ÜBERSICHT

Name Wappen Siegel Banner Verfassungen Gesetzgebung Landsgemeinde Abstimmungen Wahlen Parlamentarische Vorstösse Eckdaten Bevölkerung Geografie Diverses

BEZIEHUNGEN

Ausland Kantone

Gesetzesbestimmungen

Das Landbuch des Kantons Uri, 1823/1826
Bd 1 (1823)
Von Verboten, Beschlag, Schulden, Schuldentrieb, Schatzung und Auffall

145  
Verbot der Sequesterlegung
«Es soll in hiesigem Kanton Niemand ein Verboth thun, oder etwas mit Sequester belegen mögen ohne Erlaubniß des Richters des Lands, seines Statthalters oder eines w.w. Raths.
Es solle aber keinem Landmann etwas verbothen oder ein Sequester gegen ihn bewilliget werden, außer er sey zuvor bey Feuer und Rauch besucht, und als ein gefährlicher Mann wirklich bekannt, oder gebe sich selbst durch Pfandabschlagen als ein solcher kanntlich. Wenn dann aber einer ein rechtmäßig mit richterlicher Erlaubniß gelegtes Verboth nicht haltet, oder dem, so das Verboth gethan, nicht gleich Anfangs eines Rechten ist, solle er für jedesmal mit Gl. 10 Buß belegt und nebst dem nach Maßgab der Umständen und daherigen Folgen noch ferner scharf bestraft werden. So aber der, der das Verboth thut, dem andern auf Begehren nicht vor erstem Recht erscheint, und die Sache gefährlich oder zum Nachtheil aufzieht, so daß jener sich zu beklagen billige Ursach hat; so solle in solchem Fall das Verboth und der Sequester aufgehoben werden.
Wenn einem, hinter welchem etwas mit richterlicher Erlaubniß, wie obbemerkt ist, verbothen würde, solches ohne hoheitliche Bewilligung aushändigte, soll er dafür dem, zu dessen Gunsten es verbothen worden, verantwortlich seyn, und ihn entschädigen.»

Alt LB 39; LB UR 1823 Bd I, S. 132 f.
-------------------------
146  
Selbsthilfe bei der Pfändung
«Wenn jemand einem eine richtige Schuld schuldig ist, und dieser etwas hinter sich hat, das des Schuldners ist, mag er solches hinter sich behalten, bis er bezahlt ist. Wenn aber der Schuldner die Schuld nicht richtig ist, soll es vor nächstem Rath oder Gericht erörtert werden und inzwischen mag der Ansprecher die Sache hinter sich behalten.
Übrigens soll sich keiner für eine Anforderung selbst bezahlt machen, oder etwas seinem Schuldner eigenmächtig wegnehmen, und wer dies thäte, solle Gl. 20 bestraft werden, nebst Zurückerstattung der eigengwältig genommenen Sache.
Es solle auch keiner selbst ohne Weibel oder Weibelsboth pfänden; wenn aber der Schuldner einem freiwilliges Pfand giebt, ist es gültig, so fern es schriftlich gegeben wird, auch soll es innert 8 Tagen dem Weibel des Orts oder in Altdorf einem Landweibel angezeigt werden, ansonst es zwar nicht ungültig, aber doch wenn anderes gesetzlich einem Weibel auf gleicher Sache gegeben würde, dieses dem freywilligen, dem Weibel nicht in 8 Tagen angezeigten, vorgehen würde. Ein nicht schriftlich gegebenes freywilliges Pfand aber soll gar nicht gelten.»

