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Themen des Automobilwesens in Uri im Detail

Bau der Nationalstrassen in Uri




In den Nachkriegsjahren lebte die Diskussion hinsichtlich Bau eines Gotthardstrassentunnels wieder auf. Die kühnsten Pläne von der erneuten Durchtunnelung des Gotthardmassivs fanden zuerst Aufnahme in den Schweizer Tageszeitungen und Fachzeitschriften und wurden in den beiden Urner Zeitungen immer gebührend erwähnt.
Die Vereinigung "Pro Gotthard" bezweckte die Verwirklichung eines Projektes zum Bau eines Autotunnels durch den Gotthard. Der Zusammenschluss lag vor allem im Interesse der Urner Handel- und Gewerbetreibenden. Das Tunnelportal wäre in Hospental zu liegen gekommen. Auch im Tessin begannen interessierte Kreise auf eine Strassendurchtunnelung des Gotthards zu drängen. Im Urnerland drehten sich die Diskussionen bald nurmehr darum, wo die Einfahrt in das neue "Jahrhundertbauwerk" zu liegen kommen sollte.
Ein neuer Verfassungsartikel sollte sdie Grundlage für den Bau sogenannter Nationalstrassen bilden. Man mass dem Kanton Uri das grösste Interesse an dieser Vorlage zu, pries Uri als ein Fremdenverkehrsland ersten Ranges und sah noch freudig ein enormes Verkehrsvolumen auf sich zukommen. Rückblickend auf die Zustände, wie sie auf Uris Alpenstrassen in den letzten Jahrzehnten herrschten, glaubte man der immer wiederkehrenden Gefahr, von den Reisenden umfahren zu werden, nur mit einem gut ausgebauten Strassennetz begegnen zu können. Anfang Juli 1958 stimmte das Schweizer und Urner Volk mit grosser Deutlichkeit der Vorlage für einen Bau einer Nationalstrasse zu.
Nachdem der Grundsatzentscheid für den Nationalstrassenbau gefallen war, standen die Finanzierungsfrage sowie die Linienführung im Vordergrund. Die Urner Stimmberechtigten hiessen in der Eidgenössischen Abstimmung den Vorschlag, die Nationalstrassen durch die Erhöhung des Benzinzolls zu finanzieren _ im Gegensatz zum Schweizer Volke _ gut. Am Gotthard konnte es jedoch nicht genug schnell vorwärts gehen. Ausstehend waren immer noch die Linienführungen durch oder über den Seelisberg und den Gotthard. Die verschiedensten Projekte und Pläne wurden vorgestellt. Beim Seelisberg standen ein 4,5 Kilometer langer Tunnel auf 520 Meter Höhe, also praktisch auf der Ebene des Seespiegels, mit Beginn östlich von Beckenried und Ausfahrt in der Nähe von Bauen am Urnersee, ein 2,7 Kilometer langer Tunnel 1000 Meter über dem Seespiegel sowie eine Überfahrung des Seelisberges zur Diskussion. Beim Gotthard gab es gleich fünf Projekte: 1) ein hochliegender Tunnel, der etwa 200 Meter oberhalb von Hospental beginnen und nach 7 Kilometer bei Motto Bartola enden sollte; 2) ein doppelt so langer Tunnel direkt von Hospental nach Airolo auf rund 1400 Meter über Meer; 3) ein Strassentunnel parallel zum Bahntunnel; 4) ein neuer Bahntunnel neben dem bestehenden Bahntunnel, der später in einen Strassentunnel umzubauen gewesen wäre; 5) Ausweitung des bestehenden Bahntunnels in einen Strassentunnel und Verlegung der Bahn in einen Basistunnel Amsteg-Bodio.
1963 entschied sich die Studiengruppe Gotthardtunnel für einen belüfteten Strassentunnel Göschenen-Airolo. Es wurde in den Zeitungskommentaren mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Vertreter des Kantons Uri in der Kommission dieser Lösung nicht hätten zustimmen können. Gegen diesen Entscheid regte sich vor allem im Urserental Opposition. Man befürchtete durch die Unterfahrung den wirtschaftlichen Ruin. Dass es in den Urner Gemeinden beim Tunnelentscheid in erster Linie um die Sorge für den wirtschaftlichen Aufschwung des örtlichen Gewerbes und nicht um Grundsatzentscheide ging, widerspiegelt die Reaktion des Gemeinderates von Göschenen: Im Gegensatz zu Ursern nahm dieser "mit Befriedigung" den Vorschlag der Studienkommission zur Kenntnis. Der Bundesrat schloss sich dem Entscheidder Expertenkommission an.
Ungelöst blieben für den Bergkanton die Finanzierungsprobleme für Bau und Unterhalt der neuen Transitlinie. Die Forderungen der Urner Behörden und der politischen Parteien nach höheren Subventionssätzen sollten allerdings nicht am Grundsatzentscheid des Nationalstrassenbaus rütteln. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass der Kostenanteil von Uri an den Nationalstrassen im Verhältnis zu den andern Kantonen viel zu hoch sei und Uri aus dem Nationalstrassenbau mehr wirtschaftliche Nachteile als Vorteile erwachsen würden.
"So wird Uri an die 'Grosse Welt' angeschlossen": Das waren noch die euphorischen Worte, mit denen das Autobahnprojekt durch die Urner Reussebene in der Urner Presse vorgestellt wurde. Der Eröffnung der Nationalstrasse stand die Bevölkerung in den vom Durchgangsverkehr geplagten Dörfern entlang der Gotthardstrasse anfänglich mit einigem Wohlwollen gegenüber.
1971 konnten zwischen Amsteg und Meitschligen die ersten 3,8 Kilometer Autobahn im Urnerland eröffnet werden. 1980 wurde mit Wassen - Göschenen das letzte offene Teilstück der Nationalstrasse N2 in Uri dem Verkehr übergeben. Zudem wurden die neiden langen Tunnels durch den Gotthard und den Seelisberg eröffnet. Uri erhielt eine schnellere Verbindung mit dem Auto in den Tessin und eine neue nach Nidwalden. Die „Linksufrige“ war endlich verwiklicht. Die Eröffnung der Linksufrigen befreite den Kanton Uri von der Abhängigkeit der Axenstrasse.

Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 264 ff.

EREIGNISSE ZUM THEMA

1958  / Sonntag, 6. Juli 1958
Schweizer Volk stimmt dem Bau der Nationalstrassen zu
Mit einer eindeutigen und Eindrücklichen Zustimmung nimmt das Schweizer und Urner Volk die Strassenbauvorlage für den Bau von Nationalstrassen an. Mit 514'880 Ja gegen lediglich 90'528 Nein (85 Prozent) stimmt das Schweizer Schweizer Volk der Vorlage zu. Die Urner stehen da nicht nach: 3'237 Ja (80,3 Prozent) gegen 794 Nein! Der Kommentar des "Urner Wochenblattes" lautet: "Den Spaten in die Hand!"
Quellen / Literatur: UW, Nr. 53, 9. Juli 1958.
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1961  / Sonntag, 5. März 1961
Schweizer Volk lehnt Benzinzoll-Vorlage ab
Der Vorlage über den Zollzuschlag auf Treibstoffe zur Finanzierung der Nationalstrassen (Benzinzoll) stimmt die Urner Bevölkerung mit 3'909 gegen 1'756 Nein zu. Gesamtschweizerisch wurde hingegen die Vorlage mit 432'992 Ja gegen 495'866 Nein und von 12 Ständen verworfen. Die Stimmbeteiligung beträgt 62,18 Prozent (UR: 69 Prozent). Die Gegner der Vorlage vertraten die Ansicht, dass das Geld für den Strassenbau bereits vorhanden war, und dass der Bundesrat _ welcher den Bau der Nationalstrassen von der Annahme der Vorlage abhängig machte _ nichts zu drohen, sondern den Willen des Volkes auszuführen habe. Die Befürworter schrieben die Worte "Fortschritt und Sicherheit" auf ihre Fahnen und wiesen vor allem darauf hin, dass man keine Subventionskürzung riskieren sollte.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 267 f.
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1964  / Dienstag, 7. Juli 1964
Bundesrat entscheidet sich für Tunnelvariante Göschenen-Airolo
Der Bundesrat schliesst sich dem Entscheid der Expertenkommission an. Die Studiengruppe Gotthardtunnel hat in ihrem Schlussbericht die Tunnelvariante Göschenen-Airolo vor.geschlagen. In den Zeitungskommentaren gibt man zwar einhellig der Freude Ausdruck, dass die Nationalstrasse durch das Urnerland zu liegen kommt, doch zeigte man sich über die tieferliegende Variante immer noch nicht überall begeistert.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 270.
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1970  / Dienstag, 5. Mai 1970
Anfang der Bauarbeiten am Gotthard-Strassentunnel
Der Tag der offiziellen und feierlichen Eröffnung der Bauarbeiten am Gotthard-Strassentunnel wird in der Urner Presse als Freudentag gepriesen. Der Sonderzug, welcher die Ehrengäste an die bereits eingerichteten und beflaggten Baustellen in Göschenen und Airolo bringt, ist zur Feier des Tages geschmückt. Bundesrat Hans-Peter Tschudi würdigt in seiner Festrede die internationale Bedeutung des bevorstehenden Werkes und weist auf Uris durch die Natur und Geschichte bedingte Verpflichtung "der Öffnung und Sicherung des Alpenübergangs an dieser zentralen Stelle" hin.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 272.
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1971  / Donnerstag, 1. Juli 1971
Erstes Autobahnteilstück wird in Uri eröffnet
Zwischen Amsteg und Meitschligen können die ersten 3,8 Kilometer Autobahn im Urnerland eröffnet werden. Das "Urner Wochenblatt" berichtet euphorisch, dass die Fahrt über das erste Urner Autobahnstück sich zu einer Triumphfahrt gestaltete "Und keiner konnte seine Bewunderung verbergen, als man über die gigantische 65 Meter hohe Intschireussbrücke fuhr, zumal sich die Reusslandschaft in einer faszinierenden Schönheit bot." Das Teilstück der N2 führt den Transitverkehr am Dorf Gurtnellen vorbei. Der vielfach geforderte Halbanschluss wurde nicht erstellt. Trotzdem werden die Feierlichkeiten aus Gurtneller Sicht laut Zeitungsbericht nur dadurch überschattet, dass der Ehrentrunk vom Bahnhof Gurtnellen nach Meitschligen verlegt wird. Mit der Eröffnung dieses Teilstückes kommen im Kanton Uri erstmals Autobahnvorschriften zur Anwendung.
