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Die Geschichte der Haushaltsgegenstände

Wildheuen

Als Wildheuen bezeichnet man die Gewinnung von Heu auf hoch gelegenen, steilen und schwer zugänglichen Grasflächen, die sich kaum als Weideland eignen. Im Kanton Uri war diese Form der Berglandwirtschaft besonders verbreitet. Viele sogenannte Wildheuplanggen konnten weder mit Vieh beweidet noch mit Fuhrwerken erreicht werden. Dennoch war ihr Gras wertvoll, denn die Bauern benötigten möglichst grosse Futtervorräte, um ihre Tiere über den langen Winter zu bringen. Das Wildheuen war deshalb eine wichtige Ergänzung zur Bewirtschaftung der Talwiesen und Alpen. Bis heute besitzt Uri innerhalb der Schweiz eine herausragende Stellung bei der Pflege solcher Wildheuflächen.

Die Arbeit begann im Hoch- oder Spätsommer, wenn das Gras ausgereift und eine trockene Wetterperiode zu erwarten war. Die Wildheuer stiegen frühmorgens mit Sense, Wetzstein, Holzrechen, Seilen und Verpflegung zu den oft weit entfernten Hängen hinauf. Das Mähen war an den steilen Planggen gefährlich. Die Arbeiter mussten einen sicheren Stand finden und das Gras mit kurzen, kontrollierten Sensenbewegungen schneiden. An besonders abschüssigen Stellen sicherten sie sich teilweise mit einem Seil. Steinschlag, Absturzgefahr und plötzliche Wetterwechsel machten das Wildheuen zu einer der anspruchsvollsten landwirtschaftlichen Arbeiten.



Nach dem Mähen blieb das Gras zum Trocknen auf dem Hang liegen. Mit dem Holz-Heurechen wurde es regelmässig gewendet und später zu kleinen Schwaden oder Haufen zusammengerecht. Der traditionelle Rechen bestand aus einem langen, leichten Holzstiel und einem Querhaupt mit zahlreichen eingesetzten Holzzinken. Er musste widerstandsfähig, zugleich aber leicht genug sein, um ihn über längere Strecken tragen und am steilen Hang sicher führen zu können. Anders als ein schwerer Eisenrechen beschädigte er das trockene Gras kaum und liess sich bei einem Bruch verhältnismässig einfach reparieren.

War das Heu vollständig trocken, wurde es zu grossen Bündeln zusammengetragen. Es waren dies von Hand gebundene Heuburden (UD: «Häiwburdi») genannt. Das lose Heu wurde auf einem ausgebreiteten Heunetz aufgehäuft. Danach zog man die Seiten des Netzes zusammen und verschnürte das Ganze zu einem möglichst kompakten Bündel. Solche Burden konnten etwa 50 bis 60 Kilogramm wiegen.

Zum Spannen und Befestigen der Seile diente das Seilholz (UD: «Triägel»). Dieses kurze, kräftige Holzstück wirkte als Knebel und erleichterte es, das Seil um die Heubürde festzuziehen und sicher zu verknoten. Dadurch liess sich das umfangreiche, federnde Heu stärker zusammenpressen. Gleichzeitig bot das Seilholz beim Lösen oder Nachspannen einen guten Griff. Das Heunetz verhinderte, dass während des Transports grössere Mengen verloren gingen. Seil und Seilholz gehörten deshalb zur persönlichen Ausrüstung vieler Bergbauern und Wildheuer. Das verschnürte Heu wurde je nach Gelände auf dem Rücken getragen, über den Hang hinuntergezogen oder an einem gespannten Heuseil ins Tal gelassen. Dieses funktionierte wie eine einfache, zeitweilige Seilbahn. Die Heubürde wurde am Tragseil befestigt und glitt durch ihr Eigengewicht zu einem tiefer gelegenen Sammelplatz. Auf diese Weise liessen sich steile Felsstufen und unwegsame Hangabschnitte überwinden. Der Transport blieb dennoch gefährlich, weil sich die schweren Bündel lösen, überschlagen oder unkontrolliert beschleunigen konnten.



Konnte das Heu nicht sofort zum Hof gebracht werden, wurde es im Freien in einer Triste (UD: «Trischtä») gelagert. Dafür schlug man einen kräftigen Stamm, den Tristenbaum oder die Tristlatte, in den Boden. Um ihn herum errichtete man aus Steinen und Ästen eine trockene Unterlage. Anschliessend wurde das Heu lagenweise um den Stamm aufgeschichtet, festgetreten und nach oben hin zu einer abgerundeten oder kegelförmigen Spitze verengt. Die glatte, sorgfältig aufgebaute Aussenseite leitete das Regenwasser ab, während der innere Stamm dem Heustock Halt gab. Eine gut errichtete Triste schützte das Heu über mehrere Monate vor Nässe und Wind. So konnte es bis zum Winter am Berg verbleiben, wenn Schnee den Abtransport erleichterte.

Für den winterlichen Transport wurde häufig der Hornschlitten (UD: «Hooräschlittä») verwendet. Seine beiden langen, vorne hochgezogenen Kufen bildeten die namensgebenden Hörner. Sie dienten dem Lenker als Griffe und ermöglichten es ihm, den Schlitten zu steuern oder abzubremsen. Das Heu wurde auf der Ladefläche aufgeschichtet und mit Seilen festgebunden. Auf verschneiten Wegen liessen sich damit wesentlich grössere Lasten bewegen als auf dem Rücken. Die Talfahrt erforderte jedoch Kraft und Erfahrung: Der Lenker musste hinter oder zwischen den Hörnern gehen, den Schlitten in der Spur halten und verhindern, dass ihn die schwere Ladung überholte. Das Wildheuen verlor seit der Mitte des 20. Jahrhunderts an wirtschaftlicher Bedeutung. Maschinen konnten an den extrem steilen Hängen kaum eingesetzt werden, während der Arbeitsaufwand hoch blieb. Das Mähen der Wildheuplanggen dient inzwischen nicht allein der Futtergewinnung: Es erhält artenreiche Bergwiesen und kann verhindern, dass langes, niedergedrücktes Gras im Winter eine Gleitschicht für Schnee bildet. Damit besitzt die alte Arbeit neben ihrer kulturgeschichtlichen auch eine landschaftspflegerische und ökologische Bedeutung.

Quellen / Literatur: www.lebendige-traditionen.ch; https://de.wikipedia.org/; www.aboutswitzerland.eda.admin.ch, www.urikon.ch (Zeichnungen und Unterstützung von ChatGPT).

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 11.09.2026