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Urner Sagen



Der Glasscheibenhund
Als eines Abends ein Bewohner aus dem Ried bei Amsteg gegen Fellital marschierte, gesellte sich der Glasscheibenhund an seine rechte Seite. Der Mann liess ihn gewähren und dachte: «Da will ich jetzt schon schauen, wie weit dass er kommt!» Das Tier begleitete ihn bis in die Alp, ja folgte ihm sogar über die Leiter hinauf, als er ins Obergädemli (Obergaden) stieg, um dort zu schlafen. Oben angekommen, legte es seine Vorderpratzen auf die Schwelle des Heutors, zündete mit seinem feurigen Auge in das älplerische Schlafgemach und machte Miene hineinzuspringen. Aber jetzt erzürnte der «Rieder», packte eine Axt oder Worbgabel, bedrohte mit hocherhobenem Instrument den ungebetenen Gast, indem er dabei brüllte: «Wenn du einen einzigen Schritt weiter kommst, so schlage ich dich!» Der Hund verharrte in seiner Lage, der «Rieder» in seiner drohenden Haltung bis morgens zum Betenläuten. Beim ersten Klang der geweihten Glocke verschwand das unheimliche Tier.
Müller Josef, Sagen aus Uri, Band 2, Nr. 493 ff., S. 36 f.
   
Der Glasscheibenhund kommt in der Urner Sage an mehreren Orten vor: Bürglen, Schattdorf, Schächen- und Reusstal sowie in den Seegemeinden. Er war ein grosser, schwarzer Hund, der mitten auf der Stirn ein einziges, leuchtendes Auge (manchmal auch zwei) trug von der Grösse einer Butzenscheibe an einem Fenster. Er war ein stummer, nächtlicher Begleiter, immer auf der rechten Seite gehend, leuchtete er den Weg. Er weicht immer nach rechts aus und geht an der linken Hand der Leute vorbei. Er leistete auch den Nachtbuben Gesellschaft. Er trat immer nachts auf, tat niemandem etwas zu Leid, war trotzdem etwas unheimlich. Beim morgendlichen Betenläuten, beim ersten Klang der Glocke verschwand er.
Fotomontage: Rolf Gisler-Jauch (2017).

IN DIESER SAGE VORKOMMENDE FIGUREN

Der Geist, das Ungeheuer (Tier)

SAGENHAFTE ÖRTLICHKEITEN

Gurtnellen, Fellital   
Silenen, Ried   

SAGENHAFTE THEATERSTÜCKE

 

 

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 08.12.2020