URNER WIRTSCHAFT

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Die wichtigsten Energieträger in Uri

Energieträger Nahrung (Tierkraft)

Nahrung ist ein grundlegender Energieträger für Menschen und Tiere. Die in Pflanzen gespeicherte chemische Energie stammt ursprünglich von der Sonne: Gräser, Kräuter und andere Pflanzen nehmen Sonnenlicht auf und wandeln es durch Fotosynthese in energiereiche Stoffe um. Werden diese Pflanzen von einem Tier gefressen, setzt dessen Organismus die gespeicherte Energie in Körperwärme, Bewegung und Muskelarbeit um. In einer vorindustriellen Gesellschaft bildete diese biologische Energie neben der menschlichen Muskelkraft, dem Brennholz, dem Wasser und dem Wind eine der wichtigsten verfügbaren Energieformen. In Uri waren vor allem Rinder, Ochsen, Pferde und Maultiere von Bedeutung.

Die natürlichen Verhältnisse Uris prägten die Nutzung der Tierkraft. Grosse Teile des Urnerlandes bestehen aus steilen Berghängen, engen Tälern und hoch gelegenen Alpweiden. Für einen ausgedehnten Ackerbau eignete sich das Land nur beschränkt; dagegen boten Talwiesen, Bergmatten und Alpen gute Voraussetzungen für die Viehwirtschaft. Gras und Heu, die der Mensch nicht unmittelbar verwerten kann, wurden von Rindern, Schafen und Ziegen in Milch, Fleisch, Wolle, Häute und Dünger umgewandelt. Einige Tiere dienten zusätzlich als lebende Kraftmaschinen. Ihre Nahrung lieferte ihnen die Energie, um Lasten zu tragen, Wagen zu ziehen, den Boden zu bearbeiten oder Maschinen anzutreiben.

In der traditionellen Landwirtschaft waren besonders Ochsen wichtige Zugtiere. Ein Ochse ist ein kastriertes männliches Rind, das sich durch Ruhe, Kraft und Ausdauer auszeichnet. Ochsen konnten vor Pflug, Egge, Schlitten oder Wagen gespannt werden. In Uri wurden sie zum Transport von Heu, Holz, Mist, Steinen und anderen schweren Gütern eingesetzt. Auf steilen oder schlecht ausgebauten Wegen waren Schlitten häufig besser geeignet als Wagen. Im Winter erleichterte der Schnee den Transport schwerer Lasten, während im Sommer einfache Holzschlitten auch über Gras und Erde gezogen wurden. Die Tiere ersetzten dabei eine grosse Zahl menschlicher Arbeitskräfte.

Auch Kühe konnten gelegentlich für leichtere Zugarbeiten eingesetzt werden. Für einen kleineren Bergbauernbetrieb war es oft wirtschaftlicher, eine Kuh sowohl zur Milchgewinnung als auch als Arbeitstier zu halten, statt einen ausschliesslich für die Arbeit bestimmten Ochsen oder ein Pferd zu füttern. Allerdings verringerte schwere Arbeit die Milchleistung. Deshalb mussten die Bauern sorgfältig abwägen, welches Tier sie für welche Aufgabe einsetzten. Schafe und Ziegen lieferten zwar wertvolle Nahrungsmittel und Rohstoffe, spielten als Arbeitstiere jedoch kaum eine Rolle.

Die Leistung der Tiere hing unmittelbar von ihrer Ernährung ab. Während der Vegetationszeit weideten Rinder und Pferde auf den Wiesen und Alpen. Für den Winter musste genügend Futter bereitgestellt werden. Das Mähen, Trocknen, Einbringen und Lagern des Heus gehörte deshalb zu den wichtigsten Arbeiten des bäuerlichen Jahres. Ergänzend verfütterte man Emd, Stroh, Getreide, Rüben oder andere pflanzliche Erzeugnisse. Ein Teil der menschlichen Arbeit diente somit allein dazu, die tierischen Kraftquellen über den Winter zu erhalten. Anders als eine Maschine benötigte ein Zugtier auch dann Nahrung, Pflege und Unterkunft, wenn es vorübergehend keine Arbeit verrichtete.

