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Uri

Die Gämse in Uri



Familie: Paarhufer
lateinischer Name: Rupicapra rupicapra
anderer Name: Gemse (vor der Rechtschreibreform)
Urner Dialekt: Gämschi, Gamússe (Ursern) (althochdeutsch gamissa); Grattiär
Bestand: war immer heimisch; Bestand: ca. 3'500;
Schutz: geschützt sind melke Gämsgeissen und Gämskitze, Gämsgeissen mit Krickeln von 14,1 bis 17,9 cm, Gämsböcke mit Krickeln von 14,1 bis 19,9 cm; generell Albinos
Schonzeit: vom 1. Januar bis 31. Juli;
Jagd: Hochwildjagd; pro Patent dürfen zwei Tiere (Alter, Krickelmass) erlegt werden.
Abschussprämie: keine

   
Die Alpen-Gämse ist in Europa und Kleinasien beheimatet, sie gehört zur Art der Ziegenartigen und zusammen mit der Pyrenäen-Gämse und weiteren Arten gehört sie zur Gattung der Gämsen (Rupicapra).
Ausgewachsene Gämsen haben einen kräftigen, jedoch gedrungenen Körperbau, eine Kopf-Rumpf-Länge von 110 bis 130 Zentimetern, eine Widerristhöhe von 70 bis 85 Zentimetern und ein Gewicht von 25 bis 40 Kilogramm (Weibchen) beziehungsweise 35 bis 50 Kilogramm. Beide Geschlechter tragen Hörner; diese werden bis zu 25 Zentimeter lang und sind drehrund.
Im Sommer ist die Gämse rotbraun, an der Kehle fahlgelb, im Nacken weissgelblich. Von den Ohren verläuft über die Augen hin eine schwarze Längsbinde. Im Winter ist die Gämse oben dunkelbraun oder braunschwarz, am Bauch weiss.
Raubtiere wie Luchs, Wolf und Bär stellen ihnen nach. Der Steinadler schlägt hin und wieder Kitze. Gämsen sind ausserdem durch herabrollende Steine und Felsstücke gefährdet sowie durch Lawinen, in strengen Wintern auch durch Futtermangel.
Die Gämse gehört seit jeher zum Urner Wildbestand. Bis 1935 darf sie uneingeschränkt gejagt werden, dann wird das Kontingent auf vier Gämsen eingeschränkt, danach auf drei (1949) und schliesslich auf zwei (1975). Seit 1946 kennt man ein Mindestmass beim Horn (Krickel, 16/18 cm). Erst mit diesen Beschränkungen, mit dem Schutz der Banngebiete und mit der intensiveren Aufsicht gediehen die Bestände prächtig.

Autor: Rolf Gisler-Jauch; Quellen, Literatur: Gerig Georg, 100 Jahre Jägerverein 1906-2006 - Geschichten und Geschichte des Vereins, der Jagd und de Wildes im Lebensraum Uri, Altdorf 2006.
Foto: (c) Tony Gnos-Lötscher, Schattdorf > www.lifepowernatur.ch



WEITERES ZUR GÄMSE


     
Die weisse Gämse
Bei einer weissen Gämse handelt es sich nur um einen Albino, wenn auch die Augen rot gefärbt sind. Hat die weisse Gämse normal Augen, spricht man von Leuzismus. Während beim Albinismus die Funktion der Pigmentzellen beeinträchtigt ist, sind beim Leuzismus gar keine Pigmentzellen vorhanden. Der Jäger hat der Gämse also genau in die Augen zu schauen, denn Albinos sind durch die Jagdbetriebsvorschriften (RB UR 40.3121, Artikel 6i) geschützt. Allerdings ist es in Jagdkreisen verpönt, eine weisse Gämse zu schiessen.

Der Dokumentarfilmer Tony Gnos-Lötscher hat im Urner Oberland (2003) und im Schächental (2007) eine weisse Gämse aufgespürt und diese in zwei Filmen festgehalten. Letztere Gämse wurde im Jahre 2013 wohl durch einen Rivalen getötet.
Foto: (c) Tony Gnos-Lötscher, Film «Weisse Gämse im Schächental» (2007).

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Gämschfeier
Gämschfeier ist der Name für die ganze schattenhalb gelegene Talflanke des Unrerbodens. Darüber erhebt sich der Gemsfairenstock. «Feier» wird ein «wilder Mann» genannt. «Wildmanndli» halten gemäss der Sage auch Gämsen als Ziegen.
Albert Hug, Viktor Weibel, Das Urner Namenbuch, Band 1, Sp. 997.

