URNER WIRTSCHAFT

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Der Energiewandel im Verkehr

Die Geschichte des Verkehrs in Uri ist eng mit der besonderen Lage des Kantons am Gotthard verbunden. Berge, enge Täler, steile Passwege und der Urnersee erschwerten während Jahrhunderten die Fortbewegung. Zugleich entwickelte sich Uri zu einem der bedeutendsten Durchgangsräume Europas. Der Wandel der Verkehrsmittel war dabei stets auch ein Wandel der verwendeten Energie: von der menschlichen Muskelkraft über die Kraft der Tiere, Kohle und Erdöl bis hin zum elektrischen Strom.

In der ältesten Zeit bewegten sich Menschen ausschliesslich zu Fuss fort. Lasten wurden auf dem Rücken, mit Traggestellen, Schlitten oder einfachen Handkarren transportiert. Die dafür benötigte Energie stammte aus der Nahrung, welche der menschliche Körper in Muskelkraft umwandelte. Auf dem Urnersee erleichterten Ruderboote den Transport. Neben der Muskelkraft nutzte man hier schon früh den Wind, indem Segel gesetzt wurden. Der See bildete den bequemsten Zugang zum Gotthardweg, während der Landweg entlang des Axenufers lange beschwerlich oder stellenweise kaum begehbar war.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Gotthardverkehrs übernahmen Pferde, Maultiere, Esel und Ochsen einen grossen Teil der Transportarbeit. Besonders wichtig war das Säumerwesen. Die Tiere trugen Waren wie Salz, Wein, Käse, Getreide, Reis, Stoffe und Handelsgüter über den Pass. Ihre Antriebsenergie erhielten sie aus Heu, Gras und Hafer. Nahrung war damit der wichtigste Energieträger des vormodernen Verkehrs. Die Säumer führten die Tiere meist zu Fuss und waren in örtlichen Säumergenossenschaften organisiert. Der Verkehr blieb langsam, war von der Witterung abhängig und erforderte zahlreiche Gasthäuser, Ställe und Futterplätze.



Eine grundlegende Veränderung brachte der Ausbau der Gotthardstrasse in den Jahren 1827 bis 1830. Nun konnten grössere Fuhrwerke und Postkutschen den Pass befahren. Seit 1842 verkehrte täglich eine Postkutsche zwischen Flüelen und Camerlata. Im Winter kamen Postschlitten zum Einsatz. Zwar blieb die tierische Muskelkraft weiterhin die wichtigste Energiequelle, doch konnten mit Pferdegespannen nun mehr Menschen und grössere Warenmengen transportiert werden. Pferdewechselstationen sorgten dafür, dass für die anstrengenden Steigungen stets ausgeruhte Tiere zur Verfügung standen. Um 1870 wurden auf der Gotthardstrasse jährlich schätzungsweise 70’000 Reisende und zwischen 10’000 und 20’000 Tonnen Güter befördert.

Auch auf dem Urnersee vollzog sich im 19. Jahrhundert ein Energiewandel. Dampfschiffe ergänzten und verdrängten allmählich die Ruder- und Segelschiffe. In ihren Kesseln wurde zunächst vor allem Kohle verbrannt. Die dabei erzeugte Wärme verwandelte Wasser in Dampf, der über Dampfmaschinen die Schaufelräder oder später die Schiffsschrauben antrieb. Die Dampfschifffahrt machte den Transport regelmässiger und weniger vom Wind abhängig. Im 20. Jahrhundert kamen Motorschiffe hinzu, deren Dieselmotoren mit Erdölprodukten betrieben wurden.

