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Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1823/1826
Bd 1 (1823)
Polizei und Sittlichkeit

199  
Ordnung der Sonn- und Feiertage
«Jedermann soll die hl. Sonn- und Feyertage pflichtmäßig feyern. Es sollen die Wirthe an solchen Tagen vor den Gottesdiensten ihre Gäste, Reisende ausgenommen , ans ihren Häusern schaffen und die Häuser während den Gottesdiensten für Einheimische und Fremde, die nicht Durchreisende sind , soviel möglich , geschlossen halten bey Gl. 20 Buß von jedem Mal, sowohl für den Wirth als Gast. Es sollen auch an diesen Tagen aller Gattung Laden, Mühlinen c. c. geschlossen seyn, und weder Lebensmittel, noch andre Waaren verkauft, noch sonst herumgetragen werden den Gl. 10 Buß von jedem Mal, mit Vorbehalt jedoch dringender Krankheitsfällen, wo aber nichts mehrers, als was für den Fall nothwendig ist, gegeben werden soll. So ist auch verdorben an solchen Tagen Baumwolle auszugeben oder einzunehmen bey Gl. 5 Buß. Von allen diesen Bußen soll dem Angeber die Hälfte zukommen. Die Dorfgerichte sollen hierüber wachen, und im Hauptflecken soll der Richter des Lands durch die Amtsleute zuweilen an solchen Tagen Nachsehen lassen, ob Handels- und Kramläden offen seyen, auch unter den Gottesdiensten und Prozessionen in den Wirthshäusern, ob Leute sich darin befinden, und solche daraufweisen lassen, und sollen dann die Fehlbaren angezeigt und gebührend bestraft werden. So soll auch der Bettelvogt unter den Gottesdiensten auf die Plätze herumgehen, und so Knaben oder erwachsene Leute müßig herumstehen oder mit Kegel- oder andern Spielen sich aufhalten, solche zur Kirche mahnen. Ueberhaupt sollen die Vorschriften und Ermahnungen des jährlich am Unsch. Kind. Tag den 28sten Dezember zu bestätigenden Sittenmandats genau befolgt und beobachtet werden.
Unter den Gottesdiensten, während den hier und in andern Artikeln etwas verbothen, sind vorzüglich vormittägige Amt und Predigt, und Nachmittags die Christenlehre, und dann besondere Andachten vor dem Hochwürdigsten oder Prozessionen mit demselben zu verstehen.
Das Einsammeln des Heues an Sonn- und gebotenen Feyertagen zu erlauben, ist gänzlich den HHrn. Pfarrherren überlassen.»

Ergänzung von 1825 (Beschluss Landrat)
«Es soll sich an Sonn- und gebothenen Feyertägen jedermann enthalten schwere Lasten (Bürden) herumzutragen, und sollen die Landjäger genaue Aufsicht halten, um die Fehlbaren dem Hrn. Richter des Landes anzuzeigen.» Die Alpfahrten sollen weder auf den Vorabend, noch auf den Tag nach einem gebothenen Fest-Tag bestimmt werden. An den gleichen Tagen soll auch das Vonalpfahren verbothen seyn, dringende Noch ausgenommen. Alles Obige bey Gl. 10 Buß.»

