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Fliessende Gewässer im Detail



Dorfbach Altdorf

Kanal /

Einzugsgebiet: Schächen (539  müM)
Mündung: Urnersee (433  müM)
Länge: 4.67 m

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Der Altdorfer Dorfbach (offiziell Dorfbachableitung Bürglen) ist ein künstlich angelegter Gewerbekanal. Bereits vor seiner Entstehung versorgte ein kleiner Mühlebach einzelne Betriebe mit Wasser. Da dieser den wachsenden Bedürfnissen nicht mehr genügte, erlaubten Landammann und Rat von Uri 1515 den Bau eines Wehrs im Gebiet Hartolfingen in Bürglen. Dadurch konnte Wasser durch das Dorf Altdorf und in die unterhalb gelegenen Gebiete geleitet werden. Der Dorfbach entwickelte sich in der Folge zu einer wichtigen Lebensader des Dorfes.
Das Wasser wurde aus dem Schächen abgezweigt und in den künstlich angelegten Dorfbach geleitet. Auch heute wird der Dorfbach in Bürglen aus dem Schächen gespeist. Das abgeleitete Wasser gelangt zunächst zur Anlage des Wasserkraftwerks Farb. Die dort 1983 errichtete Turbinen- und Regulieranlage erzeugt Strom und sorgt zugleich für eine möglichst gleichmässige Wasserführung im Dorfbach. Nach der Dorfbachordnung von 1905 sollten rund 750 Liter pro Sekunde durch den Kanal fliessen; heute beträgt die durchschnittliche Ableitung von ungefähr 0,8 Kubikmetern pro Sekunde.


Der Dorfbach ist an der Hochmühlegasse durch Granitplatten und Gitter abgedeckt.

Der Bach fliesst anschliessend durch das Siedlungsgebiet von Bürglen, den Urner Hauptort Altdorf und mündet schliesslich in Flüelen in den Vierwaldstättersee. Von der Gesamtlänge von ca. 4,67 Kilometern verläuft er auf einer Strecke von 2,73 Kilometern unterirdisch (eingedolt) durch das Siedlungsgebiet von Bürglen und Altdorf. Im Dorfkern ist er stellenweise nur noch durch Granitplatten, Gitterabdeckungen oder Glasscheiben sichtbar. Auf der Höhe des ehemaligen Altdorfer Schützenstandes kommt er wieder zum Vorschein und verläuft in einem natürlichen Bachbett.

Der Bach diente zunächst zur Ableitung des häuslichen Schüttsteinwassers. Das Altdorfer Dorfbüchlein regelte genau, wer gebrauchtes Wasser einleiten durfte. Gleichzeitig war es verboten, Mist, Gülle, Kehricht, Knochen, Eingeweide und anderen Unrat im Bach oder an seinen Ufern zu entsorgen. Trotzdem führte die Verschmutzung immer wieder zu Problemen.
Von grosser Bedeutung war der Dorfbach auch für den Brandschutz. Nach den verheerenden Dorfbränden von 1400, 1693 und 1799 mussten die Einwohner Wassereimer bereithalten, um im Ernstfall Wasser aus dem Bach schöpfen zu können. 1848 bestimmte die Dorfgemeinde, dass der Wasserlauf nicht nur nachts, sondern auch bei Föhn und anhaltendem Sturmwind nicht abgestellt werden durfte.
Seine wichtigste wirtschaftliche Aufgabe erfüllte der Dorfbach als Energielieferant. Wasserräder trieben Mühlen, Sägereien, Gerbereien, Färbereien, Walkmühlen, Schmieden und zahlreiche andere Werkstätten an. Bereits im 16. Jahrhundert bestanden entlang des Baches mehrere Gewerbebetriebe. 1772 verfügten 14 Eigentümer gemeinsam über 33 Wasserräder. Dazu gehörten sechs Mühlen, drei Färbereien, drei Gerbereien und zwei Sägereien.
Der Dorfbachplan von 1865 nennt fünf Mühlen, fünf Sägereien, zwei Parquetterien, zwei Bierbrauereien sowie eine Walkmühle, eine Büchsenwerkstätte, eine Färberei und ein Hammerwerk mit Weberei und Spinnerei. 1896 bestanden noch 17 Betriebe, darunter Mühlen, Sägereien, Schreinereien, Walkmühlen, eine Wagnerei, eine Spinnerei, eine Parquetfabrik, eine Hammerschmiede und eine mechanische Werkstätte. Der Dorfbach begünstigte damit über Jahrhunderte die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie und schuf zahlreiche Arbeitsplätze.
Auch die spätere Dätwyler AG wurde 1909 nicht zuletzt deshalb von Zürich nach Altdorf verlegt, weil ihr hier eine Wasserkraftleistung von rund 80 PS zur Verfügung stand.


