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Urner Sagen



Claridensage
Die Claridenalp gehörte vor Zeiten einem reichen Bauern. Der hatte ein Söhnchen bekommen von seiner Frau, nach dem die Ehe lange Zeit unfruchtbar gewesen. Dieses Büblein zog er aus blinder Liebe in Übermut und Überfluss auf, und die Mutter war um kein Haar vernünftiger als der Mann. Nicht etwa in der Schotten, sondern in der puren Milch badeten und wuschen sie den Dreckbub! Dieser wuchs heran, und gar bald kosteten die blinden Eltern die Früchte ihrer Erziehung. Kummer und Gram brachten den Vater frühzeitig ins Grab, die Mutter aber sollte das Kreuz noch länger tragen.
Der Sohn tat eine Magd zu, «Kathry» mit Namen. Mit dieser konnte er's gut, gab ihr das Beste zu essen und zu trinken. Ihr zuliebe legte er von der Sennhütte zum Käsgaden einen Weg aus Käs und Anken an. Nicht in der Weise hielt er seine betagte Mutter, die im Sommer auch bei ihnen auf der Alp lebte. Sie musste sich mit saurer «Süffi» begnügen, und aus dieser nahm der Unmensch noch den Zieger heraus und tat stattdessen Rossbollen hinein. Seinen Hund «Parysi» hielt er besser als die arme Mutter. Im Übermut taufte er seine schöne schwarze «Trychelkuh» im Bache und gab ihr den Namen «Brändi». Da die Mutter merkte, dass sie den beiden Verliebten im Wege sei, verliess sie unter Verwünschungen die Alp. Da fing es über Nacht an zu schneien, und es schneite und schneite wie eine Lawine und schneite die Alp mit Senn und allem ein. Es hörte nicht auf, bis die Alp hoch mit Schnee und Eis bedeckt war.

Nach Müller Josef, Sagen aus Uri, Band 1, Nr. 100-101, S. 71-74.
   
Die Sage mahnt vor dem Laster der Hurerei und vom Ungehorsam gegenüber den Eltern abzuhalten.

Die Sage findet zum Teil eine Fortsetzung. So soll man am Karfreitag früher während der Passion (Leiden Jesu Christi) vom Clariden her eine Stimme gehört haben: «Ich und d Hüär Kathry und d Trycelchüäh Brändi und Hund Parysi miänt immer und ewig i Klarydä sy.»
Eine Variante der Sage besagt, dass, wenn ein Mensch imstande sein sollte, am Karfreitag, während der Passion die schwarze Kuh auf Clariden ganz sauber bis auf den letzten Tropfen auszumelken, ohne dabei auch nur ein einziges Wörtchen zu verlieren, der könne die zwei armen Seelen erlösen, und dann werde auch die verwüstete Alp in ihrer alten Herrlichkeit erstehen. Nun wagte es einmal ein Beherzter und fand sich beim Clariden ein. Die Kuh stellte sich ihm. Schon hatte er sie fast vollständig ausgemolken und freute sich des Gelingens. Da kam ein schwarzes Pudelhündchen, stellte sich am hölzernen Eimer auf und fing an, von der Milch zu nippen. «Nu, nu, Hundli!» brummte der Melker. Da waren Hund und Kuh und Milch verschwunden.

IN DIESER SAGE VORKOMMENDE FIGUREN

Der frevelhafte Hirt
Der Hund als Sagenfigur

SAGENHAFTE ÖRTLICHKEITEN

Unterschächen, Clariden   

SAGENHAFTE THEATERSTÜCKE

 

 

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 08.12.2020