URNER WIRTSCHAFT

Übersicht Landwirtschaft Forstwirtschaft Fischerei Nahrungsmittel Getränke Baugewerbe Holzwirtschaft Industrie Metallbau Maschinenbau Energie Autogewerbe Verkehr Detailhandel Gastgewerbe Gesundheit Druckgewerbe Informatik Banken Versicherungen Dienstleistung Märkte Sonstiges

URNER FIRMEN

Bestehende Firmen Ehemalige Firmen

Die wichtigsten Energieträger in Uri

Energieträger Erdöl

Erdöl prägte die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Uris im 20. Jahrhundert stärker als beinahe jeder andere importierte Energieträger. Es ermöglichte die Motorisierung des Verkehrs, erleichterte die Arbeit in Landwirtschaft, Gewerbe und Bauwirtschaft und verdrängte das Holz in vielen Gebäuden als wichtigster Brennstoff. Gleichzeitig schuf es eine grosse Abhängigkeit vom Ausland und belastete Luft, Klima, Böden und Gewässer. Im Gegensatz zur Wasserkraft und zum Holz besitzt Uri keine eigenen Erdölvorkommen. Sämtliche Erdölprodukte müssen daher von ausserhalb des Kantons eingeführt werden.

Erdöl entstand während Millionen von Jahren aus abgestorbenen Kleinstlebewesen und pflanzlichem Material, die sich am Grund früherer Meere ablagerten. Unter Luftabschluss, Druck und Wärme wurden diese organischen Stoffe allmählich in Erdöl und Erdgas umgewandelt. Wie bei Kohle ist die darin gespeicherte chemische Energie letztlich auf die Sonne zurückzuführen. Da die Entstehung jedoch geologische Zeiträume beansprucht, ist Erdöl kein erneuerbarer Energieträger. Die heute genutzten Vorräte lassen sich innerhalb menschlicher Zeitmassstäbe nicht ersetzen.

Rohöl kann nicht unmittelbar in einem Motor oder einer Heizung verwendet werden. Es wird in Raffinerien zerlegt und verarbeitet. Dabei entstehen unterschiedliche Produkte wie Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin, Flüssiggas, Schmierstoffe und Bitumen. Auch zahlreiche Kunststoffe, Farben, Lacke und chemische Erzeugnisse werden aus Erdöl hergestellt. Für die Urner Energiegeschichte waren vor allem Benzin und Diesel als Treibstoffe sowie Heizöl zur Wärmeerzeugung von Bedeutung.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Verkehr in Uri fast ausschliesslich durch menschliche und tierische Muskelkraft bewältigt. Säumer und Maultiere trugen Waren über den Gotthard, Pferde zogen Fuhrwerke und Postkutschen. Mit der Gotthardbahn trat 1882 die Kohle als wichtiger Verkehrsträger hinzu. Erdölprodukte wurden zunächst vor allem für Beleuchtung und Schmierung verwendet. Petroleum- und später Benzinlampen lieferten Licht, während Schmieröle den Betrieb von Wagen, Maschinen und Eisenbahnanlagen erleichterten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschienen die ersten Automobile und Motorräder auf den Urner Strassen. Anfänglich waren sie seltene und teure Fahrzeuge. Die Strassen waren noch weitgehend auf Fussgänger, Tiere, Fuhrwerke und Kutschen ausgerichtet. Benzinmotoren ermöglichten jedoch höhere Geschwindigkeiten und grössere Reichweiten. Lastwagen konnten mehr Güter transportieren als Pferdefuhrwerke, und Autobusse erschlossen Ortschaften und Seitentäler ohne Eisenbahnanschluss. Damit begann die schrittweise Ablösung der Tierkraft durch den Verbrennungsmotor.

Im Benzin- oder Dieselmotor wird der Treibstoff mit Luft vermischt und verbrannt. Die entstehenden heissen Gase bewegen Kolben, die ihre Kraft über Kurbelwelle und Getriebe an die Räder übertragen. Die chemische Energie des Erdöls wird somit zuerst in Wärme und anschliessend in mechanische Bewegung umgewandelt. Der Verbrennungsmotor besitzt gegenüber einem Arbeitstier eine hohe Leistung und benötigt keine Futterflächen. Der flüssige Treibstoff weist eine grosse Energiedichte auf, lässt sich in Tanks mitführen und innerhalb weniger Minuten nachfüllen. Diese Eigenschaften machten Erdöl für den Verkehr besonders geeignet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschleunigte sich die Motorisierung stark. Immer mehr Urner Familien besassen ein eigenes Auto. Gleichzeitig ersetzten Lastwagen die Pferdefuhrwerke, Autobusse übernahmen einen wachsenden Teil des Personenverkehrs, und motorisierte Nutzfahrzeuge kamen bei Post, Feuerwehr, Polizei, Militär und Strassenunterhalt zum Einsatz. Tankstellen, Garagen, Reparaturwerkstätten und Autohandelsbetriebe wurden zu sichtbaren Bestandteilen der Ortschaften. Die Lebensweise veränderte sich: Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitziele konnten schneller und über grössere Entfernungen erreicht werden.