Quellen / Literatur: UW 51, 3.7.1971; Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 272.
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1973  / Mittwoch, 1. August 1973
Provisorische Umfahrungsstrasse von Altdorf wird eröffnet
Die provisorische Umfahrungsstrasse von Altdorf als Teilstück der Nationalstrasse N2 wird eröffnet.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 273.
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1975  / Donnerstag, 31. Juli 1975
Abschnitt Meitschligen-Wassen der N2 wird eröffnet
Das Autobahnteilstück Meitschligen-Wassen wird eröffnet.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 273.
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1976  / Freitag, 23. Juli 1976
Seelisbergtunnel wird durchschlagen
Zwischen Bauen und Beckenried wird der Seelisbergtunnel durchschlagen.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 272.
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1979  / Donnerstag, 5. Juli 1979
Abschnitt Erstfeld-Amsteg wird eröffnet
Wesentlich kühler geht die Eröffnung des Autobahn-Teilstücks Erstfeld-Amsteg vor sich. Die "Gotthard-Post" berichtet: "Anstelle des üblichen Bandzerschneidens mit Würdigung des ersten passierenden Automobilisten waren es lediglich einige Angestellte des kantonalen Bauamtes, welche besenbewaffnet, die letzten 'Ungereimtheiten' aus dem Wege wischten und die vorhandenen Abschrankungen zur Seite schoben (...) Just unter dem Täfelchen 'Mörder der Heimat', welches ein erboster Landbesitzer der 'Landstrasse' gewidmet hat.“ Zwei weitere Urner Dörfer, Erstfeld und Silenen, werden vom gewohnten Durchgangsverkehr entlastet. Die Zeitungsberichte weisen auf den alten Zwiespalt im Echo der Bevölkerung bezüglich dieser verkehrsberuhigenden Massnahmen hin.
Quellen / Literatur: Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 273.
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1980  / Freitag, 5. September 1980
Der Gotthard-Strassentunnel wird eröffnet und dem Verkehr übergeben
Gleichzeitig mit dem Autobahn-Abschnitt Wassen-Göschenen wird auch der zweispurige Gotthard-Strassenttunnel feierlich eröffnet. Die Dörfer Wassen und Göschenen werden damit umfahren. Beim Bau des Gotthard-Strassentunnels haben 19 Arbeiter durch Unglücksfälle ihr Leben verloren.
Bei der Eröffnung des Gotthardtunnels macht sich auch eine kleinere Protestgruppe bemerkbar. Der Korrespondentenbericht in der "Gotthard-Post" hat für solche Aktionen jedoch kein Verständnis: "Auf der Autorampenbrücke verfolgten viele Zuschauer den festlichen Akt, unter ihnen - von den Gästen kaum bemerkt - ein Grüppchen einer 'Aktion Uri - Land am Beton', das mit einem Land fressenden Monstrum gegen die - ihrer Ansicht nach - falsche Verkehrspolitik und das geopferte Kulturland demonstrierte. Hinter den Akteuren stand der Verkehrs-Klub der Schweiz, offensichtlich assistiert von Gesinnungsgenossen aus dem Zürichbiet, stand doch dieses Ungeheuer vordem schon im Knonaueramt. Treffend der Kommentar eines Göscheners, der die Demos mit den Worten 'Geht zurück nach Zürich, wo ihr herkommt, euch brauchen wir nicht!' unmissverständlich aufgefordert haben soll."

Quellen / Literatur: GP, Nr. 37, 13. September 1980; Gisler-Jauch Rolf, Uri und das Automobil – des Teufels späte Rache, S. 274 f.
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1982  / Freitag, 24. September 1982
Eröffnung des Autobahnanschlusses Göschenen
Der Autobahnanschluss Göschenen wird eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Mit der Höhenstaffelung der 13 nebeneinander verlaufenden Fahrspuren wurde erreicht, dass "nur" knapp über 100 Meter Grund in Querrichtung zu Tal und Autobahnachse beansprucht wurden. Durch einen landschaftspflegerischen Begleitplan soll versucht werden, das sehr massiv wirkende Brückenobjekt in die alpine Landschaft einzufügen.
Quellen / Literatur: GP, Nr. 38, 25.09.1982.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 03.03.2021