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Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1823/1826
Bd 1 (1823)
Passwesen, Fuhrleute und Schifffahrt

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LB UR Bd 10 (1933), S. 93.
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233  
Von den Fürleiten
«Die Fürleite von Sillenen, Waffen und Göschenen laut Brief sind bestätiget, ingleichem auch die von Alldorf und Fluelen, und sollen sie dieses Geld, wohin sie wollen, verwenden mögen.»
Ergänzungen siehe unter «Zoll- und Passwesen» > LB UR 1842 Bd 3, S. 70-120.

LG 1608, 1668, 1726; LB UR 1823 Bd I S. 213 / Siehe: LB UR Bd III 1827-40 (S.70-119)
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234  
Sust- und Passordnung
«Es soll eine allgemeine Sust in Altdorf seyn, und der Landrath ist bevollmächtiget, sowohl eine Paß-Commission, als die erforderlichen Sust- Beamteien zu ernennen, und ihre Verrichtungen zu bestimmen, als überhaupt eine angemessene Sust- und Paßordnnng einzuführen.
Es sollen alle Käse, ehe sie nach Italien verschickt werden, in die Sust verlegt, nicht aber von Partikularhäusern oder Speichern weggeführt werden. Es soll auch alles ankommende Reis u. d. g. nicht zu Privathäusern, sondern direkte in die Sust geführt, da von den Sustbeamteten und Zeichen abgenommen, die Waar verifiziert, und nicht nur überhaupt das Quantum angegeben und angenommen werden. Alles bey Gl. 5 Buß von jeder Käspale oder Reissack, wovon dem Kläger 1/3 zukommen soll.»

Ergänzung vom 4. Mai 1823 (Beschluss Landsgemeinde)
«Der w. w. Landrath ist neuerdingen beauftragt, und bevollmächtigt, dafür zu sorgen, daß unser Kanton übernehme und sich verpflichte, die Waaren durch unser Gebieth gehörig zu transportiren, und daß solche sowohl sicher als schleunig durchgeführt, und die Transport-Mittel, soviel möglich, gemeinnützig gemacht werden, und daß auf diese Grundlage hin die angemessenen Paß- und Transit-Ordnungen getroffen, und in Ausübung gebracht werden.»

LG 1804, 1807;LB UR 1823 Bd I S. 213 / LG 4.5.1823; LB UR 1826 Bd 2, S. 24.
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235  
Transit von Getreide
«Von dem Getreide, so nach Italien oder anderwerts hindurch den Kanton transitiert, ist Zoll- und Sustgebühr zu beziehen, alles übrige Getreide ohne Ausnahm hat die Kaufhausgebühr zu entrichten.»
LG 1804, 1807; LB UR 1823 Bd I S. 213 f.
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236  
Beschwerden gegen Sustbeamte
«Wer einige Reklamationen oder Forderungen wegen Waar oder andern die Sustbeamtung betreffenden Sachen gegen die Sustbeamen zu machen hat, soll solches innert Jahrfrist nach dem Ausgang der Waar aus der Sust thun; indem nachher Hierinfalls Niemand mehr Red und Antwort schuldig ist.»
LG 1808; LB UR 1823 Bd I S. 214.
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237  
Appellation gegen Entscheide der Passkommission
«Die Appellationen über die von der Paß- Kommission gegebenen Sprüche und Urtheile an das w.w. Gericht, sollen von Landleuten oder im Kanton Wohnenden in 14 Tagen, von andern Eidgenoßen in Zeit eines Monats, und von den außer der Eidgenoßenschaft Wohnenden in Zeit 4 Monaten gelegt werden müssen; ansonst der Spruch in Judicatum erwachsen seyn, und es dabey verbleiben solle. Sollte es sich aber zeigen, daß die Appellanten in dieser Zeit nicht hätten kommen können, solle die Paßkommission hierüber den erforderlichen Untersuch machen.»
LR 1808; ; LB UR 1823 Bd I S. 215.
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238  
Vom Schreiber der Passkommission
«Die Paßkommission soll ihren eigenen Schreiber haben, dem für jede Sitzung 10 Bz. Gehalt gegeben werden, und daneben mag er von den Sprüchen und Urtheilen, die von den Partikularen herausgenommen werden, von jedem 2 Batzen beziehen.»
LR 1807; LB UR 1823 Bd I, S. 215.
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239  
Bildung einer Entschädigungskasse
«Es solle die laut Paßordnung zu bildende Entschädigungskaße auf Gl. 2000 gebracht, und dann, wenn sie auf diese Summe gestiegen, für Verunglückung von Waar auf unserer Strasse nach Italien oder zurück angemeßene Entschädigungen daraus gegeben werden.»
Ergänzungen siehe unter «Zoll- und Passwesen» > LB UR 1842 Bd 3, S. 70-120.

