Die Geschichte der Haushaltsgegenstände
Vom Bottich über die Badewanne zur Dusche

Über Jahrhunderte gab es in den meisten Haushalten weder ein Badezimmer noch eine fest eingebaute Badewanne. Für die Körperpflege verwendete man einfache Schüsseln, Zuber und Waschbottiche. Der Waschbottich bestand meist aus Holzdauben, die durch Reifen aus Holz oder Eisen zusammengehalten wurden. Er diente in erster Linie zum Einweichen und Waschen der Wäsche, konnte aber ebenso für ein Bad genutzt werden. Das Wasser musste am Brunnen oder an einer Quelle geholt, auf dem Herd erwärmt und mit Kesseln in den Bottich getragen werden. Ein Vollbad war deshalb mit erheblicher Arbeit und einem grossen Verbrauch an Brennholz und Wasser verbunden. Häufig badeten mehrere Familienmitglieder nacheinander im gleichen Wasser.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit bestanden in grösseren Dörfern wie Altdorf und Erstfeld öffentliche Badestuben. Dort konnte man in hölzernen Zubern baden, sich pflegen und teilweise auch medizinisch behandeln lassen. Ansonsten blieb das Baden vorwiegend eine häusliche Angelegenheit. Gewaschen wurden meist nur Hände, Gesicht und Oberkörper; ein vollständiges Bad fand eher unregelmässig statt. Auch in den Urner Haushalten erschwerten das Herbeischaffen und Erwärmen des Wassers eine häufige Ganzkörperwäsche.
Seit dem 18. Jahrhundert entstanden für wohlhabende Haushalte besondere Badewannen aus Holz, Kupfer oder verzinntem Blech. Sie waren weiterhin beweglich und wurden nur bei Bedarf in einem Wohn- oder Schlafraum aufgestellt. Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich transportable Sitz- und Wannenbäder aus Zinkblech. Daneben gab es sogenannte Hüftbadewannen, in denen man sitzend mit einer geringeren Wassermenge baden konnte. Nach dem Gebrauch musste das Wasser ausgeschöpft oder durch einen Ablauf entleert werden.
Die fest installierte Badewanne setzte sich erst mit dem Ausbau der zentralen Wasserversorgung und Kanalisation durch. Seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden Badewannen zunehmend aus emailliertem Gusseisen hergestellt. Das schwere Metall speicherte die Wärme gut, während die glatte Emailschicht leicht zu reinigen war. Später kamen leichtere Wannen aus Stahlblech und seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Modelle aus Kunststoff beziehungsweise Sanitäracryl auf. Zunächst blieben eigene Badezimmer wohlhabenden Haushalten und modernen Hotels vorbehalten. In vielen ländlichen Häusern wurden sie erst im Laufe des 20. Jahrhunderts allgemein üblich.
Die Dusche entwickelte sich ursprünglich weniger aus dem häuslichen Bad als aus medizinischen Wasseranwendungen sowie aus öffentlichen Bade- und Waschanlagen. Frühe Duschen bestanden aus erhöhten Wasserbehältern, aus denen das Wasser durch ein Rohr oder eine Brause nach unten strömte. Im 19. Jahrhundert wurden Duschanlagen in Kasernen, Internaten, Fabriken und öffentlichen Bädern eingerichtet. Sie benötigten weniger Wasser, Platz und Zeit als einzelne Badewannen und ermöglichten vielen Menschen nacheinander eine hygienische Körperreinigung.
In Privathaushalten verbreitete sich die Dusche vor allem im 20. Jahrhundert. Voraussetzung waren Wasserleitungen, ausreichender Wasserdruck, Warmwasserboiler und sichere Abwassersysteme. Anfangs wurde die Brause häufig über der Badewanne angebracht. Später entstanden separate Duschtassen mit Vorhang oder Kabine. Moderne, bodenebene Duschen besitzen Mischbatterien, Thermostate und wassersparende Brausen. Teilweise wird das Wasser heute durch Wärmepumpen oder Solaranlagen erwärmt.
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