URIS TIERWELT

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Uri

Uris Braunvieh & andere Rindviecher



lateinischer Name: Bos primigenius taurus
Urner Dialekt: Chuäh, Muni oder Stiär, Chalb

Bezeichnung: Kuh (W), Stier (M), Kalb (J)

Das Hausrind ist die domestizierte Form des eurasischen Auerochsen. Es wurde zunächst wegen seines Fleisches, später auch wegen seiner Milch und Leistung als Zugtier domestiziert. Es wurden viele unterschiedliche Rinderrassen gezüchtet. In Uri kommt vor allem das Braunvieh vor.

Rindviehhaltung: Der Bestand an Rindvieh beträgt 11‘600 (2012). Traditionell werden die Kühe zur Milch- und Fleischproduktion gehalten; seit den 1970er-Jahren gibt es auch die Mutter- und Ammenkuhhaltung, bei der Kühe und Kälber gemeinsam weiden und sich die Kälber ihre Milch direkt beim Mutter- oder Ammentiere holen.

Nutzung: Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt), Fleisch, früher auch Zugtier (Ochse).


RINDVIEHRASSEN IN URI

Angus
Aubrac
Braunvieh, Brown Swiss
Braunvieh, OB
Dexter
Evolène
Galloway
Grauvieh
Hinterwälder
Holstein
Jersey
Limousin
Schottische Hochlandrinder
Simmental
Tiroler Grauvieh
Tux-Zillertaler
Yaks
Zebu

SEUCHEN BEI RINDERN

Blauzungenkrankheit
BSE (Rinderwahnsinn)
Maul- und Klauenseuche

 EREIGNISSE MIT RINDVIECHERN

1363  / Montag, 7. Februar 1363
Talleute von Ursern schränken Weiderecht ein
Die Talleute von Ursern erlassen einschränkende Bestimmungen für das Weiderecht Der freie Weidgang kann nur für selbst gewintertes Vieh beansprucht werden. Jeder Talmann darf sechs Rinder auf die gemeine Allmend auftreiben und vier Rinder zum Überwintern belassen. Zudem hat jeder auch das Recht, noch einen Stier, einen oder zwei Ochsen, ein oder zwei Pferde auf die Strasse und einen Hengst zum Reiten zuzukaufen und aufzutreiben.Von Anfang August bis St. Mauritiustag (22. September) darf weder auf eigenem noch fremdem Gut geweidet werden. Für fremdes Vieh wird zudem der Weidgang auf Eigen und Äcker vollständig verboten. Dreizehn angesehene Männer überwachen die Einhaltung der Bestimmungen und büssen die Fehlbaren. Die Talleute wollen den Weidgang ausschliesslich für das eigene Vieh erlauben und auch dieses in den Sommerwochen vom Eigen fernhalten, um das Heuen zu fördern und jeden Bauern zur Benützung der Alpen zu verpflichten.
Der Geschichtsfreund Nr. 41 (1886), S. 122-123; Stadler-Planzer Hans, Geschichte des Landes Uri, Bd. 1, S. 154; Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Bd. 2, S. 65.
     
1528  / Mittwoch, 18. Januar 1528
Verbot des Viehverkaufs während der Fastenzeit
Während der Fastenzeit wird der Viehverkauf und Viehbetrieb besonders nach Konstanz und ins Ausland verboten. Dies soll der alten christlichen Satzung wegen Enthhaltung von Fleischgenuss an Fastentagen bessere Nachachtung geben.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Band 1, S. 4.
     
1528  / Sonntag, 29. Januar 1528
Verbot des Viehverkaufs wird erneuert
Die Tagsatzung in Luzern erneuert das erlassene Verbot des Viehverkaufs über den Gotthard nach Mailand.
Gisler Friedrich, Urner Geschichtskalender, Band 1, S. 5.
     
1778  / Donnerstag, 16. Juli 1778
Gefährliche Alpabfahrt wegen heftigem Schneefall
Es schneit auf den Alpen der zweite Tag. Wegen des entstehenden Futtermangels und der Kälte fassen die Hirten und einige Alpgenossen den verwegenen Entschluss, wieder nach Hause zu fahren. Ungeachtet der Lawinengefahr zieht man den Pass über die Vorfrutt hinauf und kommt bis zur Balm durch verschiedene Lawinen. Dabei gehen schon viele Schafe verloren. Durch unsägliche Strapazen wird die Balm erreicht. Hier hofft man, Hilfe aus dem Tal anzutreffen. Diese kehrte in Aesch jedoch wieder zurück, da es unmöglich erschien, den Pass mit Vieh zu passieren. Die Älpler müssen den Abstieg über die Heidmannegg allein unternehmen. Lawinen stürzen und schlagen durch die Herden. Lediglich drei Kühe müssen in den Lawinen zurückgelassen werden, von denen eine anderntags noch lebend ausgegraben werden kann. Andere Kühe verirren sich auf dem Wege oder bleiben erschöpft liegen, doch auch diese können gerettet werden. Die Herde trifft dann um Mitternacht in Schattdorf ein.
Schaller-Donauer Alfred, Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000 – 1800, S. 96.
     