Alt LB 89; LG 1813; LB UR 1823 Bd I, S. 133 f.
-------------------------
147  
Verbot der eigenmächtigen Pfändung
«Wenn einer, der schuldig ist, von Land entweicht, und des Seinigen mit sich nimmt, so daß seine Gläubiger benachtheiligt und für ihre Forderungen nichts oder nicht hinreichend mehr finden würden; so soll es angesehen werden, als hätte er es gestohlen, und daher gegen ihn als einen Dieben verfahren werden.»
Alt LB 82; LB UR 1823 Bd I, S. 134.
-------------------------
148  
Verfahren bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners
«Wenn ein Schuldner nicht zu zahlen und kein Pfand mehr zu geben hat, oder solches verweigert; so solle der Creditor solches einem w.w. Rath anzeigen, der ihm noch einen Termin zur Bezahlung ansetzen, und so er dann nicht bezahlt, ihn in allen Gemeinden verrufen lassen wird. In diesem Fall ist er dann ehrlos und seinen Worten nicht mehr zu glauben. Wenn er aber nachher, über kurz oder lang, wieder bezahlt, wird ein w.w. Rath ihn wieder in Ehren einsetzen. So einer aber durch offenbar und augenscheinlichen Gewalt oder Unglück in unzahlbaren Stand gesetzt wird, solle es in Betreff der Ehre nach Erkenntnis eines Raths gehalten werden.»
Alt LB 83; LB UR 1823 Bd I, S. 134 f.
-------------------------
149  
Pflicht zur Hingabe des Pfandes
«Wenn einer Pfand auf Recht giebt, soll er vor nächstem Rath oder Gericht mit gehöriger Vorladung der Gegenparth das Recht ausüben, und so er ohne ehehafte (rechtmäßig und hinreichende) Hinderniß solches unterläßt, soll er als Schuldner anerkannt und noch in Gl. 5 Buß verfällt werden.
Wenn einer für eine rechtmäßige und liquide Schuld Pfand ans Recht hin giebt, soll er von jeder Krone (Gl. 2) des Betrags der Schuld Sch. 5 Buß bezahlen, und vom betreffenden Gericht dem Hr. Seckelmeister dafür angezeigt werden. Wenn einer in solchen Sachen um Verschiebung des Ausspruchs und Verlängerung des Termins ansucht, soll das Gericht entscheiden, ob die Gründe zur Verlängerung hinlänglich seyen oder nicht, und dabey auch auf Kostenverursachung der Gegenparth billige Rücksicht nehmen.»

Alt LB 86; LB UR 1823 Bd I, S. 135.
-------------------------
150  
Verlust der Ehre bei Zahlungsunfähigkeit
«Wer einem Weibel oder Weibelsboth Pfand gütiglich oder auf Recht hin zu geben sich weigert, ohne wirklich in unzahlbarem Stand zu seyn, und dieses sich so beweißt, solle UGHHrn. angezeigt und um Gl. 15 bestraft werden.
Auf Begehren des Gläubigers, oder wenn Gefahr gefunden würde, und mit vorläufiger Bewilligung des Richters des Landes ist jeder schuldig das auf Recht hin oder sonst gegebene Pfand, wenn es nicht lebend ist, hinter einen Drittmann zu legen, und so einer dieses zu thun, oder auch sonst Pfand schätzen, oder geschätztes Pfand herauszugeben und im gesetzlichen Termin abfolgen zu lassen sich weigerte; solle er auch in Gl. 15 Buß verfällt auch allenfalls wegen verursachten Kosten und Schaden ferner verantwortlich seyn.
Wenn Kapitalbriefe in Pfand gegeben werden, sollen sie in des Weibels oder mit dessen Wissen in eines Drittmanns Hand gelegt und dem betreffenden Gemeindsweibel, wenn nicht er, sondern ein Landweibel pfändt, die Anzeige gemacht werden, ansonst das Pfand ungültig seyn solle.»

Alt LB 87; LB UR 1823 Bd I, S. 135 f.
-------------------------
151  
Gewalt gegen den Weibel
«Wer gegen einen Weibel oder Weibelsbothen, der ihn pfänden, ausschätzen, oder andre amtspflichtige Verrichtungen ausüben will, schlägt, soll in Gl. 30 Straf verfällt, und bey grobem Vergehungen noch ferner nach Umständen, auch an Leib und Gut, bestraft werden.»
Alt LB 90; LB UR 1823 Bd I, S. 136 f.
-------------------------
152  
Schatzung des Pfandes
«Jeder ist schuldig Pfand zu geben, das sich mit der Schuld vergleicht, bis zur Tilgung der Schuld laut Schatzung. Wenn einer lebendes Pfand zu geben hat, ist er vorzüglich solches zu geben schuldig, in so fern es sich mit der Schuld vergleicht. Lebendes Pfand und Schatzung soll aber nicht länger als 6 Wochen und 3 Tag gültig seyn, und dann, so es nicht in Schatzung weggenommen wird, wieder erneuert werden müssen, in so fern nicht Anbeding dabey gemacht worden.
Todtes Pfand und Schatzung aber soll ohne Erneuerung bis zu Entrichtung der Schuld gelten. Für Schulden von Gl. und darunter soll in 3 Wochen und was darüber ist, in 6 Wochen mögen ausgeschätzt und in Schatzung weggenommen werden.
Wenn einer kein lebendes mit der Schuld sich vergleichendes Pfand zu geben hat, soll er zuerst fahrende Waare, und so er deren nicht mehr hätte, Kapitalbriefe, und dann endlich liegende Güter in's Pfand geben. Bey jeder Gattung Pfand, den letzten wie den erstgenannten, soll, so es zur Schatzung kommt, der 3te Pfenning der Anspruch dazu gethan und geschätzt werden, z. B. für eine Ansprach von Gl. 30 mag dann für Gl. 40 ausgeschätzt und bezogen werden, und soll bey Kapitalbriefen dieser 3te Pfenning der Ansprach mit derselben vom Kapital vor ab dem Crediror zugeschrieben werden, welch gleiche Bewandtniß es auch bey den ins Pfand gegebenen Gütern nach dem früher darauf Haftenden haben solle.»Art. 152.