Die Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 bedeutete den nächsten grossen Umbruch. Dampflokomotiven konnten wesentlich mehr Personen und Güter befördern als Pferdefuhrwerke. Ihre Energie lieferte Kohle, die in den Feuerungen der Lokomotiven verbrannt wurde. Mit Dampf, Rauch, Russ und grossem Lärm erklommen die schweren Züge die Gotthardrampen. Erstfeld entwickelte sich zu einem bedeutenden Eisenbahnerdorf mit Depot, Werkstätten und zusätzlichen Vorspannlokomotiven. Die Eisenbahn verkürzte die Reisezeit über den Gotthard erheblich und entzog der Postkutsche und dem traditionellen Fuhrgewerbe ihre wirtschaftliche Grundlage.
Die starke Abhängigkeit von ausländischer Kohle wurde besonders während des Ersten Weltkriegs zum Problem. Deshalb beschleunigten die Schweizerischen Bundesbahnen die Elektrifizierung der Gotthardstrecke. Im Oktober 1920 begann zwischen Erstfeld und Airolo der elektrische Betrieb; 1922 war die Strecke von Luzern bis Chiasso elektrisch befahrbar. Das Kraftwerk Amsteg lieferte seit 1922 einen Teil des benötigten Bahnstroms. An die Stelle der importierten «schwarzen Kohle» trat damit die einheimische «weisse Kohle», wie die Wasserkraft damals bezeichnet wurde.
Elektrische Lokomotiven waren leistungsfähiger, sauberer und für den Betrieb in den langen Tunneln besser geeignet als Dampflokomotiven. Berühmte Gotthardlokomotiven wie das «Krokodil» und später die Ae 6/6 «Uri» verkörperten diesen technischen und energetischen Fortschritt.

Parallel zur Elektrifizierung der Bahn begann der Aufstieg des Verbrennungsmotors. Automobile, Lastwagen, Motorräder und Autobusse ersetzten Pferdefuhrwerke und Postkutschen. Benzin und Diesel wurden zu den wichtigsten Energieträgern des Strassenverkehrs. Auf der Klausenpasslinie endete das Zeitalter der Pferdepost 1922 mit der Öffnung der Passstrasse für Automobile. Seither wird die Strecke mit Motorbussen befahren. Auch in den Urner Seitentälern verbesserten Busse, Lastwagen, Traktoren und Geländefahrzeuge die Erreichbarkeit und Versorgung. Der motorisierte Verkehr machte die Bevölkerung beweglicher und ermöglichte einen schnelleren Warentransport, führte aber zugleich zu einem hohen Verbrauch fossiler Energie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der private Autobesitz stark zu. Strassen wurden ausgebaut, Umfahrungen erstellt und bisher abgelegene Gebiete erschlossen. Mit der Nationalstrasse A2 und der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels am 5. September 1980 erhielt Uri eine ganzjährig leistungsfähige Strassenverbindung nach Süden. Der knapp 17 Kilometer lange Tunnel verband Göschenen unmittelbar mit Airolo. Damit verlagerte sich ein grosser Teil des Personen- und Güterverkehrs auf die Strasse. Die Folgen waren ein stark wachsender Verbrauch von Benzin und Diesel sowie Lärm, Abgase, Staus und eine erhebliche Belastung der Ortschaften entlang der Transitachse.

Eine besondere Form des Verkehrs entwickelte sich mit den Bergbahnen und Seilbahnen. Standseilbahnen, Luftseilbahnen, Skilifte und Sesselbahnen erschlossen Alpen, Bergsiedlungen und Wintersportgebiete. Während frühere Transporte in steilen Lagen von Menschen und Tieren bewältigt wurden, übernahmen nun meist Elektromotoren diese Arbeit. Gerade in einem Gebirgskanton wie Uri erlaubte die Elektrizität eine zuverlässige und verhältnismässig energieeffiziente Überwindung grosser Höhenunterschiede.

