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Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1823/1826
Bd 1 (1823)
Sanitäts-Polizei

219  
Pflichten des Sanitätsrats
«a) Es solle ein Sanitätsrath, bestehend aus drey vom Landsrath aus seiner Mitte zu wählenden Mitgliedern mit Zuziehung der anerkannten Aerzte und Wundärzte, und erforderlichen Falls der Viehärzte über die Gesundheitspflege der Menschen und des Viehs Obsorge tragen, und in vorkommenden Fällen hierüber das Gehörige anordnen; auch die Apotheken alle Jahr durch Erfahrne untersuchen lassen.
b) Es solle Niemand in hiesigem Kanton innerlich mediziniren, aussr er habe sich vorher beym Sanitätsrath hiefür gemeldet, und von demselben Erlaubniss erhalten, und dieser solle aber denjenigen, der die Erlaubniss begehrt, durch erfahrne Aerzte, die zu bestimmen dem Sanitätsrath überlassen bleibt, prüfen lassen. Sollte jemand ohne solche Erlaubniss innerlich mediziniren, solle er von UGHHrn. zu strenger Verantwortung und Straf gezogen werden.
c) So ist ebenfalls allen Quacksalbern, Pfuschern, Schreyern, Tyrolern, und überhaupt jedermann, der nicht anerkannter Arzt ist, verbothen innerliche Medizin und Arzney zu verkaufen, und solle sowohl Käufer als Verkäufer zu ernster Verantwortung und Straf gezogen werden.
Es sollen auch die Gemeindsvorsteher darauf wachen, dass solche Leute nicht im Land herumziehen, noch sich irgendwo aufhalten; sondern sollen solche fortgewiesen oder an Behörde anzeigen.»

Ergänzung vom 1. April 1835 (Beschluss Landrat)
«Der Vorschlag der löbl. Sanitäts-Kommission, daß ihr wegen Nichtbefolgung ihrer Verordnungen ein Strafrecht zugegeben werden möchte, wurde genehmigt, und zwar so, daß diese Behörde in erster Instanz bis auf Gl. 13 zu bestrafen berechtigt ist; in wichtiger« Fällen aber dennoch dem w. w. Rathe Anzeige machen soll, und daß über die Strafen der Sanitäts-Kommission in Zeit eines Monats an den w. w. Rath appellirt werden mag.»


Ergänzung vom 25. Juni 1840 (Beschluss Landrat)
«Der w. w. Landrath,
Zur bessern Erläuterung des Art. 219 des Landbuchs hinsichtlich der ärztlichen Behandlung des Viehes auf den Antrag des wohll. Sanitätsraths beschließt und verordnet hiemit:
Es sey zwar durch das Gesetz nicht als verboten zu betrachten, daß Vieheigenthümer bei gewöhnlichen, unwichtigen und geringen Krankheitsfällen ihr Vieh selbst arztnen, anderwärts Raths pflegen und selbst gekannte oder angerathene Mittel in Anwendung bringen mögen.
In wichtigen Krankheitsfällen aber, so wie bei Verdacht oder Gefahr von Ansteckung sollen nur sachverständige und patentirte Thierärzte gerufen und gebraucht werden dürfen.
Daß sich dann aber solche, die keine gebildete und patentirte Thierärzte sind, ein handwerksmäßiges Geschäft daraus machen, Räthe und Medizinen zu ertheilen, und so gleichsam als Aerzte aufzutreten, das soll gänzlich verboten seyn.
Desgleichen bleibt auch alles Herumziehen solcher Nichtärzte und Verkäufer von Universalmitteln laut diesfalls bestehenden Gesetzen untersagt; so wie es überhaupt bei den gegenwärtig in Kraft bestehenden Sanitätsgesetzen sein Verbleiben haben soll.
Der gegenwärtige Beschluß ist zu Jedermanns Verhalt dem amtlichen Wochenblatt beizurücken.»

