Beispiel einer festlichen Mahlzeit der Altdorfer Aristokratie (1758)
Der erste Gang bestand in einer Fleischbrühe mit Gemüse-und Fleischeinlagen, einer «Fideletsuppe» und einer Eiergerste; der zweite Gang setzte sich fort mit gebackener und gezuckerter Leber, einem gesottenen Huhn sowie einem Hirn in einer sauren Sosse; als dritter Gang wurden gesottener Fisch, eine grosse Pastete mit Kraut und Fischrogen serviert; für den vierten Gang gab es gesottenes Rindfleisch und «Luzerner Würstli», saurer Kabis mit gedörrtem Fleisch und «Salsitzen»; zum fünften Gang wurde ein grosser «Polbeth», ein gewürzter Hackfleischkloss, aufgetischt, der von kleinen «Polbethli» umgeben war, und der von Wirz mit Schnecken und einem Lauch- und Sellerieauflauf begleitet war; der sechste Gang brachte den Gästen einen Gallerich (Sülze) mit Kalbsfüssen, einen solchen mit einem Huhn und zusätzlich noch eine dritte Gallerich-Platte; mit dem siebenten Gang stand ein gebratenes Schneehuhn auf dem Tisch, ferner gebackene Fische und ein gebratener Hase; der achte Gang krönte das Mahl mit gespickten Äpfeln, einem welschen Huhn, einem Nierenbraten und einer Platte voll erfrischendem Salat; endlich liess der neunte und letzte Gang das Essen mit einem Mandelmus, Mandelkrapfen, einer Torte und Hüppen ausklingen; zu guter Letzt stand für die Gäste noch eine spezielle, «Tabakrollen» genannte, Sorte Gebäck bereit.
Literatur: Aus dem Kochbuch der Maria Josepha Müller-Brand, in: Iten Karl, Stadler Emil; Zeitungsserie «Rings um ds Ürner Chuchigänterli», in: GP Nr. 43, 7.11.1970.
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