LR 1813; LB UR 1823 Bd I, S. 215 f. / Siehe: LB UR Bd III 1827-40 (S.70-119).
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240  
Pflichten der Säumer
«a) Die Saumpferde mögen nicht ins Pfand gegeben, noch verschrieben werden, und sind das erste Unterpfand für die führende Waar laut Paßordnung.
b) Die Säumer und Fuhrleute sollen gute Decken von Harztuch haben, und die Waar wohl conditionirt in die Sust oder andere Bestimmung bringen, und vorsichtig und sorgsam behandeln bey Verantwortlichkeit und gesetzlicher Buß, und die Dorfgerichte so wie die Bezirks- Regierung in Ursern sollen hierüber sorgfältig wachen, und sich verwenden, daß dieses beobachtet und befolgt werde. Auch solle zu unbestimmten Zeiten an den Orten am Paß hierüber nachgesehen werden.
c) Die Säumer sollen abtheilen, daß nur die Hälfte zur Sommerszeit die Pferde auf die Alpen und Weiden treibe, und die andere Hälfte zum Dienst des Paßes da sey und sollen die betreffenden Dorfgerichte diese Abtheilung veranstalten, und darauf achten, daß sie befolgt werde.»

LG 1808; LB UR 1823 Bd I, S. 216 f.
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241  
Gebrauch der Deichselwagen
«Alle Fuhrleute, die zum Marktnauen fahren, so wie alle die Kaufmanns-Waar in und aus der Sust führen, sollen zur Schonung der Straßen Deichselwägen gebrauchen bey Gl. 5 Buß von jedem Mal, und so einem am Wagen etwas bräche, soll er es dem Hr. Landseckelmeister anzeigen, und um Erlaubniß ansuchen, mit einem andern Wagen zu fahren; Hr. Seckelmeister wird sich über die Wahrheit der Angabe erkundigen, und so dieselbe unstatthaft wäre, solle der Fuhrmann in die Strafe verfällt werden.
Die Sustbeamten sollen auch keine Ladung denen geben, die mit 2 Pferden ohne Deichsel und ohne bescheinigte Erlaubniß vom Seckelmeister Waar laden wollten.»

LG 1804, 1805; LB UR 1823 Bd I, S. 217.
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242  
Vorschriften für Fuhrleute und Karrer
«Die Fuhrleute und Karrer sollen bey den Pferden gehen, und gehörig fahren, daß nichts an Mauren und Hägen, noch an Nebenbesetzenen verderbt werde, und so einer mit einem Fuhrwerk über eine Nebenbesetze fahren, oder sonst daran oder an Mauren und Hägen etwas beschädigen würde, soll er nebst vollem Schadenersatz Gl. 5 bestraft werden, wovon die Hälfte dem Angeber zukommt, und bleibt der Eigenthümer des Fuhrwerks, wenn schon ein Knecht fahrt, für den Ersatz sowohl als die Strafe verantwortlich.»

Ergänzung vom 19. Oktober 1839 (Beschluss Landrat)
«Landammann und Rath des Kantons Uri.
In Betracht, daß die zur Beschränkung des unbescheidenen Fahrens mit Kutschen und Gefergen durch die Dörfer unterm 30. Juni 1838 erlassene Anordnung sehr nachlässig beobachtet wird, und in Erwägung, das die Handhabung dieser Anordnung zur Sicherheit der Personen und zur Verhütung trauriger Unglücksfälle nicht anders als sehr nothwendig ist, in Auffrischung und Verschärfung derselben beschließen und verordnen hiemit:
1) Es sei den Kutschern und Fuhrleuten das Fahren mit Kutschen und anderen Fuhrwerken jeder Art durch die Flecken und Dörfer hiesigen Kantons anders als schrittweise untersagt und verboten.
Der Uebertreter dieser Verbote verfällt nicht nur in die unnachläßliche Geldbuße von Fr. 2 von jedem Male, von welcher dem Ankläger die Hälfte zu kommt, sondern ist auch für allen dadurch entstehenden Schaden und Unglück verantwortlich.
2) Die löbliche Finanz - und Polizeikommission ist mit Vollziehung und Handhabung dieser Anordnung beauftragt, und sämmtliche Polizeiangestellte des Kantons sind besonders verpflichtet, über deren Befolgung zu wachen und die Fehlbaren zu verzeigen.
3) Die gegenwärtige Verordnung soll gedruckt, dem amtlichen Wochenblatt beigerückt, in sämmtlichen Gemeinden verlesen, und an geeigneten öffentlichen Orten sowohl, als in allen Gasthäusern angeschlagen werden, und an letztem Orten bei Verantwortlichkeit der Wirthe immerwährend angeschlagen bleiben.»

