schliesslich entstanden im Umkreis eines Tagesmarsches vom Hotel sieben Clubhütten.

Das Hotel Maderanertal blieb genau 100 Jahre im Besitz der Familie Indergand. Im Jahre 1964 ging die Liegenschaft mit dem Hotelbetrieb auf Balmenegg käuflich an Hans Z'graggen, Bergführer und Gastwirt von Bristen über. In den Jahren 1967/68 baute der neue Besitzer nach eigenen Plänen eine heimelige, über 80 Personen Platz bietende Gaststube und eine Gartenwirtschaft an. Aus gesundheitlichen Gründen musste Hans Z'graggen den Betrieb des Hotels 1987 aufgeben.
Nachdem das Haus 1 Jahr geschlossen blieb, führten Heinz Baumann und Stefan Fryberg aus Altdorf für eine Saison den Betrieb. Es folgten wieder zwei Jahre in denen das Hotel geschlossen blieb. In dieser Zeit wurde nach einem Betriebskonzept für das Weiterbestehen des Hotels gesucht. Die Schaffung einer Stiftung und die Zusammenarbeit mit dem Kanton waren ein ernsthaftes Diskussionsthema.
Im Frühjahr 1991, kurz vor seinem Tod verkaufte Hans Z'graggen den Gebäudekomplex an den Zürcher Architekten Paul Kleeb. Am 6. Juni 1992 erlebte das Hotel unter dem neuen Namen "Hotel Maderanertal" seine Neueröffnung. Es waren verschiedene neue Nutzungskonzepte eingeplant. So sollten auch regelmässig Seminarien abgehalten werden. Diese Neuerungen kam aber nie richtig zum Tragen, sodass das Hotel 1996 an die Familie Anna Fedier-Tresch aus Bristen weiterverkauft wurde. Im Jahre 2015 wurde das Hotel zum Verkauf ausgeschrieben.

Literatur: Brunner Thomas, Kunstdenkmäler Oberes Reusstal und Ursern Bd IV S. 124 ff. www.hotel-maderanertal.ch/geschichte.html (Stefan Fryberg). Hotel Maderanertal auf Balmenegg

EREIGNISSE IM DETAIL

1880  - Mittwoch, 7. Juli 1880
Hauptgebäude des Hotels Zum Schweizerischen Alpen-Club brennt nieder
Das Stammhaus des Hotels Zum Schweizerischen Alpen-Club brennt bis auf die Grundmauern nieder. Mit dem Wiederaufbau wird sofort begonnen. Das Hotel bleibt in dieser Zeit in der Dependance und den Nebengebäuden offen, und bis zur Eröffnung der Saison 1881 ist das Stammhaus bereits wieder aufgerichtet. Beim Wiederaufbau im ursprünglichen Volumen ersetzt man den rückwärtigen Quergiebel durch einen Treppenanbau.
Brunner Thomas, Kunstdenkmäler Oberes Reusstal und Ursern Bd IV S. 125.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 29.11.2020