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Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1891
Bd 2 (1901)
Polizeiwesen

LB 2 S. 156  
Landräthliche Verordnung betreffend Verhinderung des Jagdbetriebes durch Minderjährige oder andere Unberechtigte.
Ǥ 1.
Die Kantonskanzlei wird eingeladen, zu wachen, dass durch oder für Minderjährige, bezw. Unberechtigte (vide §§ 2 und 3 der Verordnung über Jagd und Vogelschutz vom 17. August 1876) keine Jagdpatente bezogen oder erschlichen werden und hat daher in Zweifelfällen den Ausweis einzuverlangen, dass der das Patent Verlangende das 18. Altersjahr überschritten habe, und durch Art. 3 der Verordnung nicht ausgeschlossen sei.

§ 2.
Patente, welche von Unberechtigten eingelöst werden, sollen denselben ohne Rückvergütung der bezahlten Gebühr entzogen und im Amtsblatt als ungültig publizirt werden.»

LB UR Bd 2, S. 156; Abl UR 1885, S. 475.
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LB 2 S. 157  
Laufenlassen der Hunde.
«Das Begehren von VIl Geschlechtern, dass den Eigenthümern von Jagdhunden bei Strafe und Verantwortung verboten sein soll, ihre Hunde ohne gehörige Aufsicht vom Hause ins Freie zu lassen, und sollten sich die Eigenthümer nicht an dieses Verbot halten, Jedermann berechtigt sein soll, solche gefährliche und dem Schmalvieh höchst schädliche Hunde zu tödten oder unschädlich zu machen, ist, ungeachtet Recht dagegen dargeschlagen war, genehmigt worden.»
LB UR Bd 2, S. 157.
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LB UR 2 S. 132-134  
Verordnung gegen das Anwerben der Reisenden
«§ 1. Es ist Jedermann verboten, Reisende anzureden, um selbe für Gasthöfe, Fahrgelegenheiten oder Fremdenführer anzuwerben oder zu bestimmen.

§ 2. Auf den Stationsplätzen der Dampfschiffe, Eisenbahn und Posten sind die zur Aufnahme von Reisenden bestimmten Fuhrwerke auf den angewiesenen Plätzen in geordneten Reihen, nach näherer Anweisung der Polizei so aufzustellen, daß der freie Durchpaß und Verkehr in keiner Weise gehemmt wird. In der Einnahme der Plätze soll ein alle Kutscher gleich begünstigender Wechsel stattfinden.

§ 3. Niemand darf den ankommenden Reisenden auf -die Aussteigeplätze der Eisenbahn und Posten und auf die Schiffsbrücken entgegengehen, um sie zu bereden, sich dieses oder jenes Gasthofes oder Fuhrwerkes zu bedienen; der Kutscher darf auch unter keinem Vorwande von seinem Fuhrwerke sich entfernen, und erst dann dasselbe dem Reisenden, jedoch ohne Zudringlichkeit, empfehlen, wenn derselbe unmittelbar in seiner Nähe angekommen ist.
Alles Ausrufen von Fahrgelegenheit ist untersagt.

§ 4. Während ein Kutscher in Unterhandlung oder im Abschlüsse eines Vertrages mit dem Reisenden begriffen ist, darf kein anderer, wofern er vom Reisenden nicht eingeladen wird, in dieselbe sich irgendwie einmischen.

§ 5. Der Kutscher soll die ausgenommenen Reisenden unbeanstandet in die ihm von denselben bezeichneten Orte und Gasthöfe führen und sich aller Zudringlichkeiten enthalten, um selbe zur Wahl des einen oder andern Gasthofes zu bestimmen.

§ 6. Briefliche oder telegraphische Bestellungen geben in der Regel weder dem Adressaten noch seinen Angestellten die Berechtigung obige Vorschriften zu umgehen.
Die Polizeidirektion wird die Fälle bestimmen, in welchen eine Berücksichtigung der eingegangenen Briefe und Telegramme stattfinden darf.