Ergänzung vom 31. Dezember 1841 (Beschluss Landrat)
«Landammann und Rath des Kantons Uri.
In Betracht, daß eingeschlichene Mißbräuche bei Befahrung des St. Gotthards zur Winterszeit eine Auffrischung und theilweise Verschärfung der unterm 16 Hornung 18Z9 und 19. Christmonat 1840 erlassenen Verordnungen erforderlich machen, Auf den Vorschlag der wohll. Kantonal-Straßen-Commission beschließen und verordnen hiemit:
1) Die Fuhr- oder Schlittenknechte sind verpflichtet zur Winterszeit bei guter Morgenstunde nach dem St. Gotthard abzufahren, um von da, wenn Wind und Wetter es nicht verunmöglichen, wieder beim Tage zurück kehren zu können; indem sie sowohl im Hin- als Herfahren so viel möglich einen Zug bilden, um bei sich darbietender Gefahr zu gemeinsamer Hülfe bereit zu sein.
Es sollen demnach diejenigen Schlittenknechte, welche erst nach 10 Uhr Vormittags mit Kaufmannsgürern bei der Zollstätte in Hospenthal vorbeifahren, für jedes Mal und jeden Schlitten in die unnachläßliche Geldbuße von Fr. 1 verfallen seyn, insofern sie keine wichtige und begründete Ursache der Verspätung darzuthun im Falle sind.
Da es Fälle geben kann, wo die Witterung ungünstig ist, und sich erst etwa gegen Mittag besssert und zum Fahren eignet; so ist in diesem Falle der die Aussicht über den Berg Führende auch noch Vor-Ochsen schicken zu können berechtigt; wo dann aber diejenigen, so diesen nachfahren wollen, alsogleich, bei obiger Buße nachfahren sollen.
2) Die den St. Gotthard befahrenden Fuhrleute, seien es Eilfuhrenführer oder andere, sind gehalten, sich durch den Bergherrn in Abtheilungen nach Billigkeit theilen zu lassen und je abwechselnd eine Abtheilung einen Tag vorauszufahren, bei Fr. 3 Buße. Als Grundlage dieser Vertheilung wird angenommen, daß die Eilfuhr zu 3 Tage, während die übrigen Fuhrleute einen Tag vorauszufahren haben.
3) Der Bergherr ist berechtigt, sobald sich bedeutende Gefahr wegen Lauwinen, wegen vielem Schnee besonders bei einigermaßen ungünstiger Witterung auf einigen Straßenstrecken zeigt, nach Gutfinden zur größern Sicherheit die sogenannten alten Winterstraßen befahren zu lassen. Der Bergherr wird gleichzeitig dafür sorgen, daß die Wegknechte sich nicht als Schaufelknechte für Privaten gebrauchen lassen; sondern genau ihren aufhabenden Pflichten in ihrer Bestimmung entsprechen.
4) Jeder Schlitten soll stets fort von einem tauglichen Schlittenknechte versehen und begleitet seyn, und von einem einzigen Mann nie mehr als ein Schlitten bedient werden mögen, und zwar bei einer Geldbuße von Fr. 2 von jedem Mal.
Die gleiche Vorschrift dehnt sich auch auf die Fuhrleute überhaupt längs der ganzen Route aus, indem bei gleicher Buße jedes Fuhrwerk stets von einem tauglichen Fuhrmann begleitet sein soll.
5) Bei gleicher Buße von Fr. 2 liegt jedem Schlittenknechte ob, an den nöthigen Stellen die Ringe oder Ketten unterzulegen.
6) Die Ueberwachung dieser Verordnung und die unverzügliche Verzeigung der Fehlbaren liegt dem Bergherrn, und betreffend den Art. 1 auch dem Zoller in Hospenthal bei eigener Verantwortlichkeit ob. Die Kantons-Straßen-Commission ahndet die Fehlbaren und von jeder Buße wird die Hälfte dem Anzeiger verabfolgt.
7) Die gegenwärtige Verordnung soll dem amtlichen Wochenblatt beigedruckt und in Hospenthal und Andermatt verlesen werden.»