1778  / Sonntag, 26. Juli 1778
Schweres Unwetter mit Überschwemmungen im unteren Reusstal
Nach starkem Regen reisst die Reuss an der Stillen Reuss im Rynächt die steinerne Brücke weg. Die bedrohten Bauern der Umgebung müssen mit ihrem Vieh über die Rynächtfluh und die Pestlern flüchten. Vier Pferde, die in der Ebene ins Wasser kommen, drängen sich zusammen, um nicht weggeschwemmt zu werden und müssten so stehen bleiben, bis das Wasser zurückgeht. Das Wasser geht dabei eine Zeitlang so hoch, dass die Pferde die Köpfe in die Höhe halten müssen. Die Wildwasser aus dem Riedertal, Lohntal, Lauital, sowie der Gangbach und der Kummetbach brechen aus und richten einigen Schaden an.
Schaller-Donauer Alfred, Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000 – 1800, S. 98 f.
     
1781  / Donnerstag, 15. Februar 1781
Ochsen öffnen Weg zur Kirche
Einem starken Sturm folgt ein solcher Schnee, dass in Unterschächen der Weg zur Kirche mit sechs Paar Ochsen geöffnet werden muss.
Schaller-Donauer Alfred, Chronik der Naturereignisse im Urnerland 1000 – 1800, S. 101.
     
1800  / Montag, 16. Juni 1800
Zu allem Elend kommt noch die Maul- und Klauenseuche
In den Monaten Juni bis August wütet die Maul- und Klauenseuche im von Leid geplagten Uri. Die Seuche ist durch französisches Schlachtvieh eingeschleppt worden und rafft im Distrikt Altdorf 154, im Distrikt Andermatt 56 Stück Vieh dahin.
Arnold, Helvetik, S. 183.
     
1842  / Mittwoch, 28. Dezember 1842
Landrat fordert staatliche Förderung der Viehzucht
Am Unschuldigen-Kinder-Landrat stellt Bauherr Ambros Trachsel den Antrag auf staatliche Förderung der Viehzucht. Die Viehauflagskommission arbeitete hierauf einen Vorschlag aus.
UW 77, 3.10.1987.
     
1843  / Sonntag, 14. Mai 1843
Bezirksgemeinde lehnt Viehprämierung ab
Die Bezirksgemeinde Uri lehnt einen Vorschlag der Viehauflagskommission betreffend einer Viehschau mit Prämierung ab. Die Viehbesitzer sollten durch jährliche Viehschauen und Prämien zum Besitze schöner Zuchttiere aufgemuntert werden. Für Stiere wären 30 Prämien, zusammen 300 Gulden, für Hengste 2 Prämien vorgesehen gewesen. Die Kosten der Prämien wollte man aus der Kantons- und den Gemeindekassen sowie durch eine Erhöhung des Viehauflags bestreiten. Man glaubt, dass die zerstreuten Vieheigentümer von den wenigen ausgezeichneten Stieren für ihr Vieh keinen Nutzen ziehen können.
UW 77, 3.10.1987.
     
1851  / Mittwoch, 2. April 1851
Siebengeschlechtsbegehren fordert die Förderung der Viehzucht
Zwölf Bauern aus den Bodengemeinden, aus dem Schächental und dem Reusstal reichen ein Siebengeschlechtsbegehren ein. Das Begehren beurteilt die urnerische Viehzucht als rückständig und dass diese mit den anderen Kantonen nicht mehr konkurrieren könne. Dabei sei die Viehzucht die einzige Einnahmequelle des Landes. Der Italienhandel könne durch einen schönen Viehstand sehr gefördert werden. Ein guter Viehabsatz sei die Grundlage für die Bauern, den Herren die Zinsen bezahlen zu können.
UW 77, 3.10.1987.
     