§ 7. Übertretungen dieser Verordnung werden durch die Polizei sofort und unnachläßlich mit Fr. 10. — im ersten- Fr. 15.— im zweiten. Fr. 25.— im dritten und in jedem fernem Falle mit Fr. 10. — mehr gebüßt.
Die Buße ist beim betreffenden Polizeiposten sogleich zu erlegen. Wer sich dessen weigert, ist, eventuell sammt seinem Fuhrwerke, vom Aufstellungsplatze wegzuweisen. Die Meisterschaft ist für die gegen ihre Angestellten ausgefällten Bußen haftbar.
Die Buße ist als definitiv verfallen zu betrachten, wofern nicht innert nächstfolgenden 14 Tagen bei zuständiger Gerichtsbehörde Rekurs eingelegt wird.

§ 8. Die Polizeidirektion erhält in weiterer Ausführung dieser Verordnung Vollmacht, ein Reglement über das Aufstellen der Gasthof-Omnibus und Kutschen auf den Stationsplätzen zu erlassen.

§ 9. Gegenwärtige Verordnung, welche sofort in Kraft tritt und womit diejenige vom 30. Mai 1882 aufgehoben wird, soll in üblicher Weise publizirt und öffentlich angeschlagen werden.»

LB UR Bd 2, S. 132-134.
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LB UR 2 S. 136-138  
Vorschriften über das Aufstellen der Posten, Gasthof-Omnibusse und Kutschen auf dem Stationsplatze Göschenen
«§ 1. Auf dem Platze hinter dem Stationsgebäude dürfen nebst den Posten und Gasthof-Omnibussen so viele Kutschen aufgestellt werden, als der Platz und die Verkehrsverhältnisse es gestatten.

§ 2. Diese Aufstellung hat gemäß Weisung der Ortspolizei in folgender Ordnung zu geschehen:
Auf der südlichen Seite des Ausganges werden zunächst dem Stationsgebäude die Post und die Omnibusse von Ursern aufgestellt, welch letztere unter sich die Reihenfolge täglich wechseln.
Auf der nördlichen Seite des Ausganges werden die Omnibusse von Göschenen und anschliessend an dieselben in geordneten Reihen so viele Kutschen aufgestellt, als der Platz es gestattet, die übrigen Kutschen nehmen auf der Zufahrtsstraße (Randfeite gegen die Bahnlinie) Aufstellung, jedoch so, daß der öffentliche Verkehr möglichst wenig gehemmt oder beeinträchtigt wird.
Auch für die Kutschen soll hinsichtlich Reihenfolge der Aufstellung ein täglicher Wechsel stattfinden, wenn jedoch eine Kutsche beladen vom Stationsplatze wegfährt oder Reisende zur Abfahrt akkordirt, so verliert dieselbe nicht nur die betreffende Tagesnummer, sondern muß bei der Rückkehr auf den Stationsplatz sich auch zu hinterst an die Kutschenreihe anschließen.

§ 3. Die Kutschen, welche auf der Zufahrtsstraße aufgestellt werden, dürfen ihren Platz erst eine Viertelstunde vor Ankunft eines Bahnzuges beziehen und müssen ihn alsbald nach Abgang des letztern wieder verlassen.

§ 4. Jeder Gasthofbesitzer ist berechtigt, für sämmtliche Etablissements, welche ihm oder einem mit ihm in ungetrennter Haushaltung zusammenlebenden Familiengliede angehören, einen Omnibus oder Pavillon-Wagen auf dem Stationsplatze in der Reihe der Omnibusse aufzustellen. Derselbe darf neben dem Kutscher nur von einem weitern Bediensteten begleitet sein, welcher auch mit dem Omnibus wieder wegfahren muß.
Den Hotelbesitzern wird gestattet, im Frühjahr bis zum 20. Juni und im Herbst vom 15. September an, anstatt des Omnibus eine Kutsche aufzustellen, welche aber deutlich die Firma des betreffenden Hotels tragen muß.

§ 5. Wenn Gasthöfe von Göschenen keinen Omnibus zur Station führen, so haben sich deren Portiers und Fremdenführer auf einem von der Ortspolizei ihnen anzuweisenden Platze in der Nähe des Ausganges aufzustellen und nach Anordnung derselben die Reihenfolge täglich zu wechseln.