Das Schaufenster des Dorfbachs in Altdorf beim Eingang der Greinergasse in die Hellgasse.

Mit der Elektrifizierung verlor der Standort unmittelbar am Dorfbach an Bedeutung. Während gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch 17 Betriebe Wasserrechte besassen, machten 1917 nur noch zwölf davon Gebrauch. Wasserräder und mechanische Transmissionsanlagen wurden nach und nach stillgelegt oder durch Turbinen ersetzt. Die Wasserkraft diente nun nicht mehr unmittelbar dem Antrieb einzelner Maschinen, sondern zunehmend der Erzeugung elektrischer Energie.
An die Stelle der früheren Wasserräder traten mehrere Kleinkraftwerke. Das Elektrizitätswerk Altdorf nahm 1983 in der «Färb» in Bürglen eine Anlage mit rund 70 Kilowatt Leistung in Betrieb. Sie erzeugte nicht nur Strom, sondern regelte zugleich die Wassermenge im Dorfbach.
Weitere Turbinen entstanden 1987 bei der ehemaligen Hammerschmiede Waldis mit etwa 20 Kilowatt und 1991 beim Mariannhiller Missionshaus St. Joseph mit 95 Kilowatt. Auch bei der Hochmühle wurde mit einer Leistung von rund 15 Kilowatt Strom erzeugt. Überschüssige Energie konnte in das Netz des Elektrizitätswerks Altdorf eingespeist werden; reichte die Eigenproduktion nicht aus, lieferte das Werk den fehlenden Strom. Die Dätwyler AG nutzte den Dorfbach bis 1993 ebenfalls zur Stromproduktion. Zwei Turbinen erbrachten zusammen rund 85 Kilowatt.

Für die Dätwyler AG war der Dorfbach vor allem als Lieferant von Kühlwasser wichtig. Der Altdorfer Gemeinderat gewährte dem Unternehmen 1952 das Recht, Wasser für den Fabrikbetrieb zu entnehmen. Bedingung war, dass das gebrauchte Wasser vollständig in den Bach zurückgeführt wurde.


Der Altdorfer Dorfbach unterwuert die A4 beim Ausgang des Axentunnels unmittelbar vor der Überquerung der Gemeindegrenze nach Flüelen.

Literatur: Fryberg Stefan, Uri und seine Wasser, S. 233-237; Fotos: Rolf Gisler-Jauch (2026).