Änderung vom 28. Dezember 1828 (Beschluss Landrat)
«Es soll zu Jedermanns Verhalt bekannt gemacht werden, daß wenn zwei oder mehrere auf einem Gegenstand Pfand oder Versicherung haben, der erste Pfänder oder darauf Versicherte gehalten seyn soll, das Pfand schätzen zu lassen, wenn es von den nach ihm darauf Versicherten verlangt wird, oder aber wenn er nicht schätzen will, den- selben sein Recht abzutreten, damit sie um ihre Ansprachen bezahlt werden können.»

Änderung vom 28. Dezember 1831 (Beschluss Landrat)
«Da über die Anwendung des Artikel 152 neu bereinigten Landbuchs , von ins Pfand gegebenen Gütern und Liegenschaften, sich Mißverständnisse erhoben haben, so wird diesem Artikel zu mehrerer Erläuterung noch beigefügt: daß wenn Jemand Pfand auf Gütern und Liegenschaften hat, und es nach Verfluß des gesetzlichen Termins zur Schatzung kommen sollte, so solle zuvor von einem w. w. Rathe erkannt werden, ob die ins Pfand gegebene Liegenschaft solle versteigert oder dem Kreditor in der Schatzung abgetreten werden.»

Alt LB 90-92, 253; LG 1711; LB UR 1823 Bd I, S. 137 f. /LR 28.12.1828, 28.12.1830; LB UR 1842 Bd III, S. 38.
-------------------------
153  
Vorschriften für die Weibel beim Pfänden und Schätzen
«Wenn ein Landweibel in einer Gemeinde pfänden will, soll er bey dem Dorfweibel sich erkundigen, ob der zu pfändende Schuldner bereits gepfändt, und was von dem Seinigen schon mit Pfand belegt sey, und in Altdorf soll er nebst dem Dorfweibel auch die übrigen Landweibel diesfalls befragen. Es sollen auch die Land- und Dorfweibel gehörige Pfandbücher führen, und alles genau und sorgfältig mit Ansetzung der Summe, Angab des Pfands und Tag und Datum einschreiben. Jeder Weibel oder Weibelsboth soll den Schuldner bey Feuer und Rauch besuchen und pfänden, und sich das Pfand gehörig vorweisen lassen, und soll selbes von ihm sogleich geschätzt und dem Weibel der gebührende Lohn gegeben werden. Wenn aber der Creditor oder Schuldner mit der Schatzung unzufrieden, und sich in gleicher Zeit bey der Schatzung erklärt, soll er es vor UGHhrn. bringen, die einen unpartheyischen Schätzer dazu verordnen werden. Das Pfand und Schatzung aber bleibt bis zur Wegnahm auf Gefahr und Wag des Schuldners, so es bey sich hat.»Art. 153

Bestätigung vom 21. Februar 1828 und 28. Dezember 1839 (Beschluss Landrat)
«Weil man gewahret, daß beim Pfänden nicht nach dem Sinn und Geist des Artikel Landbuchs 153 verfahren und demselben nicht im Ganzen nachgelebt werde, so werden sämmtliche Land- und Dorfweibel aufgefordert, sich beim Pfänden genau nach dem Artikel Landbuchs 153 zu halten, und beim Empfang des Pfands dasselbe alsogleich zu schätzen, und zwar bei Verantwortlichkeit, und soll auch, wenn ein Pfand gelöst seyn wird, solches im Pfandbuch durchgestrichen werden. Auch soll, wenn ein Kreditor von seinem Schuldner um seine Anforderung bezahlt seyn wird, der Kreditor schuldig seyn, den Pfandzeddel quittirt spätest in Zeit 14 Tagen nach erfolgter Bezahlung dann demjenigen Amtsmann, der gepfändet und das Pfand in seinem Pfandbuch eingeschrieben hat, vorzuweisen, damit der Amtsmann solches im Pfandbuch durchstreichen kann, und dies bei Gl. 5 Buß und unter Verantwortlichkeit für den Kreditor, der den quittirten Pfandzeddel dem betreffenden Amtsmann nicht vorweisen würde.»