Schreiben von Papst Gregor XVI. vom 25.9.1835
Feiertags-Ordnung.
Es ist durch die Hochlöbliche Regierung des hohen Standes Uri folgendes Breve Sr. jetzt regierenden päpstlichen Heiligkeit Gregor des XVI., den künftigen Bestand und Regulierung der Fest- und Feiertage u. s. w. betreffend, eingegangen, welches in der Uebersetzung lautet, wie folgt:
«GregoriuS Papst XVI. zum ewigen Angedenken. Sehr erwünscht sollen wahrlich die Festtage allen Christen seyn, die vom Glauben belehrt sind, daß ihnen nichts angelegener seyn soll, als daß sie mit Gott, von dem sie Herkommen, in dem sie leben, und zu dem sie zurückzukehren erwarten, mit beflissensten Religionsübungen vereinigt seyen. Denn an diesen Tagen widmen und feiern wir dem ewigen Gott und Schöpfer aller Dinge das Angedenken seiner Gutthaten, damit nicht im aufe der Zeit eine undankbare Vergessenheit eintrete. Weßhalben von Uns, die Wir aus besonderer Gutthat Gottes selbst mit der Vorstehung der ganzen katholischen Heerde beladen sind, alle Sorgfalt und alles Streben auf die Anordnung der Feiertage und ihre Begehung gerichtet seyn soll, doch so, daß, da Wir den geistlichen Nutze der Völker fördern, den zeitlichen Bedürfnissen nach Zeit- und Orts-Verhältnissen angemessen und heilsam entgegen zu kommen nicht entstehen.
Es ist Uns das schriftliche Anlangen zugekommen, vorstellend, daß die Innwohner des Kantons Uri in der Schweiz, größtentheils aus Bergleuten bestehen, daß die Wohnungen auf den Bergen zerstreut, weit von einander entfernt und abgelegen, zur Winterszeit die Wegsame wegen den Schneemassen nicht selten gefährlich sind, in der Sommer, und Herbstzeit aber beinahe ganze Tage den nothwendigen Arbeiten zu entziehen seyn würden, wenn sie aus so entlegenen Orten sich zur Kirche begeben müßten. Weßwegen, da in den meisten katholischen Kantonen der Schweiz eine besondere, ihrer Beschaffenheit angemessene Ordnung der Feiertage schon lange bestehe, solche wohl mit mehreren Grunde für die Völkerschaft Uri bei ihren beengten Verhältnissen einzuführen wäre. — Es hat daher unser geliebter Sohn Anton de Waja, bischöflicher Kommissarius, Namens der dasigen Regierung das bittliche Ansuchen an Uns gestellt, daß nach reifer Erwägung der vorgetragenen Ursachen, Wir eine ersehnte Verminderung der Feiertage willfährig ertheilen möchten. Um daher sothanen Wünschen zu entsprechen, und der Beruhigung und Nutzen des katholischen Kantons Uri entgegen zu kommen, geben Wir dem ehrwürdigen Bruder Bischof zu Chur den Auftrag und Befehl, daß Er in erwähnten, Kanton jene Ordnung der Feiertage aus Unserer apostolischen Vollmacht verfüge und kundmache, die in mehreren Orten der Schweiz schon gehalten wird, nämlich: daß nur mehr nachbenannte Feste gehörig zu beobachten sind: Das Fest der Beschneidung unsers Herrn Jesu Christi (oder der Neujahrstag), das Fest der Erscheinung des Herrn (oder der hl. drei Könige), Maria Lichtmeß, das Fest des hl. Josephs, Maria Verkündigung, der Oster- montag, die Auffahrt unsers Herrn Jesu Christi, der Pfingstmontag, das Frohnleichnamsfest, das Fest des heiligen Johann des Täufers, der hl. Apostel Peter und Paul, Maria Himmelfahrt, Maria Geburt, das Fest aller Heiligen, des hl. Martinus Bischofs, Maria Empfängniß, das Fest der Geburt Jesu Christi, des hl. Stephan, ebenso alle Sonntage des Jahres. — Nebstdem sind auch der Charfreitag, der Tag des Gedächtnisses der im Herrn verschiedenen Christgläubigen, das Fest des hl. Markus, der Freitag nach der Auffahrt Christi, das Fest des hl. Magnus und Maria Heimsuchung bis nach geendigtem vormittägigen Gottesdienst oder feierlichen Bittgang zu feiern; — die Feierlichkeiten aber des hl. Antonius Abts, der hl. Märtyrer Fabian und Sebastian, der hl. Agatha, der hl. Jodocus und Rochus, des hl. Märtyrers Pelagius und das Fest wegen von den Vorfahren erhaltenen Siegen, auf den nächsten Sonntag übertragen, alle übrige bisher stattgehabte Feiertage aufhebe, und die Katholischen auch von der Verbindlichkeit des Meßhörens an diesen Tagen gänzlich entledige: letztlich die Vigilien und Fasttage, welche einigen nun dispensirten Festtagen vorangiengen, auf die Freitage und Samstage des Advents verbindlich verrsetze.
Dies ist nun, was Wir zum Besten des katholischen Kantons Uri, Ihm, dem ehrwürdigen Bruder, auftragen, in gänzlicher Zuversicht, Er werde nichts ermangeln lassen, daß vorbeschriebene und nun bestimmte Feste mit Empfang der hl. Sakramente, Erwägung himmlischer Dinge, mit allem Gefühl der Frömmigkeit und Religion immer mehr geheiliget werden. Indessen voll dieser Hoffnung ertheilen Wir Ihm, dem ehrwürdigen Bruder Bischof von Chur und dem katholischen Volke des Kantons Uri liebvoll den apostolischen Segen. Gegeben zu Rom bei Maria Major unter dem Fischerring am 21. Sept. 1835 im fünften Jahr Unseres Papstthums.
Card. de Gregorio.»