Mit dem Gotthard-Basistunnel begann 2016 ein weiteres Kapitel. Der 57 Kilometer lange Eisenbahntunnel führt nahezu ohne grosse Steigungen von Erstfeld nach Bodio. Dadurch können Personen- und Güterzüge schneller verkehren und schwere Güterzüge mit weniger Zugkraft die Alpen durchqueren. Die elektrische Bahn soll vor allem im Transitverkehr eine energiesparendere Alternative zum Lastwagen bieten. Die historische Gotthard-Bergstrecke bleibt für die regionale Erschliessung und den touristischen Verkehr erhalten.

Heute steht der Verkehr in Uri erneut vor einem tiefgreifenden Energiewandel. Elektroautos, Elektrovelos und teilweise elektrisch angetriebene Nutz- und öffentliche Verkehrsmittel ersetzen zunehmend Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotoren. Der dafür benötigte Strom kann zu einem bedeutenden Teil aus erneuerbaren Quellen, insbesondere aus Wasserkraft, gewonnen werden. Gleichzeitig werden Bahnen, Busverbindungen, kombinierte Verkehrsdrehscheiben sowie der Fuss- und Veloverkehr gefördert. Elektromobilität allein löst allerdings nicht alle Probleme, denn auch elektrische Fahrzeuge benötigen Energie, Strassen, Parkraum und Rohstoffe.

Die Herausforderung ist in Uri besonders gross. Rund 60 Prozent der auf Kantonsgebiet gefahrenen Fahrzeugkilometer entfallen auf den Transitverkehr. Im Jahr 2020 verursachte der gesamte Verkehrsbereich rund 127’000 Tonnen CO₂-Äquivalente und damit mehr als die Hälfte der Urner Treibhausgasemissionen. Der Kanton strebt deshalb an, den öffentlichen Verkehr zu dekarbonisieren, die Ladeinfrastruktur auszubauen, den Fuss- und Veloverkehr zu stärken und den Güterverkehr möglichst auf die Schiene zu verlagern. Bis 2050 soll der Verkehr – mit Ausnahme einzelner Spezialfahrzeuge – keine Treibhausgasemissionen mehr verursachen.

Der Energiewandel im Urner Verkehr verlief somit nicht geradlinig. Die menschliche und tierische Muskelkraft wurde zunächst durch Kohle und Dampf, später durch Benzin und Diesel sowie teilweise durch Elektrizität ersetzt. Während die Eisenbahn bereits vor mehr als hundert Jahren den Schritt von der fossilen zur einheimischen erneuerbaren Energie vollzog, steht dieser Wandel beim Strassenverkehr erst heute bevor. Die Zukunft dürfte in einem Zusammenspiel von elektrischer Bahn, emissionsarmen Bussen und Fahrzeugen, Fuss- und Veloverkehr sowie einer bewussteren Wahl der Verkehrsmittel liegen. Uri bleibt damit, wie seit Jahrhunderten, ein wichtiger Verkehrsraum – doch die Mobilität soll künftig mit weniger Energieverbrauch und geringerer Belastung für Bevölkerung, Landschaft und Klima bewältigt werden.

Literatur: https://blog.astra.admin.ch; https://erstfeld.ch; https://www.aagu.ch; https://www.astra.admin.ch; https://www.uvek.admin.ch; https://klima.ur.ch; www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT).

 
ENERGIE IN URI

Übersicht

ENERGIEQUELLEN

Erdwärme
Muskelkraft
Sonnenkraft
Wasserkraft
Windkraft

ENERGIETRÄGER

Holz
Nahrung (Tierkraft)
Fliessgewässer (Wasserräder)
Kohle
Erdöl
Strom

ENERGISCHE BEREICHE

Privater Haushalt und Wohnbereich
Industrie und Gewerbe
Verkehr
Tourismus
Landwirtschaft
Bürolandschaft
Kommunikation

STROMPRODUKTION

Energie vor der Industrialisierung
Entwicklung der Elektrizität
Grosskraftwerk Ursern
Grosskraftwerk Göscheneralp
Kraftwerke, Übersicht
Kraftwerke, Einzeln
Bäche mit Wasserfassungen
Firmen

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 16.08.2026