Alt LB 92; LG 1813; LB UR 1823 Bd I, S. 138 f. / LR 21.2.1828, 28.12.1839; LB UR 1842 Bd III, S. 39.
-------------------------
154  
Besitz von Schuldtiteln gegen den Gläubiger
«Wenn einer rechtmäßige Schulden auf seinen Gläubiger in Händen hat, soll solches als vorbezahlt gelten, und ihm an die Schuld gegeben werden mögen, sie seyen dann gepfändt, geschätzt oder nicht. Doch muß diese Vorzahlung mit Schulden am Creditor gleich zur Zeit geschehen., da er von demselben angesucht wird, und nicht erst nachher.»
Alt LB 93; LG 1675; LB UR 1823 Bd I, S. 139.
-------------------------
155  
Auslösung des Pfands für laufende Schulden
«Jeder mag das Pfand mit geschätztem Pfand auslösen, doch lebendes nur mit lebendem, todtes mit todtem, und daß es sich vergleiche, auch muß er das geschätzte Pfand bey Händen haben. Dieses ist aber nur auf Pfänder für laufende Schulden, nicht aber auf förmlich verschriebene Unterpfänder, Sigill und Briefe zu verstehen und anzuwenden.»
Alt LB 94; LB UR 1823 Bd I, S. 139.
-------------------------
156  
Veräussern des Pfandes
«So einer lebendes Pfand ans Recht giebt, mag er es wohl hinter sich behalten, doch so es inzwischen abgienge, soll es ihm zur Last fallen, und er anders dafür geben müssen. Auch, wenn die Schuld dann rechtmäßig anerkannt wird, soll er dem Creditor alle wegen dem Pfand ausgelassene Küsten beguten.»

Ergänzung (Artikel altes Landbuch)
«Wenn einer todtes oder lebendes Pfand veräußert soll er Gl. 10 bestraft, und dazu nach Maasgab der Umstände noch zu weiterer Verantwortung gezogen werden, auch den allfälligen Schaden ersetzen.»