Schreiben von Bischof Johann Georg vom 1.12.1835
«In Folge und zur Vollziehung des vorstehenden päpstlichen Auftrages wird von derseitiger bischöflicher Administration im Namen und aus ertheilter Vollmacht Sr. Heiligkeit verordnet, festgesetzt und zu allgemeinem Wissen und Nachachtung durch gegenwärtiges kund gemacht, wie folgt:
1. Bestehen künftig als gebotene Feiertage nebst den sämmtlichen Sonntagen des Jahres nachbenannte Feste: Der Neujahrslag oder das Fest der Beschneidung Jesu Christi, das Fest der hl. drei Könige, Maria Lichtmeß, des heil. Josephs, Maria Verkündigung, der Ostermontag, die Auffahrt unsers Herrn Jesu Christi, der Pfingstmontag, das Frohnleichnamsfest, das Fest des hl. Johann des Täufers, der Apostel Peter und Paul, Maria Himmelfahrt, Maria Geburt, das Fest aller Heiligen, des heiligen Martinus Bischofs, Maria Empfängniß, Weihnacht oder Geburt Jesu Christi, das Fest des hl. Stephan.
2. Sind der Charfreitag, Gedächtniß der armen Seelen, das Fest des hl. Markus, der Freitag nach der Auffahrt des Herrn, das Fest des hl. Magnus, Maria Heimsuchung nur bis Endigung des vormittägigen Gottesdienstes oder Prozessionen als Feiertage anzusehen und zu halten.
3. Werden die Feste des hl. Antonius Abts, der hl. Mart. Fabian und Sebastian, der hl. Agatha, Jodocus, Rochus und Pelagius, nebst dem Fest wegen erhaltenen Siegen auf den nächsten Sonntag nach selben übertragen.
4. Wird bewilliget, die übrigen bisher geboten gewesene oder übliche Feiertage in Zukunft wie andere gemeine Werktage zu halten, und auch die Verbindlichkeit des Meßhörens abgenommen und erlassen; weiters und schließlich 5. Werden die gebotenen Fasttage, welche an den Vorabenden einiger nun dispensirten Feiertage (andere von der Kirche vorgeschriebenen Fasttage bleiben unverändert an ihrer bisherigen Stelle) bestanden, auf die Freitage und Samstage des Advents übersetzt.
Damit aber mit gegenwärtiger Nachsicht und Ab. Minderung der Feiertage nicht auch die Verehrung Gottes und der Heiligen, das nothwendige Gebet und Religions-Uebungen und Heil der Seelen zugleich Abbruch leide, wird, auch nach dem Sinne des hl. Vaters, Vermehrung des Eifers und der Andacht in Heiligung der noch bestehenden Feiertage möglichst empfohlen.
Welche Verordnung von sämmtlichen Pfarrern an einem nächstschicklichen Sonntag von der Kanzel zu verkünden ist, und mit Anfang des nächsten Jahrs 1836 in Wirkung zu gehen hat.
Chur am 1. Dezember 1835. Johann Georg, Bischof.»

