URNER WIRTSCHAFT

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Der Energiewandel in Industrie und Gewerbe

Die Entwicklung von Industrie und Gewerbe im Kanton Uri ist eng mit dem Wandel der verfügbaren Energieformen verbunden. Über Jahrhunderte beruhte die gewerbliche Produktion hauptsächlich auf menschlicher Muskelkraft, tierischer Zugkraft, Brennholz und der mechanischen Kraft des Wassers. Handwerker wie Schmiede, Schlosser, Zimmerleute, Schreiner, Küfer, Schuhmacher oder Weber verrichteten den grössten Teil ihrer Arbeit von Hand. Wärmeintensive Tätigkeiten, etwa in Schmieden, Kalköfen, Ziegelbrennereien oder Bäckereien, waren auf Holz und Holzkohle angewiesen. Wegen des grossen Holzbedarfs standen Gewerbe, Haushalte und Bauwesen dabei teilweise in Konkurrenz um den wichtigsten einheimischen Brennstoff.

Für mechanische Arbeiten boten die zahlreichen Bäche und Flüsse Uris eine besonders wertvolle Energiequelle. Wasserräder trieben Getreidemühlen, Sägen, Stampfen, Schleifsteine und andere Einrichtungen an. Die Betriebe mussten deshalb unmittelbar an einem Gewässer oder an einem künstlich angelegten Gewerbekanal liegen. Die Leistung hing stark von Wasserführung, Gefälle, Vereisung und Hochwasser ab. Trotzdem ermöglichte die Wasserkraft eine deutliche Steigerung der Produktion: Ein einziges Wasserrad konnte während vieler Stunden jene Arbeit leisten, für die sonst zahlreiche Menschen oder Tiere notwendig gewesen wären.

Im 19. Jahrhundert setzte sich in Europa zunehmend die Dampfmaschine durch. In Uri blieb ihre Bedeutung jedoch geringer als in den grossen schweizerischen Industriegebieten. Der Kanton besass keine eigenen Kohlevorkommen, und der Transport des schweren Brennstoffs war vor dem Ausbau von Strasse und Eisenbahn kostspielig. Erst die Gotthardstrasse und besonders die 1882 eröffnete Gotthardbahn verbesserten die Versorgung mit Kohle, Eisen, Maschinen und industriellen Rohstoffen. Zugleich entstanden im Umfeld des Verkehrs neue Werkstätten, Bauunternehmen und Reparaturbetriebe. Die Eisenbahnwerkstätten in Erstfeld wurden zu einem wichtigen technischen Arbeitsplatz, an dem zunächst die Dampfkraft und später zunehmend die Elektrizität eine zentrale Rolle spielten.

Die entscheidende Wende brachte die Elektrifizierung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Das 1895 gegründete Elektrizitätswerk Altdorf und weitere örtliche Versorgungsunternehmen machten die Urner Wasserkraft in Form von Strom nutzbar. Nun musste eine Maschine nicht mehr unmittelbar neben einem Bach stehen. Elektromotoren konnten in Werkstätten, Fabriken und Gewerberäumen an beinahe jedem geeigneten Standort aufgestellt werden. Sie ersetzten Wasserräder, Transmissionen, Dampfmaschinen und einen erheblichen Teil der körperlichen Arbeit. Sägen, Bohrmaschinen, Drehbänke, Pressen, Pumpen, Aufzüge und später Schweissgeräte liessen sich einzeln antreiben und besser steuern. Auch die elektrische Beleuchtung verlängerte die möglichen Arbeitszeiten und erhöhte die Sicherheit in Werkhallen und Gewerberäumen. Die Geschichte der heutigen energieUri (ehemals EWA) reicht entsprechend bis zur Stromversorgung von 1895 zurück.