Besonders eng ist die Geschichte des Erdöls in Uri mit dem Gotthardverkehr verbunden. Die alte Passstrasse war bereits seit 1830 durchgehend befahrbar, doch erst der motorisierte Verkehr machte den Gotthard zu einer bedeutenden europäischen Strassenachse. Lastwagen transportierten Güter zwischen Nord- und Südeuropa, Reisebusse und Personenwagen überquerten den Pass. Im Winter war die Passstrasse allerdings geschlossen, weshalb Automobile zeitweise mit der Eisenbahn durch den Gotthardtunnel befördert wurden.

Mit dem Bau der Autobahn A2 und des Gotthard-Strassentunnels erreichte der erdölbetriebene Verkehr eine neue Dimension. Der 16,9 Kilometer lange Tunnel zwischen Göschenen und Airolo wurde am 5. September 1980 eröffnet. Gleichzeitig ging in Erstfeld die Gotthard-Raststätte mit Tankstelle, Restaurant und weiteren Dienstleistungen in Betrieb. Damit entstand eine ganzjährig befahrbare Strassenverbindung durch das Gotthardmassiv. Der Tunnel entwickelte sich zu einem der wichtigsten europäischen Alpenübergänge für Personenwagen und Lastwagen.

Für Uri brachte der Ausbau der Strassenverbindung wirtschaftliche Vorteile. Bau, Betrieb und Unterhalt von Autobahn und Tunnel schufen Arbeitsplätze. Tankstellen, Raststätten, Garagen, Transportunternehmen und das Gastgewerbe profitierten vom Verkehr. Gleichzeitig wurde der Kanton immer stärker mit dessen negativen Folgen konfrontiert. Lärm, Abgase, Staus und der grosse Flächenbedarf der Verkehrsanlagen belasteten insbesondere die Gemeinden entlang der Reuss. Der Kanton wurde vom Durchgangsverkehr stärker betroffen, als es seiner Bevölkerungszahl entsprechen würde.

Auch in der Landwirtschaft bewirkte das Erdöl einen grundlegenden Energiewandel. Benzin- und dieselbetriebene Motormäher, Einachser, Traktoren und Transportfahrzeuge ersetzten die Arbeit von Menschen und Zugtieren. In den steilen Urner Hanglagen kamen besonders leichte und wendige Maschinen zum Einsatz. Später erleichterten Geländetransporter, Seilwinden, Heugebläse, Motorsägen und andere Geräte die Arbeit. Ein einzelner Landwirt konnte nun in kurzer Zeit Leistungen erbringen, für die früher mehrere Menschen und Tiere benötigt wurden. Die Mechanisierung verringerte die körperliche Belastung und erhöhte die Produktivität, machte die Landwirtschaft aber zugleich von Treibstoffen und Maschinen abhängig.

Im Baugewerbe ermöglichte Diesel den Einsatz von Baggern, Lastwagen, Kompressoren, Kränen und Baumaschinen. Dies war für Uri besonders wichtig, da im 20. Jahrhundert zahlreiche Grossprojekte verwirklicht wurden: Kraftwerke, Staumauern, Strassen, Lawinenverbauungen, Eisenbahn- und Strassentunnel sowie militärische Anlagen. Der Dieselmotor eignete sich für schwere Maschinen, weil er kraftvoll, robust und vergleichsweise sparsam war. Auch bei der Waldarbeit verdrängten Motorsäge, Forstfahrzeug und Seilkran die Handarbeit mit Axt, Säge und Zugtier.

Eine ebenso grosse Veränderung brachte das Heizöl. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden Urner Wohnhäuser überwiegend mit Holz beheizt. Kohle spielte ergänzend eine Rolle. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreiteten sich Ölheizungen rasch. Heizöl war energiereich, liess sich in einem Tank im oder beim Gebäude lagern und wurde automatisch zum Brenner geführt. Eine Zentralheizung konnte alle Räume eines Hauses mit Wärme versorgen und zugleich warmes Wasser bereitstellen. Das tägliche Holzhacken, Tragen, Einfeuern und Entfernen der Asche entfiel.

Die Ölheizung galt zunächst als sauber, modern und bequem. Im Vergleich zum Holzofen entstanden im Wohnraum weder Rauch noch Holzabfälle. Die eigentlichen Abgase wurden durch den Kamin ins Freie geleitet. Viele ältere Gebäude wurden nachträglich mit Ölheizungen und Radiatoren ausgestattet, während Neubauten häufig von Anfang an eine ölbeheizte Zentralheizung erhielten. Dadurch stieg der Wohnkomfort erheblich. Gleichzeitig nahm jedoch der Verbrauch eines vollständig importierten Rohstoffs zu.