1851  / Sonntag, 4. Mai 1851
Landsgemeinde beschliesst Förderung der Rindviehzucht
Die Landsgemeinde beschliesst in Erwägung, dass ein Anstreben zur Veredelung der Viehzucht, die eine der bedeutendsten Einnahmequellen des Landes bildet, als nützlich und notwendig angesehen werden muss, um dadurch den Handel zu heben und mit der Konkurrenz anderer Kantone Schritt zu halten, die Annahme eines Siebengeschlechter-Begehrens. Dieses fordert, dass durch zweckmässige Massregeln und Verordnungen auf Verbesserung und Hebung der Pferde- und Rindviehzucht hingewirkt wird. Dem Landrat wird der Erlass einer entsprechenden Verordnung übertragen.
Urner’sches Amtsblatt, 1851, S. 99; LB UR 1853, S. 139.
     
1852  / Montag, 22. März 1852
Landrat verabschiedet Verordnung zur Verbesserung der Viehzucht
Der Landrat berät und verabschiedet die «Verordnung zur Verbesserung und Veredelung der Pferde- und Viehzucht». Jährlich soll eine Frühlingssschau für Stiere und Hengste durchgeführt werden. Hierfür wird eine Viehschaukommission von drei Personen eingesetzt. Die Stiere müssen im Alter von 1 bis 3 Jahren sein, zeugungsfähig und der Braunviehrasse angehören; die Hengste müssen im Alter von 3 bis 10 Jahren sein, zeugungsfähig und von beliebter Farbe. Prämierte Tiere haben für gewisse Zeit und zum festgesetzten Sprunggeld im Lande der Zucht zur Verfügung zu stehen. Prämien stehen im Betrage von 1'000 Franken zur Verfügung.
LB UR 1853, S. 197 ff.; UW 77, 3.10.1987.
     
1853  / Donnerstag, 14. April 1853
Erste Viehschau in Uri
Auf dem Altdorfer Lehn findet die erste Viehschau statt. Es werden zwei Hengste und 30 Stiere aufgetrieben. Während die Hengste die Prämienvoraussetzungen nicht erfüllten, können fast alle Stierzüchter mit einer Auszeichnung belohnt heimkehren. Die Preise erhalten: 1. Landesstatthalter Karl Emanuel Müller, Altdorf, 2. Kirchenvogt Kaspar Aschwanden, Bauen, 3. Johann Josef Schuler, Spiringen.
Abl UR 1853, Nr. 12, S. 56; UW 77, 3.10.1987..
     
1882  / Dienstag, 14. März 1882
Änderung der Verordnung betreffend Verbesserung der Pferde- und Rindviehzucht
Der Landrat beschliesst eine Änderung der Verordnung betreffend Verbesserung der Pferde- und Rindviehzucht. Die Verteilung der Zweitklasseprämien auf die Gemeinden im Verhältnis zu ihrem Viehstand wird aufgehoben. Fortan ist für die Prämierung nur mehr die Qualität der Tiere massgebend.
Abl UR 1882 Nr. 12, 23.3.1882, S. 123; UW 77, 3.10.1987.
     
1883  / Sonntag, 17. Juni 1883
Viehauflag der Korporation Uri wird um einen Franken erhöht
Die Bezirksgemeinde beschliesst die gründliche Verbesserung ihres Finanzhaushalts durch die Abschaffung der bisherigen Nutzgeldverteilung von 2 Franken auf jeden Korporationsgenossen und die Erhöhung des Viehauflags pro Kuhessen um 1 auf 6 Franken.
LB UR IV 1916 S. 113.
     
1884  / Mittwoch, 9. April 1884
Weibliche Rindviecher werden auch prämiert
Der Landrat beschliesst die Einführung der Prämierung von Kühen und Rindern. Die 9 schönsten Kühe, die 9 schönsten Rinder und die 20 schönsten Stiere werden ausgezeichnet. Die Neuerung wird sehr begrüsst. Es werden in der Folge ausgestellt: 31 Stiere, 13 Kühe, 28 Rinder, zusammen 72 Tiere.
Abl UR 1884 Nr. 16, 17.4.1884, S. 188; UW 77, 3.10.1987.
     