Die Elektrizität bildete zugleich eine wichtige Voraussetzung für die eigentliche Industrialisierung Uris. Neben der Sprengstoffindustrie in Isleten entwickelte sich vor allem die Draht-, Kabel- und Gummiindustrie in Altdorf zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. 1915 übernahm Adolf Dätwyler die Leitung der damals angeschlagenen Schweizerischen Draht- und Gummiwerke mit rund 40 Beschäftigten und baute sie zu einem der wichtigsten Urner Industriebetriebe aus. Die Herstellung von Drähten, Kabeln und Gummierzeugnissen erforderte elektrische Antriebe, Wärme, Druckluft und zahlreiche spezialisierte Maschinen. Damit wurde Energie nicht mehr nur als unmittelbare Kraft wahrgenommen, sondern als jederzeit verfügbare Voraussetzung einer arbeitsteiligen, kontinuierlichen Produktion.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahm der Energieverbrauch von Industrie und Gewerbe stark zu. Elektromotoren wurden leistungsfähiger, Produktionsabläufe automatisiert und Werkstätten mit immer mehr Maschinen ausgestattet. Gleichzeitig gewannen Erdölprodukte an Bedeutung. Heizöl ersetzte in vielen Betriebsgebäuden Holz und Kohle, während Benzin und Diesel Lastwagen, Baumaschinen, Bagger, Kompressoren, Traktoren und Lieferfahrzeuge antrieben. Besonders das Bau- und Transportgewerbe profitierte von dieser Entwicklung. Arbeiten, die zuvor viele Menschen, Pferde und lange Arbeitszeiten erfordert hatten, konnten nun mit motorisierten Maschinen in wesentlich kürzerer Zeit ausgeführt werden. Allerdings führte diese Mechanisierung auch zu einer stärkeren Abhängigkeit von eingeführten fossilen Energieträgern.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderten Elektronik und Digitalisierung die Betriebe erneut. Mechanische Steuerungen wurden durch elektronische Anlagen, Computer und programmierbare Maschinen ersetzt. Numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen, automatische Produktionslinien, Industrieroboter, digitale Messgeräte und computergestützte Planung erhöhten Präzision und Produktivität. Im Gewerbe kamen elektrische Handmaschinen, Kühlanlagen, Lüftungen und moderne Gebäudetechnik hinzu. Dadurch sank zwar der Energieaufwand für einzelne Arbeitsvorgänge, gleichzeitig nahm aber die Zahl der elektrischen Geräte stark zu. Der Energiewandel bestand somit nicht nur im Ersatz einer Energieform durch eine andere, sondern auch in der immer genaueren Steuerung und effizienteren Nutzung der eingesetzten Energie.

Heute stehen Industrie und Gewerbe in Uri vor einer weiteren grundlegenden Umstellung. Fossile Brennstoffe sollen schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt und Produktionsprozesse energieeffizienter gestaltet werden. Dazu gehören besser gedämmte Betriebsgebäude, Wärmepumpen, Holzheizungen, Photovoltaikanlagen, energiesparende Motoren, LED-Beleuchtung, Wärmerückgewinnung, elektrische Betriebsfahrzeuge und eine laufende Überwachung des Energieverbrauchs. Abwärme aus Maschinen, Kühlanlagen oder Produktionsprozessen kann zur Beheizung von Gebäuden oder zur Warmwasserbereitung genutzt werden. Bei grösseren Verbrauchern kommen Zielvereinbarungen und systematische Betriebsoptimierungen hinzu. Die Urner Gesamtenergiestrategie 2030 nennt eine höhere Energieeffizienz, den Ausbau erneuerbarer Energien und die Abkehr von Öl und Gas als zentrale Ziele.

Damit schliesst sich in gewisser Weise ein Kreis: Schon das alte Urner Gewerbe nutzte mit Holz und Wasserkraft vorwiegend einheimische, erneuerbare Energie. Während Industrialisierung und Motorisierung eine lange Phase zunehmender Abhängigkeit von Kohle und Erdöl einleiteten, richtet sich die heutige Entwicklung wieder verstärkt auf lokale Ressourcen aus. Im Unterschied zu früher stehen nun jedoch moderne Wasserkraftwerke, Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher, digitale Steuerungen und hocheffiziente Maschinen zur Verfügung. Der Energiewandel in der Urner Industrie und im Gewerbe führt damit von der unmittelbar genutzten Naturkraft über fossile Brennstoffe und Elektrifizierung hin zu einer möglichst klimaverträglichen, automatisierten und sparsamen Produktion.

Literatur: www.urikon.ch (unterstützt durch ChatGPT).

 
ENERGIE IN URI

Übersicht

ENERGIEQUELLEN

Erdwärme
Muskelkraft
Sonnenkraft
Wasserkraft
Windkraft

ENERGIETRÄGER

Holz
Nahrung (Tierkraft)
Fliessgewässer (Wasserräder)
Kohle
Erdöl
Strom

ENERGISCHE BEREICHE

Privater Haushalt und Wohnbereich
Industrie und Gewerbe
Verkehr
Tourismus
Landwirtschaft
Bürolandschaft
Kommunikation

STROMPRODUKTION

Energie vor der Industrialisierung
Entwicklung der Elektrizität
Grosskraftwerk Ursern
Grosskraftwerk Göscheneralp
Biomassekraftwerk Altdorf
Kraftwerke, Übersicht
Kraftwerke, Einzeln
Bäche mit Wasserfassungen
Firmen

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 16.08.2026