Ergänzung vom 12.12.1835 (Beschluss Wochenrat)
«Wir Landammann und Rath des Kantons Uri, Nach genommener Einsicht dieser von Sr. päpstlichen Heiligkeit uns zugestandenen Verminderung der Feiertage und der von Sr. bischöflichen Gnaden zu Chur angeordneten Vollziehung derselben erkennen und verordnen: daß das Ganze dem Drucke übergeben, sowohl der Hochwürdigen Geistlichkeit als sämmtlichen löbl. Gemeindräthen des Kantons in genügenden Exemplaren mitgetheilt, öffentlich verlesen und mit An- fang des Jahrs 1836 in Vollziehung und Anwendung gebracht werden soll.»

LR 1770, 1773, 1794, 1803; LG 1716, 1724, 1735, 1756, 1810; LB UR 1823 Bd I, S. 177 f. LR 1825; LB UR 1826 Bd 2, S. 23. / WR 12.12.1835; ; LB UR 1842 Bd III, S. 50-55.
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200  
Vom Spielen, Besuch und Aufenthalt in Wirthshäusern
«a) Nach 9 Uhr Abends ist alles Spielen in Wirthd- und Schenkhäusern, so wie auch an Sonn- und Feyertagen während den Gottesdiensten jeder Art bey Gl. 10 Buß verbothen, in welche Buß auch der Wirth verfällt. Und wenn in erlaubter Zeit gespielt wird, sey es um Geld oder um Speis und Trank, soll keiner mehr als einen Thaler (Gl. 2 Sch. 10) oder dessen Werth verspielen oder verwetten mögen bey gleicher Buß, in welcher auch der ist, der auf seinem Eigenthum ein mehrers zuläßt. Das Flüßlen, Bocken, Oberlanden und alle bietende Spiele sind bey Gl. 100 Straf verbothen, und wer im Bassetenspiel die Bank geben würde, fällt in gleiche Buß.
b) Wenn Taglöhner oder auch andere Leute sich dem Spielen und Wirthshäuserbesuchen zu sehr ergeben, sollen sie von der Oberkeit geahndet, und zur Gebühr gewiesen werden.
c) Es sollen auch die Fremden, so nicht Durchreisende sind, am Abend um 9 Uhr, und die Einheimischen um 10 Uhr aus den Wirths - und Schenkhäusern nach Haus sich begeben bey Gl. 5 Straf von jedem Mal sowohl für den Wirth als Gast, wobey doch Bruderschaft- und Schützenmähler, Kirchen- Dorf- und Bruderschafts - Rechnungen, so wie, wenn einer Ehren halben oder einzig wegen Geschäften, die früher nicht verrichten können, noch im Wirrhshaus wäre, dabey nicht gefahret seyn sollen. Von allen in diesem Art gemeldten Strafen soll dem Angeber die Hälfte zukommen.»

Alt Art. Landb. 174, LR 1822; LB UR 1823 Bd I, S. 178 f.
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201  
Vom Spielen um Antrinken, Nöthigen zum Trinken und Volltrinken
«Alles Antrinken, so wie das Spielen und Loosen um Antrinken ist gänzlich verbothen, wie auch das Zutrinken oder Volltrinken, so wie das Nöthigen zum Trinken mehr als einer ertragen mag oder seiner Gesundheit zuträglich ist, alles bey Gl. 25 Buß, wovon dem Kläger die Hälfte zukommt, und sollen die Wirthe solches nicht zulassen bey gleicher Buß, und so sie selbst mithelfen, sollen sie um das Doppelte bestraft werden.»
Alt Art. Landb. 131, LR 1811; LB UR 1823 Bd I, S. 180.
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202  
Vom Tanzen und Masken gehen
«Das Tanzen nach 9 Uhr Abends, wie auch an Sonn- und Feyertagen und an derselben Vorabenden und an Fasttagen, wie auch an den Markttagen ist bey Gl. 10 Buß für jede Person und den Wirth verbothen, wovon dem Angeber der dritte Theil gefolgert soll. Auch ist das übertriebene so wie das allzunahe Walzen bey Gl. 10 Buß, wie oben, verbothen.
Dem Landsrath jährlich am 28sten Dezember, als an der Unsch. Kind. Tag bleibt das Recht nach Umständen und Befinden das Tanzen bis zur künftigen Landsgemeinde zu beschränken oder ganz zu verbiethen. Dem gleichen bleibt überlassen, das Maskengehen und sich Verkleiden für die Fastnacht jedes Mal zu verbiethen oder zu erlauben, in welch letztem Fall die daherigen Vorschriften des Sitten-Mandats bey darin aufgesetzter Strafe genau beobachtet und befolgt werden sollen. Von jedem mit gedungenen Spielleuten gehaltenen Tanz solle 1 Neuthaler (Gl. 3 - 10) Abgabe bezahlt werden.»

