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Die wichtigsten Energieträger in Uri

Energieträger Kohle

Kohle spielte in Uri eine wesentlich kürzere und weniger umfassende Rolle als Holz, Nahrung, Muskelkraft oder Wasserkraft. Der Grund dafür liegt vor allem in den natürlichen Voraussetzungen: Uri verfügt über keine wirtschaftlich nutzbaren Kohlevorkommen. Steinkohle und Braunkohle mussten deshalb vollständig von ausserhalb des Kantons und zum grössten Teil aus dem Ausland eingeführt werden. Dennoch gewann Kohle während der Industrialisierung zeitweise grosse Bedeutung – insbesondere für die Gotthardbahn, für das Gewerbe und für verschiedene industrielle Wärmeprozesse.

Kohle entstand vor Millionen von Jahren aus abgestorbenen Pflanzenresten, die unter Luftabschluss, Druck und Wärme umgewandelt wurden. In ihr ist somit ursprünglich Sonnenenergie gespeichert. Bei der Verbrennung wird diese chemische Energie hauptsächlich in Wärme umgewandelt. Diese Wärme kann unmittelbar zum Heizen und zur Bearbeitung von Materialien oder zur Erzeugung von Wasserdampf genutzt werden. Der Dampf treibt Kolben, Maschinen und Lokomotiven an. Kohle besitzt gegenüber gewöhnlichem Brennholz einen höheren Energiegehalt, lässt sich gut lagern und ermöglicht hohe, gleichmässige Temperaturen. Damit wurde sie zu einem der wichtigsten Energieträger der europäischen Industrialisierung.

Bevor mineralische Kohle nach Uri gelangte, verwendeten die Menschen vor allem Brennholz und Holzkohle. Holzkohle wurde durch langsames Verkohlen von Holz unter geringer Luftzufuhr hergestellt. Sie entwickelte grosse Hitze und relativ wenig Rauch und eignete sich daher besonders für Schmieden. Mit Steinkohle und dem daraus gewonnenen Koks stand später ein noch energiereicherer Brennstoff zur Verfügung. Koks entsteht, wenn Steinkohle unter Luftabschluss erhitzt und von flüchtigen Bestandteilen befreit wird. Er brennt sehr heiss und wurde vor allem für industrielle Feuerungen und die Metallverarbeitung eingesetzt.

In den Urner Haushalten verdrängte Kohle das einheimische Brennholz nie vollständig. In einem waldreichen Gebirgskanton lag Holz näher und war vielerorts einfacher erhältlich. Kohle musste dagegen über weite Strecken transportiert und gekauft werden. Sie wurde vor allem dort verwendet, wo eine hohe und anhaltende Wärme erforderlich war. Kohleöfen konnten Wohnräume über längere Zeit beheizen, ohne dass ständig Brennstoff nachgelegt werden musste. Auch in öffentlichen Gebäuden, Werkstätten und Betrieben kamen Kohlefeuerungen zum Einsatz. Häufig wurden Öfen so gebaut, dass sie sowohl mit Holz als auch mit Kohle betrieben werden konnten.

Für Schmieden und metallverarbeitende Werkstätten war Kohle besonders wertvoll. Schmiede benötigten hohe Temperaturen, um Eisen zum Glühen zu bringen und bearbeiten zu können. Mit Steinkohle oder Koks liess sich ein kräftiges und gut regulierbares Feuer erzeugen. Die Energiezufuhr wurde durch einen Blasebalg verstärkt, der dem Feuer zusätzlichen Sauerstoff zuführte. Auf diese Weise konnten Werkzeuge, Hufeisen, Beschläge, Nägel, Ketten und Bestandteile von Wagen, Maschinen und Bauwerken hergestellt oder repariert werden.

Ihre grösste Bedeutung erhielt die Kohle in Uri durch die Eisenbahn. Mit der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 begann auf der Nordrampe zwischen Erstfeld und Göschenen und durch den Gotthardtunnel ein intensiver Dampfbetrieb. In den Feuerbüchsen der Lokomotiven wurde Steinkohle verbrannt. Die entstehende Wärme brachte Wasser im Kessel zum Sieden. Der unter Druck stehende Dampf bewegte die Kolben, die über Stangen mit den Triebrädern verbunden waren. Damit wurde die chemische Energie der Kohle über Wärme und Dampfdruck in mechanische Bewegung umgewandelt.

Die steilen Rampen der Gotthardbahn stellten besonders hohe Anforderungen an die Lokomotiven. Schwere Züge benötigten von Erstfeld nach Göschenen häufig eine oder mehrere zusätzliche Vorspann- oder Schiebelokomotiven. Dadurch stieg auch der Kohleverbrauch beträchtlich. In Erstfeld entstand ein wichtiger Bahnbetriebsort mit Lokomotivdepot, Werkstätten, Drehscheiben sowie Anlagen zur Versorgung der Dampflokomotiven mit Kohle und Wasser. Der Eisenbahnbetrieb schuf zahlreiche Arbeitsplätze und veränderte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur des Ortes.
Zu den bekanntesten Gotthard-Dampflokomotiven gehörten die C 5/6, die wegen ihrer Grösse und Kraft den Übernamen «Elefant» trug. Sie wurde zwischen 1913 und 1917 gebaut und vor allem für schwere Züge auf der Gotthardstrecke eingesetzt. Ihre Feuerung musste laufend mit Kohle beschickt werden. Der Heizer schaufelte den Brennstoff vom Tender in die Feuerbüchse und sorgte dafür, dass Druck und Leistung erhalten blieben. Auf der anstrengenden Bergfahrt war dies eine körperlich äusserst schwere Arbeit.