1898  / Sonntag, 30. Januar 1898
Vortrag zur Gründung von Viehzuchtgenossenschaften
Regierungsrat Zwyssig hält beim Bauernverein Seelisberg einen Vortrag, der die Vorteile der Gründung einer Viehzuchtgenossenschaft aufzeigt. Damit soll die Qualität des Viehbestandes verbessert und der Konkurrenz des Flachlandes entgegengetreten werden.
UW 13 / 26.03.1898
     
1903  / Samstag, 14. Februar 1903
«Urner» Riemenstaldner sind zur Viehprämierung zugelassen
Der Regierungsrat bestimmt, dass zur Teilnahme an der urnerischen Viehschau und Prämierung des Zuchtviehs auch diejenigen Urner berechtigt sind, die mit Wohnsitz in Sisikon sich nur vorübergehend in Riemenstalden aufghalten.
LB UR VI 1901 S. 122 f.
     
1906  / Sonntag, 13. Mai 1906
Viehzuchtgenossenschaft Altdorf wird gegründet
Im Restaurant Post in Altdorf wird von zwölf Bauern die Viehzuchtgenossenschaft Altdorf gegründet. Erster Präsident ist Otto Jauch, Feldli.
UW 42, 20.10.1906; 100 Jahre Viehzuchtgenossenschaft Altdorf, Altdorf 2006.
     
1920  / Montag, 11. Oktober 1920
Maul- und Klauenseuche in Bürglen
Die Schweiz ist in noch nie dagewesener Ausdehnung von der Maul- und Klauenseuche betroffen. In einem Stall in Bürglen mit zwölf Stück Vieh tritt nun der erste Fall von Maul- und Klauenseuche in Uri auf. Die Ansteckung geschah wohl vor 10 Tagen, als ein Knecht aus einer verseuchten Gegend angestellt wurde. Bedaurlicherweise blieb die Krankheit während fast einer Woche unbemerkt. So fuhr der Besitzer gar mit einem Stier an die kantonale Viehprämierung und mit einer Kuh auf einen anderen Hof. Dadurch ist die Gefahr der Verschleppung sehr gross geworden. Bei letzterem Hof bricht dann auch acht Tage später die Seuche aus. Insgesamt sind in den zwei Ställen 20 Stück Vieh betroffen.
UW 43, 23.10.1920; RSchB 1920/21, S. 80.
     
1920  / Freitag, 5. November 1920
Zweiter Fall von Maul- und Klauenseuche
Während sich die Maul- und Klauenseuche bsiher auf die zwei Ställe in Bürglen beschränkt hat, bricht die Seuche nun plötzlich in einem Stall mit 5 Kühen in Seelisberg aus. Die Krankheit ist auch hier bei einem Besuch aus einer verseuchten Gemeinde eingeschleppt werden.
RSchB 1920/21, S. 80.
     
1921  / Montag, 26. Dezember 1921
Maul- und Klauenseuche bei Viehbestand
Nach Bürglen und Seelisberg im letzten Jahr bricht die Maul- und Klauenseuche in Altdorf in zwei Ställen mit 18 Stück Rindvieh aus.
UW 53, 31.12.1921; RSchB 1920/21, S. 80.
     
1925  / Sonntag, 29. März 1925
Viehzuchtgenossenschaft Isenthal wird gegründet
In Isenthal wird eine Viehzuchtgenossenschaft gegründet. Es wird eine Eintrittsgebühr und der Anteilschein von je 50 Franken festgesetzt. Jedes Mitglied hat mindestens zwei Anteilscheine zu übernehmen.
Gisler Augustin; Berglandwirtschaft im Wandel der Zeit, S. 3.
     
1992  / Mittwoch, 18. November 1992
Erster Fall von Rinderwahnsinn im Kanton Uri
Bei einer vierjährigen Kuh in Schattdorf wird BSE (Bovinen Spongiformen Enzepahalopathie) festgestellt. Es ist dies der erste Fall von „Rinderwahnsinn“ im Kanton Uri und insgesamt der 24. Fall in der Schweiz.
UW 96, 5.12.1992
     
2010  / Samstag, 13. November 2010
Blauzungenkrankheit - Bundesgericht bestätigt Busse für Landwirte
Das Bundesgericht bestätigt die Verurteilung zweier Impfverweigerer aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden. Diese wurden 2009 mit einer bedingten Geldstrafe von 600 Franken beziehungsweise 400 Franken sowie einer Busse von je 200 Franken bestraft. In seinen Ausführungen hält das Bundesgericht fest, dass an der Strafe festzuhalten sei, obwohl die Impfung nicht mehr zwingend obligatorisch ist. Kein Gehör fanden beim Bundesgericht die Argumente, dass der Impfstoff schwere Schäden verursacht habe, gentechnisch veränderte Organismen enthalte oder dass durch die Impfung Giftstoffe in die Lebensmittel gelangen könnten. Für diese Aussagen gebe es keine stichhaltigen Hinweise. Auch im Kanton Uri sind Verfahren gegen Impfverweigerer eingeleitet worden. Die noch hängigen 37 Fälle wurden allerdings im September 2010 eingestellt. Da die Impfung nicht mehr zwingend für alle obligatorisch ist, wurde unter Anwendung des neuen, milderen Rechts und des Grundsatzes «Lex Mitior» zugunsten der Angeklagten gehandelt.
UW 89, 13.11.2010
     