Alt LB 222; LG 1709, 1719, 1729, 1752, 1777, 1807, 1811; LB UR 1823 Bd I, S. 180 f.
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203  
Nächtliche Unfugen, Schießen, Lermen,Nachtbubereyen etc.
«Alle Unfugen, Lermen und Bubereyen zu nächtlicher Zeit sind bey Gl. 13 und in schwerern Fällen, wie Thüren oder Fenster einschlagen und andre solche sträfliche Handlungen bey Gl. 26 verbothen, und allenfalls noch schwererer Bestrafung laut obgemeldtem Sitten-Mandat. Auch ist das Schießen von Bethläuten Abends bis Bethläuten Morgens bey Gl. 26 Straf verbothen mit Ansnahm des Schießens auf's Gewild, und soll auch hiervon dem Kläger die Hälfte zukommen, und die Dorfgerichte hierüber wachen und die Fehlbaren anzeigen, in welchem Fall sie 1/3 der Strafe zu beziehen haben sollen.»
LR 1807; LB UR 1823 Bd I, S. 181.
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204  
Schmähschriften, Pasquilles, LibeIIes und andere unanständige Anspielungen
«Aller Art Schmähschriften, PasquiIIes, Libelles und Lieder, auch Anspielungen in Bildern, so wie ärgerliche Bilder sind im Land, so wie auch, wenn einer der Unsrigen außer Lands gegen hiesige Behörden, Stände oder Personen sich so etwas erlaubte, bey Gl. 50, wovon dem Angeber 1/3 zukömmt, verbothen, und so einer hierin allzu ungebührend und frech handelte, soll er nach Maßgab noch weiter, selbst auch an Ehr und Gut bestraft werden.»
LR 1819; LG 1675; LB UR 1823 Bd I, S. 181 f.
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205  
Zensur-Verordnung
«Jedermann ist vor Lesung und Verbreitung gefährlicher, böser oder anstößiger Schriften und Bücher ernstlich gewarnet, und wem solche Schriften oder Bücher, besonders wenn deren im Umlauf wären, bekannt sind, solle es dem HHrn. Richter des Lands anzeigen, und die Verbreiter derselben zu ernster Verantwortung und Straf gezogen werden. Es solle daher Niemand einige Bücher, Schriften, gedruckte oder geschriebene Aufsätze in hiesigem Land verbreiten, oder in Umlauf bringen; er habe dann solche vorher der unter Vorsitz eines jeweilenden regier. Landammanns oberkeitlich niedergesetzten Censur-Kommission vorgewiesen, und ihre Erlaubnis erhalten, welche überhaupt über diesen Gegenstand, so wie gegen Verbreitung oder Feilbiethung ärgerlicher Kupfer und Gemälde zu sorgen und das Angemessene hierüber zu verfügen hat.»

Ergänzung vom 5. und 19. Dezember 1835 (Beschluss Landrat)
«Da es sich U. G. Herren und Obern zur Pflicht machen, Vergehungen gegen den Art. 206, enthaltend die Verfügungen gegen Feuersgefahr, streng zu ahnden; so werden die sämmtlichen resp. Gemeindsräthe aufgefordert, bei einer entstandenen Feuersbrunst oder bei Uebertretung dieses Artikels von einiger Wichtigkeit jedesmal einen genauen und unpartheyischen Untersuch zu veranstalten, und darüber U. G. Herren und Obern einen umständlichen Bericht abzustatten.
Die resp. Dorfgerichte werden noch besonders beauftragt, bei vorzunehmenden Feuer-Inspektionen in den Häusern genau nachzusehen, wie und wo die Asche aufbewahrt werde, und jederzeit diejenigen, so sorglos und gefährlich mit dem Feuer umgehen, zur gebührenden Strafe und Ahndung zu ziehen.»Art. 205