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Gemsstock
Der Gemsstock ist der Andermatter Hausberg. Seit 1962 führt eine Seilbahn in zwei Sektionen auf den 2962 müM gelegenen Gipfel. Der Gemsstock ist als Ski- und Wandergebiet von Bedeutung.
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Jagdfrevel und Blutkugeln
Blutkugeln nannte man die Bleikugeln, die gewisse Jäger in der Nacht des St. Johannestages (23./24. Juni) um 24.00 Uhr bis 01.00 Uhr gossen. Sie verfehlten ihr Ziel nie. Wenn aber ein Jäger starb, solange er solche Kugeln besass, war er dem Bösen verfallen. An gewissen Tagen war die Jagd verboten.

Autor: Bär-Vetsch Walter, Aus einer anderen Welt, S. 167 f. Literatur: Müller Josef, Aberglaube aus Uri, S. 66.

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Jäger Daxli
In dem alten Holzhäuschen neben dem neuen Schulhaus im Wyler zu Gurtnellen wohnte vor Zeiten der reiche Bauer und Jäger Sebastian Daxli. Der ganze Wyler vom Gornerbach bis zum Märchlital war sein Eigen. Ihm begegnete eines Tages, als er mit einer Gemse auf dem Rücken aus dem Fellital kam, auf der Fellibrücke ein fahrender Schüler und fragte ihn, ob er mit Blei gut versehen sei. «Nein, dessen habe ich nicht immer genug», erwiderte Daxli. So wolle er ihm solches zeigen, sagte der Fremde, ging mit ihm und zeigte ihm im Fellitobel eine Bleiader. Dort konnte Daxli für sich und seine Freunde eine Menge Blei holen, durfte aber niemand die Stelle zeigen und nichts davon verkaufen. Andere konnten ihm zuschauen, wohin er ging, um sein Blei zu gewinnen; gingen sie aber denselben Weg, so fanden sie nichts. Daxli war reich, wurde aber zuletzt so arm, dass er seine Güter verkaufen musste. Deshalb sagte man zu Gurtnellen:

Jeeger Daxli unverdrossä,
Mängs hundert Gämschi g'schossä,
Dazüe vill Fix und Hasä,
Und z'letscht frisst er nu sy eignä Wasä.»

Quelle: Müller Josef, Sagen aus Uri, Bd. I, Nr. 301, S. 210 f.

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Wirtshaus Gemsbock
Vorhanden ist noch das Wirtshausschild. Im dreigeschossigen Anbau richtete der Besitzer Josef Regli 1915 die Büros für seinen Steinbruch am Breitenwasen ein. 1946 Umbau der Gaststube und Neufassung der Fassade. 1997 Umbau und Fassadensanierung.
Brunner Thomas; Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band IV, S. 208.

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DIE GÄMSE IN DER SAGE

Doppelter Frevel: Schuss auf weisse Gemse am Muttergottestag
«Drei Jäger zogen am Muttergottestag zu Mitte August miteinander auf die Jagd und schossen eine weisse Gemse. Als sie dieselbe holen wollten, war sie verschwunden, und an ihrer Stelle stand eine schöne, glänzendweisse Frau und schaute die Jäger mit vorwurfsvollem Blicke an.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 721 9.
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Fuchsspur verwandelt sich in Gemsenspur
«Sie (die Jäger) sahen auch einen Fuchs und gingen der Spur nach; diese verwandelte sich urplötzlich in eine Gemsenspur.»
Müller Josef, Sagen aus Uri, Sage 721 1 b.
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Keine Gemsjagd am Muttergottestag
«An einem Muttergottestag auf die Gemsjagd zu gehen ist frevelhaft und bringt sicher Unglück. Kein christlich denkender Mann wird an einem solchen Feste nach einem Grattier (Wild oberhalb der Baumgrenze) jagen jagen ... Seitdem wäre keiner von ihnen um kein Geld in der Welt je wieder an einem Muttergottestag auf die Jagd gegangen.»

«Auch Pfarrer Alois Arnold († 1831), ein leidenschaftlicher Gemsjäger, konnte sich einmal nicht enthalten, am Muttergottestag im Herbstmonat auf die Gemsjagd zu gehen.»

