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Hausfasnacht im Schächental

Im Urner Schächental hat sich ein alter Fasnachtsbrauch erhalten: Während der Fasnachtszeit ziehen Maskengruppen von Hof zu Hof, parodieren eine Person oder ein Ereignis der jüngeren Vergangenheit und werden anschliessend von den Bewohnerinnen und Bewohnern der besuchten Häuser bewirtet. Oberstes Gebot ist dabei, als Maske keinesfalls erkannt zu werden.

Im Schächental, wo unter der Bevölkerung zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen bestehen und noch jeder jeden kennt, macht das «Werweisen» und «Intregiärä» Spass und bildet einen zentralen Bestandteil des Fasnachtsgeschehens. Wenn «äs gheerig taaged», gehen die Kinder «ds Maschgäraad». Den ganzen Tag sind sie zu Fuss unterwegs und kehren erst am Abend nach Hause. Wenn es einnachtet, begeben sich dann die Erwachsenen – Frauen und Männer – auf die Piste. Man zieht einzeln oder in Gruppen los. Früher begann das Maskenlaufen schon nach Dreikönigen. Wenn einen die Lust packte, ging man «ds Maschgäraad». Heute findet das Maskenlaufen vor allem am Schmutzigen Donnerstag, am Fasnachtssamstag und am Gidelmändig statt.

Das Versteckspiel beginnt bereits vor der Maskierung. Niemand im Dorf soll Verdacht schöpfen, dass man sich heute abend «ds Maschgäraad» begibt oder irgendwelche Vorbereitungen unternimmt. Man bereitet sich in unzähligen Stunden auf den maskierten Gang in die «Berge» vor. Es werden die entsprechenden Kostüme gefertigt, die nötigen Utensilien organisiert und das Thema in irgendeinem Bastelobjekt zur möglichst genauen und humorvollen Darstellung gebracht. Stehen die Kostüme, werden ihre Träger gesucht und die Rollen eingeübt; so können Gruppen mit über einem halben Dutzend Personen zu einem Thema erscheinen.

Der Maskenbesuch verfolgt sodann zwei Ziele: Erstens soll er Unterhaltung für die Anwesenden sein, zweitens wird das Spiel ums Erkanntwerden gespielt. Die Kunst eines Maskengängers besteht darin, auf das Publikum einzugehen. «Das wär doch eppis fir dich...» ist ein oft gehörter Vorschlag, der unterschiedliches Echo hervorrufen kann. Jetzt ist das Rollenspiel lanciert, das meistens vier bis fünf Minuten dauert. Die Anwesenden konzentrieren sich dabei auf die Präsentation und darauf, die «Maschgäraadä» zu erkennen.

Erhärtet sich der Verdacht, welche Person unter der Maske steckt, werden einmal eindeutige Bemerkungen gemacht, dass man ganz genau weiss, wer gemeint ist. Ziel der närrischen Attacken kann einmal die Zuhörerschaft selbst sein, es wird «intregriärt». Es bietet sich Gelegenheit, eine während des Jahres im Stillen gemachte Beobachtung oder sonst ein Geheimnis preiszugeben. Oder man wagt unter dem Mantel der Narrenfreiheit ein Gerücht mitzuteilen, welches bisher im Dorf hinter vorgehaltener Hand weitergegeben wurde. Der «Maschgäraad» kann in diesem Fall einen Punkt verbuchen. Der Gegenschlag lässt jedoch nicht auf sich warten und die humorvollen Sticheleien werden retourniert. Ziel der närrischen Attacken können aber auch Abwesende sein, vor allem die Personen des öffentlichen Lebens. In der engen Welt sind nicht nur ihre Namen und ihre Taten bekannt, sondern auch ihre gern getragenen Kleidungsstücke oder bestimmte, besonders oft gepflegte Redewendungen wie etwa «Käis Problem!» So wird der wartenden Runde vielfach schon unter der Türe klar, wen die eintretende Maske parodieren will. Es werden jedoch auch Themen aus dem Alltagsleben oder aus der näheren und weiteren Politik präsentiert und dabei kleinere Produktionen aufgeführt. Was im Schnitzelbankvers die Schlusspointe, ist bei einem Motto der Überraschungseffekt, der meist durch mechanische Betätigung der Konstruktion hervorgerufen wird. Oft werden auf diese Art überraschende und witzige Lösungen für während des Jahres aufgetretene, bisher unlösbare Probleme präsentiert. Grund dafür, dass man sich zu erkennen gibt, ist schliesslich auch «ds Zniini», welches von den Gastgebern als Dank für den Besuch verabreicht wird.

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.1.2014