§ 6. Das Fahr- und Bedienungspersonal aller Fuhrwerke ist gehalten, bei Ankunft und während des Anhaltens der Bahnzüge in unmittelbarer Nähe seines Wagens (Omnibus oder Kutsche) sich aufzuhalten. Während des Tages darf ohne Bewilligung der Ortspolizei kein Wechsel des Kutschenpersonals stattfinden.

§ 7. Die Omnibusse und Kutschen dürfen keine andern Schilde oder Firmatafeln tragen, als solche, welche auf den Namen des Eigenthümers oder Gasthofes, dem sie angehören, lauten.

§ 8. Der Ortspolizei Göschenen wird es zur Pflicht gemacht, diesen Vorschriften genaue und unparteiische Nachachtung zu verschaffen und Zuwiderhandelnde gemäß § der Eingangs erwähnten Verordnung zu bestrafen.»

LB UR Bd 2, S. 136-138.
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LB UR 2, S. 135  
Verordnung über Ausübung des Kutschergewerbes
«§ 1. Alle diejenigen, welche in hiesigem Kantone das Kutschergewerbe in der Weise ausüben wollen, daß sie, sei es auf öffentlichen Plätzen, sei es in Gasthöfen oder anderswo Reisenden gegen Bezahlung Pferde und Wagen behufs der Weiterbeförderung anbieten und zur Verfügung stellen, sind zur Bezahlung einer jährlichen Taxe von Fr. 10.— per Pferd verpflichtet.
§ 2. Von der Entrichtung obiger Taxe sind befreit die hiesigen Kantonsbürger und gesetzlich Niedergelassenen.
§ 3. Vorstehende Verordnung tritt sofort in Kraft. Die Polizeidirektion ist mit deren Vollziehung beauftragt.»

LB UR Bd 2, S. 135.
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LB UR 2, S. 145-156  
Vollziehungs-Verordnung über Jagd und Vogelschutz.
«Der Landrath des Kantons Uri, in Vollziehung des Bundesgesetzes vom 17. September 1875 über Jagd und Vogelschutz und der bezüglichen bundesräthlichen Vollziehungsverordnung vom 12. April 1876, verordnet:

§ 1.
Der Jagdbetrieb findet im Kanton Uri nach dem Patentsysteme statt. Die Ausübung der Jagd ist nur gegen Lösung von Jagdpatenten gestattet. (Bundesgesetz Art. 1.)

§ 2.
Jagdpatente dürfen nur an diejenigen Schweizerbürger und in der Schweiz niedergelassene Ausländer, welche das 18. Altersjahr zurückgelegt haben, ausgestellt werden.

§ 3.
Von dem Bezuge der Jagdpatente sind auch bei erfülltem 18. Lebensjahre ausgeschlossen:

a) die zu einer Kriminalstrafe Verurtheilten bis zu ihrer Rehabilitation;
b) die im Aktivbürgerrecht Eingestellten während der Dauer der Einstellung;
c) die Falliten;
d) Blödsinnige und Geistesschwache.

§ 4.
Die Jagdpatente werden von der Standeskanzlei ausgestellt und sind nur für eine Jagddauer und für diejenige Person gültig, auf welche sie namentlich ausgestellt sind. Die Patente, deren Form von der Polizeidirektion festzusetzen ist, sollen enthalten: Tauf- und Geschlechtsname, Beruf und Wohnort des Jägers.

§ 5.
Die Namen sämmtlicher patentirter Jäger sind im Amtsblatte öffentlich bekannt zu geben.

§ 6.
Ein gültiges Jagdpatent berechtigt den rechtmässigen Inhaber im ganzen Umfange des Kantons während der ganzen Jagdzeit des betreffenden Jahres, in welchem das Patent ausgestellt worden, herrenloses Gewild jeder Art zu jagen und zu erlegen. Dabei sind jedoch die in den folgenden Artikeln enthaltenen Beschränkungen Vorbehalten.

