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Urner Sagen



Der Elbst
An den Höhen ob Seelisberg lebte früher Zeit ein schädliches Gespenst. Die Alten nannten es «Elbst». Endlich war es einem Beschwörer dann gelungen, dasselbe in den See hinter dem Dörfchen zu bannen. Als der «Elbst» von den Bergen herab ins Wasser musste, da trollte er sich in Gestalt einer feurigen Kugel herunter. Im nassen Element war der «Elbst» ebenso ungnädig wie früher. Wehe, wer ihm zu nahekam oder gar neckend rief.
Bevor der «Elbst» erscheint, soll der See ohne äussere Veranlassung eines Windes oder dergleichen von sich aus in eine starke Bewegung geraten. Der «Elbst» wurde auch für den schwindenden Fischbestand im Seelisbergersee verantwortlich gemacht. Das Ungeheuer erschien bald als Fisch, bald als Heuburde, als Busch oder als roter Kegel. Der Ratsschreiber Renward Cysat beschrieb den Elbst wie folgend: «Da hatt man zuo underschydenlichen Zythen vnd noch jüngst Anno 1585 jn demselbigen Sew by hällem tag gsehenzwey Gespenst umher schwümmen unglycher Form ... jetzt wie ein gross Sagholz, jetzt wie ein Höwburde.» Würde man den Fisch töten, so würde der See das ganze Land ringsherum überschwemmen.
Der «Elbst» wurde gut 20 Jahre nicht mehr gesehen, als im Sommer 1926 beim Bau der Seelisbergerstrasse «eine hübsche Anzahl Arbeiter, fremde und hiesige, unter ihnen auch der Bauführer» eine dunkle Masse, bei 2,5 Meter lang gesehen haben wollen, die plötzlich an die Seeoberfläche kam und rasch durch einen grossen Teil des Sees dahin schwamm und dann wieder untertauchte. Wellen habe diese geworfen wie ein Dampfschiff. Es gab ein grosses Gerede, und viele Leute prophezeiten ein Unglück.

Nach Müller Josef, Sagen aus Uri, Band II, S. 277 ff.
   
Fotomontage: Rolf Gisler-Jauch (2017).

IN DIESER SAGE VORKOMMENDE FIGUREN

Der Geist, das Ungeheuer (Tier)

SAGENHAFTE ÖRTLICHKEITEN

Seelisberg, Seelisbergersee   

SAGENHAFTE THEATERSTÜCKE

 

 

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 08.12.2020