Alt LB 96; LB UR 1823 Bd I, S. 140; aLB 96; LB UR 1826 Bd 2, S. 21 f.
-------------------------
157  
Pfandforderung ohne Anspruch
«Wenn einer muthwillig und unbefugt jemanden Pfand abfordern würde, und es dann erwiesen wird, daß der Gepfändte ihm nichts schuldig ist; so solle solcher mit Gl. 15 Buß angelegt werden, wovon die Hälfte dem Landseckel, und die andere Hälfte dem unrechtmäßig Gepfändten für Entschädigung zukommen solle.»
LR 1814; LB UR 1823 Bd I, S. 140.
-------------------------
158  
Stillstand des Rechtstriebs an Sonn- und Feiertagen
«Acht Tage vor und 8 Tage nach den heil. Tagen zu Ostern und Weyhnachten soll nicht gepfändt, noch geschätzt, noch ähnliche Rechtstriebe ausgeübt werden. Wenn aber im Verzug Gefahr, und der Fall dringend ist, mögen UGHhrn. auf Ansuchen solches erlauben. Es solle auch an Sonn- und Feyertägen, an denen die Arbeit nicht erlaubt ist, nicht gepfändt, noch geschätzt werden. Damit man indeß in Betreff der Ansprüchen, so in genannter hl. Zeit kontrahiert werden, nicht benachtheiligt werde, mag in dieser Zeit für solche auf gütlichem nicht aber rechtlichem Wege gesorgt werden.»
LG 1818; LB UR 1823 Bd I, S. 140.
-------------------------
159  
Gewähr für Schuldverzeichnungen
«Wenn einer eine Schuld verzeichnet, und selbe ohne Vorbehalt angenommen wird, so soll er nicht länger Antwort zu geben schuldig seyn, als für ein halbes Jahr vom Tag der Verzeichnung an, wenn schon die Schuld dann verloren gienge. Wenn einer im Namen eines andern eine Schuld zu verschreiben, oder eine andere Schriftverschreibung oder Schein zu verfertigen ersucht oder beauftragt ist, so soll er nebst deutlicher Anführung aller Bedingnisse und nöthigen Bemerkungen auch seinen, des Schreibers, eigenen Namen unterschreiben und zwar bey Gl. 15 Buß.»
LB UR 1823 Bd I, S. 141.
-------------------------
160  
Wirtshausschulden
«Die Wirthe sollen niemanden über Gl. 2 auf Borg oder Dings geben bey Gl. 10 Buß und Verlust der Ansprache, was über Gl. 2 ist; jedoch Bruderschaften und Hochzeiten vorbehalten. Es soll auch um Wirthsschulden nicht mehr als für Gl. 2 Recht gehalten werden, und keiner im Anbedingen Schulden zu nehmen Wirthsschulden annehmcn müssen.»
LG 1680, 1710; LB UR 1823 Bd I, S. 141.
-------------------------
161  
Ordnung über Fallimentsfälle, Vorrechte und Liquidationen
«Ordnung über Fallimentsfälle und Liquidationen.
1. §. Wenn einer ein Hans oder Liegenschaft aufwerfen, und den Creditoren zustellen will, soll er solches in gehöriger Zeit, nämlich Liegenschaften jeder Art vor Mitte März, einzelne Häuser ohne Liegenschaften aber auf Martini, thun müssen, und schuldig seyn, die verfallenen Zinsen, so wie auch die ergebenden Rufskösten zu bezahlen, und so einer diese Bezahlung nicht bescheint, oder Sicherheit dafür giebt, soll solche Aufwerfung nicht gestattet werden.
2. §. Wenn einer den Creditoren nicht mehr entsprechen kann, und das Unterpfand abtreten muß, soll nebst dem Gut auch ihm der Ruf erlassen werden. In solchem Fall ist der Kapitalist, so zur Annahme des Guts sich erklärt, den letztverfallenen und den laufenden Zins aller vor ihm darauf stehenden Kapitalien zu bezahlen schuldig, wogegen er aber auf das allenfalls vorfindliche Heu, in so weit auf selbem nicht spezial- und rechtmäßiges Pfand haftet, vor allen anderen Creditoren jeder Gattung das Vorrecht haben soll; für das, so dieß nicht hinreicht, tritt er in die Klasse andrer laufenden Creditoren gegen den Abgetretenen oder dessen Masse, welches Recht ihm auch für den laufenden Zins bleibt für dasjenige nämlich, was allenfalls der Abgetretene vom diesjährigen Blumen schon benutzt hätte.
3. §. In Betreff der Liquidations-Kosten sollen selbe, wenn nebst den Gütern eine Masse sich vorfindet, insoweit sie die Güter und die Masse gemeinschaftlich angehen, auf beyde gemeinschaftlich, soweit aber nur die Güter, auf diese, und was nur die Masse betrifft, auf diese allein vertheilt werden, so aber keine Masse da ist, bleiben selbe auf den Gütern.
4. §. Wenn ein Gut im Ausfall ist, auf dem Kapital haftet, das zugleich andre Güter begreift, und ein solcher Kapitalist sich erklärt mit mehrerm auf das andre zu greifen, so soll der Besitzer des andern Guts auch zur Liquidation berufen werden, um da sich zu erklären, ob er das aufgeworfene Gut antreten, oder dann auch das seinige gemeinschaftlich verunterpfandete abtreren wolle.
5. §. Sobald ein Falliment erklärt ist, soll alles, Bücher, Schriften und Habschaft in Beschlag genommen, inventiert und nichts mehr verändert noch veräußert werden, und der Fallit in nichts mehr handeln, noch einigen gültigen Akt ausüben mögen.
6. §. Bey einem Falliment sollen zum voraus die Rufs-und Liquidations-Kosten das Vorrecht haben; dann jedes in gehöriger Zeit und nach Satz und Ordnung erhaltene speziale Pfand; nach diesem die Todtenkoften, die in der letzten Krankheit gegebenen Arzneycn und billige Abwartung, darauf der Littlohn für Dienstbothen für das laufende oder so dieß erst angegangen, das jüngst verfallene Jahr; hernach das erwiesene Frauengut laut Art. Landb.; nach diesem die allgemeinen Verschreibungen und Versicherungen; dann der Littlohn für höchstens eine Woche für Taglöhner, nicht Handwerker; dann nachher die übrigen laufenden Creditoren, die gleich gehalten werden, und in nämlichen Rechten seyn sollen für Angehörige sowohl als Auswärtige, deren Orts-Regierungen mit hiesigem Stand im Conkurs-Recht stehen; endlich und zuletzt die Einwohner jener Orte, so den unsrigen nicht gleiche Rechte gestatten.»