§ 7.
Die Taxe für ein Jagdpatent beträgt, Stempeltaxe nicht inbegriffen, für die ganze Jagdzeit eines Jahres Fr. 5 und Fr. 2 für jeden mitzuführenden Hund.

§ 8.
Die Inhaber von Jagdpatenten haben dieselben auf der Jagd mit sich zu tragen und auf Verlangen eines Polizei- angestellten oder Bannwarts, oder eines patentirten Jägers, oder auch eines Grundeigenthümers, der sich durch die Jagd beschädigt findet, vorzuweisen.
Jeder Jäger erhält mit dem Jagdpatent das eidgen. Jagdgesetz, die gegenwärtige kantonale Verordnung, die Vollziehungsverordnung des Bundes, sowie eine genaue Angabe des im Kantone liegenden Freiberges. (Bundesräthl. Vollziehungsverordnung Art. 3.)

§ 9.
Es können mit polizeilicher Bewilligung ausnahmsweise auch an nicht niedergelassene Ausländer Jagdpatente ausgestellt werden, jedoch für die nämliche Person auf nicht mehr als 5 Tage während der ganzen Jagdzeit und gegen Bezahlung einer Taxe von nicht unter Fr. 5 per Tag. Patentnehmende Schweizerbürger und Ausländer, die im hiesigen Kantone nicht niedergelassen sind, haben in demselben ihr Domizil zu verzeigen.

§ 10.
Die Eröffnung der Flug- und der allgemeinen Jagd ist auf den 1. September festgesetzt. Der Schluss für beide findet am 15. Dezember gl. Jahres statt. (Bundesgesetz Art. 8.)
Die Jagd auf Gemsen und Murmelthiere (Marmotten) ist auf die Zeit vom 1. September bis 1. Oktober und diejenige auf das übrige Hochgewild, als: veränderliche Hasen (Alpen-, Schneehasen), Gebirgshühner (Auer-, Birk- oder Schildhühner, Hasel- oder Waldhühner, Schnee- und Steinhühner oder Pernissen), sowie auf die Raubthiere des Hochgebirges, auf die Zeit vom 1. September bis 15. Dezember beschränkt. Junge Gemsen vom gleichen Jahre (Gemskizen) und die sie begleitenden Mutterthiere (säugende Gemsgeissen) dürfen weder geschossen noch gefangen werden. Ebenso sind Auer- und Birkhennen zu schonen. (Bundesgesetz Art. 12.)
An Sonn- und Feiertagen ist im ganzen Gebiete des hiesigen Kantons, auch bei offener Jagdzeit, alles Jagen gänzlich verboten. Für Rehe, falls sich solche im Kanton zeigen, besteht keine offene Jagdzeit, sondern die Jagd auf dieselben ist das ganze Jahr verboten.

§ 11.
Die Flugjagd soll regelrecht und mit möglichster Schonung des landwirthschaftlichen Betriebes vollzogen werden. Die Frühlingsjagd jeder Art zu Lande ist unbedingt verboten. (Bundesgesetz Art. 8.)

§ 12.
Die Jäger sind verpflichtet, von dem Jagdrecht ohne Belästigung der Grundeigenthümer Gebrauch zu machen und haften denselben für den erweislichen Schaden, welchen sie bei Ausübung der Jagd veranlassen.
Auf kleinere, von den Eigenthümern durch Einfriedung abgeschlossene Grundstücke, wie Gärten, Hofräume u. dgl. darf die Jagd nicht ausgedehnt werden.
Ebenso ist die Jagd in Dörfern und alles Schiessen auf oder gegen Häuser, Scheunen (Gäden) oder andere Gebäude, sowie gegen Thüren und feuerfangende Gegenstände unbedingt verboten.

§ 13.
Jedem Grundeigenthümer oder Nutzniesser von Grundstücken ist das Fangen und Tödten von Raubthieren, welche in seine Gebäude oder eingesriedeten Räume eingedrungen sind, zu jeder Zeit gestattet.

§ 14.
Bei der Jagd auf Hochwild ist die Verwendung von Laufhunden und Repetirwaffen untersagt. (Bundesgesetz Art. 13.)

