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Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1823/1826
Bd 2 (1826)
Wuhren und Schächen

289  
Das Gericht zu Reuss und Schächen
«Das Gericht zu Reuß und Schachen besteht ans dem jeweiligen Richter des Landes, dem Seckelmeister und sieben Männern, die von der Bezirks Gemeinde aus den an Reuß oder Schächen liegenden Dorfschaften für Lebenslang gewählt werden, und welchen der älteste Landschreiber und der Großweibel beywohnen.
Dieses Gericht solle jährlich beym ersten Augenscheins-Tage den im Art. 9. des Landbuchs beschriebenen Eid der XI er. Richter schwören. Was dieses Gericht an Reuß und Schächen wie auch beym Palanggen und alten Bach befiehlt zu machen, zu brechen, oder hinwegzuthun, wo es immer seyn mag, das soll gemacht, gebrochen oder hinweggethan werden, in der Zeit, wie es befohlen wird, bey Gl. 20 Strafe, und solle jährlich durch das Gericht ein Ausschuß gemacht werden, die Revision darüber zu machen: auch solle hierüber keine Appellation statt haben mögen.
Das gleiche Gericht spricht ebenfalls ohne Appellation über Streitsachen zwischen den Wehregenossen oder Steuren, über die Frage, «wer es brechen, oder machen und die Kosten tragen solle?» und dieß nach angehörter Red und Widerred, nach Erfindniß des Rechts, und mit billiger Berücksichtigung der bestehenden Marken, beym Eide.
Wie aber die Wuhren (Wehrenen) beyderseits ausgemarket sind; so ist auch zugleich der Grundsatz angenommen, daß das Reuß- und Schächen-Bett zwischen dem Fuß oder Boden beydseitiger Wuhren und alle darin liegende Rifen ohne Rücksicht an welcher Wuhr dieselbe anstoßen, beydseitigen Wuhren gemeinschaftlich seyn, und nach Verhältniß ihrer Länge getheilt werden sollen.
Wenn ein Glied dieses Gerichts selbst ein Gut in einer Steuer besitzt, über welche verfügt oder erkennt wird, soll selbes in solchen, diese Steuer betreffenden Sprüchen, ausstehen.»