AN DAS GEWÄSSER GRENZENDE GEMEINDEN

Bürglen
Altdorf
Flüelen

EREIGNISSE IM UND AM GEWÄSSER

1846  - Sonntag, 23. August 1846
Rüfe zerstört in Altdorf Tabakstampfe
Nach 3 Tagen anhaltendem Regen gehen im Bannwald zu Altdorf viele Rüfen und Wildbäche nieder. So zerstört eine Rüfe zwischen 2 und 3 Uhr morgens vom so genannten Milchbach die Tabakstampfe und überführt den Dorfbach und fruchtbares Land 20 bis 30 Fuss hoch mit Schutt und richtet einen zu 8‘000 Gulden geschätzten Schaden an.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 155.
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1855  - Mittwoch, 18. Juli 1855
Platten des Dorfbaches dürfen nicht befahren werden
Auf Ansuchen des Gemeinderates Altdorf wird das Befahren des mit Platten gedeckten Dorfbachs vom Tellenbrunnen aufwärts bis zum Bessler- oder Platzbrunnen verboten. Einzig den Besitzern von alt Landesstatthalter Karl Franz Arnolds Gasthaus Löwen, vom so genannten Rauch'schen Haus und von Lieutnant Karl Gobbi's Haus wird der Fahrweg über das vom Kronengässli bestehende Brücklein zugegeben.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 149.
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1910  - Donnerstag, 24. Februar 1910
Kind fällt in Flüelen in Dorfbach
Ein sechsjähriger Knabe fällt beim Bahnübergang beim Schlösschen Rudenz in den Dorfbach und ertrinkt. In der Zeitung werden die zuständigen Behörden aufgefordert, der gefährlichen Stelle Abhilfe zu schaffen. Den Behörden könne jedoch keine Schuld in die Schuhe geschoben werde, da das verunglückte Kind eben auch ein Windfang war und auch anderen gefährlichen Lausbubereien nachging: die Lehne der Passarelle hinunter zu reiten, auf dem Geländer am Hafen herum zu turnen, dem Tram bei der Durchfahrt durchs Dorf anzuhängen oder auf der Treppe zu sitzen und auszprobieren, ob sie beim Herannahen von Autos und Velos noch schnell die Strasse überqueren können.
UW 9, 26.2.1910; 11, 12.3.1910
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1913  - Donnerstag, 25. Dezember 1913
Umleitung des Dorfbachs in Flüelen
Seitdem der Dorfbach nicht mehr in den Hafen mündet, schwimmen keine Leichname von Hunden und Katzen mehr, welchen das Leben in der Residenz verleidet war. Der Dorfbach wird weiter oben gefasst und führt hinter der Zügelhütte in den See. Damit verschwand beim Schloss Rudenz auch die sogenannte "Mördergrube", in welcher mehrere Kinder ertrunken sind.
UW 52, 25.12.1913
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1996  - Freitag, 1. März 1996
Planungsarbeiten an der N4-Umfahrung werden wieder aufgenommen
Wegen der ungewissen Linienführung der NEAT-Zufahrtslinie können die Planungsarbeiten erst wieder 1996 aufgenommen werden. Dabei ist das Generelle Projekt der SBB-Basisvariante II vom März 1996 zu berücksichtigen. Das Vorhaben besteht aus 4 voneinander abhängigen Teilprojekten. 1) der N4 Umfahrung Flüelen; 2) der Anpassung alte Axenstrasse durch Flüelen; 3) dem Ausbau und der Renaturierung des Dorfbaches Altdorf; 4) der Instandsetzung der N2/SBB-Wanne.
RSchB 1996/97, S. 25
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2002  - Montag, 10. Juni 2002
Dorfbach der Gemeinde Altdorf übergeben
Anlässlich einer Begehung übergibt der Kanton den ausgebauten und restaurierten Dorfbach der Gemeinde Altdorf. Diese wird künftig für den Unterhalt besorgt sein.
UW 45, 12.6.2002
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2009  - Samstag, 29. August 2009
Entenschwimmen wird zum Event
Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums des Wasserball-Clubs Uri findet auf dem Altdorfer Dorfbach ein Entenschwimmen statt. Knapp 1800 Entchen wurden an Frau und Mann gebracht un im Beisein von mehr als 200 Personen gewassert. Nach 20-minutiger Reise hatten die schnellsten Enten den rund 1 Kilometer langen Parcours absolviert.
UW 68, 2.9.2009
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 19.08.2022