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Heirat und Scheidung

GANZ IN WEISS MIT EINEM BLUMENSTRAUSS ...

Die Kirche konnte im 10./11. Jahrhundert eine einzige Form als Ehe als rechtmässige Verbindung durchsetzen und erklärte diese für unauflöslich, erhob sie zum Sakrament und übernahm auch die Kontrolle ausserhalb des kirchlichen Bereichs. Gleichzeitig auferlegte sie den Priestern die Ehelosigkeit.
Das Konzils von Trient 1563 bekräftigte diese Regeln, insbesondere den sakramentalen Charakter der Ehe, das Verbot der Priesterehe, die Jungfräulichkeit und das Zölibat. Auf Druck der weltlichen Behörden setzte das Konzil zudem fest, dass die Ehe zu ihrer Gültigkeit öffentlich von einem Geistlichen geschlossen werden musste. Die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse erfolgte jedoch nur langsam und dauerte bis ins 17. Jahrhunderts.
Gemäss kanonischem Recht erreichte die Frau die Ehemündigkeit (Ehefähigkeit) mit 14, der Mann mit 16 Jahren. Nebst den massgebenden kanonischen bestanden auch zivilrechtliche Bestimmungen. Uri kannte kein eigentliches Eherecht und nur einzelne Ausschlussgründe. So war es Personen aus Gründen des Armenrechts nicht erlaubt zu heiraten. Leute ohne Landrecht (Beisassen) brauchten zur Heirat eine obrigkeitliche Bewilligung.
In Uri herrschte trotz starker Migrationsbewegungen bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine ausgeprägte Zurückhaltung gegenüber der Ehe mit einem nicht Landesangehörigen vor. Es bestand eine starke Neigung, den Ehepartner aus der gleichen Pfarrei zu wählen. Frauen, die einen Mann ohne Landrecht heirateten, verloren das Urner Landrecht.
Mit der Bundesverfassung von 1874 wurde die Ehe dem Schutz des Bundes unterstellt und dieser zur Regelung des Zivilstandswesens ermächtigt. Im gleichen Jahr wurde das Bundesgesetz betreffend Feststellung und Beurkundung des Zivilstandes und die Ehe erlassen. Es führte die obligatorische Zivilehe ein, vereinheitlichte das Eherecht und schuf die meisten Ehehindernisse ab.
Die kirchliche Ehe bildete nach 1874 nur noch eine Ergänzung zur Ziviltrauung. Sie wurde in Uri vorerst immer noch vollzogen; nur sehr wenige Paare verzichteten auf den Ehesegen.
Die Verkündung der Hochzeit erfolgte auf der Kanzel (grundsätzlich dreimal) und später öffentlich im Amtsblatt (aufgehoben im Jahr 2000).
Die katholische Kirche verbot die Eheschliessung zu gewissen Zeiten (Fastenzeit, Advent). Der Volksglauben bevorzugte gewisse Monate (Mai). Der Samstag wurde erst im 20. Jahrhundert zum bevorzugten Tag der kirchlichen Trauung.
Ab Ende der 1960er Jahre verlor die Ehe als Voraussetzung für die Führung eines gemeinsamen Haushalts an Bedeutung. Das Zusammenleben ohne Trauschein (Konkubinat) setzte sich immer mehr durch. Die entsprechende strafrechtliche Bestimmung wurde in Uri 1988 auch formell aufgehoben. Eine Krise der Ehe zeigt sich auch in der höheren Scheidungsrate ab den 1970er-Jahren. Homosexuelle können keine Ehe eingehen, jedoch ihre Partnerschaft registrieren lassen.
Quellen: LB UR (1823 ff.), Bd 1; Literatur: www.hls.ch




Statistik: Ritzmann-Blickenstorfer Heiner (Hg), Historische Statistik der Schweiz (1871-1990); Bundesamt für Statistik, Statistisches Lexikon der Schweiz (1991-2014).