LB UR 1826 Bd. II, S. 35.
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290  
Erneuerte Wehre-Ordnung
«Nach welcher sich alle Wehresteuren an der Reuß, Schächen und Pallanggen, die mehr oder minder obrigkeitlichen Beytrag erhalten, zu richten haben, und derselben Nachkommen sollen:
1. §. Wenn eine Wehretag angekündet ist, sollen die Wehre, oder Steuerleute, sowohl zur Handarbeit als mit den Fuhren, um 9 Uhr Morgens an dem Werk und Arbeit seyn, und bis Nachmittag um 2 Uhr ununterbrochen und fleißig arbeiten, indem allzeit fünf volle Stunden Arbeit für einen Wehretag gehalten und berechnet werden sollen. So einer aus begründeten Ursachen später als um 9 Uhr an die Arbeit kommt, bleibt es dem Wehremeister überlassen nach Umständen und billigem Befinden der Sache, demselben den Stunden nach, oder minder nach seinem Gewissen den Lohn zu verzeichnen.
2. §. Es sollen auf die Wehrenen keine andere als vollkommen taugliche und werkbare Leute geschickt und gebraucht und daher keine untaugliche, schwache, gar alte oder sonst unwerkbare, auch keine Weibspersonen, und keine Knaben, und wenn es schon von Wehregenossen wären, angenohmen werden. Der Wehremeifter solle hierüber wachen, und solche von der Arbeit weisen, und so einer nicht gehen wollte, demselben keinen Lohn aufschreiben. Einzig für die Arbeit auf den Rifen, als Rifen erlesen, zusammenwerfen und helfen Rifen laden, mögen arbeitsame Knaben zugelassen und gebraucht werden. Die Wehremeister sollen auch darauf achten, daß nicht mehr Leute als zu dem vorhabenden Werk nöthig sind, angestellt werden. Derselbe solle auch anordnen, daß die Fuhren nicht still stehen oder aufeinander warten, sondern allzeit gehörig fortfahren und nicht unnütz Zeit verlieren; auch solle jedermann mit Tabakrauchen Mäßigkeit beobachten, und nicht zu viel Zeit damit zubringen.
3. §. Ein ganzer Wehretag soll von Morgens 8 bis Nachmittag um 4 Uhr berechnet werden; es bleibt aber dabey den Wehresteuren überlassen, wie an einigen Orten üblich, nur halbe Tage machen zu mögen. Es solle jede Wehresteuer sowohl einen Wehrevogt als einen Werkmeister haben, und soll aber bey geringeren Werken, wo nicht beyde nöthig sind, nur einer von denselben dabey seyn, und sie sich hierüber einverstehen, um überflüßige Kosten zu ersparen. Der Lohn für den Wehrevogt und den Werkmeister ist für einen ganzen Wehretag, mit Einbegriff des Umsagens — Sch. 30, wobey sie aber keinen weitern Lohn als Wehregenoß sich zuschreiben, noch beziehen mögen. Für jeden andern Arbeiter vom ganzen Wehretag — Sch. 20 und vom ½ Tag Sch. 10 und einem Knaben für auf den Rifen zu arbeiten — Sch. 10. Was dann die Arbeiter betrifft, die im Wasser arbeiten, oder besonders angestellte Werkleut und andere, die schwere Verrichtungen thun müssen, ist es dem Vogt überlassen denselben den Lohn nach Verdienen und Billigkeit zu geben. So ein Wehregenoß jemand unter diesem Lohn auf die Wehre schickte, soll einem solchen nicht mehr an Rechnung gestellt werden, als er dem Angestellten bezahlt. Wenn auf dem Schachen und Pallanggen wegen Anwachsen des Wassers länger, als die gesetzlichen Stunden gearbeitet wird, mögen diese Steuren den Taglohn im Verhälniß des längeren Arbeitens auf die Stund berechnet, vermehren, aber weiters nicht. Bey den Wehrerechnungen solle alles genau bezeichnet, und nichts unter verdecktem oder anderm Namen eingetragen werden.
4 §. Die Fuhren sollen an keinem Tag länger als die fünf Stund gebraucht werden, und der Wehremeister daranfachten, daß rechte anständige Ladungen geführt werden, auch solle er dafür sorgen und veranstalten, daß die Arbeit unter den Fuhren verhältnismäßig und so viel möglich, gleich eingetheilt werde, und nicht die einen meistens nur Schwereres und andere nur Leichteres thun müssen. Meißochsen und nur 30 Monat alte oder noch jüngere Pferde sollen bey Wehrefuhren gar nicht angenehmen werden. Von jedem Wehretag soll für ein einspännige Fuhr sammt dem Mann Lohn bezahlt werden Gl. 1 Sch. 20. Für jedes Pferd oder Ochsen mehr Gl. 1, also für zweyspännig Gl. 2 Sch. 20.
5. §. So einer unberufen auf die Wehre führe, käme oder schickte, soll ihm kein Lohn verrechnet werden, sondern er umsonst gearbeitet haben. Es solle aber der Wehrevogt oder Werkmeister im Berufen Billigkeit gebrauchen, und Rücksicht nehmen, wer mehr oder weniger in der Steuer sey, damit die, so mehr Steuerpflichtig, auch mehr berufen werden und mehr abverdienen können, und so, so viel möglich eine Gleichheit gehalten werde.
6. §. Wenn Holz an die Wehrenen oder auf die Rifen gebracht würde, solle solches von Niemand, und wenn es schon Steuerleut oder Weh- regenoffen wären, weggenohmen werden mögen; sondern der Wehrevogt solle dasselbe zu Händen ziehen, versteigern und den Erlöß an die Wehrekosten verwenden, und soll dieser Betrag bey der Rechnung jederzeit an den Kosten abgezogen werden, bevor der oberkeitliche Beytrag an diese Kosten berechnet und bestimmt wird.
7. §. Alle Wehresteuren mögen, besonders in ausserordentlichen Fälle», die Besitzer der in ihrem Wehrebezirk liegenden Allmendgärten das gesetzliche Tagwerk jährlich an der Wehre zu thun oder — Sch. 10 dafür zu bezahlen, anhalten.
8. §. Die Wehrerechnungen sollen ausführlich, wie solche der Steuer abgelegt werden, vorher dem HHrn. Landsseckelmeister vorgewiesen werden um solche einsehen und durchgehen zu können, und solle keine ohne Bescheinigung vom HHrn. Landsseckelmeister, daß solches geschehen, den Steuergenossen vorgelegt werden. Auch solle derselbe zu Ablegung der Rechnungen berufen werden, damit er gutfindenden Falls auch dabey erscheinen kann.
9. §. Es sollen von den Wehrevögten für die Rechnung zu schreiben, oder andere solche Sachen keine Kosten zu Lasten des Landseckels angesetzt und in die Rechnung gebracht, als der gewöhnliche Wehrediken für den Augenscheinstag, auch überhaupt bey den Wehrerechnungen keinerley Kösten zum Nachtheil des Landseckels gemacht werden; sondern jeder Wehregenoß, wenn dabey etwas trinkt oder genießt, solches selbst bezahlen.
10. §. Der Richter des Lands solle die Wehrevögt, jährlich an den gewohnten Augenscheins-Tagen an den Wehre-Eid erinnern. Die Wehrevögt aber so nicht zugleich auch Steuergenossen sind, so wie die ganz oberkeitlichen Wehrevogt, sollen schwören: — ‘Die vorstehende Wehre-Ordnung handzuhaben, zu beobachten, und die Arbeiter zur Beobachtung zu mahnen und anzuweisen, getreu und gewissenhafte Rechnungen zu führen, sich in Aufsicht und Anordnung unpartheyisch zu verhalten, und überhaupt für UGHHrn. sowohl als der Steuergenossen Nutzen und Vortheil aufrichtig zu sorgen.
11. §. Wenn einer gegen den Vogt oder Werk-Meister sich ungebührend betrüge in Worten oder Werken, solle er Gl. § Buß verfallen haben, UGHHrn. angezeigt und nach Umständen, in schwerern, oder sträflichern Fällen noch mehrers bestraft werden; auch soll der, so auf Befehl des Wehremeisters nicht arbeiten wollte, sogleich von der Arbeit geschickt werden.
12. §. Diese Wehreordnung soll allen Wehresteuren, die oberkeitlichen Beytrag genießen, mit getheilt und jährlich bey den Wehrerechnungen vorgelesen werden, damit zu steter Beobachtung jedem besser in Erinnerung bleibe.»

