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Wettersegen
   
Das Wetter spielte in der Landwirtschaft eine existentielle Rolle. Ein einzelnes Unwetter konnte den Ertrag eines ganzen Jahres vernichten und eine Hungersnot auslösen. Das frühe Christentum übernahm von der Antike die Vorstellung, dass Dämonen Unwetter mit Gewittern und Blitzen verursachten. Im 8. Jahrhundert führte die Kirche deshalb Wettersegen ein. Der Wettersegen galt als kraftvoller Schutz von Haus und Stall vor Unwetter, Feuer und Naturkatastrophen. Er war ein spezielles Gebet für gutes Wetter, dass sich bis heute erhalten hat. Der Wettersegen ist sowohl ein theologischer wie ein volkskundlicher Begriff.

Aus theologischer Sicht war der Wettersegen ein uralter Brauch in der katholischen Kirche, mit dem Gott um gutes Wetter und die Verschonung von Blitz, Hagel und Unwettern gebeten wurde. Den Segen spendete ein Priester in den Sommermonaten, von Kreuzauffindung (25. April) bis Kreuzerhöhung (14. September), nach dem Gottesdienst mit einer Wettermonstranz. Jede Pfarrei hatte ein Wettersegenkreuz oder eine -monstranz. Das Volk nahm an diesen Segenshandlungen innigen Anteil und achtete sehr darauf, ob ein Pfarrer seine diesbezügliche Pflicht erfüllte. Bei Kreuzgängen und Flurprozessionen wurde mehrmals der Wettersegen erteilt. Die Leute knieten dabei nieder und bekreuzten sich. Die Monstranz enthielt vielfach ein winziges Partikel jenes Kreuzes, an dem Christus angeblich gehangen hatte und das auf wundersame Weise im 4. Jahrhundert von der heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantis, aufgefunden worden war. Nach altem Volksglauben hatte das Kreuz im Jahr 312 nicht nur Kaiser Konstantin zum entscheidenden Sieg auf der Milvischen Brücke in Rom verholfen. Es hat auch die Kraft, die gefahrvollen Elemente der Natur zu bändigen.

Vor allem im 18. Jahrhundert entstanden die Wettersegen-Scheiben oder -Blätter, die mit dem oben erwähnten theologischen Wettersegen nicht zu tun hatten. Die monstranz- und scheibenförmigen Behälter dienten der Aufbewahrung geweihter Dinge. Meist gruppierten sich um ein Agnus Dei Reliquienpartikel, Wallfahrtsmedaillen, Schabmadonnen, Kreuzchen, Kräuter, Korallen und Heiligenattribute, was insgesamt sehr stark an den Inhalt der Breverl erinnerte. Die Anhäufung schutzbringender Gegenstände galt wie bei den Breverl als besonders wirkungsvoll. Auf der Rückseite. fand man in der Regel ein Sammelsurium von Beschwörungs- und Bannsprüchen. Die Wettersegen wurden zu Hause oder in Feldkapellen zum Schutz gegen Unwetter, Feuer, ansteckende Krankheiten und Unfälle entweder an die Wand gehängt oder aufgestellt. Auch sollten sie Haus und Hof, Mensch und Tier vor Verhexung und dämonischen Einflüssen bewahren. Wettersegen-Blätter hielt man zu Hause gegen Gewitter bereit. Brach in der Nacht ein schweres Gewitter los, so stand man auf und versammelte sich in der Stube, um durch lautes Gebet die Blitzgefahr vom Hause abzuwenden. Wettersegen-Blätter wurden bis ins 19. Jahrhundert gedruckt. In manchen Familien war ein gedruckter Wettersegen seit Generationen weitervererbt worden. Dieser wurde bei schweren Unwettern hervorgenommen und meist von der Hausmutter laut vorgelesen. Gleichzeitig brannte die Wetterkerze und es wurde mit Palmzweigen Rauch gemacht.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 643 f. Literatur: Kälin Detta, Zauberwahn und Wunderglauben, S. 26; Imfeld Karl, Formen der Volksfrömmigkeit im Jahreslauf, S. 354; Wunderlin Dominik, Mittel zum Heil, S. 52; Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 446.

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Walter Bär-Vetsch, Altdorf

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 1.6.2019