Der Kohlebetrieb brachte erhebliche Nachteile mit sich. Dampflokomotiven verursachten Rauch, Russ, Funkenflug und Lärm. In Tunneln sammelten sich die Abgase und erschwerten dem Lokomotivpersonal und den Reisenden das Atmen. Besonders im rund 15 Kilometer langen Gotthardtunnel wurde die Rauchentwicklung zu einem grossen Problem. Die Lokomotiven benötigten ausserdem grosse Mengen Wasser, und nur ein verhältnismässig kleiner Teil der in der Kohle enthaltenen Energie wurde tatsächlich in Zugkraft umgesetzt. Ein erheblicher Anteil ging als Abwärme über Kessel, Rauchgase und Abdampf verloren.

Ein weiterer Nachteil war die Abhängigkeit vom Ausland. Die Schweiz besitzt kaum nutzbare Kohlevorkommen und musste den Brennstoff hauptsächlich aus Deutschland und Frankreich einführen. Während des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 wurden die Lieferungen knapp und teuer. Der Kohlemangel traf die Eisenbahn, die Industrie und die Wärmeversorgung empfindlich. Er machte deutlich, wie abhängig das Land von ausländischen Energieträgern geworden war. Gleichzeitig verfügte die Schweiz über reichlich Wasserkraft, die sich zur Erzeugung von Elektrizität nutzen liess.

Die Kohleknappheit beschleunigte deshalb die Elektrifizierung der Eisenbahnen. Für die Gotthardstrecke bauten die SBB unter anderem die Kraftwerke Ritom im Tessin und Amsteg in Uri. 1920 begann der elektrische Betrieb auf Teilen der Gotthardlinie; ab dem 28. Mai 1922 war die gesamte Strecke zwischen Luzern und Chiasso elektrisch befahrbar. Leistungsfähige Elektrolokomotiven lösten die Dampflokomotiven nach und nach ab. Zu ihnen gehörten die Be 4/6 und das berühmte «Krokodil» Ce 6/8. Die elektrische Traktion eignete sich für die starken Steigungen besonders gut und verminderte Rauch, Russ und Kohlebedarf.
Mit der Elektrifizierung vollzog sich in Uri ein besonders anschaulicher Energiewandel: An die Stelle der importierten Kohle trat weitgehend die einheimische Wasserkraft. Das Wasser der Gebirgsbäche wurde in Kraftwerken zur Stromerzeugung genutzt, und der elektrische Strom trieb die Lokomotiven an. Damit verlagerte sich die Energiegewinnung von den Feuerbüchsen der Dampflokomotiven in die Wasserkraftwerke. Die Eisenbahn wurde leistungsfähiger, sauberer und weniger abhängig von ausländischen Kohlelieferungen.

Im Gewerbe, in der Industrie und bei der Gebäudeheizung blieb Kohle noch einige Zeit in Gebrauch. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde sie jedoch zunehmend durch Heizöl, Elektrizität und später durch Gas, Holzschnitzel, Wärmepumpen und Fernwärme ersetzt. Heizöl war einfacher zu lagern und automatisch zuzuführen. Elektrische Heiz- und Produktionsanlagen verursachten am Einsatzort weder Asche noch Rauch. Die mühsame Anlieferung, Lagerung und Entsorgung der Kohlenasche entfiel.
Quellen / Literatur: www.urikon (mit Unterstützung von ChatGPT).

ENERGIETRÄGER-EREIGNISSE

Samstag, 19. Oktober 1918 -
Beschränkungen der Bürozeit wegen Kohlemangel
Der Regierungsrat beschränkt in der Vollziehungsverordnung des Bundesbeschlusses über Massnahmen zur Einschränkung des Verbrauches an Kohle und elektrischer Energie die Arbeitszeit für Schulen und für Buros aller Art auf die Zeit zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends. Im Kollegium Karl Boromäus und in den Fortbildungsschulen und hauswirtschaftlichen Kursen darf die Studiums- beziehungsweise Unterrichtszeit bis abends 8 Uhr ausgedehnt werden. Über Beginn und Dauer der Winterferien für die Volksschulen trifft der Erziehungsrat bindende Verfügungen.
Quellen / Literatur: Abl UR 1918, S. 903 ff.
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ENERGIE IN URI

Übersicht

ENERGIEQUELLEN

Erdwärme
Muskelkraft
Sonnenkraft
Wasserkraft
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ENERGIETRÄGER

Holz
Nahrung (Tierkraft)
Fliessgewässer (Wasserräder)
Kohle
Erdöl
Strom

ENERGISCHE BEREICHE

Privater Haushalt und Wohnbereich
Industrie und Gewerbe
Verkehr
Tourismus
Landwirtschaft
Bürolandschaft
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Biomassekraftwerk Altdorf
Kraftwerke, Übersicht
Kraftwerke, Einzeln
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 22.1.2019