§ 15.
Nachfolgend bezeichnete Vogelarten sind unter den Schutz des Bundes gestellt:

a) sämmtliche Insektenfresser, also alle Grasmücken- Arten, alle Schmäzer-, Meisen-, Braunellen-, Pinzer-, Schwalben-, Fliegenfänger- und Bachstelzen-Arten;
b) von Sperlingsvögeln: die Lerchen, Staare, die Amsel- und Drossel-(Tröstel)-Arten, mit Ausnahme der Krametsvögel (Rekholdervögel), die Buch- und Distelfinken;
c) von Spähern und Klettervögeln: die Kukuke, Baumläufer, Spechtmeisen, Wendelhälse, Wiedehopfen und sämmtliche Spechtarten;
d) von Krähen: die Dohlen und Saatkrähen;
e) von Raubvögeln: die Mäusebussarde und Thurmfalken, sowie sämmtliche Eulenarten, mit Ausnahme des grossen Uhus;
k) von Sumpf- und Schwimmvögeln: der Storch und der Schwan.

Es dürfen dieselben weder gefangen, noch getödtet, noch der Eier oder Jungen beraubt, oder auf Märkten feilgeboten werden. (Bundesgesetz Art. 17.)

§ 16.
Aller Vogelfang mittelst Netzen, Vogelherden, Lockvögeln, Käutzchen, Leimruthen, Schlingen, Bogen und irgend welchen andern Fangvorrichtungen ist ausnahmslos verboten. (Bundesgesetz Art. 19.)

§ 17.
Ferner ist verboten:
a) das Fangen und Schiessen aller Singvögel, nebst den anderen in § 16 bezeichneten nützlichen Vögel;
b) das Ausnehmen oder Zerstören der Nester dieser Vögel und aller Arten Jagdgeflügels;
c) das Aufheben junger Hasen und das Ausgraben der Murmelthiere (Marmotten);
d) das Tragen von Stock- oder zusammengeschraubten Flinten auf der Jagd;
e) die Anbringung von Fangvorrichtungen jeder Art (Fallen, Schlingen, Drahtschnüre u. dgl.), zu jeder Zeit und für Jedermann; eine Ausnahme jedoch ist gestattet bezüglich der Füchse, Fischotter, Iltisse, Stein- und Edelmarder;
f) das Anbringen von Selbstschüssen und der Gebrauch von explodirenden Geschossen, sowie das Giftlegen ist ausnahmslos verboten;
g) aller Handel mit lebenden und tobten Sing- oder andern nützlichen Vögeln. (Bundesgesetz Art. 6.)

§ 18.
In dem nach Art. 15 des Bundesgesetzes zu bezeichnenden Bannbezirke (Freiberg) ist alles Jagen, Schiessen, Richten und Fangen oder Herauslocken von grossem oder kleinem Gewild oder Geflügel auch bei offener Jagdzeit verboten, und ebenso ist untersagt, ein Gewehr in den Bann- oder Freiberg zu tragen.

§ 19.
Vom achten Tage nach Schluss der Jagdzeit an ist der Kauf und Verkauf von Wildpret jeder Art verboten, mit Ausnahme desjenigen, welches, amtlich nachgewiesen, aus dem Auslande eingeführt ist.
Der Verkauf von Gemskizen, Hirschkälbern, Rehkizen, sowie von Auer- und Birkhennen, ist unbedingt und jeder Zeit untersagt.
Im Übertretungsfalle wird der Thäter nicht nur als Frevler gestraft, sondern auch das betreffende Wild konfiszirt. (Bundesgesetz Art. 5 und 21.)

§ 20.
Wenn reissende Thiere, wie Bären, Wölfe, Luchse, während oder ausser der Jagdzeit in offener Gegend oder im kantonalen Bannbezirke (Freiberge) sich einfinden, so hat der betreffende Gemeinderath unter sofortiger Anzeige an die Polizeidirektion eine Jagd unter Führung und Leitung eines tüchtigen und zuverlässigen Jägers auf solche Thiere zu veranstalten, an welcher Treibjagd sämmtliche patentirte Jäger sich zu betheiligen haben.
Eine solche ausserordentliche Jagd soll jedoch in einer den übrigen Wildstand nicht gefährdenden Weise und während einer bestimmten Zeit vorgenommen werden. (Bundesgesetz Art. 4 und 16.)

