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Die wichtigsten Energieträger in Uri

Energieträger Holz

Holz gehört in Uri zu den ältesten und während Jahrhunderten wichtigsten Energieträgern. Lange bevor Kohle, Erdöl, Elektrizität oder Gas verfügbar waren, lieferte der Wald nahezu die gesamte Wärmeenergie für Haushalte und Gewerbe. Holz diente zum Heizen der Wohnräume, zum Kochen und Backen sowie zum Erwärmen von Wasser. Zugleich war es ein unentbehrlicher Bau- und Werkstoff. Häuser, Ställe, Brücken, Zäune, Möbel, Geräte, Fuhrwerke und viele Gegenstände des täglichen Lebens bestanden ganz oder teilweise aus Holz. Der Urner Wald war damit nicht nur eine natürliche Lebensgemeinschaft, sondern auch eine zentrale wirtschaftliche und energetische Grundlage der Bevölkerung.

In den ältesten Wohnhäusern brannte das Feuer zunächst auf einer offenen Feuerstelle. Sein Wirkungsgrad war gering, und ein beträchtlicher Teil der Wärme entwich mit dem Rauch durch Öffnungen im Dach. Später verbesserten gemauerte Herde und Öfen die Nutzung der im Holz gespeicherten Energie. Besonders der Kachelofen vermochte die beim Verbrennen entstehende Wärme aufzunehmen und über längere Zeit an den Raum abzugeben. In den Küchen setzte sich der geschlossene Holzherd durch, der das Feuer besser regelbar machte und zugleich zum Kochen, Backen und Erwärmen von Wasser diente. Als Brennmaterial verwendete man Scheiterholz, Äste, Reisig, Rinde und andere Holzreste. Gerade für ärmere Haushalte war das Sammeln von dürrem Fallholz von grosser Bedeutung.

Auch das Gewerbe war auf Holzenergie angewiesen. Bäcker, Schmiede, Hafner, Metzger, Wirte und andere Handwerker benötigten Feuerwärme für ihre Arbeit. In Kalköfen wurden bei hohen Temperaturen Kalksteine gebrannt, um Baukalk herzustellen. Für besonders heisse und möglichst gleichmässige Feuer verwendete man Holzkohle. Sie entstand in Meilern, in denen Holz unter beschränkter Luftzufuhr langsam verkohlt wurde. Die Holzkohle besass gegenüber gewöhnlichem Brennholz einen höheren Energiegehalt und entwickelte weniger Rauch. Sie eignete sich deshalb besonders für Schmiedefeuer und andere handwerkliche Prozesse.

Die intensive Nutzung führte jedoch immer wieder zu einer Überbeanspruchung der Wälder. Neben Brenn- und Bauholz benötigte man Holz für Lawinen- und Wildbachverbauungen, Bergwerke, Brücken, Strassen und später für die Eisenbahn. Zudem wurden Wälder gerodet, um Weiden und landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen. In einem Gebirgskanton wie Uri hatte die Verminderung des Waldes besonders schwerwiegende Folgen. Ohne schützende Bäume konnten Lawinen, Steinschlag, Rutschungen und Hochwasser leichter bis zu den Siedlungen und Verkehrswegen vordringen. Der Wald war daher nicht nur Holzlieferant, sondern auch ein natürlicher Schutzschild.

Ein bekanntes Beispiel ist der Altdorfer Bannwald. Seine Geschichte zeigt, dass die Urner Bevölkerung schon früh erkannte, wie eng Wald, Sicherheit und Lebensraum miteinander verbunden waren. Durch Verbote und Nutzungsvorschriften sollte verhindert werden, dass der Schutzwald oberhalb des Hauptorts übermässig geschlagen oder beweidet wurde (Bannbriefe). Ähnliche Regelungen bestanden auch in Andermatt und Flüelen. Die Nutzung des Holzes musste zunehmend mit der Erhaltung des Waldes in Einklang gebracht werden. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit eine geregelte Forstwirtschaft: Es sollte nicht mehr Holz entnommen werden, als wieder nachwachsen konnte, und besonders wichtige Schutzwälder mussten gezielt gepflegt und verjüngt werden.

Mit der Industrialisierung verlor Holz allmählich seine Stellung als beinahe alleiniger Wärmelieferant. Kohle, Heizöl und später Elektrizität boten neue Möglichkeiten. Vor allem im 20. Jahrhundert wurden viele Holzherde und Kachelöfen durch Ölfeuerungen, Elektroherde und Zentralheizungen ersetzt. Heizöl liess sich bequem lagern, automatisch zuführen und ohne tägliches Holzeintragen nutzen. Die körperliche Arbeit des Fällens, Spaltens, Trocknens und Tragens fiel weitgehend weg. Holz wurde zeitweise als altmodischer Brennstoff betrachtet und spielte bei der Energieversorgung nur noch eine untergeordnete Rolle. In ländlichen Haushalten und Berggebieten blieb der Holzofen jedoch häufig als Haupt- oder Zusatzheizung erhalten.