2011  / Samstag, 22. Oktober 2011
58-jähriger Bauer wird beim Viehauftrieb von einem mitgeführten Stier tödlich verletzt
Im Gebiet Giebel in Flüelen wird ein 58-jähriger Bauer beim Viehauftrieb von einem mitgeführten Stier tödlich verletzt. Der Stier rammte seine Hörner in den Beckenbereich des Bauern.
UW 84, 26.10.2011
     
2012  / Sonntag, 15. Januar 2012
Swiss Expo - Urner Siegerkuh räumt Preise ab
An der Swiss Expo in Lausanne erreichen die Urner Züchter Tino und Valo Gisler von GS Alliance wiederum zahlreiche Erfolge – allen voran mit «Decrausaz Iron O’Kalibra». Das stattliche Tier wird nicht nur zum Grand Champion der Holsteinkühe erkoren; «O’Kalibra» erreicht ebenfalls den Supreme-Championtitel der Milchrassen. Damit erzielt die Holsteinkuh von Tino und Valo Gisler den grössten erreichbaren Erfolg einer sich jährlich wiederholenden Ausstellung überhaupt. Über 22'000 Besucherinnen und Besucher werden gezählt. Weltweit liegt die Swiss Expo nur hinter der weltgrössten Show Dairy Expo in Madison und der Royal Winter Fair in Toronto.
UW 5, 21.1.2012
     
2013  / Samstag, 2. März 2013
Holstein-Europameisterin kommt aus Bürglen
Die schönste Holsteinkuh in Europa kommt aus Bürglen. In Freiburg nehmen über 160 Kühe der Rasse Holstein und Red Holstein an der Europameisterschaft teil. "Decrausaz Iron O'Kalibra" von GS Alliance wird mit dem Titel Grand Champion Holstein ausgezeichnet.
UW 17, 6.3.2013
     
2014  / Samstag, 18. Oktober 2014
Schottische Hochlandrinder kommen aufs Rütli
Mit Beendigung des Pachtvertrages auf dem Rütli ändert sich auch das Erscheinungsbild der berühmtesten Wiese der Schweiz. Diese wird künftig von Schottischen Hochlandrindern abgegrast. Das stösst bei den abtretenden Pächtern, Edy und Lisbeth Truttmann, auf Unverständnis. Noch vor fünf Jahren sahen sie sich gezwungen, ihre eigenen Kühe zu verkaufen und Rätisches Grauvieh anzuschaffen, um dem neuen Landschaftsentwicklungskonzept der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft zu entsprechen. Nun muss das Rätische Grauvieh Schottischen Hochlandrindern weichen, was auch die Organisation Pro Specie Rara auf Anfrage sehr bedauert Die Schottischen Hochlandrinder passen indes nicht in den vor fünf Jahren neu gebauten Stall auf dem Rütli. Diese Rinderrasse benötigt keinen Stall. Zudem überwintern die Tiere in Obwalden.
UW 82, 18.10.2014, S. 3.
     
2015  / Donnerstag, 31. Dezember 2015
In der Urner Viehzucht geht eine Ära zu Ende
In der Urner Viehzucht geht eine Ära zu Ende. Tino und Valo Gisler hören mit der Zucht von Spitzenkühen auf. Die Betriebsgemeinschaft der beiden Brüder zusammen mit Edwin Steiner, die GS Alliance, wird per Ende Dezember aufgelöst. Anfangs Jahr verlassen die gut 30 Kühe den international bekannten Betrieb in Bürglen. Auch Weltsiegerin «Decrausaz Iron O’Kalibra ». Edwin Steiner übernimmt alle Kühe, verkauft einige davon aber weiter. Der Vertrag war auf sieben Jahre befristet.
Ab nächstem Jahr stehen im Betrieb in Bürglen daher keine Kühe mehr, dafür Ziegen. Vor zwei Jahren haben die Brüder angefangen, Ziegen zu züchten. Untergebracht sind die Tiere bislang in einem Stall in Altdorf. Ab nächstem Herbst erhalten die Ziegen der Rassen Saanen, Toggenburger, Brienzer und Walliser Schwarzhals ein neues Zuhause in Bürglen.