§ 21.
Im Falle ausserordentlicher Abnahme des Wildstandes kann der Landrath die Jagd auf unbestimmte Zeit einstellen oder die Dauer der Jagdzeit abkürzen.

§ 22.
Die Jagd auf Schwimmvögel auf Seen oder andern Gewässern ist bis auf weitere vom Landrathe zu treffende Verordnungen, den in gegenwärtiger Zusammenstellung enthaltenen Jagdvorschriften unterworfen.

§ 23.
Für Erlegung nachbenannter schädlicher Thiere im Kanton Uri werden die folgenden Prämien verabfolgt:

für 1 Bär oder 1 Wolf Fr. 80.—.
Für 1 Luchs Fr. 20.—.
Für 1 Geier oder 1 Adler Fr. 5.—.
Für 1 Fischotter Fr. 20.—.
Für 1 Fischreiher Fr. 3.—.
Für 1 Iltis Fr. 1.—.
Für 1 Habicht oder 1 Sperber (auch sogen. Hühnerhabicht und Wanneli) Fr. 1.—.
Für 1 grossen Uhu Fr. 3.—.
Für 1 Eisvogel Fr. —.50.
Für 1 Elster Fr. —.30.

Diese Gebühren können auf Vorweis der betreffenden todten Thiere bei der Staatskassa sogleich bezogen werden. Die vorgewiesenen Thiere sind unverzüglich durch Abschneidung einer Klaue zu bezeichnen.
Wer mit nicht im hiesigen Kanton erlegten Thieren die Gebühr erschleichen würde, verfällt als Busse zu Händen des Staates in den zehnfachen Betrag der bezogenen Gebühr.

§ 24.
Obbenanntes reissendes oder schädliches Gewild mag auch während der geschlossenen Jagdzeit, jedoch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, geschossen werden. Das Tödten von Bären, Wölfen und Luchsen ist auch an Sonn- und Feiertagen gestattet.

§ 25.
Widerhandlungcn gegen diese Verordnung sind von den zuständigen Gerichten als Jagdfrevel im ersten Straffalle zu bestrafen, wie folgt:

1. mit Fr. 10—30:
a) Jagen an Sonn- und Feiertagen während der offenen Jagdzeit (vgl. Sonntagsgesetz Art. 2, litt, e und 15, V. B. S. 402 und 407): Ist Jagen in Dörfern und Schiessen gegen Gebäude oder feuerfangende Gegenstände (vgl. Polizeiverordnung § 11, V. B. S. 85);
b) jede Übertretung einer Bestimmung über Vogelschutz, wofern nicht speziell eine höhere Busse festgesetzt ist. (Bundesgesetz Art. 17, 19 und 22).

2. Mit Fr. 30—50:
a) Jagen oder Einfangen von Gewild ohne Patente oder auf Grund eines Patents, das einem Dritten gehört, während der Jagdzeit (Bundesgesetz Art. 21).
b) Zerstören von Nestern oder Bruten des Jagdgeflügels (Bundesgesetz Art. 6 und 21). e) Verkaufen, Verschenken oder Feilbieten von Gewild während der geschlossenen Jagdzeit (Bundesgesetz Art. 5 und 21).
c) Tragen von Stock- und zusammenlegbaren Flinten und Anwendung verbotener Waffen. (Bundesgesetz Art. 6 und 21).