«Am Muttergottestag im Herbstmonat (8. September) ging ein Tresch von Bristen im Felleli auf die Gemsjagd ... Aber, wie ihm geschehen, was ihm das seltene Tier zugefügt, das wollte er seiner Lebtag nie bekennen.»

«Der Schluchen-Hans pirschte am Muttergottestag im Herbstmonat im Fuxtal auf Grattiere. Der erste Schuss schlug ihn halbtot.»

«Zu Mitte August, am Fest Mariä Himmelfahrt, gingen einst drei Jäger gemeinsam auf die Jagd. ... Man meint, es sei die Mutter Gottes gewesen. Diese sprach ernsthaft: „Ihr habt meinen Tag entheiligt. Dafür müsst ihr eine Strafe auf euch nehmen.»

«Weil sie an Werktagen nie etwas erlegt hatten, gingen sie endlich am Feiertag zu Mitte August.»

Müller Josef, Sagen aus Uri, Sagen 721 1 bis 7 und 1531 c.
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GÄMSEN-EREIGNISSE

1797  / Samstag, 21. Januar 1797
Lawine auf Heidmannegg fordert zwei Menschenleben
Bei Heidmanegg geraten drei Männer auf der Jagd auf Gemsen und Pernissen (Schneehühner) in eine Lawine. Zwei Jäger werden getötet, darunter Josef Gisler vom Schwandenberg in Unterschächen, der damals angeblich grösste Mann in Uri. Der dritte bricht sich einen Fuss. Kriechend muss er sich sechs Stunden fortbewegen, bis ihm ein Mann helfen kann, der zufälligerweise in eine Alp gegangen ist.
Aus dem Jahrzeitbuch von Spiringen, in: HNBl 1915.
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2010  / Donnerstag, 25. März 2010
Jäger diskutieren Wolf- und Gämskonzept
Grossaufmarsch der Urner Jäger in Erstfeld. An einer Infoveranstaltung des Urner Jägervereins und der kantonalen Jagdverwaltung stehen gleich zwei heisse Themen auf der Traktandenliste: der Wolf und der Entwurf zum neuen Gämsbejagungskonzept des kantonalen Amtes für Forst und Jagd. Aufgrund vom DANN-Spuren ist seit dem 23. März klar: Der Wolf ist auch in Uri angekommen.
Das Jagen von Gämsen wird in Uri neu geregelt. Auslöser für diese Änderung sind verbindliche Vorgaben des Bundes. So muss das Geschlechterverhältnis bei den erlegten Tieren 1:1 sein, der Jungtieranteil an der Jagdstrecke 25 Prozent betragen und die Waldgämsenbejagung müsse möglich sein. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Gämsbejagungskonzept in Uri angepasst werden. Ein erster Entwurf sieht vor, das Hornmass bei der Gämsjagd abzuschaffen. Uri ist der letzte Kanton, der das Hornmass noch als Kriterium verwendet.