LR 1825; LB UR 1826 Bd. II, S. 36 ff.
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291  
Verschiedene Wuhren
«Nebst dem Unterhalte der oberkeitlichen Wuhren bey der Bürgler-und Schattdorfer-Brücke über den Schächen: bey der Altinghauser-und Seedorfner-Brücke über die Reuß: bey der Stäger-Brücke über den Kärschelbach: bey der Mündung des Schächens in die Reuß, und der Reuß in den See: der untern Haus-Wehre zu Stäg und bey der Ortfluo: der Straß-Wehre unter der Stetten, der Schützen- und Straß-Wehre zu Erstfeld, und der untern Wehre am Pallanggen, wird zum Unterhalte der übrigen Wehrenen an die jährlichen Kösten aus dem Landseckel bezahlt, wie folgt:
An die sogenannte Hundsgraben-Wehre in Fluelen 2/3
An die Felderwehre in Silenen ½;
An das Kett, die Wuhr und den Steinkasten am Schächen zu Bürgeln, wo der Altdorfer Dorfbach aufgenohmen wird, an die Küchewehre in Erstfeld: und an die neue sogenannte dreyörtliche Wehre ob dem Pallanggen zu Attinghausen 1/3;
An die Kluß — Linden — Kapellen — Groß, und Lussi-Wehre in Erstfeld — Schattdorfer obern und untern Reuß-und Schächen-Wehrenen — Altdorfer-obern und untern Schächen-Wehre — Attinghausner und Seedorfer Pallanggen-Wehre ¼;
An die Leidschachwehre in Erstfeld — Ribshausner-Schächenwehre auf der rechten Seite der Reuß — Attinghausner — Seedorfner — Altdorfner und Flueler-Reußwehre — Altdorfner Eywehre, und Wildriederwehre in Fluelen 1/5.»