LR 1817; LB UR 1823 Bd I S. 218; LR 19.10.1839, 31.12.1841; LB UR 1842 Bd III, S. 121-124.
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243  
Warentransport an Sonn- und Feiertagen
«Wenn Säumer oder Karrer sich erfrechen würden an Sonn- oder den höhern Feyertagen zu führen oder andere Güter für Eilgüter anzugeben, sollen sie nach aller Schärfe bestraft werden. Wenn Eilgüter müssen geführt werden, sollen sie einen Erlaubnißschein vom Pfarrer der Gemeinde, wo sie laden, begehren, um denselben in andern Gemeinden aufweisen zu können, und zwar bey Gl. 10 unnachläßlicher Buß, wovon ½ dem Angeber zukommen soll.»

Ergänzung vom 24. Oktober 1835 (Beschluss Landrat)
«Nachdem wir in Erwägung sowohl des schon von der h. Landesgemeinde 1823 erhaltenen Auftrages für sichere und schleunige Verführung der Transitgüter zu sorgen, als der, durch das mit den l. Ständen, Luzern, Solothurn, Basel und Tessin im Jahre 1826 abgeschlossene Koncordat übernommenen Verbindlichkeiten, Alles zu veranstalten, was zu diesem Zwecke führen kann,
In Beherzigung, daß derselbe nur durch Anordnung gemeinsamer und durchgreifender Maßnahmen erreicht werden kann, und daß ohne dieses die so vielen und großen Opfer unwiederbringlich verloren gehen würden,
Folge leistend den wiederholten und ernstlichen Aufforderungen der mit konkordirenden Stände, die nicht minder als wir die bedeutendsten Aufopferungen zur Bezweckung der Wiederaufnahme des Transites über den St. Gotthardt sich haben gefallen lassen,
In Betracht das zu Folge erhaltener daheriger Bewilligung die Verführung an Sonn- und Feiertagen sowohl auf den übrigen Gebirgspässen als in den mit uns konkordierenden Ständen bereits stattfindet,
In Betracht, daß eine theilweise Begünstigung nicht nur keinen Vortheil bringen kann, sondern viel mehr zu Verwickelungen und Hemmungen Anlaß geben müßte, wovon häufige Beweise keineswegs fehlen. Uns vereint mit der h. Regie- rung des Standes Tessin direkte an S. Päpstliche Heiligkeit mit der Bitte gewandt haben, daß auch in beiden Kantonen Uri und Tessin der Verführung der Transitgüter an Sonn- und Feiertagen von Seite der geistlichen Behörden kein Hinderniß in den Weg gelegt werden möchte,
Nachdem uns in der Zwischenzeit durch die Regierung des Standes Tessin, ein in einem dortigen geistlichen Archive aufgefundenes Jndult von Pabst Paul V. dat. den 20. März 1617 mitgetheilt wurde, nach welchem diese Bewilligung dem Stande Uri und seiner Landschaft (damals Lifenen) in gleichem Maße wie sie jetzt verlangt wurde, schon ertheilt war,
Nachdem sowohl laut amtlicher Mittheilung der Regierung des Standes Tessin, als derjenigen des bischöflichen Ordinariats von Chur durch die Vermittlung des Hochw. Herrn Commissarius Seine Heiligkeit Gregor XVI. unsre Bitte zu gewähren geruht hat, mit dem Beisatze jedoch, daß Aergernisse möglichst verhindert werden und der Heiligung der Festtage nicht mehr Abbruch geschehe, als die Nothwendigkeit erfordert,
Beschließen und verordnen:
I. Alle Transitgüter ohne Ausnahme, worunter nämlich jene Kaufmannsgüter gerechnet werden, welche einen Kanton ganz durch ziehen, mögen an Sonn- oder Feiertagen frei verführt werden.
II. Diese Bewilligung dehnt sich jedoch nicht aus auf nachbenannte Feste, an welchen die Verführung der Kaufmannsgüter untersagt bleibt, insofern es nicht Eilgüter sind, da dieselben auch an diesen Tagen verführt werden mögen, als heil. Weihnachtstag, drei Königen, dem heil. Ostertag, der Himmelfahrt Christi, dem Pfingst- und Frohnleichnamsfest, Maria Himmelfahrt und Allerheiligen.
III. Das Auf- und Abladen soll wo immer möglich vor oder nach den Festtagen geschehen, und jedenfalls hiebei, so wie auch im Fahren den Hauptgottesdiensten geschont, jedes Aufsehen und jeder Lärm sorgfältig vermieden werden.
IV. Von dieser Bewilligung bescheidenen Gebrauch zu machen, wird sowohl den Versendern von Waaren, als den Fuhrleuten bestens empfohlen, und es sind die Fuhrleute von der schuldigen Anhörung der heil. Messe keineswegs losgesprochen.
V. Der Art. 243 welcher das Verführen der Kaufmannsgüter, an Sonn-und Feiertagen verbietet, ist hiemit und zwar auch für die Verführung derselben auf dem See abgeändert.
VI. Alles Führen für den innern Verkehr ist in dieser Bewilligung nicht begriffen, sondern bleibt fernerhin an Sonn, und gebotenen Festtagen verboten.
VII. Den resp. Dorfgerichten wird die gute Aufsicht für Handhabung dieser Verordnung nachdrucksamst empfohlen, und dieselben sind pflichtig, Dawiderhandelnde dem w. w. Rathe anzuzeigen damit dieselben mit der hiefür aufgesetzten Strafe von Gl. 13 belegt werden können.
VIII. Diese Verfügung soll öffentlich verlesen, und an den gewohnten Orten angeschlagen werden.»