Die Erdölkrisen von 1973 und 1979 machten diese Abhängigkeit deutlich. Politische Konflikte und Lieferbeschränkungen führten zu starken Preissteigerungen. In der Schweiz wurden 1973 erstmals autofreie Sonntage angeordnet. Plötzlich wurde sichtbar, wie sehr Verkehr, Wirtschaft und Haushalte vom Erdöl abhängig geworden waren. Die Krisen verstärkten das Interesse an Energieeinsparungen, besserer Wärmedämmung, Wasserkraft, Holzenergie und anderen einheimischen Energiequellen. Dennoch blieb Erdöl noch während Jahrzehnten der wichtigste Treibstoff und ein bedeutender Brennstoff.

Die Lagerung und der Transport von Erdölprodukten sind mit besonderen Risiken verbunden. Benzin, Diesel und Heizöl können bei Unfällen oder undichten Tanks in den Boden und ins Grundwasser gelangen. In Uri ist dies wegen der engen Täler, der Fliessgewässer und der wichtigen Grundwasservorkommen besonders problematisch. Tankanlagen unterliegen deshalb strengen Vorschriften. Grössere Anlagen müssen bewilligt, kontrolliert und gegen Leckagen gesichert werden. Bereits geringe Mengen Öl können grosse Wassermengen verunreinigen.

Hinzu kommen die Belastungen durch die Verbrennung. Dabei entstehen Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und weitere Schadstoffe. Moderne Motoren und Heizungen stossen zwar deutlich weniger Luftschadstoffe aus als ältere Anlagen, doch das bei der Verbrennung frei werdende Kohlendioxid lässt sich nicht durch Filter beseitigen. Es verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und trägt zum Klimawandel bei. Gerade ein Alpenkanton wie Uri ist von steigenden Temperaturen, Gletscherschwund, auftauendem Permafrost und Veränderungen bei Naturgefahren besonders betroffen.

Heute befindet sich Uri in einer schrittweisen Abkehr vom Erdöl. Alte Ölheizungen werden durch Wärmepumpen, Holzheizungen, Fernwärme oder andere erneuerbare Systeme ersetzt. Ein Beispiel ist das Berufs- und Weiterbildungszentrum Uri in Altdorf: Durch den Anschluss an das Fernwärmenetz entfiel ein jährlicher Verbrauch von rund 40’000 Litern Heizöl. Nach Angaben des Kantons deckten bereits 2019 rund 87 Prozent der kantonalen Gebäude ihren Wärmebedarf mit erneuerbaren Energien. Das Urner Förderprogramm unterstützt auch 2026 weiterhin den Ersatz von Ölheizungen und energetische Gebäudesanierungen.

Im Verkehr vollzieht sich der Wandel langsamer. Effizientere Fahrzeuge, öffentlicher Verkehr, Bahntransporte, Elektroautos und der Fuss- und Veloverkehr sollen den Verbrauch von Benzin und Diesel vermindern. Für Uri ist dabei der Transitverkehr eine besondere Herausforderung. Gemäss dem kantonalen Klimaschutzkonzept verursacht der Verkehr den grössten Anteil der direkten Treibhausgasemissionen im Kanton. Darin sind sowohl der lokale Verkehr als auch der umfangreiche Durchgangsverkehr auf der Gotthardachse enthalten.

Das Verhältnis Uris zum Erdöl ist daher zwiespältig. Der Energieträger brachte Mobilität, technischen Fortschritt, wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Wohnkomfort. Er erleichterte die Arbeit in Landwirtschaft, Gewerbe, Forstwirtschaft und Bauwesen und machte den Gotthard zu einer ganzjährig befahrbaren europäischen Strassenverbindung. Zugleich führte er zu einer starken Auslandabhängigkeit und verursachte erhebliche Umwelt- und Klimabelastungen. Die gegenwärtige Entwicklung zielt deshalb darauf, das Erdöl schrittweise durch einheimische Wasserkraft, Holzenergie, Sonnenenergie, Umweltwärme und erneuerbar erzeugte Elektrizität zu ersetzen. Damit steht Uri erneut vor einem bedeutenden Energiewandel – von der erdölgeprägten Motorisierung des 20. Jahrhunderts hin zu einer möglichst klimaverträglichen Energieversorgung.

Literatur: https://www.ur.ch; https://klima.ur.ch; www.urikon.ch (mit Unterstützung von ChatGPT).

ENERGIETRÄGER-EREIGNISSE

 
ENERGIE IN URI

Übersicht

ENERGIEQUELLEN

Erdwärme
Muskelkraft
Sonnenkraft
Wasserkraft
Windkraft

ENERGIETRÄGER

Holz
Nahrung (Tierkraft)
Fliessgewässer (Wasserräder)
Kohle
Erdöl
Strom

ENERGISCHE BEREICHE

Privater Haushalt und Wohnbereich
Industrie und Gewerbe
Verkehr
Tourismus
Landwirtschaft
Bürolandschaft
Kommunikation

STROMPRODUKTION

Energie vor der Industrialisierung
Entwicklung der Elektrizität
Grosskraftwerk Ursern
Grosskraftwerk Göscheneralp
Biomassekraftwerk Altdorf
Kraftwerke, Übersicht
Kraftwerke, Einzeln
Bäche mit Wasserfassungen
Firmen

 

Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 22.1.2019