3. Mit Fr. 50—100:
a) Jagen oder Einfangen von Gewild bei geschlossener Jagdzeit;
b) Gift, Geschütz legen oder stellen und Anwendung dergleichen verbotener und gefährlicher Fangvorrichtungen, Fangen oder Tödtung von Gemskizen oder der sie begleitenden säugenden Mutterthiere, Graben und Richten auf Murmelthiere und Verwendung von Laufhunden oder Repetirwaffen auf der Hochwildjagd, sowie das Jagen oder Erlegen von Wildgattungen, die der Jagdbarkeit unbedingt entzogen sind (Bundesgesetz Art. 12, 13 und 14).
c) Jede andere Übertretung einer der übrigen in Art. 21 des Bundesgesetzes und in dieser Verordnung enthaltenen Bestimmungen.

4. Mit Fr. 100—200:
Jagen, Fangen oder Tödten irgend einer Gewildgattung im Bann- oder Freiberge, Graben der Murmelthiere und Jagen mit Repetirgewehren. Unerhebbare Bussen sind in Gefängnissstrafe umzuwandeln, wobei ein Tag zu Fr. 3 zu berechnen ist.
Jagdfrevel zur Nachtzeit sind mit der doppelten Strafe zu belegen. Im Rückfalle sind alle Bussen angemessen zu verschärfen und bei Jagdfreveln soll überhin die Jagdberechtigung für je 2 bis 6 Jahre entzogen oder verweigert werden. Die Käufer von gefreveltem Wild in der geschlossenen Jagdzeit, oder von geschütztem Wild zu jeder Zeit sind gleich den Frevlern zu büssen. (Bundesgesetz Art. 12.)

§ 26.
Sollten durch Anwendung von Selbstschüssen, Fallen, Schlingen oder Drahtschnüren oder von Giftlegen, Menschen oder Vieh beschädigt werden, so ist der Schuldige, nebst der Pflicht zum Schadenersätze, je nach Massgabe der Umstände entweder korrektionell oder kriminell noch besonders zu bestrafen.

§ 27.
Das Jagenlassen von Hunden zu geschlossener Jagdzeit ist zwar mit einer Strafe von Fr. 5 bis Fr. 20 auf jeden Hund zu belegen, wird aber nicht als Jagdfrevel betrachtet.

§ 28.
Von den ausgefällten Bussen kommt die Hälfte dem Privatkläger und ein Viertel dem amtlichen Kläger zu.

§ 29.
Die Polizeibediensteten, Bannwarte, Alpvögte und Hirten sind verpflichtet, Jagdfrevel jeder Art unnachsichtlich und förderlich zu verzeigen und sollen auf diese Pflicht bei ihrer Beeidigung speziell aufmerksam gemacht werden.

§ 30.
Die Klagen von Polizeibediensteten und von beeidigten Bannwärtern, Alpvögten und Hirten, wenn sie aus eigener persönlicher Wahrnehmung bei Eidespflicht klagen, sind als amtlich zu betrachten.

§ 31.
Alle mit dem eidgen. Jagdgesetze vom 17. Sept. 1875, der bundesräthlichen Vollziehungs- und mit der gegenwärtigen Verordnung im Widerspruch stehenden hierseitigen Gesetze und Verordnungen sind anmit kraftlos und aufgehoben.

§ 32.
Diese Verordnung, welche nach Art. 24 des Bundesgesetzes dem Bundesrathe zur Genehmigung vorzulegen ist, tritt sofort in Kraft und Wirksamkeit.

§ 33.
Der Regierungsrath wird mit der Promulgation und Vollziehung dieser Verordnung und der Erziehungsrath speziell mit der Vollziehung des Art. 18 des Eingangs erwähnten eidgenössischen Gesetzes beauftragt.»

LB UR Bd 2, S. 145-156 (Amtsblatt 1887 S. 266).
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RECHTSAMMLUNGEN

Übersicht
Rechtsquellen vor 1798
Urner Landbuch, 1823-1841
Sammlung der Gesetze, 1842-1863
Das Landbuch, 1891-1916
Sammlung der Gesetze, 1892-1958
Zwischenspiel Amtsblatt, 1959-1975
Das Urner Rechtsbuch, ab 1976

ABKÜRZUNGEN

LG = Landsgemeinde
eLG = Extra-Landsgemeinde
NG = Nachgemeinde
LR = Landrat
RA = Rat
WR = Wochenrat
AR = Allmendrat

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020