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Ausgewählte Urner Sagen



Das Toggeli
Ein Bauer in Seedorf hatte zwei Knechte, die es nicht allzu streng hatten, und denen er eine gute Kost vollauf gönnte. Dennoch magerten sie zusehends ab. Deshalb fragte sie der Meister eines Tages, was mit ihnen sei, dass sie so abmagerten; ob ihnen etwas fehle, sie sollen es nur sagen. Jetzt erzählten sie ihm: «Jede Nacht kommt eine grosse schwarze Katze in unsere Schlafkammer, springt aufs Bett, sitzt uns auf das Herz und quillt und drückt uns furchtbar. Wir vermuten, es sei deine eigene Frau, denn einmal, als sie uns wahrscheinlich schlafend dachte, kam sie in ihrer wirklichen Gestalt in die Kammer und ging wieder fort, als sie merkte, dass wir nicht schliefen. «Aber jetzt diesen Abend halten wir ein Gewehr bereit, mit gesegneter Munition geladen, und werden auf die Katze schiessen.» Da erschrak der Meister, denn auch er selber traute der Frau nicht recht und hatte sie im Verdacht der Hexerei. Aber was machen, um das drohende Unglück abzuwenden? Da gaben ihm die Knechte einen guten Rat: «Nachts, bald nach 11 Uhr, gib acht! Und wenn du siehst, dass deine Frau schläft, ohne zu atmen, dann wende sie um und lege sie auf ihr Gesicht.» Der Meister handelte nach diesem Rat, und am Morgen lag seine Gattin tot im Bett auf ihrem Angesicht, wie er sie hingelegt hatte. Ihr Geist hatte nicht mehr zu ihr zurückkehren können, weil sie auf dem Gesichte lag.
Nach Müller Josef, Sagen aus Uri, Band II, S. 186, Nr. 286.
   
Vom «Toggeli» gibt es rund 20 Urner Sagen. Das «Toggeli» zählt zu den nachtaktiven Sagengestalten. Der Plaggeist schleicht als schwarze Katze durch ein Loch in der Wand oder durchs Schlüsselloch in die Schlafkammer und setzt sich dem Menschen auf die Brust, bis er nicht mehr atmen kann. Hinter der Katze steckt vielfach ein Weibsbild, das sich für die Untreue des Heimgesuchten rächt. Tiere im Stall plagt es auf verschiedenste Weise. Wenn der Holzwurm, «Totänührli» (Totenuhr) genannt, sich nachts in den Wänden hören liess, sagte man: «Ds Toggäli tängelet». Der Volksglaube konnte daraus eine positive Seite (schönes Wetter) und eine negative Seite (baldiger Tod einer nahestehenden Person) abgewinnen. Das «Toggeli» kam auch in Kinderreimen vor. Verlorene Zähne wurden ins Feuer geworfen – mit dem Spruch: «Toggäli, Toggäli, Fyrlibrand, gimmer ä nywä Zant!» Es gibt verschiedene Bannformeln. So halten rote Gegenstände wie ein rotes Tüchlein auf der Brust das «Toggeli» fern. Vom «Toggeli» Geplagte sollen mit dem vollen Taufnamen angesprochen werden. Ein anderer Rat war, die Harnflasche unters Bett zu stellen. Helfen sollte auch ein Messer in der Wand oder im Schlüsselloch. Das Weibsbild im Dorf, das anderntags eine Schnittwunde an den Händen hatte, war als «Toggeli» entlarvt. Wurde dem «Toggeli» der Ausgang durch einen Zapfen versperrt, sass ein Weibervolk morgens nackt in der Kammer und bat um Kleider. Dieses wurde zur Magd oder gar zur Ehefrau.
Fotomontage: Rolf Gisler-Jauch (2017).

IN DIESER SAGE VORKOMMENDE FIGUREN

Der Geist, das Ungeheuer (Tier)
Die Schwarze Katze

SAGENHAFTE ÖRTLICHKEITEN

SAGENHAFTE THEATERSTÜCKE

 

 

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 22.06.2022