Von besonderer Bedeutung war die Tierkraft im Urner Transportwesen. Nach der Erschliessung der Schöllenen und dem Ausbau des Gotthardwegs entwickelte sich der Verkehr über den Pass seit dem Mittelalter zu einem wichtigen Erwerbszweig. Solange der Weg schmal, steil und nicht durchgehend befahrbar war, mussten die Waren auf dem Rücken von Saumtieren transportiert werden. Pferde und vor allem Maultiere trugen Wein, Getreide, Käse, Salz, Reis, Textilien und andere Handelsgüter über den Gotthard. Die Last wurde mit einem Packsattel gleichmässig auf beiden Seiten des Tieres befestigt. Mehrere Tiere bildeten eine Saumkolonne, die von einem Säumer geführt wurde.

Das Maultier, in Uri als «Müüli» bezeichnet, eignete sich besonders gut für diese Aufgabe. Als Kreuzung zwischen Pferdestute und Eselhengst verband es die Kraft des Pferdes mit der Trittsicherheit, Ausdauer und Genügsamkeit des Esels. Es bewährte sich auf steilen, steinigen und engen Wegen, auf denen ein Wagen nicht verkehren konnte. Seine Muskelkraft wurde allein durch Nahrung bereitgestellt, hauptsächlich durch Gras, Heu und ergänzendes Kraftfutter. Bis zur Fahrbarmachung der Gotthardstrasse im Jahr 1830 wurden in Uri zahlreiche Maultiere für den Passverkehr gehalten. In abgelegenen Seitentälern wie dem Maderanertal und dem Meiental blieben sie teilweise bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts im Einsatz.

Mit der Eröffnung der Fahrstrasse über den Gotthard veränderte sich die Nutzung der Tierkraft. Nun konnten Pferde Postkutschen, Reisewagen und grössere Lastfuhrwerke ziehen. Entlang der Gotthardroute entstanden Stallungen, Futterlager und Stationen, an denen erschöpfte Tiere gewechselt wurden. Der Betrieb einer Postkutsche erforderte nicht nur Kutscher und Wagen, sondern eine umfangreiche energetische Infrastruktur: Wiesen lieferten das Gras, Bauern gewannen das Heu, Fuhrleute transportierten das Futter, und Stallknechte versorgten die Pferde. Die in der Nahrung gespeicherte Energie wurde schliesslich in die Bewegung der Kutsche umgesetzt.

Dabei war die Tierkraft im Vergleich zur menschlichen Muskelkraft leistungsfähiger, aber ebenfalls begrenzt. Tiere ermüdeten, benötigten Pausen und mussten regelmässig gefüttert und getränkt werden. Steigungen, schlechte Wege, grosse Lasten, Hitze, Kälte und Schnee verminderten ihre Leistung. Auf den steilen Urner Verkehrswegen mussten schwere Fuhrwerke häufig mit zusätzlichen Pferden bespannt werden. Bei der Talfahrt war dagegen eine sichere Bremsung besonders wichtig. Krankheiten, Verletzungen und Tierverluste konnten für Säumer, Fuhrhalter und Bauern schwerwiegende wirtschaftliche Folgen haben.

Tiere lieferten nicht nur unmittelbar mechanische Energie. Ihr Mist war für die Landwirtschaft ein wichtiger Dünger. Er führte dem Boden Nährstoffe zurück und verbesserte damit das Wachstum der Futterpflanzen. So entstand ein weitgehend geschlossener Kreislauf: Sonnenenergie liess Gras wachsen, das Gras ernährte die Tiere, die Tiere leisteten Arbeit und düngten mit ihren Ausscheidungen wiederum die Wiesen. Die verfügbare Tierkraft war daher eng an die landwirtschaftlich nutzbare Fläche und deren Ertrag gebunden. Eine Vergrösserung des Tierbestands setzte voraus, dass auch genügend Futter gewonnen oder zugekauft werden konnte.

Der Übergang von der Tierkraft zu den fossilen und elektrischen Antrieben vollzog sich schrittweise. Mit der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahr 1882 verlor der von Pferden und Maultieren bewältigte Fernverkehr stark an Bedeutung. Die Eisenbahn konnte wesentlich grössere Lasten schneller und unabhängig von der Futterversorgung der Zugtiere transportieren. Auf den lokalen Strassen blieben Pferdefuhrwerke jedoch noch jahrzehntelang gebräuchlich. Erst Lastwagen, Automobile und landwirtschaftliche Motorfahrzeuge verdrängten sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts weitgehend.