SCHEIDUNG

Die Scheidung ist die rechtsgültige Auflösung der Ehe.
In der Helvetik wurde erfolglos versucht, eine obligatorische Zivilehe mit bürgerlichem Scheidungsrecht einzuführen. Erst in der Bundesverfassung von 1874 wurde die Ehe dem Schutz des Bundes unterstellt und dieser zur Regelung des Zivilstandswesens ermächtigt. Im gleichen Jahr wurde das Bundesgesetz betreffend Feststellung und Beurkundung des Zivilstandes und die Ehe erlassen. Es brachte die allgemeine, konfessionsneutrale Anerkennung der Scheidung, wobei die Regelung der Scheidungsfolgen bei den Kantonen verblieb.
Neben dem gemeinsamen Scheidungsbegehren und der tiefen Zerrüttung galten die speziellen Scheidungsgründe Ehebruch, Nachstellung nach dem Leben, schwere Misshandlungen, tiefe Ehrenkränkung, Verurteilung zu entehrender Strafe, böswilliges Verlassen und Geisteskrankheit. 1898 wurde dem Bund die Zivilrechtskompetenz und damit im Rahmen des ZGB von 1907 das ganze materielle Scheidungsrecht übertragen. Damit war die landesweite Vereinheitlichung von Scheidungsgründen und -folgen erreicht. Unter die Generalklausel fiel nur noch tiefe Zerrüttung, den besonderen Scheidungsgründen wurde der unehrenhafte Lebenswandel beigefügt.
Steigende Scheidungszahlen brachten im letzten Drittel des 20. Jh. eine veränderte Einstellung zu Ehe und Ehescheidung zum Ausdruck. Dem revidierten Eherecht 1988 folgte das neue Scheidungsrecht im Jahr 2000. Vorgesehen wurden noch drei Scheidungsgründe: das gemeinsame Scheidungsbegehren, die vierjährige Trennung und die Unzumutbarkeit der Fortsetzung der Ehe. Der nacheheliche Unterhalt wurde weitgehend verschuldensunabhängig ausgestaltet. Neu eingeführt wurde der Versorgungsausgleich und die Möglichkeit des gemeinsamen Sorgerechts. 2004 wurden die Scheidungsgründe bereits wieder revidiert und die vierjährige durch eine zweijährige Trennung ersetzt.
Literatur: www.hls.ch




Statistik: Ritzmann-Blickenstorfer Heiner (Hg), Historische Statistik der Schweiz (1871-1990); Bundesamt für Statistik, Statistisches Lexikon der Schweiz (1991-2014).

DETAILS ZU HEIRAT UND SCHEIDUNG

Mitgift / Frauengut
Bei der Mitgift handelt es sich meist um Gut, das von der Frau eingebracht wurde und dazu diente, die anfallenden Haushaltskosten zu begleichen. Diese im Ehevertrag erwähnten Beiträge waren Ersparnisse der Frau oder wurden von Drittpersonen beigesteuert, namentlich von deren Vater. Das Landbuch schrieb vor, dass das „Weibergut“ bevogtet sei. Verwalter des Frauenguts konnte der Ehemann sein, wenn er Landmann und dazu tauglich war. Das Frauengut sollte weder „schweinen“ (schwinden) noch wachsen. Das Frauengutging den laufenden Schulden vor, ausser wenn sie ihrem Mann geholfen hat, das Frauengut „ungebührlich durchzujagen“.
Quellen: LB UR (1823 ff.), Bd 1, S. 97 f.

     
Morgengabe
Bei der Morgengabe handelt es sich um das Geschenk, das der Ehemann seiner Frau am Morgen nach der Hochzeit machte. Gemäss Urner Landbuch sollte die Morgengab „in Mass und Bescheidenheit“ gemäss den Vermögensverhältnissen sein. Die Ehefrau durfte für den Fall, dass sie vor ihrem Ehemann stirbt, ihm diese wieder zurück vermachen. Wenn über eine Morgengabe Streit entstand, hatte das Gericht „nach Beschaffenheit der Umstände“ zu erkennen, ob diese billig oder aber zu hoch und unzulässig sei. Quelle: LB UR (1823 ff.), Bd 1, S. 166.
     
Ehegericht
Das Ehegericht war seit 1810 beauftragt die Vermählung liederlicher Paare zu verhindern. 1856 wurde das Ehegesetz verschärft. Neu war auch Armut ein Ehehindernis . Bettlern und von Verwandten oder Armenpflegen Unterstützten wurde die Heirat verweigert. Die Obrigkeit hoffte, dadurch die Zahl der Armen etwas tiefer halten zu können.
Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd 2 b, S. 91.

     
Ehering
Der gleichförmige Ehering (die Ringe generell) symbolisierte die Ewigkeit und vermittelte Dauerhaftigkeit und Schutz vor Intrigen und Schadensgeistern (Zauberkreis).

Es galt als Zeichen der ehelichen Untreue, wenn jemand den Ehering nicht trug. Verlor jemand den Ehering, galt dies als schlimmes Zeichen. Es deutete auf eine brüchige Ehe.

Einem Verstorbenen nahm man den Ehering vom Finger. Er wurde dann vom überlebenden Ehegatten zusammen mit seinem eigenen Ring getragen. Wer also zwei Eheringe trug, war Witwe oder Witwer. War der andere Ehegatte vorverstorben, bekamen in der Regel die zwei ältesten Töchter die Ringe.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 136 f. Literatur: Watteck Arno, Amulette und Talismane, S. 40; Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 124.