LG 1665, 1727, 1781, 1812; LB UR 1826 Bd. II, S. 42 f.
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292  
Verbot des Nehmens von Holz von Wuhren
«Es soll niemand einiges Holz ab den Schächen, oder Reuß-Gründen, noch ab den Wuhren oder Wehrenen nehmen mögen bey Gl. 6 Buß, sondern solches Holz solle der Wehresteuer auf bey oder innert deren Wehre es liegt, eigen seyn.»
aLB 230; LB UR 1826 Bd. II, S. 43 f.
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293  
Verbot des Holzflössens auf Reuss und Schächen
«Zu Verhütung Schadens an den Wehrenen wird alles Holzflößen durch die Reuß und den Schächen bey Gl. 30 Buß und Abtrag Schadens verbothen, und soll das Holz den Wehregenoßen verfallen seyn.
Steine zu den Fischfächern ab den Wehrenen zu nehmen, in den Wehrenen zu dötschen, ist laut Art. 229. LandbuchS §. 4. und 11. der Fischerordnung, ersteres bey Gl. 10. und letzteres bey Gl. 30. Buß verbothen.»

Ergänzung vom 28. Dezember 1841 (Beschluss Landrat)
«Die Nachgemeinde-Erkenntniß vom Jahr 1832, womit der Regierung das Flößen von Holz aus dem Wassnerwald durch die Reus gestattet war, ist in Betracht, daß diese Bewilligung nur für einen bestimmten Zweck, und auf unbestimmte Zeit gegeben war, gegenwärtig als erloschen zu betrachten, und soll daher dieser Nachgemeinds-Beschluß in die Gesetzessammlung nicht mehr aufgenommen werden.»

LB UR 1826 Bd. II, S. 44 / LR 28.12.1841; LB UR 1842 Bd III, S. 158.
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294  
Steuer für Hanf- und Allmendgärten
«Die sogenannten Hanf-oder Allmend-Gärten auf der Allmend im Boden, sollen jeder jährlich Sch. 10. an die Wehre hinter deren Bezirke oder Mark sie liegen, bezahlen, oder ein Tagwerk daran verarbeiten. Für die auf der Altdorfer- Allmend liegenden Gärten bezahlt die Gemeind hiefür jährlich Gl. 14. an die Altdorfer-Reuß-Wehre.»
LG 1660, 1707; LB UR 1826 Bd. II, S. 44 f.
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295  
Holzschlagverbot
«Erlen, Grotzen, Stauden oder andres Holz im Schächenwalde, oder andern Wehreschächen zu hauen, oder zu schwanken, ist bey Gl. 10. Buß von jedem Stock verbothen, wovon dem Kläger die Hälfte zukommen solle: und wer nicht zu bezahlen hat, soll es im Thurm an Wasser und Brod abbüssen, und sollen die Wehrevögte darüber wachen, und die Fehlbaren anzeigen: jedoch Vorbehalten und ausgenohmen:
a) Denen anstoßenden Güterbesitzern ihre besonder» Rechte, wenn sie darum Siegel und Briefe haben.
b) Für die Wehresteuren, was sie zu den Muhren gebrauchen, so wie das dürre und tobte, oder was die Wehresteuer selbst erweißlich zum Vortheile und bessrer künftiger Fortpflanzung des Schachens von Zeit zu Zeit zu hauen gut findt.
In solchen Fällen aber solle die Allmend allemall wieder gehörig abgeschönet werden.»

Ergänzung vom 25. Februar 1841 (Beschluss Landrat)
«Auf die eingekommene Klage über das auffallend überhandnehmende Holzfreveln in den Wehreschächen, finden sich UGHerrn. und Obern bewogen, den Artikel Landbuchs 295 in Erinnerung zu bringen, und demselben noch beizufügen, daß derjenige, welcher nicht zu bezahlen hätte, die gesetzliche Buße in Thurn bei Wasser und Brod abbüßen solle.»

SB 241, 246; LG 1680; LR 1809, 1818, 1821; LB UR 1826 Bd. II, S. 44 f. / LR 25.2.1837; LB UR 1842 Bd III, S. 159.
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VERFASSUNGEN DES KANTONS URI

Verfassung von 1803
Verfassung von 1820
Verfassung von 1850
Verfassung von 1888
Verfassung von 1984

Verfassung nach Datum

Im URIkon befindet sich von der Verfassung 1850 nur der ursprüngliche Text. Die Verfassungsänderungen werden nachgetragen!

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020