LEBENSBEREICHE

Allgemeines Alter Arbeit und Wirtschaft Bauen, Wohnen, Haushalt Bildung und Schule Das liebe Geld Digitalisierung Energie Essen und Trinken Familie Gesellschaft und Soziales Mode Gesundheit Jugend Kommunikation, Medien Militär, Landesverteidigung Mobilität und Verkehr Recht und Justiz Religion und Glauben Sicherheit und Ordnung Sport und Freizeit Staat und Politik Straftaten Umwelt Unfälle

Die Geschichte der Haushaltsgegenstände

Karde, Handspindel, Spinnrad, Haspel

Die Handkarde (UD: «Chaartä») bestand aus einem handlichen Holzbrett mit einem Griff. Auf seiner Arbeitsfläche sassen dicht nebeneinander zahlreiche kurze Metallstifte beziehungsweise leicht gebogene Drahthäkchen – also nicht eigentlich gewöhnliche Nägel. Meist arbeitete man mit zwei solchen Karden.



Nach dem Waschen und Zupfen legte man kleine Wollflocken auf eine Karde und strich mit der zweiten wiederholt darüber. Dadurch wurden verklebte Faserbüschel gelöst, Verunreinigungen teilweise entfernt und die Wollfasern gleichmässig verteilt. Am Ende nahm man die Wolle als lockeres Vlies oder als längliche Rolle von der Karde ab. In diesem Zustand liess sie sich mit Handspindel oder Spinnrad wesentlich leichter zu einem gleichmässigen Faden verspinnen. Die Handkarde wurde zunächst durch die Trommelkarde und die Kardiermaschine abgelöst. Es ist jedoch nicht bekannt, dass diese Geräte in Uri verwendet wurden.

Das Spinnen gehört zu den ältesten handwerklichen Tätigkeiten der Menschheit. Dabei werden kurze Pflanzen- oder Tierfasern zu einem langen, festen Faden verdreht.

Die Handspindel



Als einfachstes Hilfsmittel diente zunächst die Handspindel. Sie bestand aus einem dünnen Stab, an dem ein Spinnwirtel aus Stein, Ton, Knochen oder Holz befestigt war. Dieser verlieh der Spindel Gewicht und sorgte dafür, dass sie sich möglichst gleichmässig drehte. Die Spinnerin zog mit einer Hand Fasern aus einem Vorrat, dem sogenannten Rocken, während sie mit der anderen die Spindel in Bewegung setzte. Durch deren Drehung wurden die Fasern miteinander verdrillt. Der fertige Faden wickelte sich anschliessend um den Spindelschaft. Sie war einfach, günstig und leicht zu transportieren. Auch während anderer Tätigkeiten konnten Frauen Wolle oder Flachs verspinnen. Das Verfahren war jedoch langsam, weil die Spindel immer wieder neu angedreht und der entstandene Faden von Hand aufgewickelt werden musste. Die Herstellung der für ein einziges Kleidungsstück benötigten Garnmenge erforderte deshalb sehr viel Zeit.

Das Spinnrad



Eine bedeutende Verbesserung brachte das Spinnrad, das vermutlich in Asien entwickelt wurde und sich im europäischen Mittelalter verbreitete. Bei den frühen, sogenannten grossen Spinnrädern wurde ein grosses Rad mit der Hand gedreht. Ein Antriebsriemen übertrug die Bewegung auf eine waagrecht gelagerte Spindel. Diese drehte sich wesentlich schneller als eine Handspindel, wodurch in kürzerer Zeit mehr Garn hergestellt werden konnte. Allerdings mussten das Verdrehen der Fasern und das Aufwickeln des Fadens weiterhin nacheinander erfolgen.

Seit dem späten Mittelalter setzte sich allmählich das kleinere Trittrad durch. Die Spinnerin bewegte das Schwungrad nun mit einem Fusstritt und hatte dadurch beide Hände frei, um die Fasern gleichmässig auszuziehen. Durch die Verbindung von Spindel, Spule und Spinnflügel konnten das Verdrehen und das Aufwickeln des Fadens gleichzeitig erfolgen. Das Spinnen wurde dadurch schneller, gleichmässiger und weniger anstrengend. Je nach verwendeten Fasern entstanden unterschiedliche Ausführungen: Für Wolle dienten meist kompakte Spinnräder, während beim Verspinnen von Flachs häufig ein Rocken am Rad befestigt war.