LR 1720, LG 1716; LB UR 1823 Bd I S. 218 / LR 24.12.1835; LB UR 1842 Bd III, S. 125-128.
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244  
Ordnung der Schiffsahrtsgesellschaften
«Da bisanhin zwey verschiedene Schiffgesellschaften in Fluelen bestanden, der sogenannte Theil und das Gefährt, und aber die Erfahrung zeiget, dass dieses unzweckmässig sey, und zu vielen Unordnungen, Streitigkeiten und Missverständnissen Anlass gebe, auch nebst dem die Einführung einer guten Ordnung bey der Schifffahrt in Fluelen immer fühlbarer und dringender wird: so haben UGHHrn. eine hohe Landes-Oberkeit, nach vorhergegangenem Untersuch einer Kommission folgendes zu verordnen und für die Zukunft festzusetzen gut gefunden.
1. §. Die bisherigen Schiffgesellschaften, der Theil und Gefährt, vereinigen sich zusammen in eine Fahr oder Gesellschaft, unter dem Namen der theilfahrenden Schifffahrtgesellschaft, so dass nur einzig diese in Fluelen bestehen soll, und solle keine andere Gesellschaft noch Partikular (das grosse Marktschiff und dessen Rechtsamen ausgenommen) mit eigenem oder anderm Schiff jemanden, wer es sey, aus hiesigem Kanton um den Lohn führen, und so diese Schifffahrtsgesellschaft beeinträchtigen mögen.
2.§. Diese Gesellschaft ist verpflichtet eine hinlängliche Anzahl Schiffe, benanntlich einen Nauen einen Halbnauen, ein drittes Schiff, und dann gewöhnliche Schiffe in Grösse, Art und Anzahl nach Weisung der Schiffkommission, die jedoch dabey den Schiffmeister und ein Glied des Schiffraths zuziehen wird, nebst allem Zugehör anzuschaffen, solche in gutem, brauchbarem Stand zu erhalten, Fremde und Heimische, bey Tag und Nacht, um den festgesetzten Lohn zu führen und fertigen, und keine Gefährde zu gebrauchen.
3.§. Es wird eine oberkeitliche Kommission aufgestellt, die über Unterhaltung der Schiffe, und genaue Erfüllung der Pflichten von Seiten der Gesellschaft in allen Theilen die Oberaufsicht haben, und daher auch einige Mal des Jahrs einen Untersuch über den Zustand der Schiffe und Geräthe machen solle. Selbe wird auch im ganzen und überhaupt über Vollziehung der gegenwärtigen Ordnungen wachen, und dawiderlaufende wesentlichere Vergehnngen nach Gebühr und Umständen UGHHrn. zur Straf anzeigen. Auch liegt ihr ob in Streitigkeiten und ähnlichen Vorfällen zu entscheiden und zu verfügen, damit Fremde nicht aufgehalten werden. Sie mag nach Gutfinden den Schiffmeister zu ihren Berathungen ziehen.
4.§. Es wird auch die Gesellschaft einen Ausschuss unter dem Namen eines Schiffraths ernennen, der mit Einschluss des, Schiffmeisters und des Nauenvogten aus fünf Gliedern bestehen solle. Dieser Schiffrath hat vorzüglich über Erhaltung von Schiff und Geschirr zu wachen, und die abgehenden Schiffe in gehöriger Zeit wieder anschaffen und ersetzen zu lassen. Er hat dann ferner auf Erhaltung der guten Ordnung zu wachen, diejenigen, welche sträflich, und widerrechtlich handeln, zur Ordnung zu weisen, und in geringen Fällen gebührend zu bestrafen, wesentliche Vergehungen aber der oberkeitlichen Schiffkommission anzuzeigen.
5.§. Zu Vermeidung aller Unordnung, und zu schnellerer Bedienung der Durchreisenden wird die Gesellschaft einen fleissigen und rechtschaffenen Mann zum Schiffmeister erwählen, der oberkeitlich muss bestattet und in Eid genommen werden. Diesem ist die Oberaufsicht und Leitung der Schifffahrt, so wie die Aufrechthaltung der Ordnung überhaupt, als auch die besondere Umgangsordnung unter den Schiffleuten zu halten, aufgetragen. Alle Schiffleut sind schuldig seinen Anordnungen unter angemessener Straf zu folgen. Auch soll die Gesellschaft ihm ein billiges Gehalt oder Entschädigung geben.
6.§. Zu Erleichterung des Schiffmeisters soll umgangsweise täglich eine Wache seyn, die, sobald ein Theil abgefahren, sogleich den künftig treffenden zum Fahren avisieren soll; doch soll diese Wache sich im Weitern keineswegs mit der Schifffahrtsangelegenheit befassen, sondern sogleich dem Schiffmeister berichten, welcher in jedem Fall der Einzige ist, der den Fahrenden, (sey es Fremd oder Heimsch) Rede und Antwort zu geben hat. So die Wache sich in Weiters einmischen oder Streit veranlassen oder anfangen würde, soll sie vom Schiffmeister der Schiffkommission angezeigt werden.
7.§. Diejenigen, denen der Theil angesagt wird, und also die Ersten zum Fahren bestimm sind, sind verbunden bey Haus zu bleiben, und den ankommenden Theil abzuwarten, damit wegen ihrer Abwesenheit niemand versäumet werde. Sollte aber einer, den es trifft, oder sein angestellter Knecht (wie unten erläutert) zur Zeit des Abfahrens nicht zu Haus angetroffen werden, so soll ein solcher sogleich übergangen, und der nächst auf ihn Folgende gerufen werden, ohne dass der Uebergangene das Recht hat, den Theil nachzunehmen, bis die Umgangsordnung wieder sonst an ihn kommen wird. Hingegen soll dann auch ein jeder, der ein Schiff bestellt, und den Theil umsagen lasst, schuldig seyn, sich dessen zu bedienen, oder sich mit dem Schiffmeister in Billigkeit abfinden, wenn er sich einer andern Gelegenheit bedienen will; doch dass es in keinem Fall die Hälfte des Lohns des bestellten Schiffs übersteigen soll.