LR 1804; LB UR 1823 Bd I, S. 193 f. / LR 1.4.1835, LR 25.6.1840; LB UR 1842 Bd III, S. 63 f.
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220  
Jahresgehalt für Hebammen
«Der Landsrath ist bevollmächtiget in jeder Gemeinde einer Hebamme, die vom Sanitätsrath geprüft und tauglich befunden worden, einen Jahrlohn von wenigst Gl. 15, und höchstens Gl. 25, je nach Massgab derselben Kenntnissen und obwaltenden Umständen, auch nach dem vom Sanitätsrath darüber zu ertheilenden Bericht zu bestimmen.»
LG 1813; LB UR 1823 Bd I,
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221  
Verordnung über die Beerdigung der Verstorbenen
«a) Keine Leiche oder Verstorbener, sey es ein erwachsener Mensch oder ein Kind solle bey gewohnten Krankheiten vor vollem Verlauf von 24 Stunden nach dem Hinscheiden zur Erde bestattet, auch nicht vor dieser Zeit in die Baare eingeschlossen werden.
b) In andern Krankheitsfällen, wie Schlagflüße, Ohnmächten, Gichter, bey Erfornen, Ertrunkenen oder Erstickten und überhaupt bey Verunglückten oder sonst schnell Gestorbenen, und bey Wöchnerinnen (Kindbetterinnen ) solle die Beerdigung niemal vor vollem Ablauf von wenigst 36 Stunden nach dem Hinscheiden statt haben; es wäre dann, daß ein anerkannter Arzt bestimmt erklärte, daß der Körper wahrhaft todt seye.
c) Die H.Hrn. Pfarrer sind beauftragt, diesfallS alle mögliche Obsorge zu haben, keine Beerdigung früher, als hier bestimmt ist, zuzugeben, und wenn in gewöhnlichen Fällen auch nach den 24, oder in bedenklichern und schnellern nach den 36 Stunden über den sichern Tod noch einiger Zweifel vor Händen wäre, mit der Beerdigung auch länger zuzuwarten, und hierin die größte Behutsamkeit zu gebrauchen.
d) Sollte es Leute geben, welche nicht Gelegenheit hätten, eine Leiche so lang im Hause zu behalten, so ist solchen gestattet, dieselbe die erforderliche Zeit über in einem Beinhaus zu haben.»

Erinnerung vom 28. Dezember 1826 (Beschluss Landrat)
«Da U. G. Herren und Obern vernommen haben, daß der Artikel Landbuch, betreffend die Begrabung der Todten, nicht an allen Orten befolgt werde, und Hochselbe verlangen, daß demselben die genaueste Vollziehung gegeben werde, damit nicht Jemand das höchst traurige Schicksal habe, lebendig begraben zu werden; so finden sie sich bewogen, die sämmtlichen Hochw. Herren Pfarrherren und Kapläne hiemit einzuladen, daß sie veranstalten und trachten möchten, daß dem gemeldten Landbuchs Artikel genaue Vollziehung gegeben werde.»

LG 1805, LB UR 1823 Bd I, S. 194 f. / LR 28.12.1826; LB UR 1842 Bd III, S. 65.
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222  
Visa und Reperta
«Die bey todt gefundenen Menschen oder andern Unglücken vorzunehmenden Visa & Reperta, werden in den Gemeinden durch ein Rathsglied und den Dorfweibel ausgenommen, im Hauptflecken durch einen Landschreiber und Weibel. Wenn aber der Fall ungewiß und wichtig oder gar Verdacht von Ermordung obwaltet, wird ein Landschreiber und Weibel nebst einem oder 2 Aerzten, letzteres allemal bey Mordthaten oder sonst wichtigen Fällen, dazu verordnet, und soll es unter den Aerzten umgehen.
Für solche oberkeitliche oder vom Richter des Lands befohlenen Visa & Reperta solle dem Arzt, wenn in seinem Wohnorte ist, Gl. 3 -10 in einfachen Fällen, und wenn mit Section verbunden Gl. 5 - 10, und so außer seiner Gemeinde ist, für den Gang von jeder Stunde Wegs, die Rückkehr einbegriffen, annoch Sch. 30 gegeben werden.
Dem Rathsherr gebührt für ein Visum & Repertum am Orte Gl. 2, bey 1 Stund weiter Entfernung Gl. 3 - 10 und übrigens für den Gang per Stund mit Einbegriff der Rückkehr Sch. 20. Die Landschreiber, Land- und Dorfweibel, die alle bejahrlöhnt sind, haben nur bey weiter Entfernung allfällige Auslagen zu verrechnen.
Einer Hebamme solle für ein Visum & Repertum am Orte ebenfalls Gl. 2, und wenn eine Stunde weit gehen muß Gl. 3 -10 und übrigens für den Gang per Stund, die Rückkehr einbegriffen, Sch. 20 gegeben werden.»