UW 100, 31.12.2015, S. 5.
     
2016  / Samstag, 9. April 2016
Die Viehzuchtgenossenschaft Attinghausen besteht seit 75 Jahren
Bei trockenem Wetter, aber zügigem Biswind führen in Attinghausen rund 20 einheimische Züchter über 200 Stück Braunvieh und Original Braune auf, um sie begutachten und rangieren zu lassen. Bei vielen Abteilungen – vom Jungvieh bis zu den älteren Kühen – gibt es auch entsprechend zahlreiche Siegerinnen.
UW 29, 13.4.2016, S. 23.
     
2016  / Samstag, 1. Oktober 2016
Das Urner Vieh kann sich schweizweit sehen lassen
Auf dem Altdorfer Eyschachen werden an der Grossviehausstellung 594 Tiere aufgefahren. Es gibt 39 Abteilungen gegenüber 36 im letzten Jahr. Von den 15 gemeldeten Stieren sind 14 am Lattenzaun angebunden. Bei den Original Braunviehkühen trägt Pia von Joseph Kempf, Isenthal, den Sieg davon, und die Königskrone an der Viehschau 2016 bei den Swiss Braunen erringt schliesslich Fleur von Manuel Arnold, Erstfeld.
UW 79, 5.10.2016, S. 5.
     

WEITERE RINDVIECHER

Der Uri-Stier und sein Ring



Das geschlechtsreife männliche Hausrind heisst Stier. Im Schweizerdeutschen und anderen alemannischen Dialekten auch «Muni». Die Bezeichnung «Bütsch» für ein Stierkalb geht wohl auf das Italienische zurück (bucello = Kalb).
Ochs ist der kastrierte Stier. Ein «Urner» wurde im 19. Jahrhundert im Glarner- und Berner Oberland sowie im Freiburgischen ein als Saugkalb verschnittener einjähriger Stier genannt. Ein «Wälschländer» war die Bezeichnung für die zweijährigen, verschnittenen Stiere, die auf die italienischen Viehmärkte getrieben wurden.
Der Stier gehört seit fast 775 Jahren zu Uri. Das Urner Wappen zeigt heute in gelbem Feld den schwarzen Stierkopf von vorn mit lang heraushängender roter Zunge und einem durch die Nase gezogenen roten Ring. Beim ersten Vorkommen eines Siegels in einer Urkunde vom 24. August 1243 präsentierte sich der Stier noch von der Seite – jedoch mit Ring.
Bezüglich dem Ursprung des Stier-Wappens besteht die Legende, dass der Kopf den eines «Ures» (wilden Stieres) darstelle, welchen die ersten alemannischen Ansiedler deshalb wählten, weil sie ihr Land als «ur» (wildes) in Besitz genommen hatten. Ein Papst soll dann den Urnern für eine Dienstleistung den Ring als Zeichen der Zähmung als bleibendes Ehrenzeichen verliehen haben, weil sie sowohl die Wildheit des Landes durch Urbarmachung, als auch die Wildheit der Sitten durch Annahme des Christentums besiegt hätten (> Sagen > «Das Greiss von Surenen»). Literatur: Römer Johann Jacob, Schinz Heinrich Rudolf; Naturgeschichte der in der Schweiz einheimischen Säugethiere, 1809 S. 482 ff.; Foto: StAUR Slg Bilddokumente 291.05-BI-32313 (Jean Haemisegger, Andermatt, 1949).

    
Fellfarbe des Rindviehs



Fellfarbe und Zeichnung werden in ihrer Ausprägung hauptsächlich von zwei Genen gesteuert. Der A Locus legt fest, ob ein Rind genetisch schwarz oder rot ist. Hierbei ist schwarz dominant über rot. Paart man ein genetisch reinerbig schwarzes Tier mit einem genetisch reinerbig roten Tier, so sind alle Nachkommen schwarz, tragen jedoch die Information für die rote Fellfarbe versteckt in sich. Die Zeichnung des Rindes wird beeinflusst durch das Scheckungsgen. Hierbei ist ungescheckt dominant über gescheckt.
Daneben gibt es beim Rind noch Typen der Depigmentierung. Solche Erscheinungen wie der «Gurt» und «Blüem» beim Braunvieh wird durch das Fehlen von Pigmentzellen hervorgerufen und führt zu weissen Stellen in der Haut und im Fell.