8.§. Jährlich im Frühjahr und Herbst wird die oberkeitliche Schiffkommission zusammentreten, wo sich alle Schiffleute der theilfahrenden Gesellschaft erklären sollen, ob sie das künftige halbe Jahr selbst fahren oder einen ändern stellen wollen. Im letztern Fall soll er den Zustellenden der Kommission zur Annahm oder Verwerfung vorstellen, und soll selber wenigstens so gut als er seyn. Ohne durch solche Annahm mag keiner einen andern für sich stellen, sondern so er nicht selbst fahrt, geht der ihm treffende Theil, wie obgemeldt, vorbey. Auch mag keiner für zween oder von zween gestellt werden, und so der Gestellte beym Fahren nicht zugegen ist, soll der Stellende selbst fahren, oder seine Umgangsordnung , wie oben bemerkt, vorbeygehen. Auch soll jeder Schiffmann oder Angestellter bey schlechter oder widriger Witterung selbst fahren, und seine Tour nicht vorübergehen lassen. Dabey wird der Gesellschaft überlassen, ob sie es nicht für gut fände, unter sich zu bestimmen, dass jeder so auf diese Art einen ändern stellt, bey jeder Fahrt einigen Einschuss in die Gesellschaftskasse zahlen soll.
9.§. Jeder Schiffmann oder Angestellter soll sich besonders vor Trunkenheit hüten, keine Händel anfangen, sich gegen den Schiffmeister oder sonst nicht widerspännig stellen, den Fremden nicht mit Ungebühr begegnen, noch durch Forderung von Trinkgeld oder auf andere Art beschwerlich fallen. Und wer sich hierin in eint oder anderm vergehen würde, soll in geringem Fällen von dem Schiffrath um den Schifflohn zu Handen der Gesellschaftskasse bestraft, in wesentlichen Fällen aber vom Schiffrath der Schiffkommission, und von dieser U.G.Herren angezeigt, und mit Gl. 5 Buss, und Stillstellung des Verdiensts für kürzere oder längere Zeit nach Massgab des Fehlers bestraft werden. Davon soll 1/4 der Straf dem Kläger, und vom übrigen die Hälfte der Oberkeit, und die andre Hälfte der Gesellschaffskasse zukommen.
10.§. Es solle niemal mehr als nachbenannter Schifflohn gefordert werden, nämlich:
(Auflistung der Tarife des Schifflohns)
Wobey das Gewohnte für's Schiff schon in diesem Tarif und Schifflohn begriffen und festgesetzt ist, ausser bey den gemeinen Schiffen auf Gersau und Brunnen ist vom Mann 1 Bz. Für‘s Schiff verstanden und anzurechnen. Es kann auch nicht gefordert werden, dass mit weniger Mannschaft gefahren werde, als hier vorbemerkt wird.
11.§. Obwohl das Flüeler Bothenschiff nicht zur theilfahrenden Gesellschaft gehört; so mag dasselbe doch Reisende aufnehmen, der Bothschiffmann soll aber von jeder Person , die in seinem Schiff fahrt, nicht mehr als 2 Bz. Schifflohn fordern, und davon 1/3, nämlich Sch. 2 an die Gesellschaftskasse bezahlen. Was dann das Gepäck betrifft, solle, wenn es 50 und darunter ist, 2 Batzen, und wenn es über 50 ist, Bz. 4, und so Verhältnissmässig fort, Schifflohn davon bezahlt, und hievon, weil der Bothschiffmann sonst nicht befugt wäre, Leute mit Gepäck aufzunehmen, 2/3 der Schiffgesellschaft gefolgt werden. Der Bothschiffmann solle sich- aber bey Verantwortlichkeit hüten, solche Leute aufzufordern in sein Schiff zu kommen, und hierin keine Gefahr gebrauchen. Zu schweres Gepäck, wodurch sein Schiff im Lauf gehindert, oder gar gefährdet werden könnte, solle er gar nicht aufnehmen.
12.§. Die andern Retourschiffe und Gelegenheiten betreffend werden UGHHrn. trachten durch Vertrag mit den betreffenden löbl. Ständen ein auf Billigkeit gegründetes Gegenrecht zu erzwecken und festzusetzen. Desgleichen werden Hochselbe Bedacht nehmen zu veranstalten, dass mit Wein und Reis, so die Umerwaldner von Fluelen abführen, das gleiche Recht, wie gegen den löbl. Stand Schwyz ausgestellt und eingeführt werde.
13.§. Die Juden und ihre Waaren bleiben, wie bisanhin, dem Theil unterworfen, und sollen sich keiner andern Gelegenheit bedienen mögen.
14.§. Diese Schifffahrtsgesellschaft ist verbunden für das ihr anvertraute Eigenthum, Leib und Gut der Durchreisenden dergestalt verantwortlich zu seyn, dass nach jedem rechtsförmlichen Beweis einer Hinlässigkeit oder Verwahrlosung alle Mitglieder der Gesellschaft für jeden einzelnen darstehn und haften müssen. Deswegen wird es ihnen selbst anliegen bey der Annahm genau und wohlbedacht zu seyn, und nur solche anzunehmen, von deren guten Aufführung, Gewissenhaftigkeit und Tauglichkeit im Schiffen sie versichert seyn können; indem es an ihnen steht, sich gegeneinander zu sicheren oder zu verbürgen.
15.§. Sie solle auch recht gute Decken in Vorrath haben, um auf jedes Begehren solche zu gebrauchen, wofür sie Gl. 1-5 fordern mag.
16.§. Der Gesellschaft bleibt die alte Verpflichtung, die gedeckte Wehre, zur sichern Zuflucht beladener ankommender Schiffe von andern Gestaden, in gutem Stand zu erhalten.
17.§. Bey Durchzügen und andern ausserordentlichen Anlässen solle sie mit Schiff und Geschirr der hohen Landesoberkeit zu Befehl und Verfügung stehen.
18.§. Alle übrigen bisherigen Rechtsamen, Sigill und Brief und alte Traktaten der Gesellschaft, in so weit selbe mit dieser, gegenwärtigen Verordnung in keinem Widerspruch stehen, oder dadurch abgeändert oder aufgehoben sind, sollen einstweilen in Kräften verbleiben.»