Ergänzung vom 27. Mai 1835 (Beschluss Landrat)
«Die w.w. Instruktions-Kommission, beauftragt, die Verrichtungen und Befugnisse der im Art. 205 des Landbuchs benannten Censur-Kommission zu berathen und zu bezeichnen, legte dieser h. Behörde eine deßhalb schon den 11. Oktober 1813 von einem w.w. Landrathe beschlossene Verordnung vor, mit dem einzigen Unterschied, daß die Dawiderhandelnde, wenn Ermahnungen und Zurechtweisungen, auch die Wegnahme des anstößigen Gegenstandes fruchtlos geblieben sind, dann nicht von ihr bestraft, sondern den betreffenden höhern Behörden zur fernern Ahndung verzeigt werden sollen, und es sprach der w. w. Landrath hierüber seine Genehmigung aus, erkennend, wie folgt:
1) Es sollen in hiesigem Kanton keine Bücher oder Flugschriften gedruckt, noch auch anderorts gedruckte, noch geschriebene herumgeboten oder in Umlauf gesetzt werden, sie haben dann die Censur der w. w. Kommission passirt.
2) Die Kommission soll den Umlauf anstößiger Bücher und Schriften hindern, und offenbar böse einziehen.
3) Es soll Niemand Bücher, Schriften oder Kupferstiche, noch Gemälde feil haben, noch damit hausieren, er habe denn vorher die Waare der Kommission vorgewiesen, und ihre Erlaubniß erhalten, wobei die Hausierer noch schuldig seyn sollen, in den Dorfschaften den Seelsorgern ihre Waare vorzuweisen und sich nach deren Besichtigung und Verifikation die Erlaubniß bestätigen zu lassen, welche Pflicht ihnen im Patent zu bemerken ist.
4) Die Buchläden und Lese- oder Leihbibliotheken sollen dieser Kommission offen stehen, und selbe ist beauftragt, auf böse Bücher, religionswidrige oder für den Staat anstößige Schriften, und besonders auf deren Umlauf ein wachsames Auge zu haben, und selbe zu unterdrücken oder wegzunehmen.
5) Ohne in Privat-Bibliotheken, wo die Bücher vom Eigenthümer verwahrt sind, sich einzudringen, wird die Kommission doch im Falle, wo besonders wichtige Umstände eintreten, z. B. öffentliche Behauptung oder Verbreitung aus Büchern gesogener, verworfener oder gefährlicher Grundsätze u. dgl., oder wo ein Privatmann anstößige Bücher ausleihen und so die Ansteckung verbreiten würde, befugt und verbunden seyn, solche Bibliotheken zu untersuchen, und durch ernste Ermahnung oder nach Umständen auch durch Wegnahme der bösen Bücher, Schriften oder Gemälde dem Uebel Einhalt zu thun.
6) Die Kommission wird die Fehlbaren durch Ermahnung und Zurechtweisung, auch durch Wegnahme des anstößigen Gegenstandes bestrafen, in wiederholten oder sonst wichtigen Fällen aber dieselben den betreffenden höhern Behörden verzeigen.
7) Diese Kommission soll aus 5 Mitgliedern, nämlich aus dem jeweiligen Herrn Richter des Landes, als Präsident, aus zwei Mitgliedern des Hochw. geistlichen Kapitels und aus zwei Mitgliedern des w. w. Landrathes, welche vier Mitglieder vom w. w. Landrathe gewählt werden, bestehen.»

LG 1813; LB UR 1823 Bd I, S. 181 f. / LR 27.5.1835, 23.3.1836; LB UR 1842 Bd III, S. 57 f.
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VERFASSUNGEN DES KANTONS URI

Verfassung von 1803
Verfassung von 1820
Verfassung von 1850
Verfassung von 1888
Verfassung von 1984

Verfassung nach Datum

Im URIkon befindet sich von der Verfassung 1850 nur der ursprüngliche Text. Die Verfassungsänderungen werden nachgetragen!

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020