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Liebeszauber
   
Kaum ein Bereich des menschlichen Lebens war derart mit Magie durchdrungen wie das Liebesleben. Die Liebe wurde seit eh und je als unerklärliche Kraft empfunden, die im negativen Sinn gar als Krankheit angesehen wurde. Man behandelte die Liebe mit vielerlei magischen Mittel. Damit wollte man die Liebe je nachdem wecken, einflössen, bewahren, steigern, verhindern oder abtöten.

Der Liebeszauber diente dem Wunsch, den Liebeswillen eines andern zu beeinflussen, zu fesseln oder im schlimmsten Fall zu vergewaltigen. Dazu benutzte der Liebeszauberer nicht nur natürliche Mittel. Er griff auch zu magischen Praktiken, um Gewalt über das fremde Leben zu erlangen. Dies war die eher männliche Komponente des Liebeszaubers. Die weibliche entsprach dem Wunsch, durch Schaffung einer magischen Bindung und Vereinigung fremdes Leben aktiv dem eigenen zuzuwenden.

Für den Liebeszauber wurden verschiedene Mittel verwendet. Es gab Liebesprüche, bei denen man der magischen Kraft des Wortes vertraute. Zur Wortmagie gehörten die Liebesbriefe, die in Reimen auf eine Herzform geschrieben wurden. Ein anderes Mittel war der Zauber mit Wachsbildern. Man fertigte auch Liebesamulette und Liebesgürtel an. Dazu benutzte man Pflanzen oder Essenzen: Liebstöckel, Knabenkraut, Alraune, Eichelschwamm, Hanf, vierblättriger Klee, Lorbeer, Zimt, Muskat, Gewürznelken und andere. Von Tieren wurden besondere Teile gebraucht: Fledermausherz, Schwalbenherz, Hühnerei, Hahnen- und Krähenfedern, aber auch Frosch- und Krötenskelette und vieles mehr. Für die Zubereitung der Liebessalben, -pulver, -speisen und -kuchen wurden solche Bestandteile gemischt. Oft kamen aber auch geweihte Reliquien oder Hostien dazu. Man hatte die Vorstellung, dass ein Liebesblick die Gegenliebe eher entflammte, wenn man entsprechende Zaubermittel auf sich trug oder wenn man beim Küssen die Zunge einer Turteltaube im Mund versteckt hielt.

Die Liebesmittel versagten, wenn die begehrte Person durch die Liebe an eine andere Person gebunden war. So musste man zuerst diese Liebe töten und das Paar auseinander bringen. Man nahm Haare von Hund und Katze, warf diese heimlich zwischen die Liebenden und sprach eine Beschwörungsformel.

Da man glaubte, dass das Einverleiben am stärksten zusammenhielt, versuchte man etwas vor dem eigenen Ich und dem andern in oder an den Leib zu bringen. Heimlich mischte man Asche von Haaren, Fingernägeln, abgeschabtem Ohrenschmalz, Schweiss oder Blut (Menstruationsblut) dem andern in die Speise. Als besonders gefährlich galten die Liebestränke, die in den Zauberbüchern beschrieben waren.

Dass man die Liebe nicht nur erregen, einflössen, übertragen, sondern direkt erzwingen konnte, war allgemeiner Glaube. Man konnte es dem andern antun. Gegen den unausweichlichen Zwang dieser Mittel half nur ein Gegenzauber. Man versuchte Haare oder Nägel des andern zu erwischen. Diese musste man vergraben oder verbrennen. So wurde der Liebeszwang vernichtet. Erhielt man Liebeskuchen oder Liebesäpfel, so konnte man sich retten, indem man diese den Tieren verfütterte.

Alte Frauen erzählten, sie hätten ihren Geliebten getrocknete Salbeiblätter ins Essen gestreut. Das förderte die Liebe. Auch vom Hofmannstropfenkraut berichtete man ähnliches.113 Wenn es ein Mädchen zuwege brachte, einem Jüngling etwas von seinem Menstruationsblut in Speise oder Trank zu geben – wennd’s-em cha v’rgä – so musste dieser das Mädchen besuchen, wann es wollte (konnte nicht von ihm lassen, bis er es einmal, von ihm erzürnt, ohrfeigte).

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 390 ff.; Literatur: Niederberger Hanspeter, Hirtler Christof, Geister, Bann und Herrgottswinkel; S. 214 ff.; Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 299; Müller Josef, Verschiedener Aberglaube, S. 92.

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 1.6.2019