URI UND SEIN VERKEHR

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Postkutschenkurse - "Ich bin vom Gotthard ..."

Im 14. Jahrhundert wurden die Standesboten der Eidgenossen erstmals urkundlich erwähnt. Im Jahre 1494 bereitete der Herzog von Mailand eine Botenkurslinie über den Gotthard vor. Es fanden sich jedoch keine Hinweise auf deren Verwirklichung. Im 16. Jahrhundert wurde eine regelmässige Gotthard-Botenlinie zwischen Zürich und Bergamo eingerichtet. Im 17. Jahrhundert wurde die Linie wöchentlich einmal betrieben. 1696 begann die gemeinsame Gotthard-Reiterpost der Kaufmannspost Zürich und der Fischerpost Bern. In der helvetischen Republik wurde die Post in fünf Kreisen zentralisiert. Wegen Geldmangels konnte diese Reform jedoch nur bedingt durchgesetzt werden. Die Mediationsverfassung von 1803 gab den Kantonen ihre Hoheit über das Postwesen zurück. Die helvetische Post wurde aufgehoben. Uri verpachtete das Transitpostregal abwechlungsweise an Luzern und Zürich.

Nach der Erstellung der Gotthardstrasse begann 1831 die Fahrpost über den Gotthard bis nach Chiasso. Der Wagenverkehr verdrängte in kurzer Zeit die Säumerei. Mit der Postkutsche nahmen die Reisenden auch im Winter in Flüelen Nachtquartier, um am anderen Tage ihre Reise gestärkt und ausgeruht fortsetzen zu können. Es handelte sich vor allem um welsche Zugvögel, die vor Mitte Jänner jeweils von ihrem Besuch in der Heimat zurückkamen. Dampfschiffe sorgten seit 1837 für eine schnellere Postverbindung zwischen Luzern und Flüelen. Im Jahre 1840 erhielt Flüelen eine eigene Postablage. Zwei Jahre später wurden tägliche Postkutschen-Eilkurse mit zehnplätzigen Fünfspännerwagen in beiden Richtungen über den Gotthard eingeführt, bei Bedarf begleitet von Beiwagen und Gepäckfourgons.

Nach der Gründung des Bundesstaates wurde 1849 die Bundespost gegründet und in 11 Postkreise eingeteilt. Somit wurden auch die Postkutschenkurse über den Gotthard von der Eidgenössischen Post übernommen. 1850 wurde die Gotthard-Post bis Camerlata verlängert. Zuerst wurde der Postkurs nur einmal täglich geführt. Es machte sich aber bald das Bedürfnis für eine Abendpost geltend und schliesslich wurde diesen beiden noch ein Mittags- oder Herrenkurs, der bis Andermatt ging, beigefügt. Die Morgenpost korrespondierte mit dem ersten Dampfboot, das gegen 8 Uhr in Flüelen ankam. Der Herrenkurs verliess Flüelen gegen 14 Uhr und die Abendpost ging um 17 Uhr ab. Fünf kräftige Pferde zogen den Zehnplätzer-Wagen von Flüelen nach Camerlata. Auf dem Kutscherbock sass neben dem Postillion der Kondukteur, welcher das Posthorn bliess. Der Hauptpost folgte eine Reihe von Beiwagen, Extraposten und Privatfuhrwerken, alles dem Gotthard zufahrend. War der letzte Hufschlag verhallt, näherten sich schon die Kurse aus dem Süden. So ging es den ganzen Tag. Nicht alle Reisende konnten sich die Postkutsche leisten wie etwa die "Kastanienbrater" aus dem Misox und dem Calancatal, in Uri "Kalanker" genannt. Sie zogen im Frühling wieder in die Heimat, während in der Gegenrichtung Maurer, Feld- und Strassenarbeiter aus dem Süden im Norden auf Arbeitssuche gingen.