Änderung vom 21. Februar 1828 (Beschluss Landrat)
«Wenn durch Falliment oder sonst auch was immer für eine Art ein Gut oder Liegenschaft den Kreditoren zu Handen gestellt wird, so soll der oder diejenigen, so ein solches Gut aufwerfen, jederzeit von der Kanzlei berufen, der Kaufbrief abgefordert, und überhaupt genaue Auskunft eingeholt werden , was für Kapitalien darauf haften, damit bei vorzunehmender Liquidation gehörige Notiz davon genommen, und der Kapitalist so viel möglich vor Verlust des Kapitals wegen nicht gehöriger Eingabe gesichert werden kann. — Gerechtigkeiten müssen wegen den bedenklichen Folgen nicht in die Liquidation eingegeben werden.»

Änderung vom 28. Dezember 1835 (Beschluss Landrat)
«Da nicht selten entweder auf dem Wege frei, willigen Aufwerfens oder in Folge förmlichen Schuldenrufes den Herren Kreditoren Gebäulichkeiten oder Liegenschaften abgetreten werden, die entweder durch sträfliche Vernachlässigung oder geflissentlich in den auffallendsten Zustand der Beschädigung, des Zerfalls versetzt worden sind, so werden einerseits zum Schutze der Kreditoren und anderseits zur verdienten Ahndung nachlässiger oder böswilliger Schuldner den §§. i. u. 2 des Art. 161 folgende Beysätze nachgetragen:
a) Wenn Gebäulichkeiten oder Liegenschaften den Herren Kreditoren abgetreten oder zugestellt werden wollen, so soll der Abtretende gehalten seyn, mittelst einer von demjenigen Dorfgerichte, in welchem der aufzuwerfende Gegenstand sich befindet, gehörig ausgestellten Bescheinigung zu beweisen, daß er die fragliche Gebäulichkeit oder Liegenschaft weder vernachlässigt, noch muthwillig beschädigt, und in Abgang gebracht habe, ansonst ihm die Aufwerfung nicht gestattet werden soll.
b) Wenn bei einem erfolgten Fallimente von den Kreditoren Klage über vernachlässigten oder muthwillig verdorbenen Zustand einer Gebäulichkeit oder Liegenschaft geführt wird, so soll Namens der Kreditoren von der Liquidation aus der betreffende resp. Gemeindrath zum Untersuch der Klage aufgefordert, und wenn dieselbe begründet gefunden wird, der Beklagte von dem Hrn. Liquidator dem w. w. Rathe verzeigt und auf angemessene Weise geahndet werden.
c) In beiden vorbenannten Fällen sind die resp. Gemeindräthe angewiesen, den diesfalls an sie gelangenden Gesuchen beförderlich und gewissenhaft zu entsprechen.»

LG 1811; LB UR 1823 Bd I, S. 142 ff. / LR 21.2.1828, 28-12-1835; LB UR Bd III S. 41-42.
-------------------------
162  
Keine Zahlpflicht zwischen Eltern und Kindern
«Eltern sind nicht für ihre Kinder, und Kinder nicht für die Eltern zu zahlen schuldig; es wäre dann, daß sie deren Erb angriffen, oder für einander zu bezahlen versprochen hätten, oder so ein verheuratheter Sohn gemeinschaftlich mit dem Vater hausete, und von dieser gemeinschaftlichen Haushaltung sich Schulden ergäben, dann solle jeder, sowohl der Vater als Sohn, für solche Schulden belangt werden können.»
LB UR 1823 Bd I, S. 144.
-------------------------

 
VERFASSUNGEN DES KANTONS URI

Verfassung von 1803
Verfassung von 1820
Verfassung von 1850
Verfassung von 1888
Verfassung von 1984

Verfassung nach Datum

Im URIkon befindet sich von der Verfassung 1850 nur der ursprüngliche Text. Die Verfassungsänderungen werden nachgetragen!

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 15.09.2020