     
Zölibat
Der Zölibat bezeichnet im Christentum das Versprechen, für das weitere Leben die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu übernehmen. Neben der römisch-katholischen Kirche kennen auch andere Kirchen der Ehelosigkeit.
Bis zum Zweiten Laterankonzil (1139) gab es sowohl verheiratete als auch unverheiratete Priester, die vom Zeitpunkt ihrer Weihe an zur sexuellen Enthaltsamkeit aufgerufen waren. Die Priesterweihe wurde im Rechtsverständnis der römisch-katholischen Kirche zu einem trennenden Ehehindernis.
Literatur: www.wikipedia.de

     
Aussteuer
Die Aussteuer, die ursprünglich von den jungen Frauen für den gemeinsamen Haushalt vorbereitet (Aussteuertruhe) und später in Fachgeschäften gekauft wurde, ist seit den 1970er-Jahren fast vollständig verschwunden.
     
Gefahr für die Verkündeten
Erwachsene Menschen wussten, dass das abendliche Betglockenzeichen den Geistern freie Macht verlieh. Zwischen den beiden Betzeitläuten am Abend und am Morgen hatten die Geister freie Bahn. Braut und Bräutigam waren in der Zeit, da sie in der Kirche verkündet wurden, besonderen Gefahren ausgesetzt. Die von der Kanzel Verkündeten wussten, dass das Betglockenzeichen den bösen Gestalten im Freien Macht über sie verlieh. Sie begaben sich nach dem abendlichen Betenläuten ohne Not nicht mehr allein über die Dachtraufe hinaus ins Freie.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 104; Literatur: Zihlmann Josef, Volkserzählungen und Bräuche, S. 95.

     
Konkubinat
Nicht verheirateten Personen war es in Uri und in anderen Kantonen verboten, wie Eheleute in einer Wohnung zusammen zu leben. Die Übertretung dieser strafrechtlichen Bestimmung wurde mit Haft oder Busse bestraft. Zudem waren das Paar polizeilich voneinander zu trennen. Die Widerhandlungen waren bis und mit dem Zweiten Weltkrieg in Uri Einzelfälle. Ab Ende der 1960er Jahre setzte sich das Zusammenleben ohne Trauschein (Konkubinat) immer mehr durch. Das Zusammenleben von Personen, die nicht verheiratet waren, wurde immer mehr zur Gewohnheit und bedeutete kein Ärgernis mehr. Das Konkubinatsverbot war dadurch kein geeignetes Mittel mehr, Ehe und Familie zu schützen, und liess sich in der Praxis nicht mehr durchsetzen. Die entsprechende strafrechtliche Bestimmung wurde in Uri 1988 somit durch das Urner Volk auch formell aufgehoben. Die Abstimmungsbotschaft hielt jedoch fest, dass das Konkubinat durch Aufhebung der diesbezüglichen Strafbestimmung keineswegs moralisch gebilligt werde.
In vielen Fällen ist das Konkubinat heute eine Vorstufe der Ehe, die erst dann geschlossen wird, wenn Kinder auf die Welt kommen.
Quelle: EG zum StGB in UR LB (1941), Bd XI, S. 82; www.hls.ch.

     
Eheverbote
Uri verfolgte wie andere Kantone und Länder eine Politik der Abschreckung gegenüber bestimmten Gruppen aus der Unterschicht. Diese Politik des Eheverbots, die ihren Höhepunkt Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte, zielte in erster Linie auf die Personengruppen ab, die der Öffentlichkeit potenziell zur Last fallen konnten. Das Urner Landbuch untersagte die Verehelichung denjenigen Personen, die „in Liederlichkeit und sittenlos“ oder „im trägen Bettel oder in Ausschweifung“ dahinlebten. Die Ehe war auch den geistig und körperlich behinderten Personen untersagt, die nicht fähig wären, ihre Kinder zu ernähren und zu erziehen. Schliesslich war die Ehe Verwitweten verwehrt, die sich in der früheren Ehe untauglich zeigten, ihre Kinder zu ernähren und zu erziehen.
Für nicht Landesangehörige war bei einer Heirat dem Pfarrer eine besondere obrigkeitliche Bewilligung vorzuweisen.
Quelle: LB UR (1823 ff.), Bd 1.

     

 
FAMILIE

Allgemeines
Geburt, Mutter- und Vaterschaft
Heirat / Scheidung
Tod
Familien- und Müttervereine
Familienrecht im Urner Landbuch
Genealogie
Urner Familiengeschlechter
Familienwappen
Das Urner Stammbuch


 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 12.03.2018