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Die Geschichte der Haushaltsgegenstände

Geräte zum Melken

Ursprünglich wurde nur so viel Milch gewonnen, wie unmittelbar verbraucht werden konnte. Bald erkannte man jedoch, dass sich daraus haltbare Erzeugnisse wie Käse, Butter und Ziger herstellen liessen. Besonders im Alpenraum bildete die Milchwirtschaft deshalb eine wichtige Grundlage für Ernährung und Handel.

Über viele Jahrhunderte wurden die Kühe vollständig von Hand gemolken. Der Melker setzte sich seitlich neben das Tier auf einen niedrigen Melkstuhl. Dieser bestand meist aus einer kleinen runden oder rechteckigen Sitzfläche mit einem oder drei Beinen. Einbeinige Melkstühle konnten mit einem Lederriemen am Körper befestigt werden und blieben beim Wechsel von einer Kuh zur nächsten am Melker. Die Milch floss unmittelbar in einen Melkeimer, der zunächst überwiegend aus Holz gefertigt war. Solche Eimer (UD: «Mälchchessel») bestanden aus einzelnen Dauben, die durch Holz- oder Metallreifen zusammengehalten wurden. Ein seitlich hochgezogener Griff oder ein Henkel erleichterte das Tragen.



Vor dem Melken mussten das Euter und die Hände gereinigt werden. Die ersten Milchstrahlen wurden häufig gesondert ausgemolken, danach umfasste der Melker die Zitzen und presste die Milch mit einer gleichmässigen Bewegung in den Eimer. Eine erfahrene Person konnte eine Kuh in wenigen Minuten melken. Die Arbeit fand morgens und abends statt und bestimmte damit den Tagesablauf auf dem Bauernhof und auf der Alp. Unruhige Tiere wurden mitunter angebunden oder an den Hinterbeinen gesichert. Nach dem Melken wurde die Milch durch ein Tuch oder ein Sieb gegossen, um Haare, Stroh und andere Verunreinigungen zu entfernen. Anschliessend füllte man sie in flache Gefässe (UD: «Muttä»), in denen sich der Rahm absetzen konnte, oder brachte sie direkt zum Käsekessel. Da sich frische Milch nur kurze Zeit hielt, musste sie rasch verarbeitet oder an einen kühlen Ort gebracht werden.

Für den Transport verwendete man im alpinen Raum besondere hölzerne Traggeräte. Dazu gehörte die Milchbrente, im Urner Dialakt «Milchbräntä» oder» Milchtansä» genannt. Es handelte sich um ein hohes, schmales Gefäss aus Holzdauben, das mit Schulterriemen auf dem Rücken getragen wurde. Seine Form ermöglichte es, Milch auch auf steilen Alpwegen ins Tal, zur Sennhütte oder zu einer Sammelstelle zu bringen. Das Gefäss musste möglichst dicht gearbeitet und sorgfältig gereinigt werden, damit die Milch nicht verdarb. Neben den Rückengefässen gab es kleinere Traggefässe mit Henkeln oder Tragstangen.

Die Arbeitsteilung beim Melken unterschied sich regional. Im schweizerischen Mittelland gehörte das Melken häufig zum Aufgabenbereich der Bäuerinnen, Mägde und sogenannten Milchmägde. Sie versorgten die Tiere, melkten die Kühe und verarbeiteten einen Teil der Milch im Haushalt. Im alpinen Raum war die Sennerei dagegen traditionell stärker männlich geprägt. Während des Alpsommers lebten Sennen und Zusennen mit den Tieren auf den hoch gelegenen Weiden. Sie waren für das Melken, die Pflege des Viehs sowie für die Herstellung von Käse, Butter und Ziger zuständig. Auch in Uri gehörte das Melken auf vielen Alpen deshalb überwiegend zur Arbeit der Männer.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden hölzerne Melkeimer und Transportgefässe zunehmend durch Behälter aus verzinntem Eisen, Aluminium oder emailliertem Blech ersetzt. Besonders verbreitet war die Milchkanne mit Hals, Deckel und seitlichen Griffen. Sie war stabiler, liess sich leichter reinigen und schützte die Milch während des Transports besser vor Verunreinigungen. Mit dem Aufkommen von Dorfkäsereien und Milchsammelstellen brachten die Bauern ihre Milch täglich in solchen Kannen zur Weiterverarbeitung. Die Milchkanne wurde damit zu einem charakteristischen Gegenstand der bäuerlichen Milchwirtschaft.

Seit dem späten 19. und besonders im 20. Jahrhundert wurde versucht, die anstrengende Handarbeit durch Maschinen zu erleichtern. Erste Melkmaschinen arbeiteten mit mechanischem Unterdruck, waren jedoch noch schwerfällig und nicht immer zuverlässig. Mit der Verbreitung der Elektrizität verbesserten sich die Anlagen. Melkbecher wurden an den Zitzen befestigt und entzogen dem Euter die Milch durch einen rhythmisch wechselnden Unterdruck. Die Milch gelangte zunächst in einen Sammelbehälter, später über geschlossene Leitungen direkt in einen gekühlten Milchtank.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich Melkmaschinen auch auf kleineren Bauernbetrieben zunehmend durch. In Laufställen entstanden Melkstände, in denen mehrere Kühe gleichzeitig gemolken werden konnten. Heute übernehmen auf vielen Höfen automatische Melksysteme oder Melkroboter einen grossen Teil der Arbeit. Die Tiere betreten die Anlage selbstständig, werden erkannt und automatisch gemolken. Sensoren kontrollieren dabei Milchmenge, Temperatur und mögliche Veränderungen der Milchqualität.

Quellen / Literatur: www.urikon.ch (Zeichnung und Unterstützung durch ChatGPT).

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 11.09.2026