Ergänzung vom 20. September 1837 (Beschluss Landrat)
«Auf das wiederholt gestellte Ansuchen der Schiffsgesellschaft von Fluelen wurde in Abänderung des Artikel Landbuchs 244. §. 8 beschlossen:» «Es sei den Mitgliedern der Schiffgesellschaft von Fluelen auf unbestimmte Zeit hin gestattet, anstatt der angestellten Knechte, wenn diese wegen Abwesenheit oder andern Hindernissen bei der sie treffenden Tour zu fahren, nicht sogleich zu Gebote stehen, zu besserer und schnellerer Bedienung der Reisenden und Waaren andere aus der Gesellschaft anzustellen.»

LR 1809; LB UR 1823 Bd I, S. 218-227 / LR 20.09.1837; LB UR 1842 Bd III, S. 132.
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245  
Unterhaltung undOrdnung der gedeckten Wehre
«Die Dorfleut in Fluelen sind nach zweymal erhaltenem Beytrag laut eingegangener Verpflichtung schuldig die Schiffhüte oder gedeckte Wehre in ihren Kosten, in Bau, Dach und Gemach zu erhalten, auch so hoch zu stellen, dass man einladenes Schiff mit Heu oder anderm Gut darunter stellen möge, und sollen sie mit leeren Schiffen bey einfallender Noth den geladenen daraus weichen.»
LB UR 1823 Bd I, S.227.
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246  
Ordnung der Luzerner und Urner Wehre
«Die sogenannte Luzerner-Wehre soll für den Luzerner- und die Urner-Wehre für den Urner- Nauen offen und leer gelassen werden. Die übrigen Schiffe sollen in die eingeschlagene und andere Wehren gethan werden, und die leeren Schiffe sollen den geladenen, auch die Flueler den fremden weichen und Platz machen.»