Postkutschen fuhren während des Sommers auch defizitär über die Furka und die Oberalp. Der Beginn des Bahnbetriebes am Gotthard (1882) hatte eine Stagnation auf dem gesamten urnerischen Poststrassennetz zur Folge. Über den Gotthard wurde die Pferdepost eingestellt. Die Postkutschen blieben auch über die Furka und die Oberalp nur solange in Betrieb, bis die Furka-Oberalp-Bahn sie zum Einstellen der Linien zwang. Über den Gotthard wurde 1909 aus touristischen Gründen eine Postkutschenlinie eingeführt. 1900 wurde die Klausenstrasse eröffnet. Die Postkutsche verkehrte - solange der Pass offen war - von Flüelen nach Linthal. Anfang der 1920er-Jahre ersetzten dann Car alpins die Postkutschen. Anfangs der 1920er-Jahre wagten die PTT-Betriebe in ihrer Betriebspolitik einen entscheidenden Schritt. Sie begannen die altehrwürdigen, jedoch defizitären Postkutschen durch Automobilpostwagen zu ersetzen. Die romantische Zeit der gelb-schwarzen Postkutschen ging ihrem Ende entgegen, und die Männer auf dem Kutscherbock sollten bald gezwungen sein, das "Lied vom letzten Postillion" anzustimmen. Eines der romantischsten Kapitel in der Urner Verkehrsgeschichte stand kurz vor seinem Abschluss. Am 15. September 1921 fuhr die mit Pferden bespannte Post zum letzten Mal über den Klausen. Viele trauerten den guten Zeiten nach, als noch die stolzen Postwagen, mit fünf Pferden bespannt, zweimal täglich zwischen Altdorf und Linthal verkehrten, denn man war sich bewusst, dass diese Zeiten so bald nicht wieder kommen würden.

Der eidgenössische Postillion musste auf seinem Posthorn neben den Dienstsignalen (Postabgang, Postankunft, Ankunft einer Extra-Post, Zahl der Wagen, Zum Ausweichen, Anzahl der Pferde und den Postillion-Ruf) alle vier obligatorischen Posthornstücke und dazu einen Walzer, einen Ländler, ein Allegretto und einen Hopser sauber blasen können.

Postrouten in Uri (Postkutschen)

St. Gotthard: 1909 Andermatt-Airolo; Die Strecke Flüelen-Camerlata wurde bei Eröffnung der Gotthard-Eisenbahnlinie eingestellt.
Oberalp: eröffnet 1865; Chur-Andermatt bis 1903 (Rhätische Bahn); Disentis-Göschenen bis 1917 (Schöllenenbahn); Disentis-Andermatt bis 1926 (Furka-Oberalp-Bahn);
Furka: eröffnet 1867; bis 1914 Brig-Göschenen, ab 1915 Andermatt-Gletsch;
Klausen: ab 1900 Flüelen-Altdorf-Linthal.

Anfang der 1920er-Jahre wagten die PTT-Betriebe in ihrer Betriebspolitik einen entscheidenden Schritt. Sie begannen die altehrwürdigen, jedoch defizitären Postkutschen durch Automobilpostwagen zu ersetzen. Die romantische Zeit der gelb-schwarzen Postkutschen ging ihrem Ende entgegen, und die Männer auf dem Kutscherbock sollten bald gezwungen sein, das "Lied vom letzten Postillion" anzustimmen. Eines der romantischsten Kapitel in der Urner Verkehrsgeschichte stand kurz vor seinem Abschluss.


Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 18 f.
Foto: Klausenpost auf dem Urnerboden, um 1905; Aufnahme: Michael Aschwanden (StAUR Slg Bilddokumente 250.01-BI-37908 (D 00260 / 87'177).

EHEMALIGE POSTKUTSCHENLINIEN IN URI

St. Gotthard
1831-1882: Flüelen-Camerlata (Eröffnung Gotthardbahn) 1909-1921: Andermatt-Airolo (Umstellung auf Car alpins)

Oberalp
1865-1903 Chur-Andermatt (Eröffnung Rhätische Bahn) 1903-1917 Disentis-Göschenen (Eröffnung Schöllenenbahn)
1917-1920/6 Disentis-Andermatt (Eröffnung Furka-Oberalp-Bahn / Umstellung auf Car alpins)

Furka
1867-1914 Brig-Göschenen
1915-1920 Andermatt-Gletsch (Umstellung auf Car alpins)