Auch in den Urner Haushalten gehörten Handspindel, Rocken und später das Spinnrad zu den wichtigen Arbeitsgeräten. Vor allem während der Wintermonate wurde die Wolle der Schafe zu Garn verarbeitet. Daraus entstanden Stoffe, Strümpfe und andere Kleidungsstücke für den Eigenbedarf. Das Spinnen war überwiegend eine Arbeit der Frauen und Mädchen und wurde häufig gemeinschaftlich in den Wohnstuben ausgeübt. Mit dem Aufkommen industrieller Spinnmaschinen im 18. und 19. Jahrhundert verlor das häusliche Spinnrad allmählich seine wirtschaftliche Bedeutung. Es blieb jedoch noch lange in Gebrauch und steht heute sinnbildlich für die vorindustrielle Herstellung von Textilien.
Die Urner Sage erzählt, dass auch an den Abenden gesponnen wurde. Sie warnte, dass die Spinnerin ihr Spinnrad am Samstagabend in den Sonntag hinein «schnurren» liess. Da kam es, ein Geist, ans Fenster und rief: «Schoch, schoch spinnst du noch?» Die Spinnerin musste die richtige Antwort parat haben, dass sie nämlich nicht nur für sich, sondern auch für ihn und denen es mangelte und nicht für Lohn, spann. Die gespenstische Stimme verschwand, doch war es eine Warnung, die Sonntagsarbeit nun einzustellen.

Bei den Spinnrädern gab es deutliche regionale Unterschiede. Diese betrafen jedoch weniger das eigentliche Arbeitsprinzip als vielmehr den Aufbau, die Grösse, die Holzarten und die kunsthandwerkliche Gestaltung. Form und Ausstattung richteten sich ausserdem danach, ob hauptsächlich Wolle, Flachs oder Baumwolle versponnen wurde.

Die Haspel



Die Haspel ist ein einfaches Holzgerät zum Aufwickeln von Garn. Nachdem die Fasern mit Spindel oder Spinnrad zu einem Faden versponnen worden waren, wickelte man diesen auf die drehbare Haspel. Dadurch entstanden gleichmässige Garnstränge, die anschliessend gewaschen, gefärbt, aufbewahrt oder weiterverarbeitet werden konnten.
Die Haspel besteht gewöhnlich aus einem Holzgestell mit einer drehbaren Achse und mehreren kreuzförmig angeordneten Armen. Durch das Drehen wurde der Faden gleichmässig aufgespannt. Bei manchen Ausführungen zeigte ein Zähl- oder Knackmechanismus nach einer bestimmten Zahl von Umdrehungen an, welche Garnlänge aufgewickelt worden war.
Haspeln gehörten bis ins 19. und teilweise noch ins 20. Jahrhundert zur üblichen Ausstattung bäuerlicher Haushalte und der häuslichen Textilverarbeitung.

Literatur: www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT). Müller, Sagen aus Uri, Nr. 720.

HÄUSLICHE VORAUSSETZUNGEN ZUM ESSEN UND TRINKEN

Alte Urner Kochbücher  > Detailansicht
Das Tischgedeck im Bauernhaus  > Detailansicht
Das Tischgedeck im Bürger- und Herrenhaus  > Detailansicht
Trinkkultur, Kaffeezubereitung  > Detailansicht
Gegenstände zur Essenzubereitung  > Detailansicht
Aufbewahrung von Speisen  > Detailansicht

 

 
WOHNEN UND HAUSHALT

Bauen und Wohnen in Uri
Innenbeleuchtung, Licht
Heizung, Heizen
Küche, Kochen
Waschen
Wasserversorgung, Trinkwasser

Haushaltgegenstände

Bauen, Wohnen, Haushalt
Wohnungsstatistik
Vereine und Genossenschaften

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 11.09.2026