UW 23, 27.3.2010
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2013  / Donnerstag, 5. Dezember 2013
Weisse Gämse wird tot aufgefunden
Unterhalb der Balmwand wird von einem Älpler in Äsch die weisse Gämse tot aufgefunden. Das Tier war acht Jahre alt und wohl bei einem Rivalenkampf getötet. Ein Beweis dafür liefert eine lange gerade Wunde am Lauf des Tieres, welche wahrscheinlich von den Hörnern eines anderen Gamsbocks geschlagen wurde.
UW 99, 18.12.2013.
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2014  / Samstag, 12. April 2014
Jäger machen Vorschläge zur Gämsjagd
Der Luchs bereitet den Urner Jägern weiter Kopfzerbrechen. Sie fordern, dass das Raubtier geschossen werden darf. An der GV 2014 des Urner Jägerverbandes im Bodenschulhaus in Andermatt formulierten die Urner Jäger zudem ihre Vorstellungen zur neuen Gämsjagd. Nach eingehender Diskussion beantragen die Urner Jäger der Urner Regierung gleich zwei Abschussvarianten: Variante 1 ist eine leichte Anpassung der heutigen Bejagung. Bei Bock und Geiss bleibt das Krickelmass gleich (>20 Zentimeter/>18 Zentimeter), bei den Jahrtieren wird es auf 12 Zentimeter gesenkt. Neu soll es nur noch möglich sein, pro Patent ein männliches und ein weibliches Tier zu erlegen. Ebenso soll nicht mehr als ein Jahrtier erlegt werden können. Die zweite vorgeschlagene Variante beinhaltet eine gewisse Abkehr vom altbekannten Krickelmass hin zu einer Bejagung nach Alter. Der Bock wäre nach dieser Variante ab 2½-jährig jagdbar. Der Schutz der Geiss würde mit einem Anheben des Krickelmasses auf 19 Zentimeter gewährleistet, die Jahrtiere würden auch bei dieser Variante mit einer Senkung auf 12 Zentimeter Krickelmass besser geschützt.
UW 29, 16.4.2014, S. 7.
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2014  / Mittwoch, 30. April 2014
Verdacht auf Wolfriss einer Gämse in Bristen bestätigt sich nicht
In der Steinmatte in Bristen, unmittelbar neben einem Wohngebiet, wird ein Gämsbock tot aufgefunden.Die Schafhalter im Maderanertal haben Angst um die Tiere ihrer Herden. Die DNA-Analyse des Gämsenkadavers ergibt jedoch keine Wolfsspuren. Trotz der negativen Analyse könnte ein Wolf die Gämse gerissen haben. Es ist denkbar, dass die Spuren des Wolfs verwischt worden sind.
UW 35, 7.5.2014, S. 16.
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2014  / Samstag, 14. Juni 2014
Gämsbejagungskonzept ist vom Tisch
Jahrelang gingen die Emotionen hoch, wenn es um das Gämsbejagungskonzept ging. Jetzt ist es vom Tisch. Das Jagdreglement sieht für dieses Jahr nur einige wenige Änderungen vor. Der Gämsbestand im Kanton Uri ist seit einigen Jahren stark rückläufig – momentan wird er auf rund 3000 Tiere geschätzt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird es auf die kommende Jagd hin Änderungen im Jagdreglement geben: So darf pro Jagdpatent nur noch eine Gämse, die zweijährig und älter ist, erlegt werden. Zusätzlich kann lediglich noch ein Jahrtier geschossen werden. Bis anhin konnten pro Jagdpatent entweder zwei ältere Tiere oder ein adultes Tier und ein Jahrtier oder zwei Jahrtiere erlegt werden. Weiter dürfen bei der Gämsjagd keine Abschussmarken mehr getauscht werden. Am umstrittenen Hornmass wird festgehalten – in der Schweiz steht der Kanton Uri damit alleine da. Die Urner Jäger nehmen diesen Entscheid hin – wenn auch nur zähneknirschend.
UW 46, 14.6.2014, S. 3.
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ABSCHÜSSE DER GÄMSEN

1931 137
1933 279
1934 154
1935 145
1936 180
1937 236
1938 197
1939 114
1940 223
1941 245
1942 294
1943 232
1944 225
1945 206
1946 152
1947 179
1948 138
1949 176
1950 172
1951 148
1952 184
1953 182
1954 216
1955 259
1956 265
1957 305
1958 311
1959 309
1960 332
1961 313
1962 290
1963 259
1964 280
1965 310
1966 261
1967 321
1968 440
1969 320
1970 395
1971 376
1972 350
1973 296
1974 379
1975 533
1976 580
1977 550
1978 562
1979 564
1980 702
1981 684
1982 808
1983 776
1984 800
1985 855
1986 920
1987 955
1988 841
1989 912
1990 939
1991 952
1992 970
1993 948
1994 1008
1995 954
1996 1058
1997 1082
1998 1135
1999 874
2000 989
2001 809
2002 809
2003 878
2004 790
2005 710
2006 777
2007 789
2008 725
2009 611
2010 609
2011 621
2012 600
2013 500
2014 446
2015 443
2016 438
2017 479

KRANKHEITEN BEI GÄMSEN

Gämsblindheit
Lippengrind

 
WILDE SÄUGETIERE

Übersicht

Paarhufer
Steinbock
Gämse
Reh
Rothirsch
Wildschwein
      
Raubtiere
Braunbär
Wolf
Luchs
Rotfuchs
Dachs
Marder und Marderhund
      
Nagetiere
Schlafmäuse
Murmeltier
Eichhörnchen
Mäuse und Ratten
      
Hasenartige
Hasen
      
Insektenfresser
Igel
Maulwurf
Spitzmäuse
      
Fledermäuse
Glatt- und Hufeisennasen

 

 

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / Letzte Aktualisierung: 01.11.2019