Klausen
1900-1921 Flüelen-Altdorf-Linthal

ECKPUNKTE UND THEMEN DER POSTKUTSCHENZEIT

> zu den einzelnen Begriffen des Fuhr- und Kutscherwesens

EREIGNISSE DER POSTKUTSCHENZEIT

1921  - Donnerstag, 15. September 1921
Pferdepost fährt letztmals über den Klausen
Die mit Pferden bespannte Post fährt zum letzten Mal über den Klausen. Viele trauern den guten Zeiten nach, als noch die stolzen Postwagen, mit fünf Pferden bespannt, zweimal täglich zwischen Altdorf und Linthal verkehrten, denn man ist sich bewusst, dass diese Zeiten so bald nicht wieder kommen werden. Die Reise dauerte eineinhalb Tage. Übernachtet wurde in Urigen oder auf dem Urnerboden, wo auch die Pferde gewechselt wurden.
Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 14; Fryberg Stefan: Strube Zeiten, S. 58.

2011  - Samstag, 1. Januar 2011
Realp betreibt nun eine Postagentur im Hotel des Alpes
Die Poststelle Realp wurde auf Ende 2010 geschlossen. Neu werden die postalischen Dienstleistungen in einer Postagentur angeboten, die sich im Hotel des Alpes befindet. Für den Betrieb einer Postagentur arbeitet die Post mit einem Partner zusammen. Im Kanton Uri gibt es beispielsweise schon seit drei Jahren eine Postagentur in Isenthal, die in den Dorfladen integriert ist. In Amsteg bietet die Post ihre Dienste in der dortigen Bäckerei an. Die Öffnungszeiten der Agentur sind in etwa deckungsgleich mit jenen des Restaurants. Auf der Postagentur kann man Briefe, Pakete und eingeschriebene Sendungen aufgeben. Briefmarken können gekauft und Zahlungen mit der Postcard oder einer MaestroCard getätigt werden. Auch Bargeldbezug ist möglich.
UW 1, 5.1.2011

2012  - Montag, 3. Dezember 2012
Poststelle Göschenen wird geschlossen
Ab Montag, 3. Dezember, werden in Göschenen die Postdienstleistungen mit einem Hausservice angeboten. Die Poststelle ist letztmals am Freitag, 30. November, geöffnet. Die Post-Kundinnen und -Kunden werden ihre Postgeschäfte künftig an der eigenen Haustür beim Postboten respektive bei der Postbotin erledigt. Der Postschalter wird geschlossen. Dies hat die Post der Bevölkerung von Göschenen am 26. Oktober in einem Flugblatt mitgeteilt. Die Filiale in Göschenen ist bisher unter der Woche täglich sieben Stunden geöffnet (Samstag: drei Stunden). Sie werde jedoch immer weniger genutzt und weise eine tiefe Anzahl Postgeschäfte auf. Aufgrund dieser Entwicklung müssten die Öffnungszeiten einschneidend reduziert werden, schreibt die Post. Seit Ende April sei die Post mit einer Delegation des Gemeinderates Göschenen im Gespräch. Der Gemeinderat habe sich für die Weiterführung der Filiale eingesetzt und bedauere deren Schliessung.
UW 85, 31.10.2012

2013  - Donnerstag, 7. März 2013
Porträt von Ernst Zurfluh auf Briefmarke
Das Porträt von Ernst Zurfluh ist eines von 111 «Gesichtern der Schweiz», hervorgegangen aus einem Online-Wettbewerb. Das Porträt von Ernst Zurfluh ist in der zweiten Reihe, als zweites von links zu finden.
UW 18, 9.3.2013, S. 16

 
FUHR- UND KUTSCHERWESEN

Übersicht
Postkutschenkurse
Fuhrwerke und Kutschen

Pferdebestand

Briefmarke von der Postkutsche

ZITATE

Kutschen- und Fuhrwerkverkehr
Postkutschenzeit

 
HISTORISCHE REISEPOST
Ein einmaliges Erlebnis über den Gotthard mit der historischen Reisepost!
> Webseite


HISTORISCHES MUSEUM URI
Im historischen Museum Uri befindet sich eine Original-Klausenpostkutsche.
> Webseite

POSTWESEN

Allgemeines
Postgebäude
Postautos
Briefmarken

 

 

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 31.12.2017