Ergänzung vom 16. März 1833 (Beschluss Landrat)
«Da UGHerrn. und Obern die Anzeige gemacht worden, das mehrere Partikularen ihre Schiffe zum Nachtheil der fahrenden Gesellschaft und ankommenden Schiffen, in der Wehre halten, so wird hiemit zu Jedermanns Verhalt bekannt gemacht, das es verboten sein solle solche Partikular-Schiffe in der Wehre halten zu mögen, und zwar bei Gl. 5 Buß, wovon dem Kläger die Hälfte zu kommen solle.»

Alt LB 229; LB UR 1823 Bd I S. 228 / LR 16.03.1833; LB UR 1842 Bd III, S. 133.
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247  
Verbot des Depots von Gegenständen auf den Wehren
«Es solle Niemand auf der Sustwehre noch andern Orten, wo der Nauen und andere gewöhnliche Schiffe anzulanden pflegen; etwas liegen lassen, das dem Ein - und Ausladen der Schiffen und Wägen hinderlich ist bey Gl. 2 Buß; es wäre dann, daß einer spät ankäme, und die Waar nicht mehr wohl anderswo verlegen könnte, doch soll er solche, sobald er kann, wegschaffen.
Es ist auch Scheiter oder anderes Holz auf die Treibwehre zu thun, oder da liegen oder stehen zu lassen bey angemeßener Straf verbothen.»

Alt LB 227-228; LG 1818; LB UR 1823 Bd I S. 228.
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VERFASSUNGEN DES KANTONS URI

Verfassung von 1803
Verfassung von 1820
Verfassung von 1850
Verfassung von 1888
Verfassung von 1984

Verfassung nach Datum

Im URIkon befindet sich von der Verfassung 1850 nur der ursprüngliche Text. Die Verfassungsänderungen werden nachgetragen!

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020