LR 1811; LB UR 1823 Bd I, S. 195 ff.
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223  
Von abgegangenem Vieh
«Vieh, was es immer sey, so auf Allmend oder in Eigen abgeht, soll man gehörig vergraben, und nicht ins Wasser geworfen, auch nicht nahe an der Landstraße vergraben werden bey Gl. 13 Buß. Wenn aber immer einiger Verdacht von Ansteckung oder sonst zweifelhafte Fäll vorhanden; so solle es bey schwerer Verantwortung dem Sanitätsrath, oder dem Richter des Lands angezeigt werden. Auch bleiben hiebey dem Wasenmeister seine Rechte laut nachstehender Verordnung vorbehalten.»
Alt LB 126; LR 1776; LB UR 1823 Bd I, S. 197.
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224  
Wasenordnung, Gehalt und Pflicht des Wasenmeisters
«1. §. Der Scharfrichter ist jederzeit auch Wasenmeister, und wird ihm nebst dem Lohn, denn er für Exekutionen in Kriminal-und Malefiz-Fällen laut alter Tarife zu beziehen hat, wie ehedem, die Nutznießung des Wohnhauses, Gartens sammt Zugehör, wie auch der sogenannten Gand, des Rieds, Thiergartens und des Siechenmättelins ferner belassen, jedoch letzteres nur bis auf allfällig andere Verfügung hierüber.
2. §. Die dabei nöthigen Reperationen an Dach und Gemach sollen auf oberkeitliche Unkosten geschehen; wegen Erhaltung der Hägen sollen dem Scharfrichter jährlich Gl. 15 gegeben werden, und Hr. Seckelmeister aber jedes Jahr Nachsehen lassen, ob dieselben gehörig gemacht und unterhalten werden.
3. §. Der ungespaltene Klauen, als nämlich die Pferde, Maulthier, Esel u. d. gl., so in hiesigem Land abgehen, sollen ohne Ausnahm von dem Wasenmeister auf Berufung weggethan, und davon die Haut für sein Lohn ihm gefolget werden.
In Wassen und Steg sollen ihm Schaufel und Gräbel, weil er wegen der Entfernung solche nicht mitbringcn kann, angeschafft und in Betreff der Verlochung ein schicklicher Ort angewiesen werden.
4. §. In Belange dann des gespaltenen Klauens, bleibt es bey obigem Artikel 223.
5. §. Der Wasenmeister solle die Schuldigkeit haben, wenn es von den Partikularen verlang wird, alles kleinere Vieh, als benanntlich Schaf, Geis, Hunde u. d. gl. gegen Bezahlung von Sch. 6 per Stück, wegzuthun.
6. §. Von dem fremden Rindvieh, so allenfalls in hiesigem Land fallen oder verrecken würde, solle ihm für seine Belohnung wegen dessen Wegschaffung die Haut überlassen werden.
7. §. Sollte einem ein Pferd, Maulthier oder dergleichen abgehen, solle dieser bey Gl. 6 Buß innert 24 Stunden dem Wasenmeister davon Anzeige zu machen schuldig seyn, wo dann letzterer bey gleicher Buß ungesäumt entweder selbst oder durch Absendung eines Knechten an den Ort wohin er berufen wird, sich begeben solle.
8. §. Von dem gefallenen Vieh solle man bey Gl. 25 Buß weder Fleisch noch Fette verkaufen oder verschenken mögen.
9. §. Der Wasenmeisier ist verpflichtet, das verreckte Vieh, so er zu verkochen hat, so tief zu vergraben, daß es nicht von den Hunden oder andern Thieren aufgescharrt, vielweniger durch einen üblen Geruch davon die Luft verunreiniget werde.
10. §. Derselbe, so wie jeder andere, so bey Ausmachung eines gefallenen Stück Viehs irgend eine gefährliche oder ansteckende Krankheit wahrnehmen würde, solle bey Verantwortlichkeit schuldig seyn, dem betreffenden Dorfgericht oder wie in obigem Artikel steht davon die Anzeige zu machen.
11. §. Wenn auf Befehl einer hochweisen Obrigkeit oder aus Verlangen eines Partikularen das gefallene Stück Vieh durch den Wasenmeister muß geöffnet und visitiert werden, so solle dem Knecht für seine Mühe Sch. 10 begutet werden.
12. §. Kein krankes Stück Rindvieh solle bey Straf und Verantwortlichkeit geschlachtet werden, ohne daß ein Rathsglied der betreffenden Gemeind, oder ein geschworner Vieharzt dazu berufen werde, der dann die Ungefährlichkeit der Krankheit dem Dorfgericht zu bescheinigen hat.»

LR 1805; LB UR 1823 Bd I S. 197 ff..
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VERFASSUNGEN DES KANTONS URI

Verfassung von 1803
Verfassung von 1820
Verfassung von 1850
Verfassung von 1888
Verfassung von 1984

Verfassung nach Datum

Im URIkon befindet sich von der Verfassung 1850 nur der ursprüngliche Text. Die Verfassungsänderungen werden nachgetragen!

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020