    
Kuhhörner und Hornlosigkeit



Einige Rindvieharten gelten als hornlos. Andere sind horntragend, es können jedoch auch genetisch bedingt hornlose Rinder auftreten (Dexter). Drei verschiedene Gene beeinflussen den Hornstatus des Rindes. Das absichtliche Entfernen von Hornanlagen wird Enthornung genannt. Das Kuhhorn wurde auch als Warnsignal und Lärminstrument («Heeräli») an der Fasnacht eingesetzt. Das Urner Harsthorn, das im Kellerschoss des Museums zu betrachten ist, stammt wohl von einem Maremma-Stier der Toscana.

Foto: Christof Hirtler, Altdorf (2017).

    
Kuhnamen, Brandeisen und Ohrmarken



In der Schweiz ist es Pflicht, das Rindvieh mit einer Ohrmarke (Identifikationsnummer) zu kennzeichnen. Eine namentliche Benennung wäre damit nicht erforderlich. Dennoch tragen viele Kühe einen individuellen Namen. Dies geschieht einerseits als Tradition, andererseits als Merkhilfe, etwa um Verwandtschaftsverhältnisse durch gleiche Anfangsbuchstaben zu verdeutlichen. Amerikanische Kuh- und Stiernamen enthalten oft die Namen der Eltern.

Heute trägt jedes Rindvieh eine Ohrenmarke mit Nummer der Tierverkehrsdatenbank der Schweiz. Die Nummer ist zwölfstellig und voran ist noch ein CH gesetzt. Die beiden Buchstaben bilden die Abkürzung für die Schweiz und stehen eigentlich für die Zahl «0756». Die ersten drei Ziffern «120» bedeuten, dass die Nummer von der Tierverkehrsdatenbank der Schweiz vergeben wurde. Die letzte Nummer ist eine Prüfziffer. Die restlichen Nummern dazwischen sind eine achtstellige laufende Nummer «Numerus currens», wobei der zweite Teil noch fett und gross – zur besseren Unterscheidung der Tiere – aufgeführt ist. Die Nummer hat somit keine logische Bedeutung. Früher wurden zur Kennzeichnung des Viehs Brandzeichen verwendet. Diese wurden dem Tier ins Feld oder ins Horn gebrannt. Die Brandzeichen konnten ein Familienwappen, eine Buchstabenkombination oder ein Hauszeichen sein.

Foto: Rolf Gisler-Jauch, Altdorf (2017).

    
Kuh-Schweizer



Kuhschweizer, Kuhmelker, Kuhgeheier (kuogehîer) oder Kälbermacher waren im Spätmittelalter beleidigende, hauptsächlich in chauvinistischer Absicht gebrauchte Schimpfwörter für die schweizerischen Eidgenossen. Diese spielten auf die bäuerliche Herkunft der Eidgenossen an. Der ehrverletzende Gebrauch dieser Schimpfwörter geschah oft, um unüberlegte gegnerische Übergriffe zu provozieren. Häufig wurde der Kuhspott während der wiederholten Auseinandersetzungen der Eidgenossen mit dem vorderösterreichischen Adel und im Zusammenhang mit dem Schwabenkrieg von 1499 angewendet. Wenn die Konstanzer die Eidgenossen im 15. Jahrhundert als Kuhschweizer beschimpften, unterstellten sie ihnen Sodomie. Dazu kam auch teilweise der Kulturunterschied. Im Flachland molk die Milchmagd, in den Bergen der Senn oder der Knecht die Kühe.
    
Melkes und gältes Vieh



Bei der Allmendnutzung wurde im 19. Jahrhundert vor allem zwischen melkem Vieh, die Milchkühe, die gemolken werden, und zwischen gältem Vieh unterschieden. Unter den Begriff Galtvieh wurden Stiere, Zwicken und die Rinder zusammengefasst. die melken Kühe wurden in Senten auf Gemeindealpen und Eigenalpen gesömmert. Die Heimkühe blieben während es Sommers bis Michaelistag auf der Bodenallmend und in den Wäldern. Dann wurde das gälte Vieh wieder auf die Gemeinweiden gelassen, das melke aber auf eigen, in der Regel besseren Weiden gehalten, bis der Nachtfrost die Vegetation unterbrach und zum Einschliessen in den Gaden zwang, wo das Rindvieh das beste Heu und Emd erhielt.