In der Landwirtschaft ersetzten Motormäher, Einachser, Traktoren, Transporter und Seilwinden die tierische Muskelkraft. Benzin und Diesel enthielten auf kleinem Raum wesentlich mehr nutzbare Energie als das Futter eines Arbeitstiers. Maschinen konnten grössere Lasten bewegen, arbeiteten schneller und benötigten keine täglichen Ruhezeiten. In den steilen Urner Berggebieten setzte sich die Mechanisierung allerdings später und teilweise anders durch als im Flachland. Kleine, wendige Einachsmäher, Transporter und Seilbahnen eigneten sich besser für die Hanglagen als schwere Traktoren.

Mit der Motorisierung verschwand ein jahrhundertealtes Energiesystem. Wiesen und Äcker mussten nun nicht mehr in gleichem Umfang Futter für Zugtiere liefern. Gleichzeitig wurde die Landwirtschaft von importierten fossilen Energieträgern, Maschinen und Ersatzteilen abhängig. Während ein Arbeitstier seine Energie aus regional erzeugtem Gras und Heu bezog, stammt der Treibstoff der Maschinen überwiegend aus weit entfernten Rohstoffquellen. Die mechanische Leistung stieg stark an, doch der lokale Kreislauf zwischen Boden, Futter, Tier und Arbeit wurde unterbrochen.

Heute besitzt die Tierkraft in Uri wirtschaftlich nur noch geringe Bedeutung. Pferde und Maultiere werden vorwiegend für Freizeit, Sport, Brauchtum oder touristische Angebote gehalten. In schwer zugänglichen Gebieten können Tragtiere aber weiterhin besondere Aufgaben übernehmen, etwa beim Transport von Material zu Alpen, Berghütten oder Baustellen, die nicht mit Fahrzeugen erreichbar sind. Die Viehwirtschaft bleibt für Uri bedeutend, doch Rinder werden heute hauptsächlich zur Erzeugung von Milch und Fleisch gehalten und nicht mehr als Zugtiere.

Der Energieträger Nahrung zeigt besonders anschaulich, dass Energie nicht erst mit Elektrizität, Erdöl oder Motoren in den Alltag kam. Über Jahrhunderte wurde die Sonnenenergie auf den Urner Wiesen in Gras und Heu gespeichert, von den Tieren aufgenommen und durch deren Muskeln in Arbeit umgewandelt. Ochsen zogen Holz und Heu, Kühe halfen auf kleinen Höfen, Maultiere trugen Waren über den Gotthard und Pferde bewegten Wagen und Postkutschen. Tierkraft war erneuerbar und überwiegend regional verfügbar, erforderte aber grosse Futterflächen, viel Pflege und einen sorgfältigen Umgang mit den Tieren. Sie bildete damit eine unverzichtbare Grundlage der Urner Landwirtschaft und des Verkehrs, bis sie im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend durch Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren und elektrische Antriebe ersetzt wurde.

Literatur: www.urikon.ch (unterstützt durch ChatGPT).

ENERGIETRÄGER-EREIGNISSE

 
ENERGIE IN URI

Übersicht

ENERGIEQUELLEN

Erdwärme
Muskelkraft
Sonnenkraft
Wasserkraft
Windkraft

ENERGIETRÄGER

Holz
Nahrung (Tierkraft)
Fliessgewässer (Wasserräder)
Kohle
Erdöl
Strom

ENERGISCHE BEREICHE

Privater Haushalt und Wohnbereich
Industrie und Gewerbe
Verkehr
Tourismus
Landwirtschaft
Bürolandschaft
Kommunikation

STROMPRODUKTION

Energie vor der Industrialisierung
Entwicklung der Elektrizität
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Grosskraftwerk Göscheneralp
Biomassekraftwerk Altdorf
Kraftwerke, Übersicht
Kraftwerke, Einzeln
Bäche mit Wasserfassungen
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Texte und Angaben: Quellenverweise und Rolf Gisler-Jauch / Angaben ohne Gewähr / Impressum / letzte Aktualisierung: 22.1.2019