Seit den Erdölkrisen der 1970er-Jahre und verstärkt durch die Klimadiskussion erlebt die Holzenergie eine neue Wertschätzung. Im Unterschied zu Erdöl und Erdgas ist Holz ein regional nachwachsender Rohstoff. Wird dem Wald langfristig nicht mehr Holz entnommen, als nachwächst, bleibt der natürliche Kohlenstoffkreislauf grundsätzlich erhalten. Dennoch ist auch Holzenergie nicht völlig emissionsfrei: Bei der Verbrennung entstehen Kohlendioxid, Feinstaub und weitere Luftschadstoffe. Entscheidend sind deshalb trockenes und sauberes Brennmaterial, moderne Feuerungsanlagen, eine fachgerechte Bedienung sowie wirksame Filter bei grösseren Heizwerken.

An die Stelle des einfachen Holzofens sind heute technisch ausgereifte Stückholz-, Schnitzel- und Pelletheizungen getreten. Automatische Anlagen führen den Brennstoff selbstständig zu und regeln die Verbrennung nach dem Wärmebedarf. Besonders zweckmässig sind grössere Holzschnitzelheizungen, die über ein Leitungsnetz mehrere Gebäude mit Heizwärme und Warmwasser versorgen. Ein frühes Urner Beispiel ist der 1996 eröffnete Wärmeverbund Brickermatte in Altdorf. Er versorgt unter anderem kantonale Gebäude, die Kantonale Mittelschule und zahlreiche Wohnungen mit Wärme aus einheimischen Holzschnitzeln. Inzwischen bestehen weitere Anlagen und Wärmeverbünde. Das Heizwerk Uri, das 2008 in Betrieb genommen wurde, verfügt beispielsweise über einen Holzkessel mit einer Leistung von 7 Megawatt und liefert jährlich mehrere Millionen Kilowattstunden Wärme und Prozessdampf.

Der Urner Wald umfasst heute rund 21’870 Hektaren und damit etwa einen Fünftel der Kantonsfläche. Mehr als die Hälfte besitzt eine vorrangige Schutzfunktion. Die jährliche Holznutzung liegt deutlich unter dem geschätzten Zuwachs, wobei die steilen Hänge, die beschränkte Erschliessung und die aufwendige Holzbringung die Bewirtschaftung verteuern. Ein erheblicher Teil des geschlagenen Holzes fällt bei der notwendigen Pflege der Schutzwälder an. Holz, das wegen seiner Form oder Qualität nicht als Bau- oder Werkholz geeignet ist, kann als Energieholz genutzt werden. Damit erhält auch minderwertiges Stammholz, Astmaterial oder Restholz einen wirtschaftlichen Wert. Nach neueren Erhebungen wurden 2023 im Kanton Uri rund 25’000 Kubikmeter Holz energetisch verwertet; der grösste Teil des direkt beschafften Waldholzes stammte aus Uri.




Literatur: https://lignum-zentral.ch; www.oekoenergieag.ch; www.ur.ch; www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT).

ENERGIETRÄGER-EREIGNISSE

Samstag, 12. Oktober 2013 - Göschenen
Holzheizwerk erstmals befeuert
Erstmals wurde im Holzheizwerk in Göschenen eingefeuert. Dem Andermatter Gemeindepräsident Roger Nager und Ständerat Isidor Baumann war es vorenthalten, erstmals richtig einzufeuern. Das neue Fernwärmenetz für Andermatt hat eine weitere wichtige Hürde genommen. Rechtzeitig zum ersten Schneefall wurde im Holzheizwerk in Göschenen erstmals eingefeuert. Der Gemeindepräsident von Andermatt, Roger Nager, sowie Ständerat Isidor Baumann war es vorenthalten, erstmals einzuheizen. Das Holzheizwerk in Göschenen, das in den vergangenen Monaten im Gebiet «Eidgenössisch» erstellt wurde, ist der Kern des neuen Wärmeverbundes für Andermatt. Das in Göschenen mithilfe des Holzheizwerks erwärmte Wasser wird durch die Schöllenen hinauf nach Andermatt geliefert. Auf der Höhe Urnerloch wird das Wasser durch die Abwärme einer Militäranlage erneut erhitzt, bevor es zu den Abnehmern in Andermatt gelangt. Unter anderem wird auch das Luxushotel «The Chedi Andermatt», das am 6. Dezember Eröffnung feiert, durch den Wärmeverbund mit Wärme versorgt.
Quellen / Literatur: UW 81, 16.10.2013, S. 9.
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 22.1.2019