Literatur: Lusser Karl-Franz; Der Kanton Uri historisch, geographisch, statistisch geschildert; S. 53 f.

    
Nebelvieh



Die grösste Katastrophe für Uri während des Zweiten Weltkrieges wurde durch eigene Truppen hervorgerufen. Im Jahr 1940 führte die Armee in Uri 20 Übungskurse mit Nebelgas durch. Sie fanden zwischen Juli und Oktober in den Regionen Amsteg, Meitschligen, Brunnital, Isenthal, Reussdelta und in Seelisberg statt, wobei rund vier Tonnen Perchlornaphtalin eingesetzt wurden. Der im Rauch vorhandene Giftstoff setzte sich auf Feld und Wiesen nieder, wo er vom Vieh aufgenommen wurde. Da der Stoff nicht wasserlöslich war, blieb er über Jahre hinweg und gelangte auch ins Heu. Das Gift schwächte das Immunsystem der Tiere. Die Milchproduktion ging zurück, die Tiere litten unter Appetitlosigkeit und Durchfall, Hautentzündungen und Geschwüren. Tränen- und Speichelfluss, struppiges Fell sowie abnormaler Durst waren typische Merkmale dieses «Nebelviehs». Es magerte rasch bis auf die Knochen ab, bis den Besitzern nur noch die Notschlachtung übrigblieb. Nachdem ein Zusammenhang von Giftnebel und Tierkrankheit experimentell nachvollzogen worden war, verpflichtete sich das EMD zur Entschädigung der betroffenen Landwirte. Gesamthaft wurden während der vier Jahre knapp 14'000 Stück Vieh geschlachtet. Insgesamt kamen 1’200 Landwirte zu Schaden, einige von ihnen mussten bis dreimal ihren gesamten Viehbestand ersetzen. Der gute Ruf des Urner Viehs war nachhaltig geschädigt. Erst die Gründung der «Kantonalen Viehvermittlungsanstalt» im November 1942 wirkte diesem Vorgehen entgegen und rehabilitierte den einheimischen Viehmarkt.

Literatur: Aschwanden Romed,Aschwanden Romed, Uri im Zweiten Weltkrieg, in: Geschichte des Landes Uri, Altdorf 2015.

    
Ochsen-Beizen



In Uri gibt es zwar kein Gasthaus zum Rind oder zur Kuh, jedoch in Andermatt (Bild Wirtshausschild) einen «Ochsen». In Altdorf heisst der «Ochsen» seit 2011 «Fomaz».
    
Vom Kalb zur Kuh



Beim Rind wird das Junge im ersten Jahr Kalb («Chalb») genannt. Das männliche Jungtier heisst «Stiärächalb». Ein nur mit Milch aufgezogenes Jungtier wird bis zum Gewicht von 150 kg als Milchkalb bezeichnet und ein Tier über 300 kg, das aber noch nicht geschlechtsreif ist, als Jungrind.
In der Fachsprache und im Urner Dialekt wird das Kalb im zweiten Halbjahr, nach dem Absetzen von der Kuh, als «Jäärlig» bezeichnet. Im zweiten Lebensjahr ist es ein «Maissrind» (wohl Entlehnung aus dem Italienischen) und schliesslich im dritten Lebensjahr – bis zur ersten Abkalbung – ein «Zeitrind».
Im Alter von etwa vier bis zwölf Monaten heisst das Kalb in der Milchviehhaltung – im Gegensatz zum «Suuger» – auch Fresser, im Urner Dialekt «Guschti». Das Tier ist nicht mehr auf die Milch der Mutter angewiesen und ernährt sich ausschliesslich von Raufutter und Kraftfutter. Demgegenüber entstammen «Absetzer» dem Produktionsverfahren der Fleischmast.
Erst nach dem ersten Kalben wird das geschlechtsreife weibliche Hausrind als Kuh bezeichnet. Eine Kuh, die ausschliesslich ihr Kalb aufzieht, nennt man Mutterkuh. Eine Kuh, die (auch) fremde Kälber mit aufzieht, heisst Ammenkuh. In alemannisch- und romanischsprachigen Alpendialekten wird die Kuh auch als Lobe («Lobäli») bezeichnet.
«Galtvieh» ist die Bezeichnung für Kühe die wegen Trächtigkeit, Krankheit oder Mast keine Milch geben.

Foto: Christof Hirtler, Altdorf (2017).

    

 
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"Uris Rindviecher"



Ausstellung mit Bildern von
Doris Herger

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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 22.4.2017